Konzertberichte

Chris Norman20.03.2018

Chris Norman
17.03.2018
Tempodrom
Berlin


verfasst von Kalle

Was braucht ein Bühnenaufbau schon großartig, wenn die Musiker darauf die Unterhaltung sind. Es reichen ein paar Boxen, ein wenig Licht und eine Leinwand für die Sehgeschwächten. Mehr hat es an diesem Abend im Berliner Tempodrom nicht gegeben und es war dennoch ein toller Konzertabend. Das lag natürlich an dem Herren, der dem Konzert seine Stimme vermacht hat: Chris Norman. Der ehemalige Smokie-Frontmann ist seit vielen Jahren Solo sehr erfolgreich und nun zu Gast gewesen in der Hauptstadt während seiner Don´t Knock The Rock Tour 2018.

Schon vor dem Konzert kam ich mir etwas komisch vor... war ich doch einer der Jüngsten vor Ort. Egal... man ist ja dank der Eltern mit dieser Musik groß geworden und einer der größten Stimmen muss man mal live erlebt haben. Vor Showbeginn standen schon erste Reihen vorne an der Bühne, dabei war das Tempodrom komplett bestuhlt. Erst fünf Minuten vor Showstart hat die Security angefangen den Raum vor der Bühne zu bereinigen und alle auf ihre Plätze zu schicken. Was dann aber zum Showstart passiert ist, habe ich so noch wirklich nirgends erlebt und lässt so manch Teenagerkonzert alt aussehen. Der Anfang hat sich um 10 Minuten verzögert, da noch viele Fans draußen standen. Als das Licht ausging, saßen alle noch brav auf ihren Plätzen. Die ersten Musiker betreten die Bühne und es bleibt weiter verhalten. Chris betritt die Bühne und keiner rührt sich nach Vorne. Doch kaum hat er die allererste Note gespielt, hat es einige Fans nicht mehr gehalten und sie sprangen in einem Satz an die Bühnenkante. So etwas habe ich noch nicht gesehen, wie schnell und wuselig die Menschen auf einmal nach Vorne geprescht sind... das war ein unglaubliches Bild. Und ich erwähnte ja... ich war mit einer der Jüngsten... jetzt stellt euch vor, in welchem Alter sich die Leute, meist Damen, befanden, die jetzt die ersten Reihen vor der Bühne belagerten.

Zum Glück hat Chris das sehr gelassen gesehen und anders als die Security reagiert. Die wussten nämlich plötzlich gar nicht, wie sie reagieren sollten, ließen das Publikum aber gewähren. Es kamen sogar Leute von den Rängen nach Unten und stellten sich mit dazu. Man hätte somit die Stühle im unteren Raum weglassen können, das hätte dem Konzert evtl. noch etwas mehr Stimmung verliehen. Stimme verleihen musste man an Chris nicht, denn er war von der ersten Sekunde voll da und diese Stimme ist einfach unfassbar gut. Was man aus dem Radio usw. kennt, das ist kein Vergleich zu seiner Livestimme. Die ist nämlich noch viel besser und überzeugt auf ganzer Linie. Da kann sich so manch Gesangsakrobat eine Scheibe von abschneiden. Mit seinen fast 70 Jahren steht der Vollblutmusiker wie ein Rockstar auf der Bühne und genießt die Reaktionen des Publikums. Keine Frage... das hat der Typ drauf. Und daher wisst ihr auch, warum ich schrieb... man braucht nicht viel auf einer Bühne, um das Publikum zu begeistern. Wer nicht das Glück hatte, ganz nah dran zu sein, der konnte über die Leinwand das Geschehen verfolgen, wenn es denn nicht mit normalen Augen ging.

