Konzertberichte

Wacken Open Air 201803.09.2018

Wacken Open Air 2018
02. - 04.08.2018
Holy Ground
Wacken


verfasst von Sebastian


Faster : Harder : Louder -  das alljährlich im August wiederkehrende Motto welches mittlerweile nicht nur Metalfans ein Begriff sein könnte. Wie man es schon erahnen kann geht es um das Wacken Open Air nahe Itzehoe. Das Metalspektakel fand dieses Jahr zum sage und schreibe 29. mal statt. Zwar konnte das Festival nicht mit einem nahezu sofortigen Ausverkauf punkten, dennoch sorgte ein hochkarätiges Lineup kurz vor Schluss doch noch für den Schriftzug SOLD OUT auf den Vorverkaufsseiten. Ich persönlich packte also auch wieder meine sieben Sachen und machte mich auf zu meinem 15 jährigen Jubiläum auf dem Holy Ground. Große Banner auf denen geschrieben steht "Freu dich, du bist in Wacken" sorgen für ein kurzes Glücksgefühl nach der langen Fahrt.

Genau wie die Bezeichnung X-Mas Tickets verschwimmt auch das angegebene Datum des Festivals immer mehr und mehr. Genannt wird wie jedes Jahr der Donnerstag bis Samstag. Und seit eh und je ist für mich der Anreisetag der Mittwoch. Da allerdings immer mehr Acts bereits am Mittwoch auf der ein oder anderen kleinen Bühne stehen reisen immer mehr Fans schon am Montag oder Dienstag an. Genau wie meine Truppe die so bereits ein schönes Camp aufbauen konnte welches ich dann als Nachzügler finden musste. Zuvor jedoch sorgte ein ungewohntes Bild für einen kleinen Anreisestau auf den Wegen des Festivals. Die Autos mussten stoppen da die Flächen von Treckern bewässert wurden. Richtig gelesen - der Boden in dem sonst die Gummistiefel gerne mal stecken blieben war so trocken das Bewässerungsfahrzeuge eingesetzt wurden.

Motor aus und schon gab es die allgemeine Irritation der Stewards warum meine Karte schon entwertet war, ich schon ein Bändchen trug aber jetzt erst aufs Gelände fahre. Ein paar Funksprüche später die gute Nachricht: Ich durfte bleiben!

Während ich per GPS Koordinaten und der Wacken App den ungefähren Standort meiner Gruppe ortete (bei der behelfsmäßigen Kleinstadt die dort entsteht darf man auch mal ein Navi nutzen) genoss ich das erste Kaltgetränk in meinem Campingstuhl während um mich rum alles ihr Lager errichtet. Mit Schrecken sah ich das ich komplett von Westen nach Osten alles quer über das komplette Gelände schleppen durfte. Vollbepackt und KO kam ich 30 Minuten später auf Platz J an, begrüßte die Gruppe und bei netten Unterhaltungen und der Freunde des Wiedersehens nach einem Jahr wurden auch die ersten Blicke auf die Running Order geworfen um zu planen mit welchen Bands man sich am ersten Tag auf die Metalsause einstimmen möchte.

Mein Highlight an diesem Tage sollte am frühen Nachmittag die Wastelandstage entern. Die Rede ist von Traitor. Bisher nur auf CD gehört, freute ich mich seit eines CD Reviews auf die Combo. Auf dem Weg machte ich noch einen kurzen Abstecher zur WET Stage ins Zelt zu Aephanemer. Eine mir unbekannte Band, aber Melodic Death lockte mich dann doch. Als Einstimmung war es absolut perfekt. Die Menge stand recht verhalten vor der Bühne, lauschte jedoch jedem Song um am Ende der Band einen schmetternden Applaus zu geben. Für eine Death Metal Band konnte Aephanemer mit einem breiten Spektrum an Stilen punkten. Von den üblichen Growls über tiefe Rhythmen und hohen Soli bis zu Folk ähnlichen Parts die teils sogar zum Tanzen einluden war alles dabei. So kam es dann das ich fast pünktlich nach dem Intro bei Traitor erschienen bin. Was soll man groß sagen außer das es genau so geil war wie ich es mir von Platte her vorstellte. Ein Thrashabriss erster Güte. Neben älteren Stücken waren viele des neuen Albums Knee Deep In The Dead in der Setlist. Mad Dictator, Ebola, Nuke Em All und viele mehr luden dazu ein die Nackenmuskulatur zu malträtieren. Auch das kleine aber feine Intro At The Gates Of Hell das Zocker kennen dürften war mit am Start und sorgte bei manch einem für ein leichtes Schmunzeln. Zum Abschluss kam dann noch ein Song den ja fast jede Band irgendwie mal gecovert hat: Blitzkrieg Bop in einer Thrashversion. Kam gut an und beendete ein leider kurzes aber absolut sehenswertes Konzert. Während des Auftritts ist mir jedoch schon immer die Wastelandstage aufgefallen.

