Konzertberichte

Der Detze Rockt 201809.07.2018

Der Detze Rockt 2018
15. - 16.06.2018
Am Detzenberg
Rengen


verfasst von Henry G.

Es gibt in Deutschland einige kleine Underground-Metalfestivals, deren Qualität sich langsam rumspricht in der Szene - eines davon ist Der Detze Rockt, auf dem malerischen Detzenberg in der Vulkaneifel gelegen, auf welchem sich alljährlich Mitte Juni hunderte Metalfans versammeln, um eine große Party zu feiern. In diesem Jahr fand die Party schon zum achten Mal statt und im Lineup verbargen sich wieder einige selten bis nie gesehene Bands verschiedener metallischer und auch rockiger Spielarten.

Die Anreise gestaltete sich am Freitagnachmittag erwartungsgemäß schwierig, aber 4 Stunden für die 200 Kilometer vom Ruhrgebiet waren dann doch deutlich mehr als eingeplant - die Staus wollten mal wieder kein Ende nehmen in NRW. Ironischerweise ist das Festivalgelände zwar genau neben der Autobahn A 1 gelegen, über diese aus Richtung Köln kommend jedoch sehr schlecht zu erreichen, da die Autobahn dazwischen auf einigen Zehnerkilometern Strecke noch nicht gebaut ist und man dann das Vergnügen einer serpentinenreichen Fahrt auf einsamen Bergstraßen rund ums Ahrtal genießen kann beziehungsweise muss, anstatt zügig zum Detze zu kommen.

Somit waren Ruynor schon lange fertig am Freitagnachmittag und Final Fortune spielten ihre letzten Stücke, als ich endlich am Campingareal ankam und von einigen Bekannten mit einem gut gekühlten Begrüßungsbier empfangen wurde. Also schön angestoßen zu Nummern wie Dirty Nights, die man aufgrund der überschaubaren Größe des gesamten Areals auch gut von der Campingwiese mithören konnte.

Der folgende Umbau ließ dann genug Zeit für den Zeltaufbau am Detzenberghang. Der Freitagnachmittag präsentierte sich sonnig und bei etwa 25 Grad mit bestem Open-Air-Wetter für eine solche Veranstaltung.

Als nächstes standen Slaughter Messiah auf der Detze-Bühne. Die Belgier präsentierten einen garstigen Black/Thrash/Speed Metal, der stilecht mit schwarz umrandeten Augen, zahlreichen Nietenarmbändern und umgedrehten Kreuzen als Anhänger an der Lederkluft der Musiker daher kommt. Etwa 100 Besucher fanden sich am frühen Abend am Ort des Geschehens ein, um Stücken wie Black Speed Terror, Swamp of Torment und Bells Of Damnation zu lauschen. Obwohl die Band eigentlich aus vier Mitgliedern besteht, traten Slaughter Messiah auf dem Festival als Trio mit nur einem Gitarristen an. Das machte aber nichts weiter, der Sound war gut und oldschoolig, wie er sein soll. Nach etwas über der Hälfte der Show wurden die Musiker schon angefeuert und wie zum Dank sowie als Widmung an die "Real Metalheads of Germany" spielten Slaughter Messiah später Die In Fire - eine Coverversion von Bathory - wozu sich Sänger und Bassist Lord Sabathan mittels einer Flasche Grillanzünder als Feuerspucker betätigte. Mit Crypt of the Undead war sogar noch Zeit für eine Zugabe von der aktuellen EP.

Ranger konnten im Anschluss eine deutlich größere Anhängerschaft auf dem Detzenberg versammeln. Da der Ablauf schon ein bisschen Verzögerung hatte, starteten Ranger mit fünf Minuten Verspätung. Der Speed Metal der Finnen veranlasste einen kleinen Moshpit, die meisten Zuschauer nutzten aber eher die Gelegenheit zum ausgiebigen Headbangen. Songs wie Shock Skull und Touch of Death schrauben mit hoher Geschwindigkeit und hohen Screams ordentlich die Rübe ab und verfügen außerdem zum Teil über melodische Gitarrensoli. Ob es an der für finnische Verhältnisse ungewohnten Wärme in der Eifel gelegen haben mag, dass Ranger nach ihrem leicht verspäteten Beginn weitere fünf Minuten kürzer spielten als geplant, kann man nur spekulieren. Aber so ist eben Speed Metal; schnell zuschlagen, ordentlich reinhauen und früh fertig.

