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The Heretic Order - Evil Rising06.07.2018

The Heretic Order - Evil Rising

The Heretic Order - Evil Rising

verfasst von Henry E.-S.

Wer früher mal jung war, hat bestimmt mal das eine große Sammelkartenspiel Magic: The Gathering gespielt. Da waren die Kartenbilder der ersten Editionen auch immer, wollen wir mal sagen: ''Bemüht'', aber auch irgendwie sympathisch. Und es tut mir leid das zu sagen, aber das Cover der neuen Scheibe ''Evil Rising'' von The Heretic Order sieht echt aus, wie so eine alte Magic-Karte. Aber eben sympathisch. Auch wenn ich mich etwas frage: Guckt ihr euch das Cover mal von Nahem an? Da sind deutlich Flaschen mit dem Jack Daniels-Logo zu sehen. Hoffentlich hat das der Jack Daniels-Konzern nicht bemerkt. Naja, dafür hat die Band auf mich gehört und Ihren Namen lesbar ins Logo geschrieben. Auch wenn man beim Logo zuerst an Oldscool-Black Metal denkt.

Gehen wir aber mal vom Cover weg und kommen zur Musik dieses illustren Kollektivs aus Großbritannien, wo wir gleich mal den mahnenden Finger in Richtung des Schreiberlings des PR-Textes halten müssen. Im PR-Text steht: '' ''The Heretic Order'' ist eine Classic/Occult Metal Band, die den Nerv der Zeit trifft''. Generell ist der Begriff Classic Metal richtig und auch, dass die Band damit auf dieser Retro-Metal-Welle herum schwimmt (wo gegen ich ja nichts hab, ich bin ja privat ein ganz schlimmes Synthwave-Opfer). Aber ''Occult''? ''Occcult'' im Metal-Bereich ist am Nerv unserer Zeit gesehen eigentlich nur im Doom zu finden. Und nein, Liedtexte die auf krampfhaft ''Böse'' oder irgendwas mit Teufel, Dämonen oder irgendwas mit satanisch machen sind nicht okkult. Allenfalls peinlich. Oder gewollt. Ja, bei The Heretic Order wohl gewollt (Jacki-Flaschen auf dem Cover).

Trotz dessen beginnt ''Evil Rising'' mit einem Intro, was zwar passt, aber auf die letzten Sekunden durch eine Stimmen-Intonierung vollkommen lächerlich wird. Dieses Intro-Ende nervt so hart, dass es in den ersten richtigen Track ''Hate ist born'' rüber nervt. So verkommt dieser Track zu etwas, was die Platte als solche runter zieht. Der Sänger heult uninspiriert rum, textlich ist es eine Klischee-Keule und die Riffs wiederholen sich ständig. Das Intro macht diesen Song mit kaputt. Und das ist echt schade. Denn mit ''Omens'' legt die Band plötzlich richtig los. So, als hätte jemand der Band in der Mannschaftskabine einen Einlauf gegeben. Plötzlich fällt die alte Tapete von der Wand und die alte Wandfarbe kommt zum Vorschein. Und ''alt'' trifft das Ganze gut.

The Heretic Order ist Klassischer Metal. Die Songstrukturen passen, die Riffs knallen und alles in allem ist es Oldscool. Nun würde ich mich aber nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wie das PR-Text oder der Großteil der Musikkritiker macht und für ''Evil Rising'' Mercyful Fait, Black Sabbath und King Diamond als Inspirationsquellen nennen. Eher würde ich The Heretic Order nachsagen, dass da ganz viel Anleihen von den alten Sachen von Halloween und Gamma Ray drin sind. Auch der Sänger klingt (bis auf Song 1) direkt danach, mit einer Stimme, die immer halb vor dem verrecken ist, aber sich genau an der Stelle klingt. Bis auf die klareren Passagen, dass sollte er eher lassen. Genau so wie sich ein Teil seiner Endsilben anhören, als würde er sie zu einem ''-ey'' machen. Positiv sei noch zu nennen, dass der Sänger auch dann und wann seinen Gesang auch mit Black Metal-Alüren zu verstehen weiß.

''Evil Rising'' ist ein Oldscool-Metal-Brett, welches grundsolide ist und nach altem Power Metal klingt. Es reicht aber leider nicht zu einer Empfehlung, denn da krankt es am Sänger, der einfach noch mehr Kraft in der Stimme gebrauchen könnte und generell einer gewissen Ideenlosigkeit. Es gibt einfach keine Alleinstellungsmerkmale im Sound. So bleibt es bei einem Album, was man hören kann, aber nicht muss. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:

01. Prelude
02. Evil Rising
03. Unholy war
04. Hate is born
05. Omens
06. Mortification of the flesh
07. Under the cross of pain
08. Straight down to hell
09. The mask
10. The forest of the impaled
11. The scourge of god
12. Rising visions

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