Ich habe hier bisher weniger Konzerte gesehen, aber es hat sich definitiv etwas verändert. Die Bühne ist nicht mehr so schön hoch gelegen wie die Jahre zuvor, dafür jedoch ein wenig größer. Ein Punkt der gerne wieder geändert werden darf. Ein schönes Bild aber ergab die andauernde Staubwolke vor der Bühne die man so in Wacken ja selten zu sehen bekommt.

Nun sollte aber das Gelände erkundet werden. Denn evtl. gibt es ja die an oder andere Neuerung. Eine der angekündigten Neuerungen war mir auf dem Weg zur Wet Stage bereits aufgefallen. Das Zelt welches Gegenüber dieser steht dient nun als ESL Zelt. Hier können Gaming begeisterte Leute in Wartezeiten bis zur nächsten Band live Matches auf Leinwand anschauen die von einem Moderator begleitet werden. Hier ist allerdings neben gucken auch anfassen erlaubt und so darf man auch selbst einen Controller in die Hand nehmen. Hier sollte mich mein Weg allerdings erst später hin führen. Auf dem Wacken Plaza hat sich nun der Welcome To The Jungle Bereich breit gemacht der sonst in besagtem Zelt war und mit Metal Yoga zum Wachwerden dienen konnte. An seinem jetzigen Platz passte das Bühnenkonstrukt jedenfalls gut ins Bild. Der Übergang zwischen Wacken Plaza und Wackingerbereich ist ebenfalls mit bunten designten Containern aufgehübscht worden durch die sich die Massen jetzt drängen können.

Das Wackingergelände konnte neben den zwei Bühnen immer mit leckerem Essen und schönen Verkaufsständen punkten die sich allesamt ein wenig von dem üblichen Festivalangebot abhoben. So war es auch immer noch. Hier gab es keine Pizza, Pommes & Co sondern Handbrot, Goulasch mit Rotkohl, Fleischspieße der verschiendensten Arten und Größen, Fladenbrot mit Großer Auswahl an Belag und und und. Natürlich auch vegetarische und vegane Speisen waren im Angebot. Wer gesättigt war konnte im Verkaufsbereich sein Geld ist schönen Schmuck wie Amulette und Ringe oder verschiedenste Deko investieren. Bei manchem Artikel konnte man auch bei der Produktion zusehen. Wo wir gerade bei Geld waren. Falls man es lieber sparte konnte man sich bei einem Lederhandel auch ein neues handmade Portemonnaie oder schöne Taschen zulegen. Hier gibt es halt alles außer Festivalshirts und CDs.

Mit einem Met vom bekannten Metschiff in der Hand ging es dann übers Wacken Center zum Beer Garden wo sich die Firefighters die Ehre gaben. Da ich sie mehrere Jahre nicht gesehen habe wollte ich sie gerne wieder mit einbinden. Die Stimmung war ausgelassen, es gab Polonaisen und es wurde reichlich angestoßen und geschunkelt. Wacken ist halt nur einmal im Jahr!

Weiter geht es auf dem Wackinger. Auf gleichnamiger Bühne wird von Bannkreis deutscher Folkrock angestimmt. Bannkreis setzen sich unter anderem aus Mitgliedern Subway To Sallys zusammen. Musikalisch geht es ebenfalls in diese Richtung. Mit massig altertümlichen Instrumenten wie der Citter, Drehleiern und Flöten wird für ausgelassene und tanzbare Stimmung gesorgt. Schön ist die Kombination von Eric Fish und Johanna Krins die zusammen ein Gesangsduo bilden. Stimmungsvoll und schnell geht es mit Bannkreis los und heizt der Menge gut ein. Den Stimmungshöhepunkt gibt es mit Doch ich weiß es. Ein eingängiger Refrain den auch schnell alle mitsingen können die die Band noch nicht kennen. Als Abschluss des sechs Stücke umfassenden Sets kam mit Lebewohl ein ruhiger gefühlvoller Song. Zwar drückte dieser natürlich ein wenig die Stimmung passt aber als Abschied wunderbar.