Ambush kann man gerne als die erste Entdeckung des Festivals bezeichnen. Die 2013 in Växjö, Schweden gegründete Truppe erfindet keinesfalls das schwermetallische Rad neu, sondern orientiert sich ganz klar an den großen Vorbildern Judas Priest. Aber das machen sie mit viel Hingabe und großartigen eigenen Songs, die zuweilen außerdem an die seligen Steelwing erinnern. Ambushs eigentlicher Basser ist daheim in Schweden verblieben, seinen Job hat der Night-Sänger und Bassist Oskar Andersson übernommen. Zu Stücken wie Possessed by Evil und Desecrator, den Titeltrack der letzten Platte von 2015, lässt sich vortrefflich die Matte schütteln und die Luftgitarre auspacken. Kein Wunder, dass nach wenigen Liedern die Band mit Ambush-Sprechchören angefeuert wurde. Mit geschätzt 400 Leuten war es ordentlich voll vor der Detze-Bühne geworden. Weiteres Material wie der groovige Rocker Southstreet Brotherhood und Natural Born Killers gehen eher in Richtung Heavy Rock und sorgten somit für etwas Abwechslung. Mit Firestorm kam wieder der speedige Heavy Metal zum Zuge, mit erstklassigem Sound präsentiert, bevor ein neues Stück von der kommenden Platte die gut einstündige Ambush-Show abschloss.

Die Umbaupause war mit geplanten 25 Minuten etwas zu lang bemessen, Oliver Dawson Saxon starteten einfach fünf Minuten früher mit ihrer Variante eines Saxon-Konzertes. Die Band um die Saxon-Gründungsmitglieder Graham Oliver (Gitarre) und Steve Dawson (Bass) war überaus guter Laune und spielte eine Saxon-Klassiker-Show, die die bekanntesten Titel beinhaltete, welche auch von den ungleich größeren, anderen Saxon bis heute gespielt werden. Mit Rock´n´Roll Gypsy starteten ODS vor einem mäßig gut gefüllten Platz auf dem Detzenberg.

Strong Arm of the Law und das sonst eher selten gehörte Frozen Rainbow folgten mit einer tollen Gänsehautstimmung. Sänger Brian Shaughnessy singt in einer ähnlichen Tonlage wie Biff Byford, kommt aber live nicht ganz heran und hat überdies eine andere Ausstrahlung. Dennoch funktionieren die Songs recht gut mit seiner Stimme. Im Laufe der Show reihten sich die Klassiker wie Dallas 1 PM, Denim and Leather, Wheels Of Steel, Power and the Glory, 747 und natürlich Crusader aneinander. Man hätte sich gewünscht, es würden vielleicht noch ein paar weniger bekannte Nummern, die von Saxon heute nicht mehr gespielt werden, auf der Setlist von ODS stehen - stattdessen unterscheiden sich die Setlisten beider Bands fast ausschließlich in der Reihenfolge der Lieder. Im direkten Vergleich zur gut einen Monat vorher gesehenen Show der großen Saxon auf dem Rock Hard Festival, haben Oliver/ Dawson Saxon live ebenfalls viel Spaß gemacht, haben aber natürlich entsprechend der Möglichkeiten der Bühnentechnik nicht ganz so viel Power. Wenn man nicht wüsste, dass zwei der Gründungsmitglieder von Saxon dabei sind, würde man sagen, eine sehr gute Coverband. So groß wie Biff Byfords Saxon werden ODS allerdings wohl nicht mehr werden - ein guter Headliner für den Detze waren sie in jedem Fall.

