Konzertberichte

Rock Hard Festival 201813.06.2018

Rock Hard Festival 2018
18. - 20.05.2018
Amphitheater
Gelsenkirchen

verfasst von Henry G.

Rock Hard Festival, das bedeutet jedes Jahr zu Pfingsten ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus der Region und darüber hinaus bei einem abwechslungsreichen Musikprogramm mit einigen großen und anderen nicht so großen Namen der Rock- und Metalszene. In diesem Jahr lag der Termin Mitte Mai, was schon manches Mal wettertechnisch in die Hose gehen konnte - nicht so in diesem Jahr: Drei Tage eitel Sonnenschein, kein Tropfen Regen und angenehm warme, aber nicht zu warme Temperaturen schufen die optimalen Grundvoraussetzungen für ein großartiges Festivalwochenende.

Der Freitag startete zeitig gegen 15 Uhr mit den Melodic Death- Metallern Dawn of Disease aus Osnabrück. Am Einlass bildete sich eine lange Schlange und bis man drinnen war, waren die Festivalopener schon fast durch. Das Amphitheater war bereits zur Hälfte gefüllt und ein breitwandiger Open-Air-Sound begeisterte die Massen im Innenraum, die freudig die Pommesgabeln emporreckten. Musikalisch ist der Begriff vom Melodic Death Metal hier tatsächlich angebracht, da die Gitarrenarbeit teilweise sehr melodisch und gefühlvoll ist, während die Stücke wie Catacombs insgesamt ordentlich einen auf die Zwölf knüppeln. Ein gekonnt starker Beginn für das diesjährige Rock Hard!

Der Freitag war ein bisschen der Tag der einheimischen Bands, immerhin war mit Sodom nicht nur der Headliner, sondern ebenfalls mit Attic eine weitere Gelsenkirchener Lokalprominenz vertreten. Diese hatten sogar ihre Eltern eingeladen, dem Gig in ungewohnt großem Rahmen beizuwohnen. Doch so sehr mancher sich auf den Auftritt gefreut hatte - wie man am lautstarken Begrüßungsapplaus ablesen konnte - so jäh war die Enttäuschung, angesichts des miserablen Sounds bei dem Gig vor der Bühne. Alle nur Gematsche, laut und übersteuert, keine Instrumente und keine Vocals waren da heraushörbar. Das wollte sich mit den folgenden Titeln auch nicht so recht bessern, ein Standortwechsel brachte ebenfalls wenig neue Perspektiven. Attic spielten zwar mit Lust und Laune ihre Musik, wie den Titeltrack vom grandiosen zweiten Album Sanctimonius und ältere, inzwischen unverzichtbare Stücke wie Join the Coven, aber ein annehmbarer Sound kam erst kurz vor Schluss bei der Ballade Dark Hosanna zustande. Immerhin konnte man so noch den abschließenden Headless Horseman gebührend abfeiern und fürs Auge bietet die Show mit den zahlreichen Bühnenausstattungen wie Kerzenständern, hölzernen Altarumzäunungen und dem umgedrehten Kreuz ohnehin immer mehr als andere Bands im Angebot haben.

Etwas gemächlicher ging es im Anschluss mit den Niederländern von Dool in den rockigen Teil des frühen Abends, dieser würde schließlich noch heftig genug werden. Melodisch, atmosphärisch, getragen sind wohl die am besten passenden Beschreibungen für die Musik des Quintetts um die etwas haarige Frontfrau Ryanne van Dorst. Sie freute sich, mit ihrer Band zum ersten Mal auf dem Festival eingeladen zu sein und der Innenraum des Amphitheaters war konstant gut gefüllt. Ein Banner mit dem Bandnamen oder ähnliche Dekorationen hatte man nicht dabei, hier ging es einzig um die Musik. Nach einigen eher etwas zu ruhigen Songs war mancher froh über eine etwas peppigere Nummer wie She Goat - ein paar noch recht zaghafte Anfeuerungsrufe waren die Belohnung aus dem sonst sehr ruhigen Publikum. Insgesamt plätscherte der Auftritt so ein wenig vor sich hin, als wäre es ein paar Grad wärmer und die Zuschauer schon in Hitzestarre verfallen. Vielleicht war auch nur die Vorfreude auf das weitere Abendprogramm zu groß, um sich jetzt schon zu sehr verausgaben zu können.

Denn direkt im Anschluss stand mit Diamond Head eine echte Legende des Heavy Metal auf der Rock Hard-Bühne. Vor sage und schreibe 42 Jahren wurde die Band gegründet, von damals ist bis heute aber nur der Original-Gitarrist Brian Tatler übriggeblieben. Die aktuelle Besetzung besteht in der Form seit 2016 und man sieht auf den ersten Blick am Altersunterschied, dass hier zwei Musiker-Generationen erfolgreich zusammenarbeiten. Das Amphitheater zeigte sich noch einmal deutlich stärker gefüllt, als zuvor an diesem Nachmittag, viele wollten den wenigen neuen und vielen alten Songs von Diamond Head lauschen. Denn die Setlist berief sich im Wesentlichen auf die ersten zwei Alben von 1980 und 1982. Neues Material wie Bones von der aktuellsten Platte von 2016 kam ebenfalls ganz ordentlich bei den Zuschauern an, es passte diesmal allerdings auch der Sound. Zum epischen Klassiker In The Heat of the Night, konnten die Fans ihre Mitsingfähigkeiten auf die Probe stellen, weitere gespielte Titel aus der Anfangszeit der Band waren Helpless, Lightning to the Nations und Shoot Out the Lights. Einige Poger drehten die gesamte Show über durch, die große Masse beschränkte sich allerdings auf ein paar Diamond Head-Sprechchöre. Zumindest bis zu dem Moment, als die wesentliche Frage gestellt wurde: "Rock Hard, are you evil?" Es folgte der ikonische Metalkracher schlechthin, Am I Evil? und die Masse im Innenraum war komplett am Durchdrehen. Was für ein Abschluss eines viel umjubelten Auftritts.