Die Wastelandstage und die Wackinger liegen sich ja fast gegenüber. Da es bisher erst einmal Thrash auf die Ohren gab wurde Dust Bolt ins Rennen geschickt. Da es mittlerweile sehr viele Menschen vor die wenigen offenen Bühnen gezogen hat musste ich vorerst einen Platz weit hinten einnehmen und konnte so nur nahezu ohne Sicht das Konzert verfolgen. Später kämpfte ich mich durch um mich auch mal körperlich in einem der vielen Circle Pits auszutoben die Dust Bolt immer bietet. Ein spaßiges und staubiges Erlebnis zu Thrash ohne viele Schnörkel.
Alle guten Dinge sind drei und somit gab ich mir auf gleicher Bühne noch die Evil Invaders. Musikalisch ebenfalls wieder hau drauf Thrash gemischt mit einer Prise Speed Metal ohne Experimente. Im Vergleich zu Dust Bolt zuvor hebt sich hier der Gesang durch teils hohe Screams bis zu Growls ab und verleiht den Evil Invaders eine spezielle Note. Wer sie nicht kennt sollte mal reinhören. Mit unter anderem Raising Hell, Pulses Of Pleasure und Feed Me Violence eine Setlist die es in sich hat und einem im Pit einiges abverlangt.

Nun die erste Überschneidung meiner Setlist. Es stellte sich die Frage ob es zu Toxic Holocaust, Sepultura oder Heilung geht. Ich entscheid mich für eine Lösung die erst nicht so gut gewesen zu sein schien. Ich verfolgte Toxic Holocaust in Höhe der Flammenwerfer vor der Bühne für grob eine halbe Stunde und genoss die Hitze des Feuers wenn die Pyroshow losging. Dann wollte ich zu Sepultura wechseln. Am Einlassbereich des Zeltes angekommen wiesen mich Leuchtschriften schon auf die Überfüllung hin. Man möge sich bitte eine andere Bühne suchen. Nun gut Sepultura schon des Öfteren gesehen machte ich mich auf zu Heilung.

Heilung sagte mir nur etwas vom Namen her und ich wurde auf Grund der Zuschauermenge neugierig. Und was dann folgte war einfach? naja? anders. Heilung betraten die Bühne und es entstand schon ein besonderes Flair. Die Bühne war nur aus dem Hintergrund beleuchtet. Dadurch waren ausschließlich die Silhouetten der Band und ihrer Geweihe auf dem Kopf erkennbar. Schon kurze Zeit später während des ersten Songs wurde es um mich herum sehr still und ruhig. Eigentlich ja komisch für ein Livekonzert. Als Instrumente dienen der Band Trommeln, Knochen und andere altertümliche Dinge. Die Gesungenen, gesprochenen oder gefauchten Texte bestehen aus alten Runenschriften die Teils ein wenig angepasst wurden und umfassen eine Menge an Sprachen wie Deutsch, Latein, Gotisch und nordischen Sprachen. Das was ich mir im Laufe des Konzertes dachte sprach auch eine Person in meiner Nähe aus. Es ist als würde man in Trance versetzt oder hypnotisiert. Man bewegt sich nicht wirklich zu der Musik, man hört ihr zu und irgendetwas macht sie mit einem. Ob das allerdings so auf CD funktioniert, davon konnte ich mir noch kein Bild machen. Live ein Erlebnis das ich sofort nochmals wiederholen würde.

Damit sollte es dann der Mittwoch für mich gewesen sein und es wurde sich noch ein gute Nacht Met geholt bevor es auf den Camp Ground geht. Es wurde dann jedoch nichts mit dem  früheren verdienten Schlaf im Zelt. Im Camp warteten doch noch Musik, das ein oder andere Trinkspiel und nette Unterhaltungen.
Der Donnerstag startete dann nach einem ausgiebigen Frühstück pünktlich zur Öffnung der Faster-, Harder- und der Louderstage mit Skyline um wach zu werden. Wie gewohnt gab es feine kleine Setlist von Coverversionen verschiedenster Künstler. Da einige meinen man könne anhand der Setlist auf evtl. gebuchte Bands des Folgejahres schließen können, wäre ich sehr zufrieden. So wurde mit Burn von Deep Purple eröffnet. Da das Publikum noch nicht in Scharen erschienen war konnte man entspannt bis nach vorne und die dortige gute Stimmung genießen. Gefolgt wurde Deep Purple von Airbourne, DIO und AC/DC. Und siehe da: Airbourne wurde schon bestätigt. Mit AC/DC hingegen muss man wohl nicht rechnen. Während Two Minutes To Midnight wurde auch der singfaule Teil der Anwesenden gepackt und stimmt mit ein. Mit Ain´t Talking About Love und Asche zu Asche war Skyline auch schon fertig. Persönlich hoffe ich mal noch von den Songs auf Maiden und Rammstein. Aber spekulieren braucht man ja nicht, was kommt wird kommen.