Nach der Show ging es partymäßig weiter auf dem Gelände, erstmals haben die Veranstalter in diesem Jahr einen DJ für eine amtliche Metal-Disko engagiert, was immer sehr angenehm ist, wenn man noch den einen oder anderen Absacker zu ordentlicher Mucke an zentraler Stelle genießen kann. Das hat bisher eindeutig gefehlt auf dem Detze.

Der Samstag präsentierte sich angenehm warm und sonnig bis zeitweilig bewölkt, bei um die 25 Grad konnte man ganz gemächlich seinen eventuell vorhandenen Kater vom Vorabend kurieren.

Um die Mittagszeit starteten Old Mother Hell mit gut 10 Minuten Verspätung vor nur einigen zig Zuschauern. Das Mannheimer Trio gibt es erst seit drei Jahren, sie haben allerdings mit ihrem doomigen Heavy Rock schon ihren eigenen unverwechselbaren Sound gefunden. Ihre Songs wie Mountain, Narcotic Overflow und Kneel To No God heizten dem eher noch müden Publikum schon mal kräftig ein und gegen Ende der Show erhoben sich zahlreiche Fäuste zur Anfeuerung des "haarigen Basstiers" und seiner beiden Mitstreiter. Ihr selbstbetiteltes Stück Old Mother Hell widmete Gitarrist und Sänger Bernd Wener einem verstorbenen Freund und allen, die ebenfalls Leute verloren haben. Wer später anfängt, darf früher aufhören, so waren sie noch ein paar Minuten vorm Ende der geplanten Zeit durch - kein Wunder, haben Old Mother Hell doch nur eine EP bisher mit unter 40 Minuten Musik.

Unter der brennenden Nachmittagssonne boten im Anschluss die Spanier von Witchtower eine ordentliche Heavy Metal-Breitseite, dabei spielte das junge Quartett zum ersten Mal auf einem deutschen Festival. Die Andalusier haben 2014 ihr Debüt Witchtower und 2016 die Nachfolge-Platte Hammer of Witches produziert, von denen sie ein Repertoire an eingängigen Stücken wie Shoot The Bomb, Better Run und Heavy Metal Sign vorstellten. Letzteres wurde mit The Beast, einem Coversong der hierzulande eher wenig bekannten schwedischen Punkband Randy garniert. Witchtower haben Anfang des Jahres eine Split-EP mit Blackslash, welche letztes Jahr auf dem Detze spielten, veröffentlicht; daraus kam mit Ride or Die neues Material zu Gehör. Es war nicht allzu voll vor der Bühne bei Witchtower, aber die Anwesenden hatten Spaß und genossen den gut gespielten und schnell in die Gehörgänge fließenden melodischen Heavy Metal. Gegen Ende des Auftritts sprangen einige Anfeuerungsrufe raus und Witchtower konnten noch Stronger Than You als kleine Zugabe spielen. Somit hat sich die weite Anreise gelohnt.

Danach schlugen Amulet musikalisch in die gleiche Kerbe wie Witchtower. Die jungen britischen Heavy Metaller starteten, wie die anderen Kapellen vor ihnen an diesem Tag, ebenfalls mit einiger Verspätung. Amulet haben außer einem Demo, bisher eine Platte produziert und damit nicht so extrem viele Titel zur Auswahl für einen längeren Gig. Im Vergleich zu Witchtower war es noch etwas leerer geworden vor der Detze-Bühne, unter 100 Leute wollten Stücken wie Evil Cathedral und Mark of Evil lauschen. Allerdings kann man alle Konzerte auch vom direkt benachbarten Campground mit anhören, so dass es nicht verwunderlich ist, dass am Nachmittag viele eher schattig vor ihrem Zelt sitzen, als vor der Bühne in der knallenden Sonne zu stehen. Weitere Songs wie Running Out Of Time und The Sign of the High Priest vom ersten Demo lassen etwas doomigere Einflüsse erkennen und zu The Hangman, über den letzten Scharfrichter im Vereinigten Königreich, gesellte sich selbiger mitsamt seiner Schlinge dazu, die sich erst um des einen oder anderen Zuschauers und schließlich um des Sängers Hals legte und zuzog. Was für ein Ende einer guten Show mit frischem britischen Heavy Metal.

