Konzertberichte

Wacken Open Air 201707.09.2017

Wacken Open Air
02. - 05.08.2017
Holy Ground
Wacken


verfasst von Matze und Sebastian


Wer kennt sie nicht? Die viel erzählte Geschichte vom verträumten Dorf im Norden Deutschlands, welches für ein Wochenende in die Hände der dunkel gekleideten Anhänger der Metalkultur fällt. Bereits hier scheiden sich nun aber schon seit mindestens 10 Jahren die Geister. Ist das noch Metal oder nur eine riesige Sause, bei der die Musik in den Hintergrund gerät. Auch ich konnte mir in diesem Jahr wieder die Frage aller Fragen zum Wacken Open Air (im folgenden Text kurz WOA) stellen und versuche dabei einen Blick zurück auf das WOA 2017 zu werfen.

Was gab es für einen Aufschrei einen Tag nach dem WOA 2016. Die Ticketpreise durchbrachen die Schallmauer von 200 Euro. Diese Meldung saß natürlich erstmal und so war es auch nicht verwunderlich dass das Festival Anno 2017 nicht nach weniger als einem Tag ausverkauft wurde. Es sollte sogar fast ein komplettes Jahr dauern um dieses Ziel zu erfüllen. Begründet wurde die Preiserhöhung mit notwendigen Verbesserungen in der Struktur und auf dem Gelände. So gab es die Berühmte Bierpipeline, welche wohl auf Grund des Wortes Bier in aller Munde war. Ihr eigentlicher Sinn war doch eher das Infield von oberirdischen Transporten freizuhalten um die Wiese weniger zu belasten. Eine weitere Maßnahme war das Anlegen eines Drainagesystems, wie diese funktionierte soll aber erst später geklärt werden, denn natürlich konnte sie direkt getestet werden.

Nun aber mal zum Kernthema eines eigentlichen Festivals, denn dies ist die Musik. Am Mittwochvormittag erreichten wir das Festivalgelände und machten uns dann direkt auf den Weg zum Bullhead City Circus. Dort gab es, wie in jedem Jahr, traditionell das Metal Battle. In diesem Nachwuchswettbewerb traten Bands, als Vertreter für ihr Land, gegeneinander an. Insgesamt gab es 30 Bands am Mittwoch und Donnerstag zu bestaunen und das wirklich tolle daran war, wie in jedem Jahr mehr Leute das Interesse dafür gewinnen und sich als begeisterte Zuschauer vor der Headbangers und der W.E.T. Stage einfanden.

Ich kam also grade rechtzeitig um den musikalischen Orkan zu erleben, den die Südafrikaner von Megalodon auf der Bühne entfachten, denn sie boten kompromisslosen und harten Death Metal. Uns bot sich wenig später dann sogar die Möglichkeit zu einem Interview mit den sympathischen Südafrikanern. Nach ihnen traten dann Once Upon an, welche, wie jede andere Band im Metal Battle auch 20 Minuten Zeit für ihre Darbietung hatten. Auch sie boten einen qualitativ guten Auftritt und wurden dann vom bulgarischen Vertreter, Ophan, abgelöst. Mit ihnen auf der Headbangers Stage wurde es deutlich düsterer. Blutverschmiert und mit Verband um den Torso trat der der Sänger der Band besonders hervor und gab so richtig Gas. From The Void folgten nun und vertraten mit ihrer Musik Finnland und welche Stilrichtung konnte es da nur außer Black Metal sein. Mit einer tollen Show und eindrucksvollen Kostümen wussten auch sie zu überzeugen.

Qualitativ ging es nun auf hohem Niveau weiter, denn Jet Jaguar, welche sehr an Iron Maiden erinnerten, betraten die Bühne. Ok, sie betraten die Bühne nicht, sie fegten über sie nur so hinweg und sollten dafür später mit dem Sieg im diesjährigen Metal Battle belohnt werden. Die große Überraschung sollte nun aber mit Une Misere folgen. Nein, hierbei handelte es sich nicht um den Teilnehmer aus Frankreich. Die Herren kamen aus Island und brachten noch eine dicke Überraschung mit sich. Sie spielten keinen Blackmetal (!!!). Man musste sich nun ganz klar die Frage stellen wie das denn möglich sei. Zur Beruhigung der Allgemeinheit kann ich aber behaupten dass auch Hardcore mit einem düsteren Unterton aus Island wunderbar funktioniert. Nun schaute ich mir noch Domination an, welche im Vergleich zu den vorherigen Bands leicht abfielen, weil sie das Publikum nicht so mitreißen konnten. Hiernach verließ ich den Bullhead City Circus und machte mich nochmal auf zur Wasteland Stage. Dort traten am frühen Abend Sub Dub Micromachine auf. Vor der Bühne versammelte sich eine große Menge an Leuten die mit "Sub Dub" Rufen die Band herausschrien und dann zur Musik feierten und tanzten. Für mich war dieser Auftritt der Abschluss für den Mittwoch nach einem langen Tag.

Wie war es eigentlich bei dir Sebastian?

Vielen Dank für das übergeben Wort Matze. So möchte auch ich euch an meinem ersten Tag vom Wacken 2017 schriftlich teilhaben lassen. Ein paar Tage sind vergangen, der Schlamm von Haut und Zelt abgewaschen, aber noch immer hallen mir die WACKEEEN rufe in den Ohren nach. Wie allseits bekannt fand das bekannteste Metalfestival der Welt, im beschaulichen Dörfchen Wacken, dieses Jahr zum 28. Mal statt. Das vierzehnte Mal davon bin ich mit am Start und das erste Mal Teil des Teams von Kalle um zu feiern und Eindrücke zu gewinnen die wiedergegeben werden wollen.

Doch gehen wir ein wenig chronologisch vor.

