Review

TODTGELICHTER - Rooms11.02.2016

TODTGELICHTER - Rooms

TODTGELICHTER - Rooms

verfasst von Robert K.

Nach drei zu langen Jahren melden sich die Hamburger von Todtgelichter endlich zurück und man darf gespannt sein, schließlich soll Sängerin Marta hier zum ersten Mal die Geschreianteile übernehmen. Nach dem 2013 erschienenen "Apnoe", das mich zwar überzeugen konnte, aber etwas zu unfokussiert war und "Angst" aus dem Jahre 2010, das bis heute zu einem meiner liebsten Alben zählt, ist meine Erwartungshaltung hoch, der Geduldsfaden kurz und das Fass fast übergelaufen. Auf geht´s!

Die Truppe hat nun schon einige Besetzungswechsel und Schicksalsschläge hinter sich, was die Arbeit für neues Material stets unterbrochen hat, aber dennoch funktioniert das Album sehr gut. Hat man früher noch finsteren Black Metal gespielt, bewegte man sich mit "Angst" zum Post Black, danach weiter zu Post Rock mit schwarzen Anleihen und festigt diesen Stil jetzt auch - nach meiner Auffassung. Genrespezifikationen sind immer ein Streitpunkt und daher sagen wir einfach ganz laut: "Fuck the borders!". Die Stilfestigung bringt eine feinere Note in die gesamte Komposition, die mir im Vorgänger fehlte, wo noch jeder Titel einen krassen Kontrast darbrachte und man sich für jedes neue Lied einstellen musste. Kontraste sind auch in "Rooms" stark vorhanden, jedoch wirken sie gewollt und eine erneute Kalibrierung der Ohrmuscheln ist nicht von Nöten. Unbemerkt schleicht sich jeder Anfang wieder in die Gehörgange und sorgt dort für ein Feuerwerk des Hörgenusses.

Aspekte wie das lange Ausspielen einzelner Passagen vertiefen das einengende Gefühl, das man beim Hören verspüren soll - mir ging es so. Der Aufbau der einzelnen Songs ist sehr abwechslungsreich, aber alle verfolgen ein Ziel, ein roter oder eher schwarzer Faden, der sich durch die gesamte Scheibe zieht. Martas Gesang ist genial wie eh und je, sorgt für eine Gänsehaut und bleibt fast unerreicht, jedoch bringt ihr Kreischen noch einmal eine neue Würze ins Spiel. Erstaunlich gut passt das nämlich in den Mix und zeigt ungeahnte Qualitäten der Sängerin.

Worte können kaum das Gewicht verdeutlichen, das mir vom Herzen fiel, als ich "Rooms" bekommen habe. Dieses Gewicht ist der metaphorische  große Wurf, der Todtgelichter hier gelungen ist, denn man kratzt sogar an der Genialität von "Angst", welche ich für uneinholbar hielt. Die Stimmung ist mitreißend, dicht und macht apathisch. Lieder wie "Schein" beweisen, dass eine Genremischung sehr zu begrüßen ist. Produziert ist das Album glasklar und absolut rein. Geklaute Werbesprüche werden dem allerdings nicht gerecht und ich empfinde vollste Zufriedenheit, wenn ich auf das Gesamtbild des Albums blicke. Ganz großes Gehörkino.

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