Konzertberichte

Metal Hammer Awards 201214.09.2012

Metal Hammer Awards 2012
14.09.2012
Kesselhaus
Berlin



Zum insgesamt vierten Mal fanden die Metal Hammer Awards statt. 2009 und 2010 noch in Wacken, gibt es sie seit letztem Jahr in Berlin. Das liegt wohl daran, das der Metal Hammer seinen Sitz in die Hauptstadt gelegt hat. 2011 schon mit großem Staraufgebot getrumpft, wurden auch in diesem Jahr wieder große Namen eingeladen. Allein schon die Ankündigungen der Ehrengäste sorgten für große Euphorie und dafür, dass die Awards ausverkauftes Haus melden konnten. Ein weiterer Leckerbissen bei dieser Veranstaltung sind die Bands gewesen, die musikalisch für Unterhaltung sorgten. Madisson Affair, Callejon, Eluveitie und Sabaton brachten das Kesselhaus zum kochen.

Den Abend begonnen haben aber Jakob Kranz, Moderator des Stahlwerkes und Redakteur beim Metal Hammer, sowie Angela Gossow, Sängerin bei Arch Enemy. Die Beiden führten mit ihren Moderationen durch den Abend. Der Chefredakteur des Metal Hammers, Thorsten, richtete zu Beginn ebenfalls ein paar Worte an die Besucher, ehe dann Madisson Affair musikalisch den Abend eröffneten.

Gewählt durch ein Voting im Netz, durfte die Band aus Berlin sich präsentieren. Aber ich möchte an der Stelle ehrlich sein: Sollte dies die Entwicklung des Metals in Deutschland sein, dann tut es mir in der Seele weh, zu sehen wer sich Metalhead schimpft. Klar gibt es viele Definitionen und Ansichten in diesem Bereich, aber wenn eine Band sich auf der Bühne selbst schon darstellt und einem Teil des Publikums Recht gibt, sie seien schlecht und man solle doch auf Toleranz im Metal setzen, dann hat die Band ihr Ziel verfehlt. Toleranz ist generell vorhanden, wer sie einfordert muss was ändern. Musikalisch kann man die Post-Hardcore Band als okay bezeichnen, doch zu mehr reicht es nicht. Dieses wilde Rumhampeln, mit einstudierten Abläufen, dazu dieser Mix von Geschrei und normalem Gesang sorgte im Publikum für wenig Begeisterung. Ein paar Jugendliche fuhren darauf ab und starteten hin und wieder ein Moshpit oder eine Wall of Death, doch der große Teil im Kesselhaus war froh, das die Band wieder von der Bühne war. Soundtechnisch hätte mehr kommen können, denn dass die Akustik gut ist, haben andere Konzerte dieses Formates bereits gezeigt.

Die leichte Negative Stimmung blieb leider erhalten und so richtiges Feeling, auf einer Party zu sein, kam noch nicht auf. Mag es daran gelegen haben, das zahlreiche Fans gar nicht wegen den Awards kamen, sondern lediglich für die Bands und manch einer mit den Bands, die zu Gast waren, gar nichts anfangen konnten oder damit, dass das Durchschnittsalter sehr gering war, das kann ich nicht beurteilen. Ich fühlte mich wohl, da es gut belüftet gewesen ist und man nicht so schnell ins Schwitzen kam.

Nun war es Zeit für die ersten Awards. Begonnen wurde mit Best Debut. Nominiert waren Kill Devil Hill, Unisonic, Huntress, Vallenfyre und While She Sleeps. Gewonnen haben ihn die Jungs aus Sheffield: While She Sleeps. Eine kurze Dankesrede und dann gingen die Jungs die Treppe in den VIP Bereich wieder nach oben.