Eine Einleitung über Neuerungen die die Besucher zu erwarten haben wurde von Matze ja schon gegeben, daher verkneife ich mir diesen Punkt mal. Was aber auch ich fast nicht mehr erwartet hatte, war der 12.06. als es hieß: "Ausverkauft!" Also bisher alles so wie man es kennt. Doch wie schon im Vorbericht geschrieben, war ich auch auf die weiteren Neurungen wie die Louder Stage gespannt, die sich nun als Rundbogenbühne präsentieren wird. Meine persönlich größte Umstellung zu den vielen Jahren zuvor ist jedoch der Fakt das ich das erste Mal alleine anreisen werde. Meine Gruppe, außer mir, durchbrach die Schallmauer der 200 Euro nicht. Überlegt zu Hause zu bleiben hatte ich keine Sekunde. Also machte ich mich im Vorfeld auf die Suche nach einer sympathischen Alleinreisergruppe, die ich dann auch zügig im Internet gefunden habe. und einen Treffpunkt auf der A23 ausgemacht. Es wurden organisatorische Dinge geregelt, ein Treffpunkt besprochen und dann hieß es warten bis es endlich hieß: Anreisetag!


MITTWOCH

Bei der Anreise orientierten wir uns an der ebenfalls neuen Anreiseampel die auf der Wacken Website implementiert wurde und trafen somit am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr an der Einfahrt zum Campground ein. Nun kam das vorerst größte Hindernis. Bekommen wir die Ordner dazu eine Gruppe die aus grob 25 Autos besteht dazu uns alle zusammen einzulotsen? Die Antwort "Ja!" Wie ein Wunder funktionierte alles problemlos. Andere Autos wurden an uns vorbei gewunken um eine Reihe zu füllen, damit unser Wunsch in der nächsten Reihe erfüllt werden konnte. Damit schon mal ein dickes Lob an die Stewards auf den Campgrounds die allesamt freundlich und sehr hilfsbereit waren. Also wurde sich im Folgenden breit gemacht und das Camp aufgebaut. Während des gemeinsamen Aufbauens lernte ich natürlich schon die ersten meiner neuen Campgenossen kennen, was beim verdienten Bierchen in der Sonne noch etwas vertieft wurde.

Und bevor es am Abend zu voll werden würde, begaben wir uns auf eine erste Erkundungstour von Campingplatz V in Richtung der Bändchencontainer. Schon auf dem Weg dorthin stellte sich das allgemeine Wackenfeeling bei mir ein. Den Campingplatz kennt man mittlerweile in- und auswendig und doch staune ich immer wieder über die große Mühe und Vorarbeiten die einige Camps in ihre Behausung auf Zeit stecken. Vom kleinen ein Mann Zelt, über Quartiere mit Leinwand und Beamer wo man auch gerne mal mit seinem Wegbier ein paar Minuten verweilen und "anspruchsvolle" filmische Unterhaltung genießen kann, bis zu rieseigen Bühnenähnlichen Konstruktionen mit Gartenzaun und Eingangstür erblickt man hier alles. Allein der Campground bietet also schon viel wenn man sich nicht bis ganz zum Infield bewegen will. Aber schließlich sind wir hier auf einem Festival und da geht es ja um die Bands, Bühnen und die Musik. Der Rest ist einfach eine nette Beigabe.

Beim CheckIn angekommen wurde rasch das Ticket gescannt und schon stand man ohne Warten an einem der Fensterchen und bekam sein Wristband plus den allseits beliebten Metalbag inkl. kleiner Gadgets wie einer wasserdichten Handyhülle, ein Kondom, Pflaster, Erfrischungstücher, die doch recht nützliche Trinkflasche die man mit aufs Infield nehmen darf. Dann noch ein wenig nützlicher Kleinkram wie Regenponchos, Halsbonbons, eine Postkarte plus den dazugehörigen Stift, Aufkleber, ein Patch und ... massenweise Werbung mit der später unser Müllsack eingeweiht wurde. Wo man schon mal in der Nähe des Geländes war, passierten wir kurz die Sicherheitskontrollen und flanierten ein wenig über das angrenzende Wasteland und den Wackingermarkt. Aus den Augenwinkeln konnten wir auf dem runden abgesperrten Bereich noch das Ende des Exhibition Fight Training erkennen, während sich schon ein kleineres Grüppchen Menschen vor der Wackingerstage für den Auftritt von Pampatut bereit macht. Ansonsten konnte man sich in dem doch recht gemütlichen Mittelalterbereich des Festivals auf unterschiedlichste Arten die Zeit vertreiben. An den in Holzoptik und mit Leinen versehenden Buden tut man dies am meisten natürlich mit Essen und Trinken, aber auch ansonsten boten sich Möglichkeiten wie Bogenschießen, den Dorfbewohnen bei ihrem Leben rund um ihre Zelte zuschauen. Kulinarisch kann ich auch jedem angehenden Wackenbesucher sagen, dass das Wackinger der Höhepunkt an Speis und Trank auf dem Festival ist. Aber Hunger stellte sich noch nicht ein und ich wollte mal die drei Bühnen, auf dem noch leeren, auf mich wirken lassen. Und verdammt, der Anblick schrie nach mehr. Aber man musste ja nur noch einen Tag warten und schließlich sollte es auch heute schon Bands geben.

Aber auch die neue Rundbogenbühne sah schick aus und bot optisch mal etwas Abwechslung auf dem sonst fast immer nahezu identischen Infield. Nun ging es jedoch zurück Richtung Zelt wo bei ein paar weiteren Kaltgetränken der Grill angeschmissen und sich der Nachmittag vertrieben wurde. Auf meinem Plan stand heute noch Merch besorgen und ein kleiner Abstecher ins Dorf. Also ging es früh genug los und ich entscheid mich sofort auf das Shirt zu verzichten als ich die elendig langen Schlangen sah. Schließlich gibt es im Ort ja noch das Info Office das drinnen, sowie draußen jeden Fan mit allem Möglichen was das Herz begehrt eindecken kann. Also bahnte ich mir den Weg durch die Massen im Dorf. Von Festivalbesuchern die ihre letzten Einkäufe zum Campground schleppen, Leuten die sich an den Ständen der Anwohner ein paar oder auch ein paar mehr Bierchen gönnen um anschließend alles beim Rülpscontest zu geben, über interessiert wirkende Reisegruppen älterer Personen die sich diesen Trubel mal in der Realität anschauen möchten ist alles vertreten. Natürlich seien auch noch die Kinder erwähnt, die mit ihren Ketcars plus Anhänger für einen kleinen Obolus alles im Dorf hin und her transportieren. Wacken halt! Mein Shirt bekam ich dann auch recht zügig beim Office. Obwohl ich abends erst gegen 20Uhr bei Ugly Kid Joe sein wollte, zog es mich aus den Erfahrungen der Jahre davor doch schon vorher ins Zelt. Denn des Öfteren kommt es zu Einlassstops in dem natürlich platzmäßig begrenzten Zelt.

