Konzertberichte

German Swordbrothers Festival 201805.03.2018

German Swordbrothers Festival 2018
24.02.2018
Lükaz
Lünen


verfasst von Henry G.

War es bei den letzten Ausgaben des German Swordbrothers Festivals meist schon frühlingshaft warm draußen gewesen, so fand die Ausgabe 2018 im tiefsten, eisigen Winter statt. Gut also, dass es das kuschelige Lükaz als Location gibt, welches man nur als Raucher oder zur Nahrungsaufnahme kurzfristig verlassen musste.

Der Vorverkauf lief in diesem Jahr besonders gut, man durfte also ein volles Haus erwarten. Etwa zur Hälfte voll war der Saal des Lükaz schon kurz vor 17 Uhr gewesen, als sogar etwas überpünktlich die Heavy Metaller von Hammer King, die vorgeblich aus Saint Tropez kommen, den Abend eröffneten. Mit scheinbar mysteriöser Aura durch schwarz umrandete Augen und dunklen Kapuzenumhängen starteten die Kaiserslauterner den Gig mit Kingdom of The Hammer King, energiegeladen gefolgt von Last Hellriders. Wie es sich für eine - vermeintlich - internationale Band gehört, erfolgten die Ansagen hauptsächlich auf Englisch, obwohl das stellenweise nicht so ganz durchgehalten wurde. Gitarrist Gino Wilde wurde an diesem Abend ersetzt von einem Kollegen, da er aufgrund einer "Sex-bezogenen Angelegenheit", wie Frontmann Patrick Fuchs, alias Titan Fox es süffisant kommentierte, verhindert war: Also dann wohl alles Gute zur Vaterschaft, der Herr! Die Band ist schon etwas bekannter und konnte hier ebenfalls bereits ordentlich beim Publikum punkten; nach drei Stücken waren schon laute Hammer King-Anfeuerungsrufe zu hören. Die gute Stimmung wurde gesteigert durch die Info, dass man derzeit im Studio werkelt und das dritte Album praktisch schon fertig aufgenommen ist. Weitere Titel auf der Setlist waren der Chancellor of Glory, King is Rising, wobei das Publikum eine Runde mitsingen durfte, und schließlich I Am The Hammer King - allesamt großartige Metalkracher, die mit einem sehr guten Sound dargeboten die Dreiviertelstunde viel zu schnell verfliegen ließen.

Auf den nächsten Auftritt freuten sich besonders auch die Hammer King-Musiker, Hürlement, die wirklich aus Frankreich, genauer gesagt Paris, kommen. Punkt 18 Uhr legte das Quartett vor einem gut gefüllten Lükaz los mit einem großartigen Heavy Metal, der von den großen Namen der Szene geprägt ist und mit jeder Note den Geist von Manowar und Judas Priest atmet. Die Mehrzahl ihrer Songs verfassen Hürlement mit französischen Texten, sie haben aber auch einige englischsprachige Titel im Repertoire. Stücke wie Moine Guerrier fordern Sänger Alexis einiges ab, die hohen Screams liefert er allerdings mit Leichtigkeit. Er erinnerte in einer Ansprache an die Anfänge der Band, die mit dem früheren Swordbrothers-Festival verbunden sind, da dies einer der ersten internationalen Auftritte war, den sie spielen durften, als sie nur ein schlecht produziertes Demo auf Lager hatten. Inzwischen ist bereits das dritte Studioalbum veröffentlicht, alle mit französischen Titeln. Englischsprachige Stücke auf der Setlist im Lükaz waren Brothers of the Watch, wozu der Basser Didier mal einer Runde vor der Bühne in der ersten Reihe rockte, und natürlich der grandios epische Song of Steel. Mit Pavillion Noir stellten Hürlement zudem ihr Tribute an die Piratenmetaller von Running Wild von der letztjährigen dritten Platte vor, bevor Demon Warriors den 45-minütigen Gig beschloss, der bei den Fans in den ersten Reihen besonders gut ankam, welche sich mit intensivem Headbangen bedankten - alle anderen mussten noch etwas mehr angewärmt werden für den Rest des Abends.

