Konzertberichte

Hollywood Vampires04.06.2018

Hollywood Vampires
Support: The Darkness
04.06.2018
Zitadelle Spandau
Berlin


verfasst von Kalle

Nur einen Tag nach dem Desaster von Guns´n´Roses im Berliner Olympiastadion ging es erneut auf ein Konzert. Das war allerdings so gar nicht geplant, da die Akkreditierung nicht geklappt hatte - leider sehr kurzfristig erst anfragen können - hatte ich den Abend ansich anders überlegt zu verbringen. Dann erhielt ich einen Anruf von nem guten Kumpel und er hatte noch einen Platz für mich frei. Ich musste nicht lange zögern und hab mich auf den Weg nach Spandau gemacht. Einmal quer durch die Stadt kam ich gegen halb sieben an der Zitadelle an. Vor Ort eine gute Schlange, an der wir gekonnt vorbei gehen konnten. Freundliche Ordner empfingen uns und dann ging es auch schon rein. Die Location ist wirklich einer der schönsten der Stadt, wenn sie nur nicht so weit draußen für mich wäre.

Um 19 Uhr gingen die ersten Töne los und The Darkness standen auf der Bühne. Die englischen Glam Hard Rocker verwunderten erst einmal durch sehr schrille Outfits. Doch das gehört zum Markenzeichen der Band dazu. Musikalisch überzeugten sie von Beginn an. Der Sound war schön, klar und auf den Punkt. Nach dem Vorabend war es sogar ein Hochgenuss. Ein weiter Pluspunkt war die gute Laune und sehr amüsante Art und Weise von Sänger Justin Hawkins. Er hat sich selbst nicht so ernst genommen und viel mit dem Publikum agiert. Das dankte den gut halbstündigen Auftritt, in dem die Band immerhin acht Songs unterbrachte, mit ordentlichem Applaus. Kann man sich durchaus noch einmal anschauen, denn die Jungs machen wirklich Spaß. Ihre Songs sind abwechslungsreich, haben hier und da sehr kantige Ecken, aber sehr viele Einflüsse und dennoch ein gewissen eigenen Sound. Hat sehr gefallen.

Eine halbe Stunde Umbaupause war angesetzt und die wurde gut gehalten. Allerdings stellten sich mehr und mehr Leute vor uns, weshalb eine gute Freundin nur schwer noch etwas sehen konnte. Bei einem Ticketpreis von 75 Euro natürlich extrem schade. Schnell also aus dem Kies ein kleines Podest errichtet, schon konnte man ein paar Zentimeter gewinnen. Vielleicht mal ein Tipp für die Organisatoren und Veranstalter vor Ort. Eine oder zwei Tribünen aufstellen oder das Gelände etwas nach hinten hoch anschrägen. Klingt merkwürdig, würde aber vielen Leuten einen gewissen Komfort geben und ein Konzert mehr genießen lassen, da man so auch was sehen könnte. Stand man seitlich oder etwas weiter hinten, so konnte man allerdings auch gut sehen, denn extrem voll war es nicht gewesen. Wer etwas mehr Geld für die Tickets ausgegeben hatte, der konnte ganz vorne stehen. Mittlerweile scheint das ein sehr beliebtes Mittel zu werden, das man die Zuschauerplätze in verschiedene Kategorien einteilt. Wer mehr hat, darf näher dran sein. Von mir dazu ein: So ein Scheiß!!! Fangen wir jetzt an mit Zweiklassengesellschaften auf Konzerten? Klar gibt es immer Leute, die es bezahlen werden, aber so schafft man sich keine Freunde auf Dauer und die Konzertbesucherzahlen werden stetig rückläufiger werden. Sollte man sich überlegen, ob man das wirklich möchte.

Was wir dann wollten war klar... es darf losgehen mit Hollywood Vampires. Wer ist das überhaupt... okay... eigentlich muss man die Hauptakteure kaum vorstellen, denn das sind Weltstars. Der "Schockrocker" und Mastermind ist Alice Cooper, dann ist mit dabei Joe Perry - Gitarrist von Aerosmith und als Krönung Schauspieler Johnny Depp. Weiterhin mit dabei Chris Wyse, Tommy Hendriksen, Glen Sobel und Buck Johnson. Alles gewisse Größen in der Hard Rock Szene. Und die standen nur für gute 90 Minuten gemeinsam auf der Bühne. Ein Schlagzeug, ein Keyboard, ein Basser, drei Gitarren und ein Sänger... na hoffentlich taugt der Sound was. Meine größte Befürchtung nach der Katastrophe mit Guns´n´Roses. Doch an diesem Abend waren wirklich Profis am Werk. Von der ersten Note an ein perfekter Klang und das blieb den Abend so. Es war nicht zu leise, es war nicht übersteuert, es war auch nicht brachial laut.. man brauchte keine Ohrstöpsel, man konnte seinen Nachbarn noch gut verstehen und somit... optimal. Da gehen ganz klar beide Daumen von mir nach Oben. Gleiches gilt für die Lichtshow. Man hatte es schön schlicht gehalten und nicht übertrieben... war sehr schön anzuschauen. Man hat auf der großen Leinwand auf Animationen usw. verzichtet und stattdessen häufig das Logo eingeblendet.