Also bot es sich doch an sich auch noch Flotsam And Jetsam zu geben. Nicht eingeplant aber definitiv eine gute Entscheidung. Zugegeben, es lief ja schon ein paar Stunden der Mattle Battle und somit waren es auch nicht die ersten Klänge des Festivals. Aber mit ihrem Mix aus Speed und Thrash sorgten sie nach den ersten Songs für einen guten Einstieg in ein paar Festivaltage. Als sie jedoch die Bühne enterten musste ich doch ein wenig schmunzeln als Eric als böser Kobold oder etwas schwach geratener Hulk die Selbe betrat. Zugegeben, das Publikum war beim Opener Hammerhead doch sehr zurückhaltend und brauchte lange um etwas aufzutauen bis sich vor der Headbanger Stage der erste Pit bildete. Aber nun gut, es war auch erst Mittwoch und Spaß hatten wir trotzdem bei dem neun Songs enthaltenden Set.

Und weiter ging es mit Ugly Kid Joe die mit zwei Songs mehr auch für wesentlich mehr Stimmung sorgten. Um jegliche Hoffnung auf Überraschungen sofort nehmen zu wollen, kann ich schon jetzt berichten, dass sich die Setlist mit der aus dem Jahre 2013 (nahezu) überschneidet. Aber was damals funktioniert hat (als ich auch vor der Bühne stand) kann ja nicht falsch sein. Und so war es auch. Der doch recht coole Rock ´n Roll Sound animiert sofort zum Bewegen ein. Pits zum Moshen entstehen nicht wirklich aber das will man mit Rock / Funk auch gar nicht erreichen. Die Musik kommt trotzdem bei den Leuten und mir an und alle Erwartungen wurden definitiv erfüllt. Auch die Menschen die die Band noch nicht verfolgten, verschmolzen bei Ugly Kid Joe´s Cats In The Cradle zu einem Chor.

Danach folgte mit einem Lemmy Tribute doch eine Überraschung für mich. Es lief Ace Of Spades! Fand ich ganz cool und auch viele andere standen nach mehreren Sekunden eher andächtig und still da nachdem der Jubel verflogen war. Den gleichen "Rausschmeißer" wie immer bot dann noch Everything About You. Neben der Musik an sich muss man aber auch Whitfield Crane erwähnen der durch seine animierende Art beim Publikum für viel Stimmung gesorgt hat. Als wir danach für ein ein wenig frische Luft und ein Getränk das Zelt verlassen wollten, bemerkten wir das die Securities wegen nahender Überfüllung den Eingang zum Bullhead City Zelt dicht gemacht haben. Also blieben wir doch vorsorglich am Zelt bevor wir wie im Jahr zuvor plötzlich nicht mehr rein gelassen werden. Nach einer kurzen Erfrischung ging es dann wieder rein zu etwas schnelleren Riffs und Drums von Kanadas Thrash Export Annihilator. Naja was soll man großartig sagen. Die Bühne wurde eine Stunde lang dem Erdboden gleichgemacht und auch vor der selbigen ging es ordentlich zur Sache. Man merkte das es langsam später und auch die Stimmung besser wurde.

Um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen ging es dann noch rüber zu Versendgold die ein Gastspiel auf der Wackinger Stage zum Besten gaben. Die Stimmung war gleich eine komplett andere als die im Bullhead Zelt. Mittelalterflair war angesagt. Versendgold fügte sich mit ihren mittelalterlichen Klängen perfekt in das von kleinen Fackeln erhellte Wackinger Dorf ein. Ich muss gestehen, dass ich mal ein großer Fan der mittelalterlichen Musik war, sie mich aber mittlerweile nicht mehr sehr lange fesseln kann. Das gleiche war auch bei Versengold der Fall. Jedoch kann ich ihnen wegen ihrem Wortwitz und den wunderbar schönen, lustigen und ehrlichen Texten einfach nur Pluspunkte zusprechen. Ein Highlight für mich war jedenfalls das neue Stück "Schlagt mir kein Kreuz" was (nicht nur) mich einfach berührt hat. Dieses Konzert habe ich dann auch als Rausschmeißer für den ersten Tag angesehen und habe mich wieder in Richtung Zelt bewegt.


DONNERSTAG

Der Donnerstag sollte ein wichtiger Tag für das Wacken Open Air werden, hatten sich doch höhere Mächte gegen den Holy Ground verschworen. Dazu jedoch später mehr. Der eine begann ihn wie üblich mit einem Gang ins Dorf Gribbohm zu einem kleinen aber feinen Hof der ein nicht zu verachtendes Frühstück anbietet. Am besten einzunehmen nachdem man auch die Toiletten und Duschen genutzt hat. Kostet zwar etwas, aber wach werden möchte man ja auch auf eine angenehme Art. Den anderen führte es direkt wieder in das vom Vorabend bekannte Bullhead City Circus. Dort war es nämlich wieder Zeit für das Metal Battle. Die Belgier von Speed Queen eröffneten die Bühnen im Zelt, während es sich langsam mit gut gelaunten Headbangern füllte. Dafür boten die Belgier dann auch die richtige Musik. Mit temporeichem Heavy Metal heizten sie der Menge ein und sorgten für eine ordentliche Auftaktstimmung. Zu der Eröffnung besagter Band waren wir auch beide anwesend. Nur leider wussten wir gegenseitig nichts davon und so sollte ein Kennenlernen noch etwas auf sich warten. Davon wollten ihre Nachfolger The Kroach natürlich profitieren. Jedoch waren sie sichtlich nervös, was den Funke dann nicht so richtig überspringen ließ. Ohne dass es negativ gemeint sein soll, kann man sich The Kroach einfach von den Bandmitgliedern auch wie eine Schülerband vorstellen die aber das tun was sie lieben - und zwar Metal! Also kann man eines jedoch ohne Zweifel behaupten: Nervosität hin oder her, The Kroach sind mit ihrer progressiven Musik eine definitive Hörempfehlung. Vor allem der Gesang konnte hier herausstechen und blieb nach dem zwanzig minütigen Auftritt noch lange im Ohr. 

