Konzertberichte

Helloween06.12.2017

HELLOWEEN
04.12.2017
Tempodrom
Berlin

>> BILDER << vom Konzert by Kalle

verfasst von Kalle

Hoppla... schon wieder im Tempodrom. Langsam könnte man die Location als eine Art neue Heimat für Metalbands bezeichnen. Die Bühne ist groß, die Sitz- und Stehmöglichkeiten sind gegeben, es gibt ausreichend Toiletten und Platz für Merchandise. Eine Sache gibt es hier aber nicht... gute Preise für das Bier. Das schlägt mit 5 Euro und einem Euro Pfand zu Buche und vermasselt einem schnell die Stimmung, wenn man an das Tempodrom denkt. Egal... man braucht an diesem Abend kein Bier, um auf gute Laune zu kommen, dafür haben wir ja die gute Musik. Allerdings, um das schon einmal vorweg zu nehmen, haben es einige Fans mit dem Alkohol doch etwas übertrieben. Hätte er mal Kürbissaft getrunken :D

Helloween waren mal wieder in der Stadt zu Gast. Ist ja nicht so, dass die Band erst vor mehr als zehn Jahren das letzte Mal in der Haupstadt zu Gast war. Dementsprechend war die Vorfreude groß, als die Tourtermine erschienen sind und Berlin mit drauf stand. Größer war die Freude darüber, dass es eine Pumpkin Reunion Tour war. Damit war klar... musikalisch und stimmlich wird es ein großartiger Abend und damit sollte ich von der ersten Note an Recht behalten. Um sechs Minuten nacht Acht erlosch das Licht im gut gefüllten, aber nicht ausverkauftem, Saal und der Vorhang fällt. Los ging die Show mit "Halloween" als Opener. Und schon zu Beginn war es ein absoluter Genuss den Musikern auf der Bühne zuzuschauen. Voller Energie, voller Freude und mit jeder Menge Metal im Blut feuerten sie eine Note nach der Anderen ins Publikum. Was für ein geiler Start. Der wurde dadurch getoppt, dass Michael Kiske und Andi Deris gemeinsam die Bühne betraten und sich den Song stimmlich teilten. Da hat man direkt Gänsehaut bekommen, wenn man diese geballte Bandgeschichte auf einer Bühne erleben darf.

Die Chemie zwischen Allen stimmte sofort und das Publikum reagierte, bis auf die Ränge, direkt mit Headbangern und viel Stimme. Für mich war der Höhepunkt schon darin gekommen, als die Gitarren ihre Soloparts hatten. Man war das ein geiler Sound! Da hätte ich fast das Fotografieren vergessen und einfach nur genießen können. Aber in den ersten drei Songs richtete sich mein Fokus mehr durch den Sucher der Kamera. Ich wusste allerdings gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte, denn die Band huschte immer wieder über die Bühne und über den Steg. Achja... es war ein Steg aufgebaut, der fast bis zur Hälfte der Halle ging und somit die Band mehr zu allen im Publikum brachte. War ne coole Sache und hatte was. Das galt auch für den zweiten Song "Dr. Stein". Und hier ist mir erst die große Leinwand im Hintergrund aufgefallen. Hier flimmerten immer wieder tolle Animationen während der Songs über die Fläche und zwischen manch Songs gab es einige Sequenzen mit Seth & Doc. Dies war eine Art Comic, der einige Kurzgeschichten erzählte und am Ende etwas Ganzes daraus machte. War ne lustige Überbrückung für Gitarrenwechsel und Co.

Als dritten Track gab es "I´m Alive" auf die Gehörgänge. Anders als noch vor ein paar Tagen bei Manowar an gleicher Stelle, brauchte man heute keine Ohrstöpsel, dennoch war der Sound in guter Lautstärke und in beeindruckender Qualität. Das habe ich allerdings gar nicht anders erwartet, kenn ich doch den guten Herrn Spiess am Mischpult schon eine Weile und weiß, wozu der Mann an den Reglern fähig ist. Für eine Panne am Ende konnte er allerdings Nichts, dazu aber später mehr. Nachdem grandiosen Auftakt der Setlist und mächtig Vollgas, gab es eine erste kleine Verschnaufpause. Mit "If I Could Fly" gab es die erste Ballade des Abends zu hören, bevor es dann mit der Frage "Are You Metal?" weiter ging. Lustige Nebengschichte... ich hab eine Postkarte von Helloween damals erhalten, in einem Fanpaket, wo exakt die gleiche Frage drauf steht. Jedes Mal, wenn ich aus dem Haus möchte, hängt dort genau diese Postkarte und Frage dran. Also gehe ich jedes Mal mit der Frage aus dem Haus: "Are You Metal?". Und ich kann sie sofort mit Ja beantworten. Mehr Motivation für den Tag geht nicht oder?