Them folgten als Nächstes und für die theatralische Heavy Metal-Inszenierung haben sie einige Requisiten wie Grabsteine, eine Gaslaterne, ein Skelett und einen Opfertisch mit LED-Beleuchtung auf der kleinen Lükaz-Bühne drapiert. Zum Beginn der Show war das Lükaz schon randvoll und der Auftritt begann eher gemächlich mit progressiven stark keyboardbetonten Klängen, bevor Frontmann Troy Norr alias K.K. Fosson, die ersten Screams in bester King Diamond-Manier vom Stapel ließ. Der Sänger hatte Them ursprünglich mal als King Diamond-Tribute gegründet, bevor seit 2014 das Konzept der theatralischen Metal-Performance entwickelt und eigenes Material geschrieben wurde. Kurz nach Beginn der Show bekam der Frontmann von einem Priester mit dem umgedrehten Kreuz das Zeichen des Bösen aufs rechte Auge verpasst, wodurch er fortan gezeichnet ist. In der fortan dargestellten Story spielten eine Großmutter und ihre erwachsene Enkelin die Hauptrollen, letztere habe ihren Hund umgebracht, griff zwischenzeitlich Fosson mit einer Axt an, wurde dann als Hexe deklariert und schließlich auf dem Altartisch einer Art Exorzismus unterworfen. Dazu wurden die Songs vom 2016er Debütalbum Sweet Hollow wie Forever Burns, das fast poppige Dead Of Night und Blood From Blood gespielt. Für den kommenden Oktober wurde bereits das Nachfolgealbum angekündigt. Zu When The Clock Struck Twelve wurde der Exorzismus der im Nachthemd gewandeten Blondine im Beisein eines abgefahrenen Priesters durchgeführt; Anfeuerungsrufe aus dem Publikum befeuerten das Schauspiel, bis schließlich der Hauptcharakter Fosson mit einem Messer auf die junge Frau einstach und ihr Blut symbolisch in einem Kelch auffing und davon trank. Es folgte mit Witchfinder ein neues, noch unveröffentlichtes Stück, welches eine kurzweilige, aber insgesamt nur wenig mitreißende Metal-Theatershow abrundete.

Mit nicht minder hohem Gesang ging es im Anschluss weiter mit den Holländern von Emerald. Bei der Truppe handelt es sich um ein Original aus den 80ern, unter anderem Namen eigentlich schon Mitte der 70er gegründet, die damals den Sound von Bands wie Judas Priest für sich entdeckten und daraus etwas Eigenes schufen. Über das Debüt-Album Down Town von 1985 ist man seinerzeit leider nicht hinaus gekommen und nach der Auflösung Ende der 80er dauerte es bis Ende 2017, bis die zweite Platte erschien. Anlässlich der Veröffentlichung kann man die Holländer nun wieder live erleben und das war auf dem Swordbrothers für viele Besucher einer der Höhepunkte des Abends. Entsprechend voll war das Lükaz und man konnte einen großartigen Auftritt mit tollem Metal-Sound erleben. Sänger Bert Kivits ist nach all den Jahren noch großartig bei Stimme und auch die anderen Musiker zeigen eine Versiertheit und Spielfreude, als wären Emerald nie weg gewesen. Neue Stücke wie Behind My Wall, Mechanical Wars und The Passion Remained funktionieren live gut, doch das Publikum will natürlich mehr von den Klassikern aus den 80ern hören wie Shadows of Almighty, Suicide und D-Day. An dieses Festival dachten Emerald bereits, als sie für das neue Album die gleichnamige Nummer Sword Brothers schrieben, welche sie als Hymne fürs German Swordbrothers Festival und als Tribut an die Fans präsentierten. Das Publikum bedankte sich mit lautem Jubel und man sah auch Musiker der anderen Bands, beispielsweise von Hürlement, vor der Bühne, um mit Emerald über 30 Jahre Metal zu feiern.

Visigoth aus den Staaten sind ähnlich wie Emerald eine von vielen Besuchern gespannt erwartete Band dieses Abends. Das Lükaz war berstend voll und diverse Fans in den ersten Reihen zeigten sich gleich zum Opener Dungeon Master überaus textsicher und in Feierlaune. So dauerte es nicht lange, bis die ersten Visigoth-Anfeuerungsrufe ertönten und viele Fäuste den Lükazhimmel rockten. Nicht schlecht für eine Truppe, die erst seit 2010 existiert, gerade ihr zweites Album rausgebracht hat und dabei nun das zweite Mal auf Tour Station in Deutschland macht. Die neuen Stücke wie Steel and Silver und Outlive Them All kamen ebenso gut bei den Festivalbesuchern an. Allerdings war der mit diversen Nietenarmbändern verzierte Sänger Jake Rogers kaum bei Stimme - es geht eben gerade die Grippewelle um und auch tourende Musiker bleiben von Heiserkeit und anderen Symptomen nicht verschont. Aber die Show muss eben weiter gehen; so krächzte der Sänger ein paar kurze Ansagen ins Mikro und konzentrierte sich ansonsten darauf, mit aller Kraft die Songs irgendwie hinzubekommen. Er konnte sich aber auf die Stimmen der German Swordbrothers zur Unterstützung verlassen. Weitere neue Songs wie das epischere Warrior Queen, Traitor´s Gate und der Titeltrack von der neuen Platte, The Conqueror´s Oath, konnten die gute Stimmung bei den Zuschauern halten, immer wieder brandeten Visigoth-Rufe auf. Die Amerikaner spielten ebenfalls eine Covernummer der US-Metallegende Riot, Bloodstreets von 1988 - das Stück hätten sie sich im Tourbus beigebracht. Mit The Revenant King beendete das Quintett zunächst schon den Gig etwas vor der Zeit. Zugaberufe folgten und nach der Info, dass noch Zeit ist, spielten sie dann mit Hammerforged noch eine Extrarunde; die Festivalbesucher im Lükaz haben sich diese mit ihrer Unterstützung der Musiker wirklich verdient. Ein denkwürdiger Co-Headliner-Auftritt, der im Gedächtnis bleiben wird.