Direkt weiter ging es auf der Faster und der Louder Stage. Auf ersterer gaben sich Dokken die Ehre. Das es sich bei Dokken um eine Band handelt die in den 80er auf ihrem Höhepunkt war wusste ich ja noch, das es eine Reunion gab muss total an mir vorüber gegangen sein. Also musste die Louder Stage doch noch ein wenig warten. Dokken jedenfalls spielten eine recht coole Hard Rock / (Glam)-Metal Mischung die man sich gut anhören konnte. Doch leider sprang der Funke nicht so aufs Publikum über das man von "geiler" Stimmung sprechen kann. Anstatt klatschen oder gar Gesänge hörte man mehr Unterhaltungen mit dem Nebenmann. Also ging es während Dream Warriors rüber zu Tremonti von wo aus mir schon etwas rauere Töne entgegenschlugen. Tremonti hatten die Menge auch schon gut im Griff und zogen auch mich mit ihrem Hard Rock und der schön rotzigen Spielweise schnell in ihren Bann. Während der grob sechs Lieder die ich durch den Bühnenwechsel noch mitbekam, zeigte sich das man mit ein bisschen Publikumsanimation und schön eingesetzten Soli die Leute für sich gewinnt und die Bühne rockt.

Von der Songauswahl her könnte man denken es stehen Mötley Crüe auf der Bühne. In Wahrheit ist es aber Vince Neil mit seinem Soloprojekt. Die Setlist bestand mit Stücken wie Looks That Kill, Dr. Feelgood über Girls, Girls, Girl bis zu Wild Side ausschließlich aus der früheren Schaffensphase von Mötley Crüe. Mit Whole Lotta Love, bei dem Led Zeppelin Tribut gezollt wurde, schlich sich dann doch aber noch ein fremder Song in die Setlist ein. Es war kein Konzert an das man sich noch Jahre erinnern wird, jedoch eine solide Leistung die einen gut unterhalten konnte.

Vince soll aber nicht der einzige Künstler sein der sich nach einem Split mit der Band selbstständig gemacht hat und auf dem 2018er Wacken auftritt. Denn genau jetzt, nur an anderer Stelle, betritt Dirkschneider die Bühne und macht mit seiner markanten Reibeisenstimmt auf sich aufmerksam. Kurz gesagt bei fast jedem Song grölt das Publikum mit und schlägt die Fäuste in die Luft. Nicht nur alleine wegen Dirkschneider, sondern auch wegen der Setlist bei der jeder fast jeder Song weitläufig bekannt sein sollte. Es handelt sich um die alten Werke von Accept. Restless and Wild, Love Child, Son Of A Bitch sitzen perfekt und mit einer Zugabe bei der unter anderem Metal Heart und Balls To The Wall aus den Boxen dröhnen lässt es keinen mehr ruhig stehen. Am Ende hätten es dann gut und gerne noch zwei, drei Songs sein können. Nicht weil es zu kurz war, sondern weil Dirk einfach seine eigene Freude an dem Konzert übertragen hat. Kurzzeitig hatte es mich dann doch noch rüber zu Oomph! gezogen als Fragmente von Augen Auf in mein Ohr drangen. Da sich beide leider überschnitten haben musste ich wenigstens für das Stück mal schnell rüber zur Louder.