Eine deutlich düsterere Klangfarbe schlugen gegen Abend die Schweden von Tiamat an, die mit ihrer Setlist auf die Alben Clouds und Wildhoney von 1992 beziehungsweise 1994 fokussiert waren. Die geplante Spielzeit von knapp 75 Minuten erlaubte jedoch nicht, beide Alben der Gothic Metal-Pioniere in Gänze darzubieten, stattdessen wurde eine Auswahl der Songs präsentiert. Der Sound dabei war überaus heavy und ungeahnt gut; nach nur drei Stücken ließen sich die ersten Tiamat- Sprechchöre feststellen. Für einige Tracks wie The Sleeping Beauty und Forever Burning Flames wurde ein Gastsänger für die tiefen Growls hinzugeholt - ein relativ eng umgrenzter Moshpit im Innenraum war die Folge. Viel zu sehen wurde nicht geboten auf der Bühne, keine Hintergrundbanner oder Ähnliches, es ging erneut mehr um die Musik als Ganzes; optische Akzente setzten nur der Basser Gustaf Hielm mit seinem Nina Hagen-Shirt und Frontmann Johan Edlunds Corpsepaint. Das Album Wildhoney wurde mit dem gleichnamigen instrumentalen Intro mit Vogelgezwitscher eingeläutet, die atmosphärischen, teilweise recht langsamen Arrangements dieser Platte bestimmten den Rest der Show. Bis auf einige Mosher und ein paar Tiamat-Rufe war insgesamt recht wenig mit dem Publikum los. Tiamat waren knapp zehn Minuten vor Ende der geplanten Spielzeit schon durch und beendeten den Co-Headliner-Auftritt mit einer Reise nach Gaia.

Nach einer fast dreiviertelstündigen Umbaupause war die Zeit für den lang erwarteten Headliner gekommen. Nachdem Mastermind Tom Angelripper Anfang des Jahres seine beiden Mitstreiter gefeuert und Sodom als Quartett neu besetzt hatte, war nun hier beim Heimspiel die Weltpremiere des neuen Lineups der Thrash-Metal-Legende live zu erleben. Nicht alle neuen Mitglieder sind komplett neu dabei, Gitarrist Frank Blackfire ist zurückgekehrt, nachdem er Ende der 80er schon bei Sodom war und mit Alben wie Persecution Mania und Agent Orange Metalgeschichte geschrieben hatte. Die Aufbauten auf der Rock Hard- Bühne für Sodom waren monumental: ganze Wände von insgesamt 2 mal 12 Marshall-Verstärkern wurden da zusammengestellt; in Anbetracht dieser geballten Power war der Sound am Anfang des Konzerts erstaunlich leise eingestellt. Trotzdem entwickelte sich gleich von Anfang an ein recht großer Moshpit. Es ging direkt ins Jahr 1987 zur EP Expurse of Sodomy mit Klassikern wie Sodomy and Lust. "Hallo Heimat" begrüßte Tom Angelripper die feiernden Massen auf dem Rock Hard, gefolgt vom Klassiker Nuclear Winter - die großen Hauptlautsprecherboxen an den Seiten schienen erst jetzt eingeschaltet worden zu sein, denn der Sound präsentierte sich plötzlich wesentlich lauter und wuchtiger als bei den ersten Songs. Sodom- Anfeuerungsrufe folgten und die Band schien es sichtlich zu genießen. Weitere Klassiker wie Outbreak of Evil und Christ Passion donnerten in der Folge aus den Boxen. Es war zu erwarten, dass Sodom mit Frank Blackfire eine Oldschool-Show spielen würden und diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Lediglich ein neues Stück vom letzten Album fand sich mit Strange Lost World auf der Setlist, der Großteil der anderen Titel war aus den 80ern und 90ern. Zu Blasphemer bildete sich ein besonders großer Moshpit und ab und an flogen einige Crowdsurfer über die Köpfe. Tom bedankte sich bei den Zuschauern und beim Rock Hard, der in all der Zeit immer an die Gelsenkirchener Thrasher geglaubt hat; bei seinen Ansagen breitete er die Arme aus, als wolle er das ganze Publikum umarmen. Mit Tired and Red und Remember the Fallen wurde weiteres Material von der Agent Orange gespielt, mit Lifeline war auch eine Covernummer mit im Programm. Eine kleine Live-Rarität ist Silence is Consent von 1994, umso besser, das mal zu hören. Mit Ausgebombt und Bombenhagel bog die anderthalbstündige Show auf die Zielgerade ein und der Moshpit erfüllte große Teile des Innenraums. Schön, mal wieder so viele Klassiker zu hören. Insgesamt hat bis auf den zu leisen Sound am Anfang alles gepasst, das Licht war hervorragend abgestimmt und die Besetzung mit zwei Gitarristen eröffnet Sodom ganz neue Möglichkeiten.

