Konzertberichte

Arch Enemy09.02.2018

Arch Enemy
Support: Wintersun / Tribulation / Jinjer
05.02.2018
Huxley´s Neue Welt
Berlin


verfasst von Kalle

Es ist mal wieder Montag in Berlin und dennoch ist die Vorfreude auf einen solchen Tag enorm hoch. Grund dafür sind Arch Enemy, die an diesem Abend im ausverkauftem Huxleys spielen werden. Was hab ich mich auf diesen Abend gefreut, denn Arch Enemy gehören aktuell zu den Bands, die ich rauf und runter hören könnte und deren Live-Shows im Moment eine enorme Qualität aufbieten, von der sich andere Bands, in dieser Größenordnung, eine Menge abschneiden können. Doch bevor Arch Enemy die Bühne entern konnten, war gar nicht klar, ob das Konzert überhaupt stattfinden könnte. Alissa hatte nämlich ein paar gesundheitliche Probleme, die fast zu einer Absage geführt hätten. Sie hat sich gesagt, das sie kämpft und die Show durchziehen will. Also ging es hinein in das Vergnügen.

Allerdings standen zuvor noch einige Supports auf dem Programm. Es ist schon eine Weile her, das Konzerte mit insgesamt vier Bands erlebt habe. Den Start an diesem Abend machten Jinjer. In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel über diese Band wahrgenommen, da mein Mailfach oft Inhalte mit Jinjer hatte. Jetzt hatte ich die Gelegenheit zu verstehen, warum es so einen kleinen Hype um diese Band gibt. Allerdings sage ich gleich: Ich verstehe den Hype nicht. Da stehen vier ambitionierte Musiker aus der Ukraine auf der Bühne und dann kommt das dabei heraus? Ja... Tatiana, die Sängerin, schaut gut aus, aber das kann ja nicht der Grund für den Hype sein. Ist es die Musik? Hmmm.. an diesem Abend, mit dem Sound... eher nicht. Sehr basslastig und wenig einladend. Da hatte ich ehrlich gesagt ganz andere Erwartungen. Ja.. es gibt Parts, da gefällt mir der Gesang von Tatiana sehr gut, nämlich dann wenn sie zu den Growls usw. ansetzt. Hat sie aber zum Cleargesang angesetzt, dann hab ich die Augen verdreht. Da saß kaum ein Ton. Ihre Musikerkollegen standen statisch da, kaum Bewegung und die Lichtshow allein kann ein Set auch nicht retten. Die war zwar ganz ordentlich für einen Support, aber aus meiner Sicht hätte im Gesamten mehr kommen müssen. Vielleicht sollte der Basser sein Instrument nicht so hoch in Richtung Kinn halten und Tatiana einfach bei den Growls und Shouts bleiben. Dann knallt der Sound nämlich auch und weiß sehr zu gefallen.

Doch sie können sich trösten, Tribulation war noch langweiliger als Support. Hier habe ich mich fast deplatziert gefühlt, als der Sound los ging. Das Backdrop war eigentlich das coolste an der Band. Ihr Sound... eine Mischung aus Death und Black Metal... doch im Gesamten hatte das was von sterbenden Schwan. Schuld daran sind diese, nennen wir es mal Tanzeinlagen, der Gitarristen. Spageldünne Typen, die sich hinter ihren Instrumenten glatt verstecken könnten, tanzen eine Art Ausdruckstanz zu einem Sound, der für Blutrituale gemacht ist. Hilfe... was soll das? Das es hier vom Publikum nur mäßigen Applaus gab und man froh war, das die Jungs bald wieder von der Bühne waren, konnte ich sehr gut verstehen. Auf dem Klo, wo ich zwischendurch mal hin ging, war der Tenor ähnlich. Oft hörte ich nur: "Boah sind die Langweilig". Und ja... sie waren es. Die Songs von der Art und Weise ähnlich klingend, den Sänger kaum verstehend... ach hört mir auf. Hätte man sich echt klemmen können diese Kombo.