Mit Incarceration ging es in einer härteren und düstereren Gangart weiter und wie bestellt zogen pünktlich nach dem Amulet-Auftritt einige dunkle Wolken über den Detzenberg. Das internationale Duo aus dem brasilianischen Sänger und Gitarristen Daniel Silva sowie dem deutschen Drummer Michael Koch spielt einen Death/ Thrashmetal, der verschiedene Einflüsse mischt, dabei aber stets mächtig auf die Zwölf knüppelt. Bis zum letzten Jahr war noch ein Bassist in der Band, der aber seit seinem Ausstieg nicht ersetzt wurde. Auf dem Detze begrüßte der Brasilianer Daniel Silva die Zuhörerschaft mit einem freundlichen "We are here to kill you!" und man konnte schnell denken, dass das mittels Trockeneis geschehen sollte, da der Mann an der Nebelmaschine etwas zu hart gearbeitet hatte, so dass man kaum noch was sehen konnte vor der Bühne. Später freute sich Silva, auf diesem Festival zu spielen, welches eine Feier des wahren Metals ist. Titel wie Into the Blackest Void sind teils schwermütig und mit schwarzmetallischem Einfluss und teils heftig und schnell, wie auch die meisten anderen Songs, beispielsweise Forsaken and Forgotten, welches kräftig auf die Zuschauer einknüppelte. Mit dieser Intensität sollten Incarceration auf dem Festival einzigartig bleiben.

Zeit, etwas zu essen, am Festivalstand waren außer den üblichen Pommes und Würsten ein vegetarisches Chili im Angebot, welches außerdem bei den äußerst leckeren Chili Cheese Pommes seine Verwendung fand. Alle Gerichte sowie auch das Bier vom Fass wurden, im Gegensatz zu den größeren Festivals, zu überaus fairen Preisen angeboten. Eine geschmackvollere Auswahl-Alternative zum recht laschen Bitburger wäre allerdings mal eine Maßnahme für die Zukunft.

Musikalisch ging es im Anschluss wieder melodisch mit den Schweden von Night weiter. Das Quartett um Oskar Andersson konnte rund 200 Leute am Nachmittag vor der sonnenbeschienenen Bühne versammeln. Insgesamt drei Platten haben Night seit 2013 veröffentlicht, woraus sie ihre eingängigen und einprägsamen Songs wie Surrender, Fire Across the Sky und Under the Gallows präsentierten. Vom ersten Album wurde unter anderem Stand Your Ground gespielt. In den vorderen Reihen war eine sehr gute Stimmung bei dem Auftritt, hinten war es eher etwas ruhig. Nach etwa der Hälfte der Show konnten Night einige Anfeuerungsrufe einheimsen. Die Schweden, die schon im letzten Jahr mit Dead Lord auf Clubtour waren, haben erneut eine erfolgreiche und überzeugende Show gespielt und konnten sich im Anschluss über reichlich Umsatz am Merchandise-Stand freuen.

Der Auftritt von Dealer war definitiv als eines der Highlights dieses Festivals anzusehen, hat die britische New Wave of British Heavy Metal-Truppe doch in 40 Jahren Geschichte erst hier ihren ersten Auftritt in Deutschland absolviert. Umso unverständlicher, dass nur eine Handvoll Leute sich diesen vor der Bühne anschauten. Einer der Veranstalter hatte sich zuvor bei den Festivalbesuchern bedankt, man habe über 1000 Besucher auf dem Detzenberg, was schon eine ordentliche Hausnummer ist. Diejenigen davon, die sich also entschieden, Dealer zuzuhören, bekamen eine kurzweilige und spaßige Heavy Metal-Show, garniert mit den launischen Ansprachen des Bandgründers und Sängers Trevor Short geboten. Der selbsternannte "grumpy old bastard" und seine etwa zwei Generationen jüngeren Mitmusiker spielten natürlich die meisten Songs von der ersten Platte First Strike von 1984, wie When Midnight Comes, Son Of A Bitch (kein Accept-Cover!), Epitaph und Bring The Walls Down. Der Bassist Tom Bull, welcher den im Jahr 2013 verstorbenen Original-Bassisten Pete Gentil ersetzte, sprach einige Worte auf Deutsch, natürlich über Alkohol, bevor Short weitere Ansprachen hielt und nach anderen Klassikern wie Better Things To Do seine Band vorstellte. Gitarrist und Basser knieten daraufhin vor Ehrfurcht nieder vor dem Dealer-Gründervater und letzten verbliebenen Originalmitglied Short. Für Heavy Metal-Fans einer der besten Auftritte des zweiten Tages!