Der Samstag begann mit einem kleinen Nachschlag in Sachen Thrash, die süddeutschen Traitor aus Balingen hatten um die Mittagszeit ihren Auftritt vor einem erstaunlich gut gefüllten Innenraum, während die Ränge noch weitgehend frei waren. Das Geschehen auf der Bühne war auf den ersten Blick ungewöhnlich: Man wunderte sich erstmal, wo ist der Sänger, aber diese Aufgabe übernimmt bei Traitor der Drummer Andreas Mozer, wie man bei genauem Hinsehen aus den noch verschlafenen Augen feststellen konnte. Im Verlauf der Show kam für einige Stücke ein Gastsänger hinzu, der das Quartett verstärkte. Knee-Deep in the Dead ist der Name des aktuellen, vor wenigen Wochen veröffentlichten Albums von Traitor und dieser war ebenfalls auf den Aufstellbannern zu lesen. Im Innenraum wurde ein kleiner Circle Pit zu Krachern wie Fuck You and Die abgehalten, ansonsten war mit dem Publikum noch eher wenig los so zu so früher Stunde; man war anwesend und das reichte.

Die Sonne schien ausdauernd an diesem Mai-Wochenende und es war an der Zeit, für etwas dazu passenden melodischen Happy Metal mit den Schweden von Nocturnal Rites. Vor der Bühne war es deutlich leerer als bei Traitor, aber die Ränge des Amphitheaters füllten sich so langsam. Soundmäßig war es wieder einer der schwächeren Auftritte des Festivals, es klang alles etwas dumpf zusammengehauen. Dazu wurden keyboardlastige Songs wie Never Again mit Einspielungen aus der Konserve ergänzt; das kommt immer nicht so gut an. Das Auditorium wirkte bei dem Auftritt einigermaßen müde, die Band ließ sich aber die gute Laune und die Spielfreude nicht nehmen, allen voran Frontmann Jonny Lindqvist freute sich über die schönen Soli vom noch relativ neuen Gitarristen Per Nilsson, welcher mit Leichtigkeit obendrein den Titel als Musiker mit dem markantesten Bart des Festivals einheimsen konnte. Weitere Tracks auf dem Programm waren Shadowland von der gleichnamigen 2002er Platte, Never Trust und A Heart as Black as Coal. Erst gegen Ende der Show wachte das Publikum allmählich auf und ließ sich zu einigen Anfeuerungsrufen für die Band hinreißen.

Im Anschluss waren The New Roses an der Reihe, ihren Gute-Laune-Stadion-Hard Rock unters Volk zu bringen. Das 50er-Jahre Rock´n´ Roll-Intro war eine klare Ehrerbietung an die Ursprünge des Hard Rock! Groovige Songs wie Every Wild Heart und Dancin´ on a Razorblade zauberten ein Lächeln auf viele Hundert Gesichter vor der Bühne im gut gefüllten Amphitheater. Manch einer wagte einen Crowdsurfing-Ausflug, ein besonders Wagemutiger nahm den Ausdruck wortwörtlich, indem er seinen horizontal in der Höhe schwebenden Kumpel als lebendes Surfbrett verwendete. Weitere Stücke wie Gimme Your Love oder It´s a Long Way verdeutlichten das Talent der New Roses aus Wiesbaden, eingängige, groovende Rocksongs zu schreiben, die einfach aufs Beste unterhalten und wie für solch ein Amphitheater gemacht sind. Diverse Rockerposen beherrscht das Quartett ebenso perfekt. Eine etwas weniger fröhliche, fast schon bluesige Nummer ist das "Klagelied" des langhaarigen Teenagers, Life Ain´t Easy (For a Boy With Long Hair). Bei Devil´s Toys konnte der gitarrespielende Schönling mit dem vielsagenden (Künstler-)Namen Norman Bites beweisen, was er solomäßig drauf hat. Der Titeltrack des aktuellen Albums One More for the Road klingt stark nach Bruce Springsteen, ein Mitsingpart machte die Stadionrockatmosphäre perfekt.

Wieder stärker metallisch wurde es im Anschluss mit Leatherwolf, die 1981 in Kalifornien gegründete Metalband war eine der ersten, die mit drei Gitarristen auf der Bühne von sich reden machte. Bis heute verbliebene Originalmitglieder sind Drummer Dean Roberts und Sänger/Gitarrist Michael Olivieri. Letzterer freute sich über das gute Wetter, die zahlreichen Besucher und die vielen anderen guten Bands auf dem Festival; und einer der Gitarristen ließ es sich nicht nehmen, die Besucher auf Deutsch zu begrüßen. Leider war der Sound direkt vor der Bühne wieder mal nur mittelmäßig, den Effekt der drei Gitarren konnte die Band somit nicht ausspielen. Dennoch war der Auftritt ein Leckerbissen für Oldschool-Leatherwolf-Fans, da ausschließlich Material von den Alben aus den 80ern gespielt wurde. Season of the Witch, Street Ready und Spirits in the Wind sind zwar Meilensteine des US-Metal, hierzulande aber nicht ganz so bekannt. Zumindest kann man das von der eher verhaltenen Stimmung am Samstagnachmittag schließen. Ein paar Fans waren am Mitsingen, einige am Headbangen, aber insgesamt war wenig los, erst ein paar Minuten vor Ende des Gigs brandeten einige Leatherwolf-Sprechchöre auf. Weitere Titel auf der Setlist waren das als Ballade beginnende und dann kräftig drauflos rockende Cry Out, Thunder sowie The Calling. Hätte gerne auch länger sein können dieser Leatherwolf-Auftritt!