Hiernach ging es geografisch wieder in den Norden, denn Nale aus Schweden waren nun an der der Reihe auf der Headbangers Stage zu rocken. Die Schweden klangen wie eine härtere Version von Avatar. Natürlich waren auch wieder einige Schweden im Publikum und schrien ihre Recken nach vorne. Die gesamte Show war recht eingängig und hinterließ am Ende eine zufriedene Zuschauerschaft. Der letzte Act vor der ersten Pause des Tages waren dann CorpseHoarder. Hierbei handelte es sich um die erste amerikanische Band, die beim Metal Battle teilnahm. Sie hoben sich vor allem auf Grund ihres rauen Sounds von den restlichen Bands ab und spielten kompromisslosen Grind Core. Qualitativ konnten sie jedoch nicht mit ihren Vorgängern mithalten. Man muss aber auch sagen, dass in der großen Welt des Metals Grind Core eine doch speziellere Schiene ist. Also dürften auch Freunde des Cores daran ihre Freude gefunden haben.

Nun war es soweit das sich unsere Wege trennten und wir an unterschiedlichen Orten die zuvor angesprochenen dunklen Mächte erleben durften die sich gegen Wacken verschworen hatten. Ich begab mich in Richtung Zelt und Matze Erst war es eine kleine schwarze Wolke am Horizont, doch von jetzt auf gleich konnte man das Shine aus dem Slogan "See you in Wacken - Rain or Shine"  streichen. Dank meiner lieben Mitcamper konnten wir mit insgesamt elf Leuten unsere Pavillons vor dem abheben und / oder zusammenbrechen schützen. Von nun an war klar, dass das Drainagesystem zeigen sollte was es kann. Jedenfalls wird man vorerst wohl keinen trockenen Boden mehr erreichen. Da es bei Matze auch Zeit für eine Pause war, begab er sich zur gleichen Zeit auf in den Weg in Richtung Pressezelt. Und auch er sagte sich: Es mag nun verheißungsvoll klingen, aber es sollte das letzte Mal sein, dass ich über den trockenen Holy Ground lief.

Das Wacken wurde in den letzten Jahren immer von heftigen Regenschauern heimgesucht. Auch in diesem Jahr sollte es das W.O.A. zumindest an einem Tag treffen. Insgesamt rund 30 Liter pro Quadratmeter fielen in der folgenden halben Stunde auf den Boden und durchnässten ihn so richtig. Jetzt hieß es also wieder Gummistiefel auspacken und das Matschbad genießen. Durch diesen kleinen Wolkenbruch wurde meine Planung, pünktlich vor der Fast Stage zu stehen und Skyline zu lauschen, ein wenig nach hinten verschoben. Aber die letzten fünfzehn Minuten bekam ich dann noch mit. Und auch auf dem Weg zum Infield trug einem der Wind natürlich die Songs entgegen. Es wurden wie jedes Jahr Hits von einer tollen Mischung an Metalkapellen dargeboten. U.a. wurden Künstler wie Whitesnake, Warlock, Maiden und Guns´N´Roses mit perfekten Coversongs geehrt. Natürlich durfte auch die Wacken Hymne von Doro nicht fehlen, aber Doro ist ja eh immer irgendwie auf jeder Bühne anzutreffen wie man auch im Folgenden noch lesen wird.

Ich machte mich also auf zur Harder Stage, somit mein erster Gang zu den Hauptbühnen. Dort spielte nämlich Ross The Boss den wir wieder beide sahen und eröffnete die Night to Remember. Diesen Namen hat sie, da am Donnerstag zum Großteil nur Bands auf den Mainstages spielen, welche als Klassiker in der Metal-Szene gelten. So fegte Ross The Boss über die Bühne und heizte dem Publikum ordentlich ein und da das Wackenpublikum das schlechte Wetter gewöhnt war, machte es auch ordentlich mit. Während Sebastian weiter an der Hauptbühne verweilen wollte auf denen nach Europe die Altrocker Status Quo die Bühne bespielen werden. Mich trieb es aber erstmal wieder ins Zelt, wo ich den letzten Klängen der Alt Punker von UK Subs, in der restlos gefüllten Halle, lauschen konnte. Nach einer kurzen Pause waren dann jedoch schon Dawn Of Disease an der Reihe und legten einen mehr als ordentlichen Auftritt hin. Sie spielten im Zuge der NighttoDismember, welche als Gegenentwurf zu den Hauptbühnen galt. Hier traten in dieser Nacht nur Death- und Black Metal Acts auf und das Interesse daran war ebenfalls sehr groß, denn das Zelt sollte über die ganze Nacht sehr gut gefüllt bleiben.

Nun ging es aber erstmals zur Wackinger Stage, wo Wolfchant mit mehrstimmigem Gesang der Menge einheizten. Trotz der mittlerweile kühlen Temperaturen standen hunderte Menschen vor der Bühne und genossen die eher gediegenere Musik. Gediegener war das falsche Wort für das was parallel auf den Hauptbühnen geboten wurde. Als Erstes betraten Europe die Bretter die die Welt bedeuten. Im Vorfeld hörte ich von dem umher stehenden Menschen schon einige Sätze wie "Naja bleiben wir einfach mal bis Accept hier stehen und schauen uns die alten Herren an" (womit auch Status Quo gemeint war). Europe konnten die Menge jedoch gut unterhalten und jedenfalls im vorderen Teil des Infields sah man viele Arme oben und auch textsichere Besucher. Textsicher zeigten sich dann jedoch komplett alle bei, wie kann es auch anders sein, Final Countdown. Es kennt halt Jeder und auch ich habe darauf gewartet. Wirklich positiv wurden sehr viele aber von Status Quo. Einige wollten sie sich vor Accept geben um keinen guten Platz zu verlieren oder um sie einfach gesehen zu haben. Aber in Erinnerung werden sie mir jedenfalls bleiben. Da sie Anfang der sechziger Jahre gegründet wurde sind entsprechend auch die Bandmitglieder schon etwas älter was aber rein gar nichts an ihrer Leistung auf der Bühne beeinträchtigt. Nicht erst bei Ihrem Hit Rockin All Over The World hatten sie die Menge gut im Griff und ließen sich feiern. Während der 14 Stücke umfassenden Setlist wurde die Stimmung von Lied zu Lied besser. Alle Songs kannte ich und auch die Menschen um mich rum nicht. Aber des Öfteren hatte man plötzlich den Gedanken im Kopf "ah den kenne ich, lange nicht gehört". Im Endeffekt ein tolles Konzert.