Inzwischen hat es sich erheblich vor der Harder gefüllt, denn Behemoth luden zum Tanz und wollten dem Publikum nicht nur durch ihre Feuershow ordentlich einheizen. Da man ja auch mal Nahrung zu sich nehmen muss zog ich das vor und schaute mir die Show von weiter weg an. Aber auch wenn ich nicht vor der Bühne zugegen war, hörte und sah man auf Video Walls das dort vorne ein regelrechter Abriss im Gange ist und die Massen nicht umsonst erschienen sind. Etwas softer wurde es wiederum bei Danzig. Dafür hörte man im Vergleich zu Behemoth wieder mehr Metalheads die lauthals mitsangen. Durch Danzigs nette Mischung aus (Hard)-Rock, Blues, Metal und einer Prise Eigenkreation schwankte man zwischen entspanntem schunkeln, singen und kurzzeitigem Haare fliegen lassen. Vor allem gegen Ende mit Mother und als Zugabe She Rides und Snakes Of Christ wurde es dann doch sehr chillig und man wurde sanft aus dem Konzert geführt.

Nach 30 Minuten Pause war es dann soweit und die Slot Machine auf den Leinwänden spuckte drei Mal den Namen Judas Priest aus. Was dann folgte war ein Konzert der Superlative. 1,5 Stunden lang zeigten Alan und seine Mannen das man noch lange nicht zum alten Eisen gehört, auch wenn die Band schon in den 60er Jahren gegründet wurde. Eine Wahnsinns Lightshow begleitete einen durch mehrere Jahrzehnte Schaffensphase einer Band. Da mit Firepower dieses Jahr ein neues Album released wurde, wurde mit selbigem Song das Set eröffnet. Die nächsten Stücke Grinder, Sinner und The Ripper führten einen dann recht zügig in die Vergangenheit und ließen schon einen bunt gemischten Abend erahnen. Den Höhepunkt bildete dann jedoch die Zugabe bei der nahezu aus allen Kehlen Breakin´ The Law und Living After Midnight erklang. Definitiv eines der Highlights des Tages.

Da ich das Konzert etwas weiter vorne verfolgte stand nur die lange Heimreise zum Zelt an. Die Masse schob sich langsam, sehr langsam, vom Bühnengelände und meine Füße freuten sich definitiv schon darauf mich nicht mehr tragen zu müssen.

Der Freitag beginnt später als gedacht. Mein neues Zelt scheint sich doch bezahlt zu machen und auch wenn die Sonne schon über den Horizont gekrochen ist, bleibt es im Inneren relativ angenehm. So krabbelte ich gegen 10 Uhr ins Freie und bemerkte das mir damit nur noch eine Stunde bleibt um pünktlich zu Thundermother zu erscheinen. Na gut gemütlich in den Tag starten sollte drin sein, also wurde es nicht punkt 11 Uhr sondern ein wenig später als ich den Platz vor der Faster Stage bezog die den Tag einläutete. Wenn sich um diese Zeit vor den Bühnen nur kleine Trauben an Menschen gebildet haben ist der Anblick des Infields immer etwas Besonderes. Aber Thundermother schaffen es eine beachtliche Menge vom Campingplatz zu locken. Der erste Song den ich komplett feiern durfte war Hellevator der durch Radio Bob schon gut bekannt ist. Da noch nicht die Massen dort sind ist es auch kein Problem als Teil einer Band mal einen kleinen Spaziergang mit Instrument und Security im Schlepptau durchs Publikum zu unternehmen. So steigert man sofort den Unterhaltungswert und verdient sich bestimmt auch den ein oder anderen Pluspunkt in Sachen Fannähe dazu. Weiter ging es mit gewohnt rockigen Stücken wie IT´s Just A Tease. Mit Follow Your Heart durfte es bei den Rockgören aber auch mal ungewohnt soft und melodisch klingen. Gegen Ende wurde dann wieder ordentlich in die Saiten gehauen. So gaben Band und Publikum bei Thounderous und We Fight For Rock N Roll zu früher Stunde nochmal alles.

Wer denkt eine Femaleband ist was für Mädchen der bekommt direkt nebenan musikalisch ordentlich eins vor den Latz. Nachdem ich sie vor ein paar Monaten auf einem Clubkonzert erleben durfte geben sich die Cannibal Corpse nun wieder in Wacken die Ehre. Was auf dem vorherigen Konzert an Circle Pits und Party fehlte wurde hier nun alles nachgeholt. Von Code Of The Slashers zu Beginn bis zu den definitiven Highlights Make Them Suffer und Hammer Smashed Face war der Gig ein einziger Abriss.