Viele Festivalbesucher fieberten aber schon länger auf den nun folgenden Gig hin, und man glaubt dem Ansager unbesehen, dass die Rock Hard-Macher stolz wie Bolle waren, die nun folgende Band präsentieren zu können: Cirith Ungol. Die ebenfalls aus Kalifornien stammende Epic Metal-Legende spielt seit wenigen Jahren wieder ausgewählte Auftritte. Der Gig startete mit einer technischen Panne, das Mikro von Sänger Tim Baker war einige Minuten lang aus. Den Rock Hard-Besuchern vom vergangenen Jahr dürfte das Gesicht des Bassers bekannt vorgekommen sein, Jarvis Leatherby ist außerdem Sänger und Bassist bei Night Demon, welche ebenfalls einen Tag später erneut auf dem Festival spielten. Aber zurück zu den großartigen Cirith Ungol, die direkt zu Beginn der Show mit Krachern wie Join The Legion, Blood & Iron sowie I´m alive einheizten. Der Innenraum war nochmal deutlich voller als zuvor und von Anfang an wurde die Band euphorisch von der Masse aufgenommen. Komplexe Songstrukturen sind nicht Cirith Ungols Sache, sondern eher treibende Rhythmen und filigrane Gitarrensoli des langjährigen Gitarristen Jim Barraza. Nach weiteren Titeln wie Black Machine und Frost and Fire kam auch gerade die Cover-Version des Arthur Brown- Evergreens Fire gut bei den haareschüttelnden Fans an. Zuvor hatte es bei den Musikern ein kleines Missverständnis um die Zeitplanung gegeben - man war schon bereit den Gig zu beenden, hatte aber noch Zeit für mehrere Lieder. Zum Abschluss folgten noch stärker doomige Nummern wie Master Of the Pit mit einem Bass-Solo dabei. Ein absolut mitreißender Auftritt, der dem Hype um Cirith Ungol im Vorfeld durchaus gerecht wird!

Marduk waren so ein bisschen der Ausreißer an diesem Festivaltag mit einer Stunde Black Metal zudem äußerst wagemutig zwischen Cirith Ungol und Axel Rudi Pell auf der Running Order platziert. Bei strahlendem Sonnenschein enterten Marduk mit voller Härte und mit vollem Corpsepaint die Rock Hard-Bühne. Immerhin ein guter Sonnenschutz! Die Band, die gegründet wurde, um als satanistischste Band aller Zeiten in die Geschichte einzugehen, konnte zwar mit einem überaus brachialen Sound punkten. Bei den Zuschauern im zu gut Drei Viertel gefüllten Amphitheater war aber dennoch wenig zu holen: Nachdem es einige Zeit lang sehr ruhig war, wollte Sänger Mortuus, wissen, ob man denn schon wach sei. Doch es wollte weiter nicht so recht Stimmung aufkommen im Rund. Unbeeindruckt lieferten die Corpsepaint- verzierten Musiker einen Rundumschlag durch 28 Jahre Black Metal- Geschichte. Mit dabei waren Of Hell´s Fire von der Nightwing-Platte sowie Burn My Coffin und Wolves von der zweiten Marduk-Scheibe Those of the Unlight. Neueres Material war beispielsweise mit Into Utter Madness von 2009 vertreten. Obendrein wurden mit Werwolf und Equestrian Bloodlust zwei nagelneue Stücke, von der Ende Juni erscheinenden 14. Studioplatte herausgeknüppelt. Knapp 5 Minuten vorm geplanten Ende verabschiedeten sich Marduk bereits vom diesmal etwas zu trägen Rock Hard-Publikum. Auffälligerweise hat sich der WDR-Rockpalast, der gut 80% der Gigs des Festivals filmte, hier wieder einmal enthalten - wie schon vor 2 Jahren bei Cannibal Corpse; man kann vermuten, dass beide Extrem-Metal-Bands nicht so recht ins Rockpalast-Programm passen, oder hängt es doch mit Senderechten zusammen?

Mit fünf Minuten Verspätung kamen dann Axel Rudi Pell zum Zuge, das Amphitheater zu rocken. Mit The Wild and the Young sowie Wildest Dreams von der in diesem Frühjahr veröffentlichten 17. Studioplatte Knight´s Call eröffnete der Bochumer Gitarrist mit seiner internationalen Band die Show. Wieder einmal war der Sound direkt vor der Bühne bescheiden, insbesondere den Drums von Bobby Rondinelli fehlte es an Durchschlags-Kraft. Der amerikanische Schlagzeuger ist seit einigen Jahren bei Axel Rudi Pell und hat zuvor schon bei Rainbow, Black Sabbath und Doro gespielt. Johnny Gioeli war beim Gig wieder einmal bestens drauf; der begnadete Sänger springt auf der Bühne umher, als bekäme er Kilometergeld. Keyboarder Ferdy Doernberg kann ebenfalls nicht still stehen und dreht immer sein Instrument nach vorne. Mit Mystica ging es an einen weit entfernten Ort und auch Gitarrenheld Axel Rudi Pell entfernte sich von der Bühne, um eine Runde durch den Fotograben zu drehen und den Fans nahe zu sein. Drummer Rondinelli durfte noch ein Solo zum Besten geben und nutzte es für eine kleine Handtrommel-Einlage. Mit Long Live Rock folgte eine weitere Nummer von der neuen Platte, bevor das epische The Line eine Gänsehautstimmung auslöste. Spätestens zu Masquerade Ball war das Publikum in Mitsinglaune und unterstützte die Band nach Kräften. Rock The Nation beendete einen weiteren starken Auftritt der Hard Rocker. Man kann sich schon jetzt auf die nächste Club-Tour im Herbst freuen.