Nun wurde es aber Zeit für das Highlight des Donnerstages wenn ich den Tag Revue passieren lasse. Was Accept auf dieser Bühne zauberte war einfach grandios. Angefangen von der sehr abwechslungsreichen Setlist inkl. Eines erstmals vorgetragenen Songs (Die Bie The Sword). Der Auftritt lässt sich grob in drei Teile glieder die Qualitativ immer genialer wurden. Während der ersten fünf Songs (u.A. Die By the Sword, Final Journey, Pandemic) war ein reines Acceptkonzert währenddessen der hintere Teil der Bühne noch verdeckt wurde. Als der Vorhang für den zweiten Teil der Show fiel zeigte sich uns das riesige tschechische Symphonie Orchester. Mark Tornillo blieb erstmals der Bühne fern und es wurde ein mehrere Stücke umfassendes Instrumentalkonzert zusammen mit dem Orchester gespielt. Schon bei den ersten Noten der Geigen, der Bässe, und auch der dazugehörigen E-Gitarre von Wolf Hoffmann ereilte mich eine Gänsehaut nach der anderen. Zu Part drei des Auftrittes kam dann auch nur wieder noch Herr Tornillo und somit der Gesang wieder dazu. Ich glaube es ist schwer dieses Liveerlebnis schriftlich wiederzugeben. Neben der Empfehlung, sich den Stream der noch im Netz abrufbar ist anzuschauen, kann ich das Konzert nur mit den Wort "Genau für sowas wurde die Musik erfunden" abschließen! Es war der Wahnsinn. Auch wenn es schwer war das Gesehene und Gehörte zu toppen musste ich nun die Entscheidung treffen ob es zu nebenan zu Volbeat oder ins Zelt zu Napalm Death geht. Da ich das Clubkonzert von Napalm Death letztens in Kassel leider nicht wahrnehmen konnte war ein Besuch der Headbanger Stage angesagt.

Das Zelt war auch recht gut gefüllt und man musste sich schon ein wenig nach vorne durchdrängeln um einen einigermaßen guten Platz zu haben. Und es wurde genau das was ich kommen gesehen habe. Napalm Death rissen das Zelt ab. Es gab keine zu erwähnende Bühnenshow, keinen Nebel nur Ansprachen und ordentliches Gedresche. Dazugehörig natürlich das ebenso extrem "Sportprogramm" von Barney. Wenn man ihm so auf der Bühne während der 12 Songs zu sieht wird man selbst schon ganz hyperaktiv. Ach ja, den Matze gab es ja auch noch, ihn trieb es während meinem Programm noch etwas weiter in den Außenbereich des W.O.A. Geländes. Das erste und einzige Mal sollte es mich nun an die Beergarden Stage treiben, wo Turbobier, eine Band aus Österreich eine Top-Leistung ablieferten. Genauso witzig waren dabei die Ansagen des Sängers mit feinstem Österreichischem Dialekt, in denen es natürlich auch um den heiligen Gerstensaft ging. Einziger Wehrmutstropfen war eigentlich nur der tiefe Schlamm, welcher auf das leicht abschüssige Gelände geschwemmt wurde.


Zurück ging es nun zur Wasteland Stage um den österreichischen Abend fortzuführen. Dort traten die Junge Band Kaiser Franz Josef auf und spielten sehr eingängigen, harten Indierock. Mich überraschte hier wie viele interessierte sich vor der Bühne versammelten, denn das Publikum vor der Wastelandstage konnte locker mit dem von der Wackinger mithalten.

Der letzte Akt des Abends fand für mich im Zelt statt, denn dort spielten die legendären Mayhem. Wie gewohnt traten sie in dunklen Roben auf und vernebelten die Bühne dabei erstmal komplett. Dies tat dem Ganzen aber keinen Abbruch sondern unterstrich ihr düsteres Bühnenkonzept. Die Massen im Zelt feierten Mayhem und gönnten sich zu später Stunde eine ordentliche Portion klassischen Black Metal. Für mich hieß es nun aber auf Richtung Zeltplatz. Dieses Unterfangen stellte sich jedoch schwieriger als Gedacht dar. Zum ersten Mal war es nämlich so, dass man nicht mehr vom Pressezelt zum Campingplatz laufen konnte. Man musste auf den Shuttlebus warten und leider wollten viele Leute gleichzeitig heim. Es spielten sich Drängeleien vor der Haltestelle ab, welche mich am vernünftigen Menschenverstand zweifeln ließen und welche einfach auch gefährlich waren. Leider endete mein Tag also mit diesem schlechten Eindruck. 


FREITAG

Der Freitag war für mich der interessanteste Tag des Festivals und somit gefüllt mit wunderbaren Bands. Den Anfang machte dabei Kadavar, welche die Louder Stage eröffneten und mit einer Mischung aus Progressive Rock und 70´s ihr Publikum verzauberten. Die Band versüßte den Start in den Festivaltag für die Zuschauer. Es ist schon immer ein schöner und zugleich seltsamer Anblick wenn man zu dem Auftritt einer Band geht die Tag eröffnet. Man sieht ein paar umher irrende Menschen und eine kleine Traube an der Bühne wo gerade gespielt wird. Deswegen ist es für eine Band vielleicht nicht ganz leicht um die Zeit. Aber diesen Anschein hatten wir bei Kadaver nicht und auch ihre Fans und die die es geworden sind erschienen trotz der frühen Uhrzeit zahlreich. Für mich ging es direkt danach zurück in das Pressezelt wo ich mich mit der Band Megalodon für ein kurzes und sehr interessantes Interview traf.