Es ging weiter mit "Rise And Fall", "Waiting For The Thunder" und dann mit einer kleinen Verwandlung von Andi. Der kam plötzlich im Glitzerjäckchen, mit Zylinder, Stock und Brille auf die Bühne. Passend dazu erklang dann die markante Melodie von "Perfect Gentlemen". Optisch waren die Herren an der Stimme so oder so schon top dabei. Beide zu Beginn mit Lederjacke, Nieten und Patches. Sah echt verdammt cool aus. Cool trifft es jetzt ebenso, denn was nun folgte war ein Hochgenuss an Old School Heavy Metal. Kai Hansen gehört, wie auch Michael "Weiki" Weikath und Markus Grosskopf zu den Urgesteinen der Band und damit zu den Verantwortlichen, warum diese Band so erfolgreich ist. In den 80ern war der Speed- und Power Metal eine ganz große Nummer und aus dieser Zeit stammen so manch Hymnen der Band. Diese gab es jetzt in einem Medley auf die Ohren und Hansen durfte ans Mic. Und was war das für ein geiles Medley... Holla... da ging die Post ab. "Starlight", "Ride The Sky" und "Judas" feuerten die Herren ab, als gäbe es kein Morgen mehr. Dir Krönung setze noch "Heavy Metal (Is The Law)" oben drauf. Was war das geil. Die Luftgitarre glühte förmlich schon und so manch Nacken flehte um Gnade.

Die wurde gewehrt, denn nun wurde wieder etwas Luft aus dem Set genommen. Auf den Steg standen zwei Hocker und darauf nahmen Kiske und Deris platz. Gesungen wurde "Forever And One (Neverland)". Ein doch sehr ruhiger Song, der so ein wenig zum Verschnaufen dienen sollte. Allerdings brachte er aus meiner Sicht einen Bruch in das Set. Denn viele im Publikum nutzten den Track für Bier holen, eine Rauchen gehen oder für ein Gang aufs Klo. Somit hatten die meißten nach dem Song die Hände voll und konnten weniger abgehen. Das Set brauchte dann auch wieder ein wenig, um an Tempo zu gewinnen, denn erst einmal kam "I Can". Ein guter Track, doch da geht noch mehr. Jetzt kam dann das "Drum Solo". Und hier muss ich wirklich meinen Hut vor den Machern ziehen. Ingo Schwichtenberg, der leider bereits verstorbene Schlagzeuger von Helloween, wurde hier wirklich grandios geehrt, denn neben zahlreichen Bildern auf der Leinwand, gab es eine Art Duo mit dem aktuellen Drummer Daniel Loeble. Eine sehr coole Idee und ein wirklich toller Moment in der Show.

Danach bileb es ein wenig unspektakulär im Set. Man bediente sich klassischen Posen und spielte ein paar Stücke, die Hardchorfans sofort erkannten, andere aber ein wenig brauchten, um diese zu erkennen. "Livin´Ain´t No Crime", "A Little Time", "Why" oder "Sole Survivor" gehörten in diese Phase des Sets. Zwischendurch gab es immer wieder die kleinen Seth & Doch Einspieler. Und so langsam hatte der ein oder andere Besucher zuviel Geld beim Bier gelassen und taumelte vor sich hin. In meiner Nähe stand solch ein Herr, der jedes Gitarrensolo ausgiebig abgefeiert hat und irgendwie die Orientierung zu verlieren schien. Jedenfalls taumelte er fleißig umher und stoß dabei das ein oder andere Mal mit einigen umstehenden Fans zusammen, die wenig amüsiert über das Verhalten waren. Bei "Power" stiegen dann plötzlich Seifenblasen aus dem Publikum, die Kai Hansen sichtlich amüsiert hatten, als er zu dem Zeitpunkt auf dem Steg unterwegs waren. Es folgte zu "How Many Tears" die Ansage, es sei der letzte Song des Abends, was beim Publikum wenig Freude fand und es die obligatorischen Buhrufe von sich gab. Es gab hier einen sau geilen Instrumentalpart, der wirklich zum niederknien war. Zum Schluss wurde fleißig vor dem Schlagzeug gepost und dann ging es von der Bühne.