Ebenfalls gern und häufig gesehener Gast im Ruhrgebiet ist die Thrash Metal-Legende Overkill: vor zwei Jahren wurde ihr Konzert im großen Rahmen in der Oberhausener Turbinenhalle für eine jetzt veröffentlichte Live-DVD mitgeschnitten, vergangenen August waren sie in der Zeche Bochum und nun als Headliner auf dem Rock Hard! Eine Oldschool-Show war garantiert, da Overkill noch immer die Alben Feel the Fire und Horrorscope mit Special Shows ehren, auf denen sie zwar nicht die kompletten Platten, aber doch eine Vielzahl an Tracks daraus live spielen. Auf dem Rock Hard enterten sie die, wie schon am Vorabend bei Sodom, mit vielen übereinander getürmten Amps vollgestellte Bühne mit einsetzender Dämmerung und boten einen sehr breitwandigen und gut abgemischten Sound. Mit zunehmender Dunkelheit ließ sich auch mehr mit dem Licht arbeiten und Overkill hatten wieder einmal sehr gute Ausleuchtung. Das Amphitheater war gut gefüllt, die Mosher waren in Bestform und der eine oder andere wagte das Crowdsurfing über den wilden Pit. Der erste Teil der Show gehörte der Horroscope-Platte, mit Stücken wie Blood Money und Thanks for Nothing. Einige Songs von Feel the Fire folgten, Bobby "Blitz" spricht immer gerne ein paar Zeilen deutsch und freute sich, so viele Freunde und Skullcrushers, den Overkill-Fanclub, begrüßen zu können. Seine Quintessenz ist: Deutschland ist Rrrrotten to the Core! Laute Overkill-Anfeuerungsrufe zwischen den Songs ließen da nicht lange auf sich warten. Feel The Fire hat auch 33 Jahre nach seiner Entstehung noch eine geradezu brennende Ausstrahlung. "Bang your head like a Hammerhead", kam schließlich als Aufforderung von der Bühne und die Masse gewann nochmal an Wildheit. Nach einigen weiteren Thrash-Klassikern wie Overkill verschwanden die Ostküsten-Thrasher bereits nach einer Stunde ins Backstage und ließen sich einige Minuten Zeit, bis sie für die Zugaben zurückkehrten. Es folgte das den Zusammenhalt zwischen den Metalheads beschwörende In Union We Stand und eine weitere Runde Moshpit-Action der durchdrehenden Masse bei Elimination. Zum Abschluss durfte einmal mehr der Mittelfinger erhoben werden, zur Coverversion des Punkrock-Klassikers Fuck You. Wie immer ein mitreißender und erstklassiger Auftritt der New Jersey-Thrasher, vollkommen verdienterweise endlich als Headliner auf dem Rock Hard!

Der letzte Festivaltag startete etwas gediegener mit der All-Girl Hard Rock-Band Thundermother. Die seit 2009 rockenden Schwedinnen spielen in der derzeitigen Besetzung erst seit einem Jahr zusammen, damals verließen vier der fünf Gründungsmitglieder die Band - heute sind Thundermother ein Quartett. Um die Mittagszeit war schon ein erstaunlich großes Auditorium vor der Bühne versammelt, um den Schwedinnen zu lauschen. Die Sängerin klang etwas heiser - kein Wunder bei dem Tourpensum; den Abend vorher waren sie in Frankfurt, waren die Nacht durchgefahren, haben 3 Stunden Schlaf bekommen und kurz nach dem Auftritt hier mussten sie schon wieder weiter in eine andere Stadt für einen weiteren Auftritt am selben Tag. Die Zuschauer würdigten so viel Einsatz und lieferten für die frühe Uhrzeit sehr kräftigen Applaus für die Musikerinnen. Shoot to Kill, die Ballade Fire in the Rain, Hellevator und Fight for Rock´n´Roll sorgten mit deutlichem AC/DC-Einfluss für einen entspannt groovenden Tagesstart und sind wie gemacht für solch ein Amphitheater. Gitarristin und Bandgründerin Fillipa Nässil drehte zu einem Solo eine Runde mit ihrem Instrument durch die Ränge der Konzertlokation und präsentierte sich somit als publikumsnaher Rockstar.