Die Leinwand sorgte aber für ein paar interessante Momente während der Show. Immer dann wenn ältere Videos von Chris gezeigt wurden, konnte man wunderbar vergleichen, wie er sich zu heute entwickelt hatte. Immer mal wieder kam dies vor, wobei auch neuere Clips gezeigt wurden. Nur hatte die Kameratechnik nicht so ganz mitgehalten, was die Bühne an Licht hergab. Die LED Strahler haben eine kleine Minicam leicht außer Gefecht gesetzt und das Bild nicht wirklich in HD gezeigt. Das ist leider der Kampf zwischen Licht und Linse... wer hat das bessere Ende für sich. Man hätte aber auch einfach die Augen zu machen und das Konzert nur mit dem Gehör genießen können. Es war nämlich ein sehr schöner Sound, der in das Tempodrom drang. An manchen Stellen gab es ein paar kleine Störgeräusche und hier und da musste der Techniker am Schlagzeug etwas nachjustieren, doch im Gesamten war der Klang wirklich erste Sahne. Da ein Lob an die Techniker. Okay... der Lichttechniker hatte nicht wirklich viel zu tun, denn die paar Strahler, die etwas für Lichtstimmung sorgten, hat man eher weniger wahrgenommen. Der Fokus lag eben auf Chris.

Wobei ich hier aber klar sagen muss, das Chris sich nicht in den Vordergrund gespielt hat und seiner tollen Band immer wieder den Raum gab, sich zu präsentieren. Nicht nur der Backgroundgesang wusste zu überzeugen, auch die musikalischen Fähigkeiten der Kollegen war enorm gut. Mit Gitarrist Geoff Carline hat er eine richtig coole Socke mit im Boot. Der Typ spielt verschiedene Gitarrenarten und das in einer Perfektion... Hut ab. Dazu schaut er mit Hut und Sonnenbrille noch extrem lässig aus. Hin und wieder lieferte er sich ein kleines Gitarrenduell mit Chris oder er zelebrierte ein sehr ausgiebiges Solo, wo er hier und da extrem hohe Töne griff. Die konnte auch Gitarristin und Sängerin Michelle Plum gut treffen. Sie hat nicht nur wunderbar im Gesang unterstützt, sondern durfte bei "Stumblin´In" den Part von Suzi Quatro übernehmen. Das hat sie extrem gut gemeistert! Martina Walbeck am Keyboard, Piano und Gesang hat man hier und da gar nicht erst wahrgenommen, außer im Gesang, später dann im Set bekam sie aber mehr Aufmerksamkeit, da sie immer wieder einige Intros oder gar ein ganzes Solo spielen durfte. Im Zusammenspiel mit Michelle im Backgroundgesang, hat das eine super Unterstützung für den Klang geboten.

Bassist Axel Kowollik hat man leider nur sehr selten im Vordergrund gesehen, auch die Lichtstrahler fanden nur wenig den Weg zu ihm. Dabei ist er im Sound von Chris Norman gar nicht so unwichtig, wie es den Anschein hatte. Immer mal wieder schweifte mein Blick zu ihm, wie er so die Songs genoss und zelebrierte. Dorino Goldbrunner am Schlagzeug fetzte... er hatte zwar kein typisches Drumsolo bekommen, war aber durch seine Power an den Drums oft zu sehen und vor allem zu hören. Da war richtig Dampf im Kessel. Im Gesamten hat sich der gute Chris wirklich ein ordentliches Team dazu geholt, was den Abend noch viel emotionaler werden lies. Denn neben den Powernummern, gab es oft viel Gefühl und damit auch Gänsehaut. Chris seine Stimme ist eben sehr varibel, wie seine Musik. Und egal ob er Songs aus Smokie-Zeiten oder einige Cover spielte... die Aufmerksamkeit war ihm Gewiss. Ich kannte überraschend viele Lieder, bis auf ein paar Neue und Unbekannte... und hätte ich nicht zwischendurch mir meine Notizen aufgeschrieben, wäre ich sicher öfter aufgestanden, als nur am Ende, wo es wirklich niemanden mehr gehalten hat. Aber aus Respekt den Leuten hinter mir, hab ich meine Körpergröße in die sehr unbequemen Stühle vom Tempodrom gedrückt und das Konzert so genossen.

