Review

WARDRUNA - Skald30.10.2018

WARDRUNA - Skald

WARDRUNA - Skald

verfasst von Louisa

Skal·de
/Ska´lde/
Substantiv, maskulin [der]
(im Mittelalter) [Hof]dichter und Sänger in Norwegen und Island

Das ist zwar eine etwas vereinfachte Erklärung, aber wenn es in der heutigen Zeit noch jemanden gibt, auf den diese Beschreibung passt, dann wohl auf Einar Selvik. Mit "Skald" bringt der Mastermind hinter Wardruna nun ein Akustik-Album mit Solomaterial heraus. Die akustischen Versionen und Kompositionen sind natürlich deutlich weniger opulent als Wardruna sich auf den vorherigen Alben präsentiert haben, dafür aber viel nahbarer und persönlicher.

Mit "Vardlokk" beginnt das Album in gewohnter Wardruna-Manier mit dem klagenden Ton eines Horns. Darauf folgt allerdings kein raumgreifendes Instrumental mit mehrstimmigem Chor sondern nur Einars Stimme ohne Begleitung - wie er das Lied wohl auch abends am Lagerfeuer singen würde. Nichts lenkt von seiner Stimme ab, man hört jeden Atemzug als würde man dicht neben ihm stehen und jede Emotion darin und es dauert nicht lange, bis man sie auch selber fühlt.

Auch die anderen Stücke sind ähnlich direkt und persönlich. Besonders spannend sind natürlich die Akustik- oder wie sie hier heißen Skaldic-Versionen von bekannten Wardruna- und Vikings-Stücken wie Voluspá, Fehu und Helvegen. Vor allem das sonst sehr opulente Fehu, aber auch die anderen, steht akustisch völlig für sich alleine und ist eher ein eigenständiges Lied, das ganz eigene Emotionen hervorruft, als bloß eine Version von einem anderen. Einars Stimme führt hierbei ebenso mühelos, aber in deutlich intimerer Atmosphäre, durch die Geschichte, die sonst von einem komplexen Instrumental untermalt wird.

Die einzige Schattenseite auf dem Album ist das Lied Sonatorrek. Hier erzählt beziehungsweise singt Einar volle 15 Minuten lang ohne instrumentale Begleitung, was auch die stärksten Nerven vor Ablauf der Zeit ordentlich strapazieren dürfte - zumindest solange das Booklet mit Übersetzungen und einer generellen Einführung in die Altnordische Poesie nicht vorliegt, das bei allen Formen des Albums enthalten ist, wie es bei mir leider der Fall ist.

Wie auch bei den vorherigen Wardruna-Alben muss der Hörer sich also bewusst auf das Erlebnis einlassen. Wer das tut, wird dafür aber mehr als entlohnt. Einar braucht kein ganzes Orchester, um seine Geschichten zu erzählen, sondern gewährt auf dem neuen Album Nähe und Intimität, wie sie noch auf keinem der vorherigen Alben greifbar sind. Ein perfektes Album zur dunkleren Jahreszeit, das die besonderen, persönlichen Momente gekonnt akzentuiert.

Tracklist:
01. Vardlokk
02. Skald
03. Ein sat hun uti
04. Voluspá (skaldic version)
05. Fehu (skaldic version)
06. Vindavla
07. Ormagardskvedi
08. Gravbakkjen
09. Sonatorrek
10. Helvegen (skaldic version)


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