Da ich die Ehre hatte das aktuelle Grave Digger Album zu reviewen, war es natürlich klar, dass ich sie mir auch hier auf der Harder Stage geben werde. Das Review fiel ja damals schon positiv aus. Und Grave Digger um Sänger Chris Boltendahl heizten der Menge sofort von 0 auf 100 ein. Dies geschah mit dem Opener Healed By Metal, zwar auch der Titelgeber des neuen Albums aber auch als erstes Lied nicht schlecht gewählt. Nicht allzu viel Text und der wenige Text lässt sich gnadenlos von der Menge mit grölen. Aber egal ob alte oder neue Werke in der Ecke in der ich mich vor der Bühne aufhielt gab es immer frenetischen Applaus.
Kurz darauf ging es zur Faster Stage auf der Sonata Arctica auftraten, eine Band die mit ihren ersten Alben meine Jugend begleiteten. Auch bei ihrem Auftritt wurde mir bewusst wie sehr die Skandinavier vor allem für diese Werke vom Publikum gefeiert wurden. Die Titel ihrer neueren Alben wurden hingegen eher verhalten aufgenommen, doch das machte die Gruppe um Sänger Tony Kakko mit guter Laune und viel Charme wett.

Nach der Hälfte ihres Sets zog es mich jedoch ins Zelt um Grand Magus zu sehen. Die band, welche sehr klassischen Metal spielt, wusste genau wie sie ihre treuen Zuhörer zum Mitmachen bringen konnte. So wurden Songs wie Steel Versus Steel und Hammer Of The North mit einer Stimmgewalt vorgetragen, die locker Lust auf 30 weiter Minuten Spielzeit gemacht hätten. Doch leider ging das nicht und das war auch nicht schlimm, denn auf der W:E:T Stage traten Steak NumberEight auf und brachten mit ihrer ganz anderen Art von Musik ordentlich Stimmung. Ihr Genre könnte man als wilde Art von Post Rock bezeichnen und es ging wirklich verdammt wild zu. Sänger Brent Vanneste nutzte wirklich die gesamte Bühne und auch den Platz im Fotograben aus um sein Adrenalin los zu werden. Dementsprechend wurde das Publikum davon auch mitgerissen, ein definitiver Höhepunkt des Festivals für mich. Ein weiterer Höhepunkt, jedoch für die Band selbst, könnte der Auftritt von Slatatio Mortis gewesen sein. Bisher spielten sie immer auf den kleineren Bühnen und konnten sich diesmal auf die Harder Stage spielen. Damit könnte es vielleicht auch für Alea "den bescheidenen" mal eine Möglichkeit sein sich darauf was einzubilden. Und sie bedankten für den Auftritt auf der Harder mit einer Setlist die einen großen Teil ihrer Karriere abdeckt aber auch gut den Wandel der Band zu der etwas härteren Gangart zeigt. Früher aus kleinen Clubs kenne ich sie noch sehr mittelalterlich. Nun dominieren aber auch gerne mal die E-Gitarren und riesige Feuerstöße. Ich muss gestehen, dass ich im Vorfeld nicht viel von diesem Auftritt erwartet habe, aber sehr positiv überrascht wurde.

Hiernach watete ich durch den Schlamm, zurück zur Faster Stage. Dort traten Trivium auf und wer schon mal auf einer Show der Band aus Orlando war, weiß wie sehr Matt Heafy ein Publikum mitreißen kann.  Auch dieses Mal sollte es so sein und auch Matt Heafy selbst schwebte auf anderen Sphären, denn er spielte vor einer riesigen Masse aus Metalfans und hatte, zum ersten Mal in seinem Leben, die Möglichkeit auf einem Festival mit seinen großen Vorbildern von Emperor zu spielen. Dementsprechend merkte man ihm und seiner Band die Spielfreude förmlich an. Ich schaute mir fast das komplette Set an und konnte einen schönen Mix aus neuen und alten Songs erleben, bevor ich zurück in das Zelt pilgerte um dort The Dillinger Escape Plan zu sehen. Auch diese Band verstand es die Bühne vollkommen für sich einzunehmen und spätestens wenn man dann den Sänger von Steak NumberEight in die Zuschauermenge rennen und abgehen sieht weiß man, dass Musiker und Fan sein selbst bei einem so großen Festival wie dem Wacken noch dazugehört.

Hiernach gab es dann eine quälende Entscheidung zu treffen. Die Großartigen Emperor spielten auf der Faster Stage, während die Louder Stage durch Architects beschallt wurde. Ich entschied mich für Architects und wurde Zeuge wie die Metalcore Veteranen, von der ersten Sekunde an, über die Bühne fegten. Das Publikum grölte, schrie die Songtexte mit und sorgte für eine ordentliche Stimmung. Die Engländer feuerten die Menge immer wieder an und sorgten mit viel Wut im Bauch für einen dauerhaft, brachialen Sound. Ich hörte mir ein paar Songs an und ging dann noch eine Weile zur Hauptbühne um Emperor zu erleben. An dieser Stelle muss man dem W.O.A. dafür danken, dass sie die zahlreichen Fanwünsche beherzigten. Beim letzten Auftritt von Emperor auf dem Wacken spielte die Band nämlich mitten am Tag und das zog etwas unmut auf sich. Eine Band wie Emperor, die Ikonen des Black Metal Genres sind,sollte doch im dunklen spielen und das geschah in diesem Jahr endlich. So versammelte sich eine große Anzahl an Zuschauern vor der Hauptbühne und headbangten zur Musik.

Ich hab länger mit mir gerungen welche Band es werden soll. Die Wahl ist auf Apocalyptica gefallen. Das erste Mal als Vorband bei Rammstein gesehen (ich meine es war 2005) und mehreren Solokonzerten wurde es nun doch mal wieder Zeit. Und nun ja was soll ich sagen. Apocalyptica ist eine Band die das macht und spielt, was sie seit Jahren macht und spielt. Ein Auftritt von Ihnen ist immer ein kleines Up And Down. Während Hits wie Seek And Destroy oder Nothing Else Matters jeden Fan zum Feiern bringen gibt es wiederum andere die regelrechte Langeweile auslösen. Und so war es auch dieses Mal. Aber da ja bei den meisten bekannt ist was für Musik geboten wird kann man immer von einer guten Party sprechen und die vier Cellos dürfen gerne wiederkommen.