Doch was konnten die Herren nun musikalisch darbieten? Klar von Alice Cooper ist man Perfektion gewöhnt, Joe Perry hatte mich zuletzt bei Aerosmith nicht vom Hocker gehauen, und Johnny Depp war die große Unbekannte. Alice war fantastisch bei Laune und vor allem Stimme. Wie gewohnt mit einer gewissen Theatralik schlenderte er über die Bühne und zelebrierte seine Performence. Joe wusste mich dieses Mal wirklich zu überzeugen. Seine Soli waren wunderschön anzuhören und er machte einen entspannteren Eindruck als noch zuletzt mit Steven Tyler und Co. Und der Depp auf der Bühne wusste nicht nur die Damen im Publikum zu überzeugen. Zu Beginn wirkte er etwas verhalten, doch das änderte sich im Laufe des Abends. Er sang sogar zwei Songs komplett selbst und einen davon... da hab ich Gänsehaut bekommen. Insgesamt standen 19 Songs auf der Setlist. Für 90 Minuten eine amtliche Leistung und das war perfekt zu schaffen. Die Herren haben auf große Ansagen usw. verzichtet, denn ihre Musik sprach für sich. Es war ein Mix aus eigenen Kompositionen und zahlreichen Covern. Wer jetzt aber denket, das war ja nur ne Covershow... der liegt hier völlig daneben.

Es war eine Hommage an Legenden des Rock. Viele der gewählten Songs stammte von Bands, die es entweder nicht mehr gibt oder wo eine besondere Person von frühzeitig verstorben ist. U.a. "The Jack" von AC/DC, "Ace Of Spades" von Motörhead oder "I Got a line on you" von Spirit wurden dargeboten. Doch das absolute Highilght war "Heroes" von David Bowie. Gesungen hat ihn Johnny Depp und das mit einer hammermäßigen Stimme... mir standen wirklich die Haare vor Freude auf. War das eine geile Version! Es wurden natürlich auch Songs von den Protagonisten des Abends gespielt. So durfte Alice Cooper sein geliebtes "I´m Eighteen" und am Ende "School´s Out" auspacken und Joe Perry durfte sich über "Combination" und "Sweet Emotion" von Aerosmith freuen. Letzter Track hat mir besonders gefallen, ist für mich auch einer der stärksten Lieder von Aerosmith. Auf der Leinwand wurden bei manch Stücken dann Fotos von bekannten Musikern und Sängern eingeblendet. Als zum ersten Mal Lemmy auftauchte oder auch Bon Scott, da brach richtig Jubel aus. Und bei David Bowie war so oder ganz vorbei. Da standen einigen sogar die Tränen in den Augen.

Im Gesamten war das ein sehr gelungenes Konzert und die Hollywood Vampires überraschten und überzeugten auf ganzer Linie. Da darf man gerne öfters hingehen, da hier der Fokus wirklich auf die Musik gelegt wurde und man sich nicht mit vielen Spielerchen oder Feuerwerk usw. auszeichnen musste. Hier würde ich jederzeit noch einmal vorbei schauen. Vielleicht schaut dann auch mal der ein oder andere Special Guest auf. An diesem Abend war keiner weiter mit dabei, was aber auch nicht wichtig gewesen ist, hatte man mit den sieben Herren auf der Bühne eine große Vielfalt. Die Hollywood Vampires dürfen gerne wiederkommen!


Setlist Berlin:

01. I Want My Now
02. Raise the Dead
03. I Got a Line on You (Spirit cover)
04. 7 and 7 Is (Love cover)
05. My Dead Drunk Friends
06. Five to One / Break On Through (to the Other Side) (The Doors cover)
07. The Jack (AC/DC cover)
08. Ace of Spades (Motörhead cover)
09. Teenage Wasteland
10. As Bad As I Am
11. The Boogieman Surprise
12. I´m Eighteen (Alice Cooper cover)
13. Combination (Aerosmith cover)
14. People Who Died (The Jim Carroll Band cover)
15. Sweet Emotion (Aerosmith cover)
16. Bushwackers
17. "Heroes" (David Bowie cover)
18. Train Kept A-Rollin´ (Tiny Bradshaw cover)

19. School´s Out (Alice Cooper cover)

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