Nach nur zwei Bands machte sich langsam aber schon die Hitze bemerkbar. Die Trinkwasserstellen wurden mit der Zeit so voll, dass ich dann doch immer öfter auf die Getränkestände auswich. Aber auch von hier konnte man Amorphis perfekt verfolgen. Durch ihren etwas ruhigeren Stil waren sie eine gute Abwechslung zu den Cannibal Corpse. Amorphis begeisterten wieder mal mit einer gut durchdachten Setlist in der man die Experimentierfreudigkeit seit Gründung nachverfolgen konnte. Einfach nur Metal sind Amorphis nicht. Mit Growls, Cleangesang, schnellen Soli und plötzlich mit peitschendem Gesang zu lieblicher orientalischer Musik - genau auf das haben sich alle gefreut.

Landesmäßig bleiben wir gleich in Finnland und drehen unseren Kopf ein Stück nach rechts und erblicken Korpiklaani. Weniger experimentell, dafür einfach nur schöner finnischer Folk / Metal mit so manch einem Humpaeinfluss lässt nicht nur die Stimmung, sondern auch den Bierkonsum schnell steigen. Zu Wooden Pints als Opener muss einfach mit einem Kaltgetränk angestoßen werden und so bewegte auch ich mich erneut in Richtung Getränkestand. Nach Wooden Pints wurde sich durch eine gut gemischte Setlist ihrer Reihe an Alben gespielt bis gegen Ende wieder die Partysongs die Oberhand gewinnen konnten und den Happy Little Boozer mit viel Tequlia, Beer Beer und Vodka verführen wollte. Korpiklaani, eine Band auf die man sich immer freuen kann!

Daher war nach Korpiklaani auch direkt vor Korpklaani. Denn nun muss ich mal als Fanboy outen und ich stellte mich beim Meet & Greet Stand an. Die Wartezeit hatte ich von früher als recht lang in Erinnerung und wurde dieses Jahr positiv überrascht das man schnell durch und dran war. So macht man einen Fan glücklich!

Eine weitere Überschneidung bahnte sich mit Schandmaul vs. Firewind an. Hauptbühne gegen WET Stage. Folkrock gegen Powermetal. Obwohl das letzte Schandmaulkonzert nicht lang her ist entscheid ich mich für selbige da ich mich wie ein kleines Kind auf Children Of Bodom freute und nicht wieder die Bühnen und das komplette Gelände wechseln wollte.

Die Setlist der Schandmäuler hätte für mich leider noch ein paar schöne Klassiker oder Stimmungslieder vertragen können. Jedoch war es ein schöner Querschnitt an Songs in denen mit Bunt und nicht braun ebenfalls ein Lied gespielt wurde was zu der aktuellen Zeit wohl nicht passender und wichtiger hätte sein können. Mit Hofnarr, Vor der Schlacht, Krieger und Walpurgisnacht konnte man bei zwölf Songs doch schon recht glücklich sein. Trinklied hätte der Stimmung sicher noch gut getan. Als ich anfangs vor der Bühne stand überlegte ich woher ich die Dame abseits links kenne. Irgendwann erkannte ich sie als eine Frau die ein paar Tage zuvor im Fernsehen zu sehen war. Daher muss ich Laura Schwengber hier erwähnen die einen super Job gemacht hat indem sie die Lyrics mit Hilfe der Gebärdensprache für taube Menschen übersetzt. Der Applaus den sie bekam zeigte, dass ich mit dieser Meinung wohl nicht alleine dastand.

Nun hieß es ganz vorne einen Platz beziehen. Das Intro der Children bestand aus einem pochenden Herzschlag mit EKG Geräuschen. Minimalistisch aber cool! Als Opener folgte sogleich Are You Dead Yet und damit war es um mich geschehen. 60 Minuten hieß es abgehen. Es folgte eine kurze Begrüßung wie gerne sie doch in Wacken spielten und kleine Pits wurden hier und da im Publikum gebildet welche sich schnell zu kleinen Circlepits wandelten. So verausgabte man sich bis zum Ende des Konzertes und verließ glücklich das Gelände um mal ein paar Minuten Luft zu schnappen und vor allem gegen die Hitze etwas zu trinken.

Im gleichen Atemzug konnte man sich auch mal gut etwas auf dem Metalmarket die Zeit vertreiben und bei den einen oder anderen Ständen ein Blick riskieren. Für die Kuttenträger unter uns gab es natürlich Massen an Zelten die zahlungswillige Metaller mit Patches jeglicher Bands in jeglicher Größe versorgten. Zwischendurch erblickte man auch mal die ein oder anderen Verkaufsstände die Shirts und Flaggen anboten wo so manch einer an der Echtheit der Merchprodukte zweifelt.