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwei Stunden Show vergangen. Fragt mich bitte nicht wie, aber die Zeit verging hier wirklich wie im Fluge und man wollte einfach nicht nach Hause. Allerdings hätte man denken könne, Michael Kiske würde lieber im Bett liegen, statt jetzt noch Zugaben zu geben. Er war bereits einige Wochen gesundheitlich angeschlagen und verdamm nochmal.. der Mann hat Eier. Statt die Tour zu schwenzen oder Shows nicht zu spielen, quält er sich auf die Bühne und liefert brilliant ab. Klar merkt man ihm die Schwächung an und hier und da haut er mal einen Ton daneben, aber steht ihr mal mit Fieber und Co. auf der Bühne und spielt jeden Abend solch ein Set... dann seid ihr auch irgendwann mal dermaßen im Eimer. Hut ab also vor dieser Leistung. Die Zugaben begannen aber mit der bereits erwähnten Panne. Kiske sein Micro wollte plötzlich nicht mehr. Zu "Eagle Fly Free" hört man im Publikum die Musiker gut, doch keine Stimme. Auch ein Wechsel vom Micro brachte keinen Erfolg. Zudem hörte sich die Band niht auf ihren In-Ear Monitoren, so dass sie quasi "blind" spielten.

Nach dem Song überspielten sie die Panne mit einer Showeinlage, die von Kai Hansen eingeleitet wurde. Er forderte eine Microständer und stellte Kiske dazu. Zuvor fragte er das Publikum, ob jemand einen Ständer hätte. Hamburger Humor :D  Er durfte jetzt mit "Love Me Tender" von Elvis Presley für Unterhaltung sorgen, bis die Panne behoben wurde. Und verdammt... der Mann kann Elvis richtig gut singen. Der Grund für die Panne war im übrigen ein Ausfall des Monitorpults. Danach folgte ein grandioser Song... Berlin war bereit für "Keeper Of The Seven Keys". Kiske und Deris sangen wieder gemeinsam und jeder hörte sich wieder gut. Das Publikum, sichtlich amüsiert über die Überbrückung, feierte den Track mit voller Kraft. Im Refrain wurde lautstark mitgesungen und hier und da erhoben sich sogar die Ränge. Die Duettparts kamen sowas von auf den Punkt, das hier Gänsehaut garantiert war. Zum Finale hatte Kai Hansen dann sein Gitarrensolo und beendete dies mit einer Fliegenklatsche. Eigentlich müsste man diesen Satz so stehen und euch grübeln lassen, was er damit wohl wollte, doch das wäre gemein. Auf der Leinwand erschien ein Insekt und Hansen tat so, als würde er es zerklatschen. Lustiger Einfall.

Ab jetzt war nur noch Feuer Frei angesagt... denn die letzten Tracks waren "Future World" und na klar... "I Want Out". Im letzten Track flogen aufgeblasene Kürbisse ins Publikum und zum letzten Knall setzte man noch Konfetti ein. Ein grandioses Finale, nach über 2 Stunden und fast 50 Minuten. Wie sagte Hansen während der Show... ihr seht hier die wohl beste Band der Welt... allerdings verwies er gleichzeitig auf die Ärzte, die diesen Titel ja auch für sich beanspruchen. Allerdings könnten die Ärzte es sein, gäbe es da nicht Helloween. Was das Thema angeht, da könnte man jetzt noch viele andere Bands in den Raum werfen, doch unumstritten bleibt, das Helloween in dieser Formation einfach eine Macht sind. Die Show besticht durch ihre Energie, Spielfreude und einfach dem puren Spass am Metal. Die Länge und die Auswahl des Sets ist hierbei natürlich nicht unerheblich, ähnlich wie dieser grandiose Sound und die tolle Licht- und Leinwandshow. Dieses Konzert wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben und mir bleibt an der Stelle nur zu sagen... DANKE HELLOWEEN und mehr davon!!! Ihr habt es mal wieder mächtig krachen lassen und bewiesen, warum ihr zu den größten Metalbands gehört, die dieses Land hervorgebracht hat. Man kann sich nicht satt hören und die Show nicht oft genug sehen. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, egal wo und wie... geht hin und genießt!! Ihr werdet hier niemals enttäuscht werden!!!


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