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UNDER SIEGE - Under Siege20.02.2018

UNDER SIEGE - Under Siege

UNDER SIEGE - Under Siege

verfasst von Kalle

Ich gebe zu... zuerst habe ich an den englischen Filmtitel für "Alarmstufe Rot" gedacht, als ich den Bandnamen gelesen habe. Dann kam aber das Genre dazu und die Herkunft, spätestens da war mir dann klar... Alarmstufe Rot... joa... aber nicht negativ. Hier ertönen meine Freudentöne... denn verdammt... wie geil ist denn der Sound bitte. Aus Italien stammend, 2015 gegründet, sind Under Siege eigentlich noch ein Geheimtipp. Das solltet ihr schnell vergessen, denn hier schlummert viel Potential für eine große Karriere. Der Sound... zum dahinschmelzen.

Okay... das klingt jetzt vielleicht etwas kitschig mit dem dahin schmelzen, aber ich verspreche euch... wenn ihr auf feinstem Melodic Folk Death Metal steht, der sich durch ganz besondere Instrumentenzugaben etwas abhebt, dann werdet ihr hier genauso strahlende Gehörgänge bekommen, wie ich. Denn die fünf Herren packen ihrem Melodic Folk Death ein Instrument aus Schottland dazu. Okay.. ja der Dudelsack ist eigentlich nicht schottisch, aber man verbindet ihn doch sehr mit der Region. Untypisch ist sein Vorkommen in dem Genre dennoch und speziell für Italiener. Die mögen es doch eigentlich eher mehr mit Keyboards und mehr melodischen Gitarren versetzt. Wie also kommen Under Siege jetzt auf diesen Sound, der doch stark eine Mischung aus Ensiferum, Amon Amarth und weitere Kandidaten des Genres geht?

Ist mir ehrlich gesagt egal, warum sie es machen, denn ich find es geil, wie sie es machen! Die Platte hat zwar nur acht Tracks, doch von Beginn an werdet ihr mitgerissen. "Warrir I Am" hätte wirklich aus der Feder von Amon Amarth stammen können. Die Riffs, die Drums... es ist so ähnlich, aber doch eigenständig. Den Unterschied macht hier das Gitarrensolo. Das hat mehr den Heavy / Melodic Metal Sound. Freunde des Moshpits und der Circle Pits - ihr solltet euch die Band definitiv vormerken. Bei Songs wie "Time For Revenge" bekommt ihr was für euren Spaß im Kreis. Was aber nicht bedeutet, das die Headbanger zu kurz kommen. Bei dem Tempo auf der Platte kommt so manch Nacken schnell auf Betriebstemperatur. "Beyond The Mountains" ist vom Rhytmus genau der richtige Track dafür. Was mir hier besonders gefällt, das ist dieser epische Klang. Die Herren schaffen es, dieses "Berggefühl" direkt zu transportieren. Lange epische Melodien, treibende Growls... es passt einfach.

Ihr merkt schon, ich hab hier ein absolutes Highlight gefunden. "Invaders" packt dann die richtige Death Metal Keule aus, wobei die melodischen Gitarrenriffs im Hintergrund etwas davon ablenken könnten, wenn man sein Ohr spitzt. Den Heavy Part, zu Beginn des dritten Songdrittels, nimmt man gerne als kleine Atempause mit, bevor es dann mit schön schnellen Drums und einfachen Growls zum Finale geht. Überraschend kommen dann die Choireinlagen, wo mehrstimmig gesungen wird, als wären Mönche am Werk. Vielleicht ist das etwas übertrieben dargestellt, aber diese Mischung mit der sehr kräftigen und rauhen Stimme, die im Hintergrund erklingt, ergibt das ein ganz besonderes Stimmungsgefühl. Bei "Scotto Assedio" kommt dann der Italiener durch. In ihrer Muttersprache singend, kloppen Under Siege hier einen Song raus, wie man Italiener eigentlich kennt... viel auf Tempo und Melodie setztend. Das hat mit Death Metal recht wenig zu tun, ist aber nicht schlimm, weil der Song besticht durch sein enormes Tempo. Schönen Gruß an meinen Nacken. Ich hab mich hier ein wenig an "Stam1na" erinnert, was die Stimme angeht. Die Finnen haben einen ähnlich klingenden Sound und Sänger.

"One To Us" hat dann eines der geilsten Intros, die ich seit langem gehört habe. Gitarren... na klar... aber diese Dudelsäcke... boah ... ich hab jetzt schon wieder Gänsehaut. Verdammt ist das geil! Erstmalig werdet ihr jetzt auch das, von Italienern geliebte, Keyboard wahrnehmen. Damit ist die Vielfalt und Abwechslung auf dem Album bei seinem Höhepunkt angelangt. Mit etws mehr als sechs Minuten, gehört der Song, neben dem Opener "Blar Allt Nam Banag" zu den längsten Stücken. Er ist gleichzeitig auch der am melodischste Song der Platte. Er hört auf, wie er angefangen hat... schön die Dudelsäcke zur Geltung gebracht. Das komplette Gegenteil liefert dann der letzte Song. Im Intro von "Bright Star Of Midnight" geht es sehr beschaulich zu. Flötentöne zu sanftem Gitarrenzupfen gepaart... später dann sehr sanfte zweistimmige Gesangparts... lassen den letzten Song sanft anfangen. Er bleibt im weiteren Verlauf auch recht langsam, im Vergleich zu den anderen Stücken, baut sich aber mehr und mehr auf, was die Dynamik und Kraft der Instrumente angeht. Am Ende gibt es ein fantastisches Gitarrensolo, einen sehr gefühlvollen Ausklang und das Gefühl... Schade das die Platte schon vorbei ist.

Verdammt... das ist ein Kracher... Lange nicht mehr ein solch starkes Album gehört!! Die acht Songs sind so auf den Punkt... so grandios abgemischt. Da ist sie wieder... diese leidenschaftliche Perfektion, jede Note an die richtige Stelle zu bringen und ein Gesamtwerk zu erschaffen, das uns als Hörer komplett das Drumherum vergessen lässt. Ich hab die Platte mehrere Male am stück gehört... einfach weil es nicht anders ging. Man ist wie in einen Bann gefesselt worden. Ich verspreche euch... steht ihr auf diesen Sound, werdet ihr mir zustimmen: Das Album gehört in jede Top 20 Jahresauswahl der geilsten Metalalben!!!


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