Wie gut das es dann endlich mit Wintersun los ging. Endlich Musik, endlich Unterhaltung, endlich schönes Licht. Die Finnen kamen mit ihrem Epic Metal endlich in die Richtung, in die der Abend laufen sollte. Da war Unterhaltung, da war Energie... da war ein Leidenschaft in der Musik. Oder haben sie das alles nur für die Kamera getan? Ständig lief ein Typ mit Kamera auf der Bühne umher, drum herum waren ebenfalls kleine Kameras aufgestellt... das Licht war so, das man die Band sehen konnte. Hmmm... neeee... Wintersun sind wirklich so gut. Sie spielten natürlich vorrangig Stücke vom aktuellen Album "The Forest Seasons", konnten das Pubklikum gut auf ihre Seite ziehen und endlich kam Stimmung in die Bude. Zwar nur verhalten, aber mehr als vorher. Es wurden Handylichter gezückt und somit eine tolle Stimmung bei ruhigeren Passagen erzeugt, kleinere Moshpits kamen bei den hohen Tempotracks auf und wir Headbanger hatten auch unseren Spaß. Insgesamt schafften es sechs Songs in die eine Stunde Set. "Winter Madness", Sons Of Winter and Stars", "Battle Against Time", "Time", sowie "Awaken From The Dark Slumber (Spring)" und "Loneliness" sorgten für viel Abwechslung auf der Bühne. Soundtechnisch hätte man von der Lautsstärke und vom Druck durchaus noch etwas drauf packen können, aber es war dennoch sehr angenehm und unterhaltsam. Für den richtigen Druck und Co. kamen ja jetzt noch die Headliner.

Allerdings ließen sich Arch Enemy ordentlich Zeit. Während die Umbaupausen davor nur 10 und 15 Minuten gedauert haben, wartete man jetzt über eine halbe Stunde auf den Headliner. Dabei war die Bühne ziemlich zügig umgebaut und der kurze Linecheck schnell vollzogen. Als dann endlich die Lichter ausgingen, Motörheads "Ace Of Spades" ertönte, wurde Berlin erwacht. Es gab schon jetzt erste Crowdsurfer und laute Gesänge. Nur eine war noch lauter und heißer auf die Stadt, als die Stadt selbst. Alissa... boah.. mit was für einer Power ging das wieder los! Da vergisst man glatt wieder, das die Show kurz vor dem Abbruch stand. Nachdem Intro starteten sie mit "The World Is Yours" und direkt war klar: Hier findet heute ein Abriss statt. Okay.. die Band hatte Routine, es wirkte im Gesamten viel einstudiert und auch die Ansagen waren jetzt nicht so neu... Egal!!! Mit dieser lecker Setlist, dem bombastischen Sound und dieser Energie verging die Zeit praktisch wie im Fluge. Ich hatte während der Vorbands gemütlich auf der Tribüne gehockt, mir das Treiben vom Weiten angeschaut. Jetzt war nicht mehr viel mit still stehen. Ich stand das Set über, meine Haare flogen hier und da... aber in den Pit... ähm.. ne... Nicht nach meiner letzten Piterfahrung bei Kreator, wo ein Ellenbogen meiner Brille mal ein Ende verpasste.

Schon im zweiten Song hat es einige so entschärft, das sie sich an der Bar erst einmal stärken mussten. Kein Wunder "Ravenous" ist kein Lied für Kuschelfreunde. Weiter ging es mit "The Race" und dem sehr beliebten "War Eternal". Hach... was könnt ich mich in diesen Klang reinlegen. Lautstärkemäßig war es bestimmt noch einmal 25 Prozent lauter als bei den Supports und optisch eine Steigerung um mehr als die Hälfte. Und nein... ich meine nicht unbedingt Alissa, die wieder umwerfend ausschaute, sondern ich meinte diese so krasse Lichtshow, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Okay... nach dem Konzert hab ich zu nem Kumpel gesagt, es gäbe nur eine Band, die eine Lichtshow in solch Perfektion auf die Bretter bringt und da bleibe ich auch dabei. Lediglich das Trans-Siberian-Orchestra schafft es so auf den Beat genau eine Lichtshow zu erzeugen, das einem der Atem stockt. Jede Leuchte hat genau gepasst, jede Lichtstimmung die Songs perfekt untermalt... das war ein Hochgenuss. Man hat auf Nebelfontänen, Feuer usw. komplett verzichtet. Was man zwischendurch getan hat, das war das Bühnenbild zu verändern. Zwei Mal an der Zahl hat man neue Backdrops und Bühnenverkleidungen gesehen. Das hatte Stil.