Der zweite Award ging an die Best Live Band. Nominiert waren hier Frei.Wild, Parkway Drive, Behemoth, Sabaton und Heaven Shall Burn. Laudator durfte Martin Kesici sein, der nach ein paar kurzen Worten die Gewinner verkündete. Großer Jubel brach aus, als Sabaton als Sieger den Award entgegen nahmen. Mal ehrlich: Wer hat das nicht erwartet, da die Band fulminante Tourgigs und Festivalauftritte hingelegt hat und überall wo sie spielten für eine gute Laune sorgten.

Nun wurde der dritte Award verliehen und die Kategorie nannte sich Up & Coming. Nominiert wurden Asking Alexander, Ghost, Graveyard, Suicidal Silence und We Butter the Bread with Butter. Ladator waren die Vorjahressieger von Audrey Horne. Sie gaben den Wanderpreis weiter an eine Band, die aus der Masse hervorsticht und den Award zu Recht gewonnen hat: Graveyard. Die Schweden waren, laut Angela Gossow, ein wenig Müde, doch jeder im Publikum wusste den wahren Grund für ihr merkwürdiges Auftreten, gab es doch reichlich Freibier im VIP Bereich.

Dann widmete man sich wieder der Bühne, wo sich die nächste Band für ihr Set vorbereit hat. Callejon sind in diesem Jahr groß gelobt worden und durften auf zahlreichen Festivals auftreten. Metalcore mit deutschen Texten ist nicht so verbreitet und daher war es nicht verwunderlich, dass viele im Publikum sich fragend anschauten, was der Sänger eigentlich für eine Sprache spricht. Denn auch hier wurde sehr viel Gegröhle, wie es einige Damen hinter mir nannten, geboten. Das junge Publikum mischte in den ersten Reihen wieder gut durch und nahm leider wenig Rücksicht auf umliegende Personen. Musikalisch war es aber wesentlich besser als zuvor dachte man sich den Gesang mal weg, so konnten die reinen Instrumente durchaus überzeugen. Highlight der Show, so stellte später auch Jakob Kranz fest, war eindeutig das Schlagzeug, welches innen mit LED-Leuchten ausgestattet war und für nette Lichtakzente sorgte.

Es wurden wieder Awards verliehen, nachdem Callejon die Bühne verlassen haben. Für den Legand-Award baten die Moderatoren Udo Dirkschneider als Laudator ans Pult. Er selbst ist schon eine Legende, noch ohne Award, und sprach darüber, was es für ein Gefühl sei, sich behauptet zu haben und dazu noch außergewöhnliches zu leisten. Nominiert wurden Corey Taylor, Slash, Ozzy Osbourne, James Hetfield und Alice Cooper. Und in der aktuellen Metalszene, was die Leser des Metal Hammers angeht, kommen die wahren Legenden leider nicht gut davon, daher gewann Corey Taylor. Ich möchte nicht sagen, er hätte ihn nicht verdient, aber ein Mann wie Ozzy oder Alice Cooper sind mehr Metal-Legend als Corey Taylor. Dennoch großer Annerkennung vor seinen Leistungen in seinen Bands.

Der Best Germand Band Award stand an und da ist die Wahl sehr einfach gewesen. Nominiert waren dennoch fünf Bands. Subway to Sally, Kreator, Rammstein, Accept und Callejon. Und nun folgte ein legendärer Auftritt. Gewonnen haben Rammstein und zu Gast war Keyboarder Flake. Er ist bekannt für seine Reden bei Preisverleihungen, wenn man sich nur an den Echo erinnert. Da sorgte er stets für Lacher und daher erwartete man eben solch eine Rede heute. Doch es kam komplett anders. Sichtlich gerührt richtete er die Worte an die Fans und dankte ihnen für die Unterstützung in all den Jahren und als die anderen sie noch doof fanden. Dieser Moment bei den Metal Hammer Awards ist etwas für die Geschichtsbücher gewesen.

