Konzertberichte

The Sweet10.06.2018

The Sweet
Support: Heaven In Hell
09.06.2018
Zitadelle Spandau
Berlin


verfasst von Kalle

Berlin schwitzte an diesem Abend enorm. Die Wolken blieben fern, die Sonne schien ununterbrochen und die Temperaturen waren gefühlt sehr tropisch angesiedelt. Genau das richtige Wetter für ein Open Air Konzert. Das haben The Sweet ja schön eingefädelt, das solch Temperaturen auf ihrer eigenen Geburtstagsfeier herschen. Okay... die Zitalle Spandau hat viele Bäume, hohe Gebäude und somit genügend Schatten zu bieten. Die Sonne ist zudem ja immer tiefer gesunken, so das ein lauer Wind den Aufenthalt sehr eträglich gemacht hat. Schön wäre es gewesen, hätte es Wasser gegeben, das man gratis verteilt hätte, um eventuelle Hitzeschläge usw. zu vermeiden. Vielleicht ein kleiner Tipp für die Zukunft.

Wie erwähnt feierten The Sweet Geburtstag und dies jetzt zum 50ten Mal. Dazu kamen ca. 3200 Fans nach Spandau. Man durfte sich von den vollen S-Bahnen auf dem Weg nicht trüben lassen, denn parallel fand in der Berliner Waldbühne das Konzert der Beatsteaks statt. Die Jugend war somit versorgt und das etwas ältere Publikum fand sich auf der Zitadelle ein. Ich kam direkt von Arbeit und somit in schöner Unionklamotte nach Spandau und wurde direkt am Einlass doof angeschaut. Was ich mir das doch wagen würde, nach Spandau mit rot und weißen Sachen zu kommen. Ähm... das sind nunmal die Farben von Berlin, ganz einfache Sache :D Die Besucher in der Location waren auch erstaunt, warum ein solch junger Mensch hier so herumläuft. Ich hab tatsächlich den Altersdurchschnitt gesenkt, zwar nicht drastisch, aber immerhin.

Dennoch hatte ich an diesem Tag weniger Energie als die Herren auf der Bühne. Doch bevor The Sweet die Bühne betraten, durften um 19 Uhr Heaven In Hell das Publikum unterhalten. Die Band spielt Akustik und covert sich durch die Musikgeschichte mit Rockklassikern. Mit einer gesunden und unterhaltsamen Auswahl an Liedern brachten sie so manch Besucher schon zum Tanze und Gesang. Hörte sich gut an und zum auflockern gut geeignet. Der Hauptact sollte Berlin dann etwas mehr ins Schwitzen bringen... oder doch nicht?

Erst einmal Lob an die Technikcrew und Co. Der Umbau war ja so schnell vollzogen, das man kaum zum Biernachschub kam, ohne etwas zu verpassen. Um 19:40 Uhr erklang das Intro und The Sweet betraten die Bühne. Jetzt konnte man sehen, wie sich das Publikum verteilte. Im Bereich vor der Bühne war erneut, wie auch bei Hollywood Vampires, ein Front Of Stage Bereich eingerichtet, dahinter durften dann alle anderen stehen. Ehrlich jetzt Leute... das sieht doch für ne Band scheiße aus, wenn da 500 Leute im ersten Bereich stehen, dann ne Lücke klafft und dann die nächste Menschenreihe beginnt. Das raubt richtig viel an Stimmung bei Konzerten. So leider auch an diesem Abend geschehen. Es ist schade für eine Band, wenn die Dynamik aus dem Publikum fehlt und manch Leute mit solchen Front Of Stage Karten schauen wollen, wie viel sie aus dem Konzertbesucher pressen können. Schön ist das nicht. Diese Zweiklassengesellschaft hat auf Konzerten, aus meiner Sicht, nix verloren. Schon gar nicht bei einer Geburtstagsshow, wo das Feiern doch an erster Stelle stehen sollte.