Interessant wurde es auch für Liebhaber von Dekoartikeln. Schallplatten die in Wunschmotivform in Handarbeit geschnitten wurden bis zu kleinen Holzgitarren mit Wunschbandmotiv gab es alles mit dem das eigene zu Hause aufgehübscht werden kann. An wenigen Ständen konnte man dann auch Sonnencreme kaufen. Wo man sonst sein Geld für Regenponchos ließ gab man dieses Jahr gerne 10Eur für ein kleines Fläschchen um seiner Haut etwas Gutes zu tun.

Während der Zeit auf der Einkaufsmeile vom Wacken Open Air wurde natürlich schon der Auftritt von Doro eingeläutet. Einen Auftritt von ihr in wesentlich kleinerem Rahmen konnte ich dieses Jahr schon beiwohnen und konnte Teile der Setlist wiedererkennen. Speziell die Warlock Cover von Frau Pesch tun es mir immer wieder an. So musste ich dann doch Einkaufsbummel abbrechen und mit I Rule The Ruins und Burning The Witches in Richtung Bühne gehen. Wer sich noch an das letztjährige Wacken erinnert als Doro am Samstag Abend auf der Bühne erschien während Amon Amarth das Wacken dem Erdboden gleich machte wurde nun wieder überrascht. Niemand geringeres als Johann Hegg hatte einen Gastauftritt während A Dream That Cannot Be. Coole Aktion die die Stimmung extrem anheizte. Die Highlights und auch die Momente an denen am lautesten mitgesungen wurde, war die Zugabe mit We Are The Metalheads und All We Are.

Wer denkt dass ein Metalfestival immer ernst und düster ist muss jetzt mal schlucken. Denn mit Otto und den Friesenjungs wurde mit einem kleinen Augenzwinkern der Blödelbarde himself auf die Louderstage geschickt. Ein Konzert hatte ich im Alter von knapp 9 Jahren mal gesehen und fand die Aktion wahnsinnig cool. Überrascht wurde ich von der schieren Menge an Menschen die sich das wohl auch dachte. Nie im Leben hätte ich zu träumen gewagt das die Menschen bis zum Eingang ans Infield reichen würden. Also etwas durchgemogelt bis man einen akzeptablen Platz zum amüsieren hatte. Da ganz Festivallike die Musik im Vordergrund steht musste man auf gesprochene Gags verzichten. Aber mit Songs wie Zehn kleine Ottifanten, Friesenjung und Dänen lügen nicht verging die kurze Zeit wie im Flug. Während des Rückwegs über das Wacken Plaza erntete man ungläubige Blicke als die Otto Fans Minutenlang Friesenjung anstimmten und mit Leibeskraft sangen.

Solche Auftritte wie dieser dürfen gerne öfter stattfinden. Nur nicht jeden Tag auf allen Bühnen eine Spaßband. Lieber Klasse statt Masse.

Eben noch angereist und schon ist der Samstag gekommen. Da ich jedes Jahr in der Nacht von Samstag auf Sonntag abreise hieß es morgens wieder die ersten Sachen packen und zum Auto bringen. Die gröbsten Dinge wurden abgebaut damit ich noch schnell zum Auftritt von Betontod erscheinen kann. Mit acht Songs war die Setlist leider sehr kurz, jedoch war es eine kurze aber geballte Party am frühen Morgen. Mit Kinder des Zorns, Glück auf, Viva Punk! Und Hömmasammawommanomma war es eine gute Mischung aus Ernst, Spaß und Songs zum Anstoßen. Mit Boxer gab es zusätzlich einen kleinen Ausblick auf das kommende Album Vamos!.

Etwas düsterer wurde es im Anschluss mit der finnischen Melo Death Band Wintersun. Doch auch in der strahlenden Mittagssonne wurde eine wahnsinnige Show abgeliefert. Die Band gab sich redlich Mühe uns zum Feiern zu animieren was zu den melodischen Gitarrenparts und den walzenden Drums nicht schwer fällt.