Die letzte Band auf der Louder Stage, für diesen Abend, waren Turbonegro. Mit dieser Band die Stage zu schließen war ebenfalls eine sehr gute Entscheidung. Mit ihren Outfits und der Art wie sie auf der Bühne wirkten, konnten sie die Zuhörerschaft mitnehmen und ihnen eine sehr gute Zeit verschaffen. Auf der Hauptbühne konnte davon eher weniger die Rede sein. Marilyn Manson trat dort auf und  das natürlich mit ein paar Minuten Verspätung. Zudem nebelte er erstmal die Bühne ein, damit man auch möglichst wenig sehen konnte. Gefolgt war das Schauspiel von einem neben sich stehenden Künstler, welcher dauernd das Mikro wegschmiss, sich unbeholfen auf dem Boden robbte, Minuten lange Pausen zwischen den Songs einlegte und natürlich das Publikum anpöbelte. Natürlich könnte man nun sagen dass eben dies die Person des umstrittenen Manson ausmache, doch dies war eines Auftrittes auf einer Mainstage nicht würdig. Diese Kritik musste sich das Wacken nun leider auch gefallen lassen. Enttäuscht verschwanden die Zuschauer und auch ich ging zurück auf den Campingplatz.


SAMSTAG

Der letzte Festivaltag startete mit drei Bands, die wir unbedingt sehen wollte. Im Zelt waren es The Hirsch Effekt, auf die bereits eine treue Anhängerschaft wartete. Auch wenn die meisten noch etwas verschlafen oder verkatert aussahen, wurden sie spätestens mit den ersten Tönen der Band geweckt. The Hirsch Effekt verwandelten die W:E:T Stage in ihre ganz eigene Bühne, sprangen, feuerten an und genossen die Stimmung im Bullhead City Circus sichtlich. Mit ihrem Mix aus vielen verschiedenen Sub-Genres des Metal schafften sie Spannung und Abwechslung am Samstagmorgen. Nach 30 Minuten war ihre Show leider schon vorbei und ich schaute was es denn so auf der Headbangers Stage zu hören geben würde. Es war eigentlich genau das Gegenteil der vorherigen Band, denn so abwechslungsreich wie The Hirsch Effekt waren, so stringent waren dann Ahab. Sie spielten DoomMetal, welcher leider meinen Geschmack nicht so recht traf. Aber dieser sogenannte Geschmack ist ja bekanntlich verschieden und so wurden auch ihre Songs mit warmem Applaus belohnt. Genau parallel zu den beiden Bands gab es da auch noch Rage. Rage hat für mich bisher immer sehr solide und gute Shows abgeliefert. Und empfehlenswert war die Show zum Wachwerden allemal. Sieben Songs die schon um die Zeit den Rest der Müdigkeit wegblasen und zum Bewegen einlädt. Als Premiere kann man Season Of The Black sehen das hier Uraufgeführt wurde. Im Folgenden Higher Than The Sky verstecken Rage dann noch das wohl bekannte Cover von Dio´s Holy Diver. War toll gespielt und smit ein toller Moment.

Mich zog es nun aber zu den großen Bühnen des W.O.A.. Auf der Faster Stage spielten die legendären Max & Igor Cavalera mit einem speziellen Set. Das Roots Album wurde performed und alleine das war ein Grund für viele, um zu dieser Bühne zu pilgern. Ein sichtlich gut gelaunter Max Cavalera betrat pünktlich um 14:30 Uhr die Bühne und legte mit einem Feuerwerk los. Roots Bloody Roots wurde als erster Track gespielt und heizte der Menge so richtig ein. Anscheinend hielten Max und Igor es auch nicht für notwendig große Pausen zu machen, denn ein Song wurde an den nächsten gereiht. Damit blieb die Stimmung auf dem Siedepunkt und wurde mit einem tollen Bühnenlicht, nämlich gelb und grün, den Farben Brasiliens, untermalt. Auf der Louder Stage spielten zeitgleich die wundervollen Russkaja, welche natürlich wieder die Bühne abbrannten. Pünktlich zum Psychotraktor konnte ich mir ihren Auftritt anschauen und erlebte ein Publikum, welches den eben besagten Traktor so richtig zum Rasen brachte. Russkaja funktionierten wunderbar auf dem Wacken, das konnte ich mir bereits mehrfach auf verschiedenen Bühnen anschauen und auch dieses Mal war ihr Auftritt wieder ein voller Erfolg.

Nun ging es für mich zurück ins Pressezelt. Dort fand die Alljährliche Pressekonferenz mit der Auswertung für das W.O.A. 2017 statt. Wie auch in den Jahren davor, konnte man auf ein friedliches und gelungenes Festival zurückblicken. Die Straftaten waren weiterhin rückläufig und bis auf eine Ausnahme gab es auch keine schwerwiegenden Unfälle. Die Macher des Wackens zeigten sich sehr zufrieden und fanden das auch die Verbesserungen auf dem Holy Ground ihre Früchte trugen. Man könne Schlamm auf dem Wacken nicht vermeiden, wenn es so schwer regnen würde, doch zeigten das Drainagesystem und die Bierpipeline ihre ersten Erfolge. Man werde in den nächsten Jahren das System weiter verbessern, um vor allem das Abfließen des Wassers zu verbessern. Grade für die Beergarden- und die Louder Stage würde das Sinn machen.

Während der Pressekonferenz spielten übrigens die Thüringer von Heaven Shall Burn auf der Harder Stage. Wie immer legten sie ein Feuerwerk hin und brachten die Menge zum Kochen. Leider blieb mir ein Großteil dieses Spektakels verwehrt.
Da ein Teil meiner MItcamper mir Orange Goblin empfohlen haben, wurde ich von diesen mit gezerrt. Als wir am Bull Head ankamen zockte noch Kärbholz auf der Bühne und begeisterte die anwesenden Fans. Und auch ich fand den Auftritt gelungen. Jedoch verschwinden viele dieser Deutschrock / Punk Bands in einer großen Masse. Auch im Zelt hörte ich aus manchen Mündern Sprüche wie "Kennst du eine dieser Bands kennst du alle". So drastisch würde ich es nicht ausdrücken und das was ich von Kärbholz noch sehen konnte hat gefallen. Nun scheiden sich bei Matze und mir die Geister.