Cloven Hoof konnten als Headliner zunächst nicht für ein ganz so volles Haus sorgen, es füllte sich erst allmählich wieder. Dabei ist die 1979 gegründete NWOBHM-Legende eine der Bands, die man nicht allzu oft zu sehen bekommt und daher keinesfalls verpassen sollte. Allerdings ist Bassist Lee Payne das einzige verbliebene Originalmitglied, er hat in den letzten Jahren eine neue Riege Musiker um sich versammelt, um Cloven Hoof wieder aufleben zu lassen. Das aktuelle Lineup harmoniert live sehr gut, obgleich es in der Vergangenheit viele Wechsel, insbesondere auch beim Gesang, gab, scheint sich nun die optimale Besetzung gefunden zu haben. Sänger George Call hat eine starke Bühnenpräsenz sowie eine starke Stimme, die zuweilen etwas an den großen Bruce Dickinson erinnert. An der Lead-Gitarre steht der wie ein jugendlicher Schüler aussehende Luke Hatton, der aber ein großes Talent an seinem Instrument ist - sozusagen ein kleiner Nachwuchs-Eddie-van-Halen mit viel Fingerfertigkeit. Criss Coss an der Rhythmusgitarre und Danny White an den Drums ergänzen die aktuelle Besetzung.
Zu Beginn der Show spielten Cloven Hoof ein paar Klassiker wie den selbstbetitelten Song Cloven Hoof vom gleichnamigen 1984er Debütalbum und Nova Battlestar von der 1988er Plate Dominator. Mit Time To Burn folgte ein Titel von der letztjährigen aktuellen Platte. George Call betonte in seinen Ansagen den Zusammenhalt im Heavy Metal und zog, ähnlich wie Manowar-Bassist Joey DeMaio, gerne über die metalfeindlichen Medien her, hier insbesondere das Radio, das nur schrottige Popmusik unterstützt. Nur in Internetradios gebe es relevante Musik zu hören. Wo er Recht hat, hat er nun mal Recht.

Später ging es eine Runde nach Schottland mit dem Klassiker Highlander von 1989, zwischendrin feuerte das Publikum die Musiker mit Cloven Hoof-Rufen an und ab und zu erklommen einige ganz Verwegene die Bühne, um den Sprung in die Masse zu wagen. Deliverance spannte den Bogen wieder in die aktuelle Zeit zum vorletzten Album, bevor weitere Klassiker wie Crack the Whip und Laying Down the Law vom 1984er Erstlingswerk folgten. Der Sänger forderte das Publikum auf, so laut zu schreien, dass ganz Lünen hören sollte, was für eine Party dort stattfand - er wäre erst zufrieden, wenn Lünen Cloven Hoof aus der Stadt jagen wollte. Soweit kam es dann zum Glück nicht, eine tolle Party war es trotzdem allemal. Mit dem grandiosen Reach For The Sky von der Dominator-Platte endete die Show nach gut anderthalb Stunden und Sänger und Publikum sangen gemeinsam den Refrain vor der Bühne, bevor es wieder raus in die eisige Nacht ging. Gut, dass Lee Payne die Band weiter am Leben hält, so konnte man in den Genuss dieses erstklassigen Headlinerauftritts kommen.

Wie in den letzten Jahren war auch das diesjährige German Swordbrothers Festival wieder eine tolle Heavy Metal-Party mit handverlesenen Bands. Es ist erfreulich, dass in Zeiten, in denen andere kleinere Festivals in der Region aussterben, so ein großes Publikum dieses wunderbare Festival unterstützte; weiter so kann man da nur sagen. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

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