Eine ganz andere Klangfarbe folgte im Anschluss mit den Oldschool Death-Metallern von Memoriam. Die Truppe aus Birmingham wurde erst vor zwei Jahren gegründet; die Musiker sind allerdings erfahren aus anderen, teils namhaften Bands der Extrem-Szene wie Bolt Thrower, Bendiction und Napalm Death. Angekündigt als kleine Nachhilfe für alle noch etwas müden Metaller, knüppelte das Quartett gleich ordentlich mit gekonnt rumpeligem Oldschool-Sound drauf los. Der langmähnige blonde Frontmann Karl Willets stellte die Band historisierend als aus dem Geburtsort des Heavy Metal stammend vor - gemeint sind natürlich die Wegbereiter Black Sabbath. Die Geschichtslektion wurde mit lautem Jubel von den Festivalbesuchern aufgenommen, ansonsten war anfangs recht wenig los im Publikum; nach und nach erhoben sich aber einige Fäuste zu zahlreichen Anfeuerungsrufen. Zwei Alben und einige Demos haben Memoriam in den letzten 2 Jahren produziert und daraus Stücke wie Drone Strike, das mit Sirenengeheul startende Resistance oder den das Thema Demenz behandelnden Song Nothing Remains vorgestellt. Memoriam waren erfreut, so früh am Tag zu spielen, so war mehr Zeit zum Biertrinken in der Sonne! In diesem Sinne - Oldschool Death Metal will never die!

Night Demon sind in den letzten ein bis zwei Jahren in Deutschland deutlich bekannter geworden, nicht nur der wiederholte Auftritt auf dem Rock Hard, auch eine erfolgreiche Tour mit Accept und zahlreiche Headline-Shows haben Bekanntheitsgrad und Fangemeinde der Heavy Metal-Traditionalisten kräftig wachsen lassen. Dementsprechend ist nun eine Spielzeit am Nachmittag drin, damit alle Interessierten die Band diesmal sehen konnten, was letztes Jahr aufgrund von Einlassschwierigkeiten zum Tagesbeginn nicht ganz geklappt hatte. Nun starteten sie also wieder einige Minuten früher, um gleich noch etwas mehr Spielzeit rauszuholen. Und dieses Mal muss man die Soundtechniker echt mal loben, alles klar und gut abgemischt, warum nicht immer so? Das sonnenbeschienene Amphitheater war gut gefüllt und die eingängigen Metalkracher wie Welcome to the Night, Hallowed Ground und Save Me Now kamen sehr gut beim Publikum an, das sich auch nicht lange bitten ließ, die Band anzufeuern. Night Demon-Rufe ertönten nach wenigen Titeln und zeigten eindrucksvoll auf, wer der erste Abräumer des letzten Festivaltages werden würde. Nach weiteren mitreißenden Nummern wie Curse of the Damned, Dawn Rider und Screams in the Night, war die Zeit für Gevatter Tod gekommen, den Gral zu The Chalice zu bringen, um daraus symbolisch das geopferte Blut zu trinken. Nach so einer überzeugenden Show braucht man dann auch keine Maiden-Coverversionen mehr zu spielen, was Night Demon letztes Jahr noch taten, sondern kann sich mit stolz geschwellter Brust und einer an die Spielzeit dran gehängten Zugabe mit dem selbstbetitelten Night Demon verabschieden. Die nächsten Headline-Konzerte im Herbst sind bereits gebucht - die Locations dürften allmählich größer werden.

Eine echte Legende folgte danach mit Uli Jon Roth, alias Ulrich Roth, der eine Scorpions Revisited-Show angekündigt hatte und damit vorwiegend Stücke dieser seiner früheren Band spielen würde. Natürlich beschränkt sich das Ganze auf die gemeinsame Schaffenszeit zwischen 1973 und 1978, was allerdings viele Klassiker umfasst, die von den heutigen Scorpions aufgrund des umfassenden musikalischen Repertoires von insgesamt 19 Studioalben nicht ansatzweise abgedeckt werden können. Die sechsköpfige Band blickte zunächst auf einen nur spärlich gefüllten Innenraum des Amphitheaters, ließ sich die Spielfreude aber nicht nehmen. Uli Jon Roth tritt mit rotem Stirnband und bunten Federn am Ende des Gitarrenhalses auf und durchlebt förmlich jede einzelne Note, die er spielt - oftmals ganz in sich gekehrt und mit geschlossenen Augen. Der Sänger Niklas Turmann spielte als dritter Gitarrist ebenfalls instrumental mit und Uli sang außerdem den einen oder anderen Titel selbst, zum Beispiel Sun in My Hand. Nach drei Songs unterbrach er die Show, als auf dem hinter der Bühne liegenden Kanal ein Boot mit einer Technoparty darauf vorbei fuhr - so könnten sie nicht weiter spielen mit einer Untermalung in der falschen Tonart, da das nächste geplante Lied einen ruhigen und gefühlvollen Anfang haben sollte. Das Publikum nutzte die Pause, um den Uli anzufeuern, aber der musste noch etwas länger warten, bis endlich Ruhe auf dem Wasser war und We´ll Burn the Sky von der 1977er Platte Taken By Force mit einer Widmung an seinen verstorbenen Bruder und jeder Menge Gänsehautatmosphäre starten konnte. Mit ebensolcher ging es gleich weiter bei dem großartigen, etwas stärker rockenden In Trance von der gleichnamigen 1975er Platte. Spätestens hier zeigte sich, das Niklas Turmann, der mit einigen der anderen Mitglieder von Ulis Begleitband in der Prog-Rock-Gruppe Crystal Breed spielt, die perfekte Wahl als Vokalist ist. Nach weiteren Songs wie Fly to the Rainbow und Catch your Train war noch Zeit für ein ausgiebiges Improvisations-Gitarren-Solo einschließlich Hendrixscher-Klangadjustierung und Nachstimmen sowie daran anschließend für zwei Cover von Stücken, die den Gitarristen sehr beeinflussten: Zuerst folgte All Along the Watchtower, das von Bob Dylan geschrieben, aber durch Jimi Hendrix bekannt gemacht wurde. Und dann spielten sie mit Little Wing zum krönenden Abschluss eine Hendrix-Nummer obendrauf. Alle, die sich diesen Auftritt haben entgehen lassen, haben definitiv etwas Großartiges verpasst! Oder in Prosa ausgedrückt: Es schraubt und rockt der Uli Jon, wo mancher sonst nur schrammeln konn...