Beim nächsten Award gab es keine Nominierten, da der Maximum Metal Award von der Redaktion des Metal Hammers verliehen wird. Laudatoren waren Josh und Corey von Stone Sour. Sie verliehen die Flügeltrophäe an einen wahren Meister seines Fachs: Vinni Paul von Pantera und HellYeah. Der Mann hat viel geleistet und diesen Award wahrlich verdient. Jakob flippte förmlich aus, doch leider übertrug sich seine Stimmung nur nach mehrmaligen Aufrufen und Animieren auf das Publikum.  Man muss dazu sagen, nicht jeder war gegen die Awards. Es war schön zu sehen, das alle Preisträger vor Ort waren und ihre Preise entgegen nahmen. Das hätten die Besucher durchaus mehr würdigen können.

Nun traten die Schweizer von Eluveitie auf die Bühne und sorgten damit für den dritten Showact des Abends. Und jetzt kam so richtig Hitze ins Kesselhaus. Der Sound war um ein vielfaches besser und man hatte gemerkt, der Funke flog sofort auf das Publikum über. Gleich beim ersten Song bewegte sich ein Großteil der Fans und die Haare flogen umher. Leider gab es wieder rücksichtlose Trottel, die sich zulaufen lassen und dann Stress machten. So blieb es nicht bei friedlichen Moshpits sondern kam auch zu einigen handfesten Rangeleien. Die Band störte sich daran nicht und legte ein Set hin, was Stücke des aktuellen Albums Helvetios enthielt, aber auch unveröffentlichtes Material, gemischt mit Klassikern wie Inis Mona. Ton und Licht waren super abgestimmt und die Band gab, in ihrer leider zu kurzen Spielzeit, Vollgas. Man hätte sich mehr gewünscht, denn Ruhe war der Band ein Fremdwort. Ihr neuer Gitarrist Rafael Salzmann überzeugte ebenso und man merkte ihm an, dass er in die Band passt. Die Show war wie erwähnt zu kurz, doch die Verleihung musste weitergehen.

Damit ging es in die letzten vier Awards. Der nun folgende Award wurde für die Best Internation Band verliehen. Herman The German, bekannter Wrestler und Herr bei Gibson Germany, war der Laudator und durfte die Nominierten bekannt geben. Sabaton, Iron Maiden, Nightwish, Machine Head und Arch Enemy kämpften um die Trophäe. Die Wahl im Publikum war schwer, doch die Entscheidung ist bereits vorher gefallen. Rob Flynn betrat als Gewinner die Stage. Er nahm für Machine Head den Award entgegen und richtete ein paar kurze Worte an die Fans. Es schallte immer wieder aus den Reihen und auch beim Abgang vernahm man das obligatorische Machine Fucking Head aus den Kehlen.

Nummer Acht ging an das Best Album. Die Auswahl der Nominierten überraschte doch ein wenig. Machine Head, In Flames, Nightwish, Trivium und Asphyx kämpfen um den begehrten Titel. Laudator war Bodenski von Subway to Sally. Mit dem 2011 erschienendem Album Sounds of a Playground Fading gewannen den Best Album Award die Jungs von In Flames. Ein Teil der Band nahm den Award persönlich in Empfang und die Rede ist hier ebenso kurz ausgefallen.

Paul Seidel durfte als Laudator den vorletzten Award verleihen. Best Anthem wurde gesucht und dann gefunden. Nominiert waren Megadeth, Nightwish, Sabaton, Trivium und Cannibal Corpse. Bassist Alex Webster von Cannibal Corpse nahm dne Award entgegen, denn die Band gewann ihn mit dem Track Scourge of Iron.

God of Riffs ist der letzte Award des Abends gewesen. Hier ist die Wahl ebenso schwer gefallen, wenn man die nominierten gehört hat. Michael Amott, Slash, Dave Mustaine, Kai Hansen und John Petrucci wollten in den Olymp aufgenommen werden. Aber nur einer konnte gewinnen und das hat besonders Angela Gossow gefreut, denn ihr Bandkollege von Arch Enemy, Michael Amott, räumte diesen Award ab. Überreicht wurde er von Rob Flynn.