Hällas hieß es im Anschluss und es wurde nicht etwa griechischer Wein, sondern schwedischer Adventure Rock aus Linköping geboten! Und das stieß erstaunlicherweise auf mehr Interesse beim Publikum, als alle anderen Programmpunkte an diesem Tag. Mit deutlich über 500 Zuschauern war es vor der Bühne so richtig voll geworden zum Gig des Quintetts und sogar besser besucht, als später der Headliner. Musikalisch ist es eher ein an den 60er und 70er Jahren orientierter Retro-Rock mit Hammond-Orgel und Keyboard, den die Schweden mit bunt geschminkten Augen vor einem Bergpanorama darboten. Nach dem mitreißenden Auftritt von Dealer kam das Ganze aber zumindest für jene, welche zuvor dabei waren, viel zu behäbig rüber, Hällas spielten nacheinander ihr Set aus weitgehend ähnlich klingenden Stücken runter, ohne irgendwelche Ansagen oder jedwede Auflockerung. So machte sich nach einigen Minuten bei manchem schon ein wenig Langeweile breit, der großen Masse schien es aber insgesamt sehr gut zu gefallen, einige Anfeuerungsrufe gegen Ende waren ebenfalls drin. Im Gedächtnis blieben allerdings nur wenige Songs wie Astral Seer und Star Rider. Negativ fiel auf, dass man wieder einmal auf Playback zurückgriff, mit dem stellenweise eingespielten weiblichen Gesang. Hatte es zuvor bei Dealer schon ein paar Tropfen aus einer dunklen Wolke gegeben, zog nun ein kräftiger Schauer vorüber, der die zahlreichen Zuhörer aber nicht lange vertreiben konnte.

Wieder metallisch ging es mit einsetzender Dunkelheit mit Tytan weiter und das Wetter hielt sich glücklicherweise. Es war wieder deutlich leerer geworden, aber die Zuschauer waren in guter Stimmung für den Auftritt der Anfang der 80er gegründeten Metalband aus London. Tytan haben 1985 ihr Debüt Rough Justice rausgebracht und erst im letzten Jahr folgte die zweite Platte der 2010 reaktivierten Band. Die Klassiker wie Cold Bitch, Money for Love und Women on the Frontline haben nichts von ihrer Kraft eingebüßt und wurden begeistert aufgenommen von den Besuchern. Nach wenigen Songs waren Tytan-Anfeuerungsrufe zu hören. Vom neuen Album gab es unter anderem Fight the Fight zu hören. Das Mikro vom korpulenten Sänger Tony Coldham war teilweise ein bisschen übersteuert, ansonsten war aber, wie bei allen anderen Auftritten auch, ein super Sound vor der Bühne zu genießen, an dem nichts zu mäkeln war. Nach einem kurzen Drum Solo folgte mit Love you to Death eine weitere neue Nummer von der aktuellen Tytan-Platte. Weitere Klassiker wie The Watcher und Blind Men and Fools vervollständigten die aufgrund des verspäteten Starts um knapp zehn Minuten verkürzte Show der Briten.