Das wurde zum Glück ordentlich auf der Bühne praktiziert. Professionell und mit der ordentlichen Portion Spaß sorgten The Sweet zum Start für ordentlich Sound aus den Boxen. Es begann mit "Action" und "New York Groove". Dann kamen auch schon die ersten Stargäste auf die Bühne. Von der Rock Meets Classic Familie traten u.a. Sascha Krebs und Mat Sinner als Backgroundsänger mit auf. Im weiteren Verlauf des Abend schnappte sich Mat dann noch, wie man ihn eigentlich kennt, eine Bassgitarre und spielte mit. An weiteren Gästen hatten The Sweet ihren ehemaligen Gitarristen Steve Man mit dabei, dazu kam die Heavy Metal Queen Doro Pesch und Marc Storace von Krokus gab sich ebenfalls die Ehre auf der großen Geburtstagsfeier. Mit Doro sangen sie gemeinsam den All-Time-Doro-Song "All We Are". Da staunten einige Fans nicht schlecht, wie Heavy The Sweet klingen können. Doro natürlich wie immer leicht nervös wirkend, dann aber doch hochprofessionell und mit einer gewissen Coolness abliefernd.

Abgeliefert hat auch der Tontechniker, der Sohn von Andy Scott (übrigens das einzige noch originale Mitglied). Er hat die Damen und Herren auf der Bühne gut geregelt. Leider waren ihm in Sachen Lautsstärke etwas die Hände gebunden. Im Gesamten hat er aber einen sehr vernünftigen Sound geliefert. Das Licht blieb schlicht, denn auf Dunkelheit musste man noch etwas warten. Die Setlist bestand aus vielen Klassikern, aber auch aus aktuelleren Zeiten und damit verknüpften Songs. Logischerweise wurden die Welthits der Band mehr bejubelt, als die etwas neueren Stücke. Stimmung wollte nicht zurecht aufkommen. Einerseits kein Wunder, wie soll man denn auch klatschen, wenn man die ganze Zeit ein Konzert wieder mit Smartphones filmen muss. Das Set wurde, bis auf wenige Ansagen, ordentlich runtergespielt, denn der Zeitplan war doch etwas straffer als gedacht. In den insgesamt zwei Stunden hat die Band aber jede Menge Elemente eingebaut. So gab es, wie bereits 2015 im Huxley´s Berlin, ein Akustikset, wo Lieder wie "Coco" oder "Poppa Joe" gespielt wurden. Die großen Klassiker wie "Love is Like Oxygen", "Teenage Rampage", "Wig-Wam Bam" oder "Fox On The Run" hielt man sich zum Ende hin auf dem Zettel vor und zelebrierte die Lieder dann mit dem aufgetautem Publikum.

Es wurde fröhlich getanzt, mitgesungen, da wo es vom Platz her möglich war, und es kam sowas wie Konzertfeeling auf. Natürlich wollte bei den Temperaturen sich nicht jeder unnötig bewegen. Die Band, ebenso am schwitzen, wirbelte mehr rum, als manch Fan im Publikum. Dementsprechen waren, die nicht mehr so jungen Musiker, hier und da etwas durchnässter, als man es sonst in der Halle hätte erleben können. Zum Finale mit "Ballroom Blitz", was gegen 21:40 Uhr gespielt wurde, traten noch einmal alle Gäste mit auf die BÜhne und am Ende gab es verdienten Applaus. Leider gab es keine große Szeremonie auf der Bühne, wo evtl. ein Kuchen oder so zum Jubiläum gebracht wurde. Zudem wurde nicht einmal Happy Birthday für die Band gesungen. Ein grandioses Konzert war es aber dennoch. The Sweet stehen noch gut unter Strom und wissen zu überzeugen. Allerdings würde ich das nächste Mal wieder eine Halle bevorzugen, da dort die Stimmung durch das näher stehende Publikum gleich eine Andere ist. Und 30 Euro für ein Shirt sind, selbst für The Sweet" eine ordentliche Hausnumemr.

Wenn ihr The Sweet noch nie live erlebt habt, dann solltet ihr es bei Gelegenheit nachholen. Egal in welchem Alter ihr euch befindet... ein paar Lieder kennt ihr bestimmt und einmal muss man solch Klassiker erleben können. Bei The Sweet lohnt sich das direkt immer. Danke für einen musikalisch schönen Abend.

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