Coroner sind eine ins Jahr 1985 zurückreichende, wahlweise als Progressive oder Technical Thrash Metal bezeichnete Band aus Zürich, die bis 1993 fünf Studioplatten produziert hat. Nach einer längeren Pause sind sie seit 2010 reformiert, haben aber bisher kein neues Album veröffentlicht. Es erscheint erstmal ungewöhnlich, wenn bei einer Thrash Band ein Keyboarder mit auf der Bühne steht, Daniel Stoessel spielt allerdings nicht nur ein sehr kleines Keyboard, sondern hat noch einen Laptop und andere Soundinstrumente dabei mit denen er allerlei Geräusche, Tonfetzen und Monologe einspielt. Überhaupt geht die Musik des Quartetts weit über Thrash hinaus, es gibt längere Instrumentalpassagen, dabei verschiedene Tempowechsel von ruhig-verspielt über rockig bis heftig. Coroner erstrahlten mit einem starken, sehr druckvollen und gut abgemischtem Sound. Es war weiterhin nicht allzu stark gefüllt im Rund der Location und die verschachtelten Musikstücke ließen wenig Raum für große Publikumsinteraktionen. Dennoch konnten Coroner auch hier und da einige Anfeuerung durch die Menge einheimsen, zu Titeln wie Masked Jackal, Grin und Semtex Revolution über das schon in den 90ern sehr präsente Thema Terror. Mit Reborn Through Hate vom 1987er Debüt und Die By My Hand von 1989 verabschiedeten sich Coroner nach einer guten Stunde Spielzeit und machten Platz für den rockigen Teil des Abends.

Die Backyard Babies waren für mich persönlich eine der Bands mit dem größten Vorfreudefaktor, endlich mal wieder schönen melodischen Schweden-Hard Rock unter dem Totenkopfbanner mit vielen Songs, die man von früher kennt. Der Innenraum war für die spätere Uhrzeit recht locker gefüllt, man machte es sich eher auf den Rängen bequem. Die Stimmung im Amphitheater musste sich zum Auftritt erst aufbauen; die Methode Maiden funktioniert da immer prächtig, so auch hier: "Scream for me Gelsenkirchen" brachte das Publikum ein wenig zum Auftauen und es wurde die Band kräftig angefeuert. Bei Brand New Hate bildete sich ein Moshpit vor der Bühne, der bei den folgenden Stücken weitertobte. Die Backyard Babies um Gitarrist und Sänger Nicke Borg und Gitarrist Dregen spielten routiniert ihr Set runter, wirkten aber nicht mehr ganz so energiegeladen wie man sie von Auftritten vor 10-15 Jahren, als die Band ihre kreativste Phase durchlebte, in Erinnerung hatte. Vielleicht müssen sie erst nur wieder richtig reinkommen in die diesjährige Festivalsaison, die für die Musiker mit dem Auftritt gerade erst startete. Für den kommenden Oktober haben sie ein neues Album versprochen und mit Shovin´ Rocks schon neues Material daraus vorgestellt, welches 30 Jahre Backyard Babies Rock´n´Roll zelebriert. Am besten kamen aber natürlich die sehr bekannten älteren Nummern wie A Song For The Outcast, Nomadic und Minus Celsius an, welche allesamt über großartige Gitarrenriffs und -Soli verfügen. Als Rausschmeißer ertönte Sinatras My Way aus dem Off - die Backyard Babies haben die Dekaden in der Tat auf ihre Art überstanden. Man darf auf eine neuerliche Tour im Herbst hoffen.

Armored Saint sind eine der amerikanischen Bands, die man auf dieser Seite des Atlantiks eher selten zu Gesicht bekommt. So war es gut, dass sie immerhin als Co-Headliner am traditionell besucherstärksten letzten Festivaltag gesetzt waren. Mit immerhin noch 4 Gründungsmitgliedern ist die 1982 gegründete Band um Vokalist John Bush und Bassist Joey Vera seit 2006 wieder unterwegs. Mit dem gleichnamigen Opener des 1984er Debüts, March of the Saint eröffneten die Kalifornier eine mitreißende und gut besuchte Heavy Metal Show. John Bush springt auf und ab wie ein Duracell-Hase und kann sich noch genau an seinen letzten Auftritt auf dem Rock Hard erinnern und mit welchen anderen Bands sie damals spielten. Zu weiteren Klassikern wie Reign of Fire und Last Train Home entwickelte sich eine auf diesem Rock Hard selten gesehene Partystimmung mit vielen mitsingenden Fans und einigen Crowdsurfern. Bush erzählte danach weiter von den Anfangsjahren der Band, dass sie seinerzeit wegen ihres Labels erst nach 6 Jahren durch Europa touren konnten und kündigte mit On the Way einen raren Track von der ersten Armored Saint-EP an. Armored Saint-Anfeuerungsrufe ertönten später nach jedem Stück und wurden noch lauter als John Bush weitere Europatermine für den kommenden August und November ankündigte. Mit Symbol of Salvation und Spineless folgten zwei weitere Klassiker von Anfang der 90er, die von den Fans abgefeiert wurden. Schließlich waren mit Left Hook From Right Field und Win Hands Down auch die beiden neuesten Platten vertreten, bevor mit Can U Deliver einer der definitiv verdientermaßen umjubeltsten Auftritte des diesjährigen Rock Hard Festivals seinen finalen Höhepunkt erreichte.