Musikalisch ging es mit großartigen Tracks weiter. "My Apocalypse" und "You Will Know My Name" ließen mir und vielen Fans das Wasser im Munde zusammen laufen. Dann kam der Song, wo ich gemerkt hatte, das mit Alissa wirklich nicht alles in Ordnung ist. "Bloodstained Cross" hat nämlich Passagen, die sie normalerweise von der Tonlage her so perfekt trifft, doch dieses Mal wurde da leider nix draus. Sie hatte mit dem Part sehr zu kämpfen. Egal... sie hat sich bemüht und das rechne ich ihr mehr als hoch an. Gitarrenheld Michael Amott und Gitarris Jeff Loomis hatten zwischendurch immer mal wieder kleine Soloauftritte. Während sich Alissa hinter der Bühne um ihre Stimme kümmerte, sorgten die Zwei für ordentlich Gänsehaut durch ihre Instrumente. Da steckte viel Leidenschaft in den Noten. Das kleine Duell am Ende der Show, ja ich greif jetzt mal etwas vor, war ebenfalls sehr unterhaltsam. Man hat auch dieses Mal auf ein größeres Drumsolo verzichtet. Dennoch, Schlagzeuger Daniel Erlandsson wusste von Anfang bis Ende, wie er das Tempo oben hält. Die Ruhe in Person war dagegen Bassist Sharlee D´Angelo. Ganz cool stolzierte er hier und da über die Bühne und ließ sich gefühlr durch nix aus der Ruhe bringen.

Alissa ist da genau das Gegenteil. Wenn sie nicht über die Bühne flitzt, headbangen kann oder einfach nur wirbelt, dann würde was fehlen. Im Set kamen dann "Dead Eyes See No Future" und "The Eagle Flies Alone", bevor es dann wieder zu einem meiner persönlichen Lieblinge kommt. "As The Pages Burn" hat diese so geile melodische Stelle, an der Michael und Jeff gemeinsam in die Saiten greifen, wo ich dann jedes Mal dahinschmelze. Dieser Übergang von diesem melodischen Part, rüber zu den harten Riffs... einfach ein göttlicher Track, der nie nie nie wieder aus einer Setlist von Arch Enemy genommen werden darf. Das muss ein Dauerbrenner bleiben. Man näherte sich dann so langsam dem Ende und spielte "Dead Bury Their Dead" und den Klassiker "We Will Rise". Crowdsurfer, Moshpit... hier gab es praktisch Alles. Ich frag mich jedes Mal auf´s Neue, wie es die Statik des Gebäude aushält, solch Energie auszuhalten. Obwohl... eigentlich egal, solang es nicht bei einem solchen geilen Konzert kracht... kann der Boden schwingen und die Bühne wackeln wie will.

Es ging in die Zugaben und die begannen mit "Avalance" und "Snow Bound". Was dann folgte... ja liebe Leute... das war einfach nur das grandiose Finale. Klar durfte "Nemesis" nicht fehlen... und jetzt kam ein ordentlicher Circle Pit zustande... es flogen die Haare.. gefühlt hat jeder jetzt noch einmal Prozent auf seine eh schon 100 Prozent drauf gepackt... die Luft war zum schneiden... der Sound knallte nur noch geil in die Gehörgänge... einfach nur noch abgehen. Danach war nämlich leider schon Schluss. Aus dem Pit heraus sah man die verschwitzen Leute, egal ob lange oder kurze Haare... die Shirts trieften nur vor sich hin... und es gab frenetischen Applaus für die Band, die sich brav mit einem Foto mit und bei den Fans verabschiedet hat. Boah... war das eine geile Show. Mehr kann man dazu eigentlich gar nicht schreiben, denn man muss sie gesehen haben. Egal wie routiniert manche Aktion wirkt... das Gesamtbild ist einfach Mega! Arch Enemy... zurecht aktuell einer der gefeiertesten Bands auf diesem Planeten!


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