Konzertberichte

Guns´n´Roses04.06.2018

Guns´n´Roses
Support: Manic Street Preachers / Greta Van Fleet
03.06.2018
Olympiastadion
Berlin


verfasst von Kalle


Es tut mir im Herzen weh, was ich jetzt für Zeilen schreiben werde, doch ich hab mich dazu durchgerungen, wirklich zu dem Konzert etwas zu schreiben, obwohl ich privat vor Ort war und die Karte käuflich erworben habe. Doch genau dieser Punkt und ein paar Weitere haben mich jetzt dazu veranlasst, ein paar Zeilen zu dem Konzert von Guns´n´Roses zu verfassen. Ein Konzert das gerne in Erinnerung bleiben würde, es auch wird, doch nicht viel ist positiv davon. Und genau das tut mir im Herzen weh.

Denn was habe ich mich, wie viele andere tausend Besucher auf das Konzert gefreut. Die Band, die große Hymnen geschrieben hat, die einen Sänger mit grandioser Stimme besitzt, wo einer der legendärsten Gitarristen mitspielt und wo man einfach Clips kennt, wo sie Stadien zum kochen bringen und die Menge danach voller Freude und Euphorie zufrieden nach Hause ging. Nun... an diesem Abend war das nicht der Fall und der Übeltäter dafür ist: Der Sound und sein Meister der Tontechniker. Sorry... aber ihr habt versagt!

Fangen wir aber mal von Vorne an. Die Anreise gut organisiert, da die S-Bahn nur bis zum Stadion fur und daher viele Fans drin waren, man konnte fröhliche Gespräche lauschen, die Laune war gut und die Vorfreude groß. Am Stadion angekommen, waren viele Tickethändler vor Ort, ein paar Bierstände - das übliche Bild bei einem Großevent im Olympiastadion. Der Einlass komplett unkompliziert und schnell über die Bühne gebracht, drinnen lief schon die erste Supportband, noch schnell ab zum Merch. Dort n schönen Schock bekommen: 35,- EUR für ein T-Shirt. Ach egal... das gönnst dir jetzt auch mal. Normalerweise ist bei 25,- EUR bei mir die Schmerzgrenze und daher hatte das jetzt einen besonderen Stellenwert - es sollte ja auch eigentlich ein geiler Abend werden. Nun... vor dem Merch noch Kumpels getroffen und ein paar Töne der ersten Supportband mitbekommen.

Greta Van Fleet gelten als die Durchstarter der Rockszene und für viele Fans als die neuen Led Zepplin. Ja... der Sound war echt nicht ohne und konnte gefallen. Allerdings war der Sound schon jetzt sehr übersteuert und der Sänger Joshua brüllte in sehr krassen Höhen ins Mikro, das einem schon das Gehör flatterte. Schlecht war das in keinem Fall, aber ich hab die Band dann doch lieber auf einer kleineren Bühne bei klarem Sound. Das Publikum war aber sehr angetan und applaudierte fröhlich. Dann mit ein Kumpels getroffen, den Merch mitgenommen und ein Bierchen geholt. Die zweite Supportband haben wir nur von draußen so mitbekommen, war uns einfach zu... naja... normal und nix was man hören müsste. Wir kamen genau zum letzten Ton wieder an unsere Plätze und freuten uns auf eine tolle Show von Guns´n´Roses. Die sollte um 19 Uhr laut Plan eigentlich losgehen, was aber nicht der Fall gewesen ist.

Wir hatten unsere Plätze im Oberrang Block 2.1 und dort in der ersten Reihe. D.h. wir hatten keine Gesichter vor uns und normalerweise besten Sound im Stadion, da man so auf mittlerer Höhe saß und dort genießen hätte können. So der Plan, als ich damals die Karte für knapp 100 Euro gekauft habe. Um 19:20 Uhr, nur ne knappe Stunde nach dem letzten Ton der Supportband, ging das Intro zur Show los. Es erinnerte doch etwas sehr an AC/DC ihr Opening. Eine Kugel schoss durch einen Lauf, durchbrach dabei mehrere Gegenstände, wurde komisch animiert... naja... muss man nicht unbeingt so machen. Die Sonne schien noch prächtig als das Feuerwerk den ersten Song "It´s So Easy" begleitet hat. "Okay... lassen wir den Sound sich mal entwickeln, wird sich schon nach ein paar Takten einfädeln." - So unser gemeinsamer Gedanke. Man hatte nämlich so gar nix verstanden und es war ein einziger Brei. Der Bass sehr dominant, Axl sein Micro immer wieder mit Aussetzern und die Drums wollten alle übertönen.