Fehlte noch der diesjährige Headliner und Dead Lord sind immer eine Bank für eine großartige Hard Rock-Show. 2014 hatten sie ja bereits am Abend auf dem Detze gespielt und nun erneut einen Auftritt zur besten Abendzeit. Es war dennoch nicht so voll auf dem Platz wie man erwartet hätte. Mit einem klaren Statement, "We like to rock" begrüßte Sänger Hakim das Publikum. Die eingängigen, teilweise deutlich an Thin Lizzy erinnernden Rocksongs wie Because of Spite, No Regrets und Onkalo verbreiteten von Beginn an gute Laune vor der Bühne, natürlich ebenfalls mit sehr gutem Sound - ein Bier dazu, so stellt man sich den perfekten Festivalabend vor! Später während des Auftritts holten Dead Lord den Sänger von Amulet nochmal auf die Bühne, für eine gemeinsame Aufführung einer Coverversion von Burning For You; der Blue Oyster Cult-Klassiker fügt sich erstaunlich gut in das Gesamt-Repertoire von Dead Lord ein. Mit Hammer to the Heart erreichte der Headliner-Auftritt seinen Höhepunkt. Die Zuschauer waren laut genug für ein paar Zugaben und so kam endlich mal wieder Ghost Town von der Debütplatte Goodbye Repentance zu Gehör, was sie schon längere Zeit nicht mehr auf Tour gespielt hatten - irgendwie passt der Titel zu so einem abgelegenen Ort wie dem Detzenberg. Um kurz nach halb eins beendeten Dead Lord ihre Show und damit das Festivalprogramm, doch die Party ging abermals weiter, im hinteren Bereich am Biergarten mit einer gepflegten Metaldisko.

Der Detze hat in diesem Jahr erneut bewiesen, dass es nicht viel und schon gar kein großes Drumherum braucht, um ein großartiges Metal-/ und Rockfestival auf die Beine zu stellen; eine Bühne mit klasse Bands, durchweg sehr gutem Sound dabei, ein paar Bierstände, ein Essensstand, Biergarten und paar Dixies, dazu noch ein nahegelegener Campground mit Parkmöglichkeit - fertig ist das Festival und ein wunderschönes Wochenende! Die isolierte Lage, außerhalb des Ortsrandes von Rengen, schafft die Möglichkeit, bis spät am Abend Bands und Musik spielen zu lassen. Das Lineup ist außergewöhnlich hochklassig für solch ein kleines Festival mit überdurchschnittlich vielen internationalen Bands und vielen Raritäten dabei, wie beispielsweise Dealer, die man sonst nirgends hierzulande zu sehen bekommt.

Das Angebot von Frühstücksbrötchen und frischem Kaffee am Vereinshaus ist ebenfalls ein großes Plus, genau wie die günstigen Preise für die Grundnahrung Bier und sonstiges Essen.

Somit hat sich der Detze Rockt mehr und mehr als ein Geheimtipp im Metal-Underground herumgesprochen und kann sich über steigende Besucherzahlen freuen. Die Gäste kommen inzwischen auch aus verschiedensten Ländern, insbesondere die benachbarten Niederlande und Belgien sind stark vertreten, und selbst aus Schweden konnte man extra angereiste Fans treffen. Es bleibt zu hoffen, dass der Besucher-Anstieg der letzten Jahre im Rahmen bleibt und der Charme des immer noch kleinen und sehr feinen Festivals erhalten bleibt - für ein zweites Wacken wäre ohnehin kein Platz auf dem Detzenberg.

Auf eines sollte man vielleicht nochmal besonders hinweisen: Ob das Camping weiter kostenfrei im Ticket enthalten bleibt oder aber aufgrund der Reinigungskosten die Preise angezogen werden müssen, hängt nicht zuletzt von den Besuchern ab: Manche Gruppe meint immer, trotz reichlich bereitgestellter Müllcontainer auf dem Campground wie Schweine hausen zu müssen und überall ihren Müll zu verteilen. Sowas sollte nicht sein und macht letztlich das Festival für alle teurer.

In jedem Fall kann man gespannt sein, welche weiteren, bisher weitgehend unbekannten New Wave Of British Heavy Metal-Perlen und sonstigen Bands des Metal- und Rock-Undergrounds die Veranstalter im nächsten Jahr aufbieten werden, wenn es am 14. und 15. Juni 2019 zum neunten Mal wieder heißt: der Detze Rockt!




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