Konzertberichte

Amenra07.05.2018

Amenra
Support: Myrkur
02.05.2018
Uebel & Gefährlich
Hamburg


verfasst von Louisa

Bis zum Einlass um 20:00 dauert es nicht mehr lange, als ein Mann den Bunker, in dem das Uebel & Gefährlich ist, betritt, sich verwirrt umguckt und dann fragt, ob hier heute Abend nicht das Fatjazz-Konzert stattfinden soll. Jazz gibt es hier heute Abend sicherlich nicht, dafür aber atmosphärischen Black Metal von Amalie Bruun alias Myrkur. In einem weißen Spitzenkleid mit einer schwarzen, aufgemalten Augenbinde betritt sie die Bühne und schafft direkt einen spürbaren Kontrast zur dunklen Halle und der düsteren Musik.

Auch mit ihrer Musik spielt die Dänin gerne mit dem Unterschied zwischen hell und dunkel und lässt die Konturen verschwimmen. Ihr ätherischer Gesang klingt zu dem drückenden Instrumental überraschend natürlich und so dauert es nicht lange, bis die ersten Köpfe zu nicken anfangen und stahlharte Kuttenträger sich zum Klang der Musik sanft von links nach rechts wiegen. Immer wieder spielt Amalie auch selbst die E-Gitarre oder Trommel anstatt nur zu singen und sich zur Musik zu bewegen und schafft so ein dichtes Klangbild, durch das ihr klarer Gesang und die gelegentlichen intensiven Schreie immer wieder schneiden.

Obwohl bei einigen Liedern fast ein bisschen zu großzügig mit Hall gearbeitet wird, ist der Sound zu Beginn noch sehr gut - bis kurz vor dem Ende des Auftritts der Ton komplett ausfällt und einige Minuten lang repariert werden muss. "Das ist ja wie ein böser Traum", sagt Amalie, als es dann endlich weiter geht und fragt nach, ob sie vor der Bühne auch alle hören können, auf der Bühne scheint der Ton nämlich immer noch nicht zu funktionieren. Mit dem Schrecken in den Gliedern stimmt sie dann nur mit einer Trommel bewaffnet ihr letztes Lied für den Abend an und zeigt, dass sie viel mehr kann als düstere Musik. Mit "Två Konungabarn", einem reinen Nordic Folk Song von ihrem neuen Album Mareridt und einem schlichten "Danke Hamburg" beendet Amalie ihren Auftritt und macht die Bühne frei für Amenra.

Als die Belgier die Bühne betreten wird es in der sowieso schon leisen Halle ehrfürchtig still. Ohne große Einleitung legen die Post-Metaller direkt mit "Boden" los. Sänger Colin H. van Eeckhout steht die ganze Zeit über mit dem Rücken zum Publikum und versinkt in seiner Musik. Das Publikum geht verloren zwischen Flüstern und Schreien, zwischen Ruhe und Sturm und wird Zeuge vom inneren Kampf des Sängers, der teilweise boxend, teilweise kniend eher für sich selbst als für das Publikum spielt und nur einen kleinen Einblick in sein Innerstes zu gewähren scheint. Nichts anderes wünschen sich die Hamburger Fans, die still aber völlig ekstatisch den intensiven Auftritt erleben dürfen. Ein Beamer projiziert schwarz weiße Bilder von Wäldern und wilden Gewässern an die Rückseite der Bühne und vermittelt den Zuschauern so das Gefühl, selbst von den tosenden Wassermassen und der Intensität der Musik begraben zu werden.

Für die intensiveren Schreie dreht van Eeckhout sich manchmal kurz zum Publikum, ansonsten gibt es keine Pausen oder Ansprachen, nur die Eindrücke und die Musik, die jeder in sich selbst gekehrt aufnimmt und verarbeitet. Als auch bei Amenra mitten bei "Terziele" die Technik aufgibt schrecken alle aus der meditativen Atmosphäre auf und auch die Band scheint verständlicherweise sichtlich gestört von der Unterbrechung. Als die Technik wieder funktioniert, setzen die Belgier mitten im Lied wieder an, um da weiterzuspielen, wo sie aufgehört haben und beschwören innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder dieselbe wahnsinnig intensive Atmosphäre herauf.

Amenra sparen deutlich an Licht- und anderen Spezialeffekten und konzentrieren sich nur auf ihre Musik, völlig in sich selbst versunken. Mit dem letzten Ton von "Silver Needle. Golden Nail" endet das Konzert dann so abrupt und intensiv wie es begonnen hat und das Publikum hat noch einige Momente um sich zu sammeln, bevor das Licht wieder an geht und die Realität erneut im Vordergrund steht.

Myrkur und Amenra sind eine sehr intensive und wunderbar aufeinander abgestimmte Kombination. Wer keine Angst davor hat, einen Blick in sein Inneres zu wagen und ein Konzert nicht grölend und trinkend sondern lieber denkend und andächtig genießend zu verbringen - auch wenn es an einem Mittwoch Abend erst um 21:00 Uhr losgeht - sollte auf jeden Fall einen der noch verbliebenen Tour-Termine mitnehmen, es lohnt sich!

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