Mit Knorkator ging es wieder in die spaßigere Ecke. Man kann sich Stumpen  und seine Mannen zigmal anschauen und es wird nie langweilig. Auch wenn Stumpen selbst nicht mehr so akrobatisch auf der Bühne agiert wie es noch vor 10 Jahren der Fall war ist jedes Konzert mit Überraschungen gespickt. Da seit langem kein Album mehr erschienen ist bestand die Setlist aus den guten alten Songs wie Alles ist Scheiße, Ich will nur Ficken, Böse. Bei neuen Werken wie Ich bin der Boss merkte man schnell, dass die Unterhaltungen um einen herum zunahmen. Aber wer schon immer mal ausschließlich Crowdsurfende Frauen sehen wollte bis der Befehl kam sie einfach weg zu schmeißen kam hier voll auf seine Kosten.

Eine Band die ebenfalls oben auf meiner Liste stand, waren die lange zeit inaktiven Apokalyptischen Reiter. Nach Jahren der Abstinenz sollten sie heute am Samstag wieder auf der Bühne stehen. Welcher Song könnte nun besser sein als der Opener des letzten Albums Wir sind zurück? Keiner! Anstatt während des Konzertes großartige Reden über das Thema "Wir sind wieder da" zu schwingen durften die Instrumente sprechen. Das die Reiter nicht nur hart können wurde bei einem spontanen Pianosolo deutlich was die Menge mal wieder etwas runter holte. Mit Franz Weiss und Wir reiten änderte sich die Gelassenheit aber schnell wieder ins Feierwütige. Als letzter Song wurde wie üblich Wir reiten angestimmt. Ich hoffe nur nicht zu weit und zu lang damit nicht wieder Jahre vergehen.

Am späteren Abend folgte nun das erste Konzert von Arch Enemy welches ich mit Sängerin Alissa verfolgen konnte. Da ich immer sehr schwierig finde wenn ein Gesangspart wechselt ging ich skeptisch an die Sache ran. Alissa jedoch überzeugte mich und die Menge mit ihrem Organ sofort. Ihr liegen von Growls bis cleanem Gesang alle Facetten was Arch Enemy ausmacht. Trotzdem ist es für mich immer komisch das Angela nicht mehr auf der Bühne steht. Neben den Akteuren auf der Bühne konnte auch die Pyroshow die Arch Enemy abfackelte begeistern.

Wer seinen Kopf noch nicht genug geschüttelt hat der wurde jetzt von Dimmu Borgir bedient. Zu dieser späten Stunde kommt das düstere Gesamtkunstwerk Dimmu erst richtig zur Geltung. Die Norweger machen musikalisch und textlich klar wie man Death Metal zelebriert. Die Lichtshow bewegte sich größtenteils im dunklen blau, während die Schlagzeugsalven das Infield niederwalzte. Böser kann ein Metalfestival kaum enden.

Als Fazit kann man nur sagen, dass das Wacken Open Air 2018 ein voller Erfolg war. Nicht zuletzt wegen dem Wetter das kaum besser hätte sein können. Die letzten Jahre war man ja eher den Regen gewöhnt und kaufte sich Ponchos. An diesen Stellen gab es diesmal Sonnencreme und Wasser aus Wasserpistolen und Schläuchen zur Abkühlung.

Soundtechnisch konnte ich kein Konzert ausmachen welches nicht wenigstens in Ordnung war. Auch die im Netz öfters diskutierten Soundprobleme hinter dem FOH Tower der letzten Jahre (bei Wind) konnte man nicht ausmachen Als Rückzugsorte vom ganzen Festivalstress hat sich auch der Melittastand im Infield als optimales Sponsoring bezahlt gemacht. Ein schick gestaltetes Holzgebäude mit Aussichtsplattform um Bands und das Kaffeegetränk seiner Wahl zu genießen.

Aber ich will das Festival ja nicht nur loben. Denn schließlich gab es auch das ESL Zelt. Für Gamer ist dieses Angebot sicher interessant, jedoch ist das Zelt meiner Meinung nach viel zu überdimensioniert für ein Festival. Randthemen sollten auch am Rande angeboten werden und nicht einen ganzen Bereich auf dem Gelände ausfüllen.

Ebenso hörte man des Öfteren Kritik an dem neuen Standort des Pressebereiches. Dieser war die letzten Jahre neben dem Infield wesentlich besser platziert und von den Sanitäranlagen schöner ausgestattet. Ansonsten wäre es schön die Wastelandstage wieder etwas zu erhöhen und die bargeldlose Bezahlung noch etwas transparenter zu gestalten.

Aber das ist alles nur Kritik auf hohem Niveau. Und mit diesen Worten verabschiede ich mich bis zum nächsten Jahr wenn es beim 30 jährigen wieder heißt "FASTER:HARDER:LOUDER"!

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