Denn auch für ihn ging es aber nun weiter in Richtung des Bullhead City Circus. Dort spielten Orange Goblin, welche schon als Vorband für Alice Cooper und Queens Of The Stone Age. Ihre Show war dementsprechend gut besucht und der Beifall der Mengen konnte ihnen sicher sein. Der Funke wollte nur leider nicht so recht auf mich überspringen (Matze).

Für mich sah der Auftritt jedoch ganz anders aus. Meine Leute hatten mich direkt in die ersten 3 - 4 Reihen gezogen und da auch ein paar zierlichere Frauen dort standen dachte ich es würde wohl ein ruhigeres harmonischeres Konzert. Weit gefehlt. Angefangen als Stoner Rock Band, haben sie sich nun voll und ganz den härteren Klängen des Rocks verschrieben. Aber nicht nur die Musik sorgt für Spaß, denn was Ben Ward am Mikrofon für Stimmung und Spielfreude rüberbringt ist der schiere Wahnsinn. Zügig bildeten sich ein größerer Pit und man konnte Gas geben. Der Goblin hatte uns alle locker in der Hand. Hier gebe ich dann auch mal eine Hörempfehlung ab.

Doch umso mehr freute ich mich auf die nachfolgende Band, denn Insomnium traten zum ersten Mal nach 2012 wieder hier auf. Die Skandinavier performten eine recht ungewöhnliche Show die eigentlich nur aus drei Songs bestand. Für Nichtkenner der Band mochte das komisch erscheinen, doch ihr letztes Album bestand nur aus einem Song, weshalb man einfach teile daraus dann spielte. Für mich waren sie ein weiteres Highlight des Festivals und eine definitive Hörempfehlung.

Vor Insomnium gab es allerdings noch Mr. Cooper der sich schon im Jahr 2013 großer Beliebtheit erfreute. Umso seltsamer war es Anfangs das seine Show mit der ich seine Auftritte zu erst verbinde, lange Zeit brauchte um in Gang zu kommen. Es schlich sich schon die Angst ein, dass nach dem doch recht mäßigem neuen Album von Alice auch seine Showelemte nicht mehr vorhanden sind. Dem war aber nicht so und es konnte nach ein paar Minuten mit dem Kampf und dem Sterben auf der Bühne begonnen werden. Die Zwangsjacke, die Guillotine, Spritzen und etwas Kunstblut rundeten die Show ab und machten sie wieder zu dem was man von Alice Cooper kennt und sehen will.

Der letzte Act auf dem Wacken Open Air 2017 waren für mich dann Katatonia. Sie spielten auf der Louder Stage und vertraten dort die ausgefallene Band Walls Of Jericho. Leider zog die Band nicht so viele Zuschauer vor die Bühne, was schade war, da sie unglaublich gute Musik performten. Der Hauptgrund dafür mochte vor allem am Act auf der Faster Stage, AmonAmrath, liegen.

Gegen ein Brett wie Amon Amarth zu spielen ist aber auch eine schwere Herausforderung denn das Konzert war der Wahnsinn. Ich kämpfte mich für die Winkinger ein letztes Mal weiter nach vorne. Sofort bei Beginn flogen die Fäuste in die Luft, Flammen erhellten während des Gigs die Bühne und die Kraft die in Johann Heggs Stimmt steckt holt gegen Ende des Wackens nochmal alles an Power aus den Besuchern. Aber auch wenn man es kaum für möglich halten will, selbst bei Amon Amarth und ihrer düsteren Art wurde für den Song A Dream That Cannot Be eine Ansage der besonderen Art ,und schwupps, hat sich wieder mal Doro auf die Bühne gemogelt und es wurde ein doch annehmbares Duett von Mr. Hegg und Doro. Aber trotzdem will man es nicht so wahr haben. Der Songtitel passt schon.

Nun ging es für mich ein vorletztes mal zum Zelt um im dunkeln etwas abzubauen, das Auto zu beladen und evtl. anwesenden Mitcampern des CAF 2017 Camps eine gute Heimreise zu wünschen in der Hoffnung man sieht sich im nächsten Jahr wieder. Als alles verstaut war ging es jedoch wieder zurück ins Bullhead. Denn die Premiere von Tankard auf dem Wacken wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und für Qualität stehen die vier Frankfurter ja eh. Als der Vorhang viel tobte Gerre schon über die Bühne und die Frankfurter Antwort auf Thrash Metal machte das Zelt dem Erdboden gleich. Einige doch gut angeheiterte Fans in Frankfurttrikots sorgen vor der Bühne im Pit für Stimmung. Die Setlist war eine für Tankard ganz gewöhnliche. Es wurde Zombie Attack, The Morning After, A Girl Called Cerveza und andere gespielt. Als neuen Song vom gleichnamigen Album wurde One Foot In The Grave eingebaut bevor es später mit dem Rausschmeißer (Empty) Tankard beendet wurde. Ich stehe auf Tankard und der Auftritt war genial. Aber eine Band die sich und ihre Fans so gerne mit Themen rund um Bier beschäftigt dürfte auch gerne nicht am letzten Tag abends spielen.

Das Wacken Festival war in diesem Jahr, bis auf wenige Ausnahmen, sehr gelungen. Klar, es hätte auch einfach mal nicht regnen müssen, doch im Nachhinein konnte man sich wohl glücklich schätzen, dass das Festival nicht, wie so viele andere, unterbrochen werden musste. Die Bands auf dem Wacken waren auch in diesem Jahr wieder qualitativ Hochwertig und boten eine gute Mischung für jeden Geschmack. Die einzige Ausnahme war dabei wohl Marilyn Manson, welcher in Zukunft wohl nicht mehr dort auftreten sollte. Überstrahlt wurde diese Performance jedoch vom spannenden Metal Battle und den anderen Hauptacts, welche mehrfach die Bühne abbrannten. Also, see you in Wacken 2018, rain or shine.

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