Das kann im ersten Song noch passieren und dem gibt man auch den Technikern Zeit, das Problem zu beheben. Blöd nur, wenn diese lieben Leute nicht im Ansatz daran dachten. Der Sound blieb auch im zweiten Song "Mr. Brownstone" totaler Schrott. Es gab nur einen Unterschied - es wurde schlimmer. Ich hab es erst auf de Wind geschoben, der ja gerne mal ein wenig den Sound verweht, doch als es windstill war... der Sound blieb  rotze. Nagut... wird vielleicht noch was werden - man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Als "Chinese Democracy" runtergekratzt wurde, kam dann das erste Highlight mit "Welcome To The Jungle". Wir voller Vorfreude und dann doch mit Ernüchterung.. ist das wirklich das Lied? Hmmm... man hört nur Bass und Axl seine Stimme leider nur, wenn mal in die Höhen kam. Lag das an unseren Plätzen? Das war zumindest mein erster Gedanke. Doch dann schaute ich mir die Boxen im Stadion genauer an und fand einen der Fehler. Die Ausrichtung war für die Katz. Die Höhen schossen aus dem Stadion hinaus und der Bass sammelte sich schön unter dem Dach und schwang von da zu uns zurück. Klar das es dann Nichts werden könnte mit Stimme verstehen usw. In den Soloparts von Slash und Co. kam es echt gut bei uns an, auch wenn der Bass weggeblieben ist, war der Sound halbwegs zu erkennen.

Die Stimmung wollte so auch nicht wirklich aufkommen bei den Fans. Lediglich ein paar Hardcorefans, die mal eben 180,- EUR für Front Of Stage 1 und 160,- EUR für Front Of Stage 2 gelassen haben, kam hier und da mal etwas Stimmung auf und man klatschte mit. Der Rest saß auf seinen Plätzen, nur vereinzelte Fans standen von Beginn an, und im Stehplatzbereich, wo die Karten immerhin 120,- EUR gekostet haben, gab es vereinzelt ein paar tanzende Fans. Der Rest blieb weitesgehend Regungslos. Das merkte man auch am Applaus, der häufig sehr verhalten ausgefallen ist. Verständlich und aus meiner Sicht verdient. Nur eben nicht der Band wegen, sondern weil da einige Techniker richtig Mist gebaut haben.

Axl war gut bei Laune, wenn man es so vernehmen konnte. Er gab sich sichtlich Mühe. Slash war ansich grandios, wirkte mir hier und da aber etwas Lustlos. Er flitzte fleißig über die Bühne, zelebrierte hier und da ein Solo fantastisch und wirklich mal wieder zum Zunge schnalzen. Dann hatten sie zwei Keyboarder auf der Bühne. Auf einer Seite stand Dizzy Reed und auf der anderen Seite Melissa Reese. Die Dame hatte bei der Outfitauswahl mächtig in die Tonne gegriffen, stand sie mit einem Plüschmantel oder Jacke da... was so Null Komma Null mit Rock´n`Roll zu tun hatte. Ich bin zwar nicht die Modepolizei, aber für eine Show, wie von Guns´n´Roses, da erwarte ich einfach mal auch die entsprechende Klamotte. Sie hätte sich von Axl ja einen der zahlreichen Hüte und Sonnenbrillen oder T-Shirts leihen können. In den häufigen Instrumentalparts nutzte der gute Axl nämlich die Zeit und schlüpfte in verschiedene Shirts. Dabei kann er gar nicht so geschwitzt haben, ist er doch nicht so viel gerannt. Und durch das bissel hin und her schwingen des Körpers, kommt man auch nicht so schnell ins Schwitzen.