Das hätte im Prinzip auch das Ende des Festivals sein können, kann man solch eine Stimmung doch schwerlich steigern. Aber es folgte noch der Headliner - die immer noch großartige NWOBHM-Legende Saxon! Was für eine Freude, die Jungs um Biff Byford wieder einmal mit neuem Material im Gepäck live erleben zu können und so begrüßten lautstarke Saxon-Rufe die Musiker auf der Bühne. Thunderbolt heißt das neue Album und mit dem Titeltrack daraus eröffneten Saxon ihre Show. Sacrifice folgte und im Publikum ging es bunt zu mit jeder Menge Crowdsurfern. Der Sound war zum Glück großartig, sehr breitwandig und ausgesprochen heavy. Nach Einsetzen der Dunkelheit entfaltete sich schließlich eine sehr gut abgestimmte Lichtshow. Mit Nosferatu folgte wieder was Neues, bevor es mit Motorcycle Man einen Klassiker aus dem Jahre 1980 zu hören gab. Die Band wurde weiterhin angefeuert und abgefeiert, Crowdsurfer flogen über die Köpfe und einige Mosher frönten ihrer Leidenschaft - ansonsten war aber eher kollektives Matteschütteln angesagt; vor allem zu härteren Nummern wie Battering Ram. Die Band freute sich, wieder mal in Deutschland zu spielen, es war ihr erster europäischer Auftritt nach einer US-Tour mit Judas Priest. Biff bat in einer kurzen Pause, die Besucher darum, ein Geburtstagsständchen für Klaus Meine von den Scorpions einzusingen, der ein guter Freund von ihm ist und ein paar Tage später seinen 70. Geburtstag feierte. Zur Belohnung folgten Power and the Glory und weitere Klassiker wie Never Surrender und Dallas 1 PM - wie immer mit grandiosen Soli von Doug Scarratt - bevor Biff die von einem Fan auf die Bühne geworfene Kutte überzog und den Rest der Show darin bestritt. Auf dem aktuellen Album haben Saxon einen Song für Lemmy und Motörhead veröffentlicht, They Played Rock´n´Roll erinnert Biff an die erste gemeinsame Tour im Jahr 1979. Zu 747 (Strangers in the Night) konnte das Publikum eine Runde Mitsingen, mit Sons of Odin folgte ein weiteres neues Stück, das am Ende direkt überging in Crusader, wobei die Band nochmal richtig angefeuert werden konnte. Princess of the Night darf auf keiner Saxon-Show fehlen, ebenso wenig Wheels Of Steel. Mit Denim and Leather endete eine großartige, gut anderthalbstündige Show und beschloss damit das diesjährige Rock Hard Festival.

Zusammenfassend kann man sagen, das Rock Hard Festival 2018 war wieder einmal sehr gut organisiert und vom Ablauf her auch weitgehend optimal umgesetzt. Dass nachmittags mal eine längere Schlange am Einlass ist, die eine längere Wartezeit erfordert, lässt sich angesichts der Sicherheitskontrollen nicht vermeiden. Einzig die bei einigen Bands auftretenden Probleme mit dem Sound lassen noch deutlich Luft nach oben.

Die Bandauswahl war abwechslungsreich und gut zusammengestellt mit eindeutigen Headlinern, über die man, anders als im letzten Jahr, nicht zu diskutieren braucht. Die Headliner waren eindeutig mit die Gewinner in der Publikumsgunst, außerdem waren Armored Saint, Cirith Ungol, Diamond Head, Night Demon und Axel Rudi Pell die Bands, die für am meisten Stimmung bei ihren Auftritten sorgen konnten.

Das Wetter war nicht weniger als perfekt für solch eine Veranstaltung, gar kein Regen, nicht zu heiß und abends noch angenehm warm. Das Rahmenprogramm mit Metalmarkt, Biergartendisko, Lesungen und Gitarrensoloprogramm im Zelt eines Musikshops ist das Gleiche wie im letzten Jahr gewesen. Letzteres ist immer mal ein Reinschauen wert, zumal dort große Talente wie Robert Resinek und dazu Berühmtheiten wie Viktor Smolski das eine oder andere Stückchen auf der Klampfe zocken.

Die Fressstände waren gleichfalls dieselben wie gehabt, mit einer Auswahl von Grillfleisch über Asiatisch, Döner, Burger und Falafel bis hin zu Fisch. Leider ist das Essen immer einer der Preistreiber auf solch einem Festival, so dass manch einer sich nur von Flüssigbrot ernährt.

Das Rock Hard Festival 2018 wird in seiner Gesamtheit schwer zu überbieten sein, trotzdem warten wir gespannt auf die ersten Programm-Ankündigungen für das nächste Jahr.

 

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