Damit war die Verleihung beendet. Die beiden Moderatoren und Chefredakteur Thorsten Zahn verabschiedeten sich mit Dank an die Bands, Fans und Sponsoren und wünschten viel Spass mit dem folgenden Headliner des Abends. Es waren einige Überraschungen bei den Gewinnern. Doch entschieden wurden die Gewinner von den Lesern, einer Jury und dem Metal Hammer Team. Im kommenden Jahr haben wieder andere die Chance auf den begehrten Award.

Aber jetzt ging es an den Abriss des Kesselhaus. Natürlich nicht wörtlich genommen, aber was Sabaton für eine Show hingelegt haben, brachte die Luftgitarren zum glühen und zerstörte so manche Frisur. Headbangen, Klatschen, Springen und einfach nur Mitsingen waren angesagt. Der Final Countdown von Europe leitet obligatorisch die Show ein und es geht ab mit Ghost Divsion. Der Sound klar, volle Power, super Licht und eine Band, die mit guter Laune nur so prahlte, ergibt ein Konzert der Superlative. Joakim in seinem Element, sprach zwischen den Songs frei von der Leber. Er lies sich dabei auch nicht von seiner gerissenen Hose beunruhigen. Statt sie zu wechseln, spielte er weiter und gewährte Einblicke, welche manche Dame zum schmelzen brachte. Besonders an dieser Show ist gewesen, dass das Publikum die Setlist mitbestimmen durfte. Man konnte wählen zwischen zwei oder auch mal drei Songs, welcher von diesen gespielt werden sollte. Doch dabei blieb es nicht. Die Fans wollten 40-1 hören. Der Song stand nicht auf der Setlist, doch die Band war an dem Abend so spontan und feuerte ihn um die Ohren der tobenden Menge. Die neuen Bandmitglieder wurden in Berlin ebenso gefeiert, wie auf zahlreichen Festivals und Konzerten, die die Band in diesem Jahr bereits in dieser Besetzung gespielt haben. Die Neuen machten einen super Eindruck und persönlich muss ich sagen, es war die beste Show von Sabaton, die ich erleben durfte. Damit einbegriffen gehört das Bierzeittrinken. Normalerweise trinkt Joakim immer reichlich auf der Bühne, doch er lies zwei Fans trinken. Die benötigte Zeit wurde gemessen und am Ende wird geschaut, welche Stadt wohl am schnellsten trinken kann. Das Joakim nicht nur gut trinken und singen kann, das weis man spätestens seit der Keyboardeinlage im Akustik Part. Das gab vielleicht ein Gänsehautfeeling im Publikum. Beim letzten Song enterte er dann noch das Publikum und lies sich von den Fans tragen. Es war einer dieser Shows, die Sabaton nicht vergessen werden und das Publikum ebenso nicht. Wahrhaftig ein Abriss mit Suchtgefahr, denn man wollte nicht, dass diese Show zu Ende geht.

Leider war dann schon Schluss und die Band verlies unter tobenden Applaus die Bühne. Der Abend war gelaufen und die Metal Hammer Awards 2012 beendet. Am Ende bleibt festzuhalten: Die Verleihung war gespickt mit Überraschungen, was die Gewinner angeht, die Konzerte waren unterhaltsam und das Publikum in Berlin zeigte sich von seiner guten Seite, bis auf wenige Ausnahmen. Am Schluss kann man sagen, die Veranstaltung ist gelungen, doch hätte man sich den einen oder anderen Ehrengast im Publikum gewünscht und nicht so abgeschottet in ihrer VIP Area. Wir danken dem Metal Hammer, das sie in Berlin vertraut haben und zum zweiten Mal die Veranstaltung hier her gebracht haben. Drücken wir die Daumen, dass auch im Jahr 2013 die Awards in Berlin verliehen werden und das wir erneut dabei sein dürfen.

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