Und statt sich um seine Outfits einen Kopf zu machen, hätte er sich mal an die Einsätze zu seinen Gesangsparts setzen können. Hier und da hat er nämlich gekonnt seinen Einsatz verpasst und damit auch einige Parts der Song mal ausgelassen. Wenn man ihn dann mal irgendwo zwischendurch verstanden hat, dann war die Stimme aber ordentlich und besser als erwartet. Nur hat man ihn eben nicht schön verstanden. Das eigentliche Leckerbissen des Abends war die Setlist. Die hielt einige Überraschungen bereit und natürlich n paar satte Klassiker. Nach "Welcome To The Jungle" ging es weiter mit "Double Talkin´Jive", "Better", "Estranged", "Live And Let Die" - wo Axl leider die Höhen komplett versaut hat, "Rocket Queen", dem Misfits Cover "Attitude" und "This I Love".

An den Scheiß Sound hatten wir uns dann gewöhnt, die Sonne war langsam hinter der Gegengerade verschwunden und so konnte man etwas von der Lichtshow erahnen. Die Strahler im Bühnendach waren echt satt und man hätte eine Menge daraus machen können. Doch irgendwie... naja... wollte er nicht oder durfte nicht, der gute Lichttechniker? Oder war er so gebannt von den LED Leinwänden? Die Bühne ansich hatte viel mit LED zu bieten. In der Mitte eine große Leinwand, zwei kleinere Leinwände hingen an den Außenseiten, dazu ein Podest mit zwei Treppenaufgängen und alles mit LED Technik verkleidet. Das hatte schon eine gewisse Schlichtheit, die mir ansich gefiel. Nur die Animationen waren teilweise so unterirdisch und unpassend. Wer hat sich das einfallen lassen? Es ist eine Stadionband... da hat man ein Feuerwerk abzubrennen und nicht die neueste 3D Animation im Loop laufen zu lassen. Das war echt unterste Kananone. Dann lieber ein Backdrop oder einfach zur Not hier und da ein Musikvideo nebenbei laufen lassen. Alles bessre als unpassende Grafiken, die kaum zu den Songs passten.

Eine Überraschung gab es dann: Slash spielte ja in Velvet Revolver und nun kam es zu einer Premiere. Guns´n´Roses performten den Song Slither. Danach spielte Slash ein schönes Solo, wo er u.a. "Johnny B. Goode" mit eingebaut hat. Mit "Speak Softly Love" ging es dann weiter und das nächste Highight folgte. "Sweet Child O´Mine". Joa... hätte ich gerne genossen, aber ich hab nur Brei gehört. Mittlerweile war es dann Zeit für ein neues Bier und ein Gang aufs Klo und joa.. da war die Resonanz ähnlich. Viele waren einfach nur enttäuscht über den Klang. Und die wirklichen Highlights kommen ja erst noch und ich hatte so Schiss davor. Denn ich liebe u.a. "November Rain" und wollte so gerne mit Gänsehaut am Geländer stehen und leicht Tränen in den Augen haben. Meine Augen blieben trocken. Schon vorher als "Wish You Were Here" lief, zuvor noch "Used To Love Her" und "Wichita Lineman" gespielt wurden, hab ich germerkt, das hier richtig was schief laufen wird. Gänsehaut wird es nicht geben. Und so kam es dann auch leider. Selbst das so grandiose Solo von Slash sollte bei mir kein Haar aufstehen lassen vor Freude... im Gegenteil... ich hätte mir die Haare raufen können. Und dann ist er leider nicht auf das Klavier gestiegen. Das wäre eine Szene geworden, die das Stadion noch einmal hätte zum aufkochen bringen können.