Das ging im Übrigen knapp 2 Stunden und 30 Minuten. Der gute Herr hat mächtig durchgezogen und keine großartigen Pausen gemacht. Wo er durch die Videos auf der Leinwand nicht viel Spielraum für spontane Töne hatte, holte er bei anderen Songs genau das eben nach und zockte so manch Song etwas länger und intensiver. Zwischendurch haute der Gute auch ein paar flotte Sätze raus und erzählte was von sich und seinem Leben. Überraschenderweise kann der Mann echt gut Deutsch sprechen. Klingt zwar sehr amüsierend, doch die Fans hat es sehr gefreut, konnten doch viele von denen kein Wort Englisch verstehen. Eine großartige Weisheit hat er dann noch hinterlassen, wo ich echt überzeugt von bin, das sollten andere Bands auch so machen. Bevor man eine Ballade spielt, soll man einen richtig guten Joke machen und die Leute zum lachen bringen. Dann nehmen sie die Ballade gleich ganz anders wahr und sind nicht böse, wenn diese mal etwas länger geht. Danach haut man gleich wieder einen flotten Song raus und alle haben die "Quotenballade überstanden. Hat an diesem Abend übrigens gut geklappt. Was überraschend war, der Akustikpart in mitten der Show, wo sich alle auf ein paar Hocker gesetzt haben und etwas mehr als vier Songs ruhiger präsentierten. War schon cool, weil es hier auch wirklich passte.

Und beinahe wäre ich mit meinen Sitznachbarn aneinander geraten. Bei "Living Next Door To Alice" gibt es ja hier und da eine Stelle, wo man vielleicht etwas sagt, was nicht jedem gefällt. Könnte mit "Alice... who the fu** is Alice" zu tun haben. Bei den ersten zwei Malen im Refrain ist mir das doch glatt aus Gewohnheit rausgerutscht und irgendwie wirkte auch Chris so, als hätte er genau diesen Part erwartet... doch meine Sitznachbarn fanden das gar nicht lustig und meinten, ich solle doch diesen Mist lassen und richtig mitsingen. Hmm... immerhin.. ich hat mitgesungen und nicht das ganze Konzet mit verschrenkten Armen dagehockt, als würde ich zu Hause auf der Couch sitzen und mich nicht regen.

Naja... was soll ich sonst zum Konzert sagen... es war ein auf und ab und ein hin und her und einfach total unterhaltsam, auch wenn nicht wirklich viel passiert ist. Die Musik und seine Persönlichkeit haben einfach für sich gesprochen. Leider honorierte das Publikum dies nur zu selten bzw. einfach zu schwach. Okay... die Blumen am Ende für ihn waren ganz nett, aber so das mitsingen... die große Stimmung hat im Publikum etwas gefehlt. Geklatscht wurde natürlich viel bei den Klassikern und großen Hits... doch andere Versuche das Publikum großartig mitzuziehen, bis auf das Eeeeooooh usw., kamen nicht so sonderlich gut an. Man wollte wohl einfach mehr genießen. Schade das dann die Show schon wieder vorbei war und man raus in die Kälte musste. Man hätte dem Mann durchaus noch mehr Stunden lauschen können und er hätte sicher auch noch mehr spielen wollen, doch die ersten Fans verließen bereits vor den Zugaben den Saal. Ich bin als einer der letzten aufgestanden, weil man das einfach noch einmal hat sacken lassen wollen und ich mit meinen Notizen noch nicht fertig war. Es war großartig und ich bin froh, das ich sagen kann, ich habe Chris Norman auf einer Headlinershow live erleben dürfen. Danke dafür und jederzeit gerne wieder.



Setlist - so gut es ging (ohne Garantie)

Sweet Virginia
Good, Good Loving
Lay Back in the Arms of Someone (Smokie song)
Something´s Been Making Me Blue (Smokie song)
Resurrection
If We Had Wings
What Can I Do (Smokie song)
Stumblin´ In (Suzi Quatro cover)
Sun is rising
Missing You
San Francisco Bay (Lee Oskar cover)
If You Think You Know How to Love Me (Smokie song)
Little Butterfly
Gypsy Queen
Living Next Door to Alice (New World cover)
You Are the Light
Midnight Lady
Straight to My Heart
I´ll Meet You at Midnight (Smokie song)
Needles And Pins
Don´t Play Your Rock´n´Roll to Me (Smokie song)

Zugaben:
Wild Wild Angels (Smokie song)
Oh Carol (Smokie song)
Don´t Knock the Rock
Whisky And Water


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