Singen konnte das Publikum und singen wollte es auch, das hat man bei "Knockin´On Heaven´s Door" gemerkt. Da gibt es ja immer den schönen Mitsingpart und das Stadion war da, es klang sogar teils klarer als Axl an dem Abend. Nur er konnte nur wenig dafür. Klar hätte er schön schreien können und seine Musikerkollegen gekonnt übertönen können, doch dann hätten wir mehr als nur unsere Finger gebraucht, um uns die Ohren zuzuhalten. "Nightrain" ging komplett im Soundbrei unter. Hätte man da nicht hin und wieder das Wort Night oder Rain halbwegs vernommen, man hätte nicht erkannt was für ein Lied das gewesen wäre. Und das sollte schon fast das Ende sein. Die Band verließ die Bühne, ein paar blaue Strahler erleuchteten die Bühne und man hörte ein leises Akustikgitarrenspiel. Das kam dann aber nicht vom Band, sondern Slash stand dann wieder auf der Bühne. Es klang aber erst, als würde man die Leute mit sanfter Musik nach draußen bitten. Zum Glück war es nur das Intro für "Patience". Zeit den Bierbecher abzugeben und sich den Pfand geben zu lassen. Es gab übrigens keine besonderen Becher mit Aufdrucken oder so.

Als Finale durfte "Paradise City" nicht fehlen. Doch paradisisch war an diesem Abend nicht wirklich etwas. Die Enttäuschung über einen so miesen Sound war größer als die Freude, das man Gun´s´Roses einmal live erleben durfte. Es war ansich keine schlechte Show, doch sie wäre geiler gewesen, hätte man was davon gehört. Und wer jetzt denkt, ich rede hier nur von meinen Eindrücken... was den Sound angeht, so habe ich bestimmt 30 oder 40 Leute gefragt oder sie haben mir bei meinen Erzählungen zugestimmt, das sie es genauso empfunden haben. Und dabei habe ich Eindrücke gesammelt, aus allen Bereichen des Stadions. Egal ob Stehplatzbereich, Unterring, Gegengerade oder ähnliches... nirgends war der Sound wirklich optimal. Vielleicht ganz vorne, in den ersten Bereichen vor der Bühne, nur von dort hab ich tatsächlich keinen Eindruck bekommen. Es wäre ansich kein Drama, was den Sound angeht, hätte die Karte nicht die Preise gekostet, wie oben bereits beschrieben. Und jetzt kommt noch eine Sache oben drauf. Wenige Tage vor dem Konzert gab es bei einigen großen Konzertkartenhändlern ein paar Aktionstage, wo es Karten für 35,- EUR gegeben hat. Wer jetzt meint, die hätten nur scheiß Plätze gehabt, der irrt gewaltig. Eine gute Bekanntin saß nur vier Reihen hinter uns und hat für die Karte die besagten 35,- EUR gezahlt, während drum herum viele an die 100,- EUR dafür bezahlt haben. Das setzt dem Ganzen leider noch die Krone auf. Wir hätten es allesamt cool gefunden, wenn die Leute mit höheren Ticketpreisen, an fast den gleichen Plätzen dafür einen Ausgleich ode so bekommen hätten, weil das hatte einen sehr faden Beigeschmack, zum Gesamteindruck des Abends.

Im Gesamten kann ich zu dem Konzert sagen, das hier viel Luft nach Oben war, was den Sound und die Lichtshow anging. Durch den schlechten Klang kann und möchte ich die Leistung von Axl und Slash nicht zu negativ oder zu positiv bewerten, da mir hier der richtige Eindruck fehlt. Bei gutem Sound hätte ich mir sicherlich ein anderes Bild gemacht. Dem Tontechniker möchte ich bitten, sich das nächste Mal zu vergewissern, das er sich am richtigen Platz befindet oder er möge sich Kollegen holen, die an verschiedenen Punkten im Stadion stehen und ihm von dort Feedback geben, wie der Klang ist. Für eine Stadionband, wie es Guns´n´Roses war und ansich auch ist, hat man, bei den Ticketpreisen auch eine gewisse Erwartung. Diese wurde heute ganz klar, in den Augen und vor allem Ohren vieler tausender Menschen, nicht erfüllt. Dafür können die Jungs auf der Bühne wenig... außer sich mal überlegen, warum das Stadion nicht ausverkauft war. Wobei... das sollten sich ganz andere Leute überlegen und sich hinterfragen, warum beim nächsten Mal, wohl eine kleinere Location reichen wird. Viele sind nach der Aktion heute sehr enttäuscht nach Hause und nicht wirklich euphorisert aus dem Stadion gegangen.

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