Review

THE CRIMSON GHOSTS - Yet Not Human07.05.2018

THE CRIMSON GHOSTS - Yet Not Human

THE CRIMSON GHOSTS - Yet Not Human

verfasst von Ben S.


Nach 8 Jahren Platten-Abstinenz meldet sich nun endlich eine DER führenden Horrorpunk-Bands aus Deutschland zurück und dies geschieht mit einem Paukenschlag der Extraklasse! Aber bevor wir gleich und direkt unsere spitzen Fangzähne in das neue Werk von "The Crimson Ghosts", "Yet Not Human", rammen, erst mal eine kleine Einleitung.

Die letzten 8 Jahre der Bandformation waren von Höhen und Tiefen geprägt. Zum Einen wäre da die langwierige Drummer-Suche, die sich doch viel länger hinzog als nötig. Dies war nicht nur für die Fans des Quartetts, sondern sicher auch für unsere musikalischen Horrorgestalten sehr frustrierend. Zudem war "Yet Not Human" auch schon länger eingesargt und wartete nur darauf, endlich aus seiner Gruft entlassen zu werden. Dies geschieht nun endlich durch "Ring Of Fire Records" und was soll man sagen?! Das Label hat sich ein wahres Juwel an harter Horror-Kost unter seine Nägel gerissen.

Gönnen wir uns dieses Mal doch ein Track to Track-Review und huldigen der Szene, mit dem für "The Crimson Ghosts" alles anfing. Ja ganz richtig, es dreht sich tatsächlich immer noch um Horrorpunk. Auch wenn sich die Band schon länger dem in der Szene obligatorischen Make-Up entledigt hat (was ich persönlich gar nicht schlimm und bei den Ghosts sogar eher förderlich finde), sind die Herren absolut nicht abgeneigt, nach Horrorpunk zu klingen. Jedoch bieten sie, wie jeher und was diese Formation schon immer ausmachte, mehr als nur stumpfes Wiederholen längst bekannter Muster. Aber gut, ohne weitere Umschweife kommen wir nun zur immer noch nicht menschlichen Platte.

Mit "Chapter Five" begrüßt uns gleich mal ein sehr stimmungsvolles Intro, welches weniger auf Atmosphäre und Grusel setzt als das Intro des Vorgängeralbum "Generation Gore", sondern gleich die musikalische Marschrichtung angibt. Messerscharf und mitten ins Gehör!

"Nearly Free" als wummernden Eröffnungstrack zu wählen, zeigt, wie überzeugt die Ghosts von ihrem Sound sind. Krachende Drumms kündigen ein musikalisches Unwetter der Spitzenklasse an. Hymnenhaft getragen durch den Backgroundchor und was vor allem und sehr markant auffällt, ist die Stimme von Sänger Vlad. War dieser seit jeher ein mehr als ausdrucksstarker Mann am Mikrofon, brilliert er auf "Yet Not Human" zu ungeahnten Höhen.

Was der dritte Song, "Don´t Follow Me", auch unter Beweis stellt. Hier gibt die Band eine kleine "romantische" Werwolfgeschichte zum Besten, zu der auch ein Video auf den einschlägigen Plattformen zu finden ist. Sehr eingängige Nummer. Vielleicht eine der eingängigsten ihrer Bandgeschichte und trotzdem noch immer und unverkennbarer Weise "TCG".

Dass zu viel Mutterliebe auch nach hinten losgehen kann, wissen wir ja spätestens seit der interessanten Mutter/Sohn Beziehung aus dem Film "Psycho". Dem haben "The Crimson Ghosts" nun musikalisch gehuldigt. Hielt ich die Nummer zu Beginn für einen guten Durchschnittstrack, geht er mir nun schon seit längerem nicht mehr aus dem Kopf. Besonders eindringlich ist der gesampelte Gänsehautmoment von Norman Bates. Ein Track, der von Mal zu Mal an Größe gewinnt.

"S.A.L.I.G.I.A" ist ein brachialer Song, den die Ghosts schon länger in ihrem Live-Repertoire haben. Fühlt sich an wie ein ordentlicher Schlag auf den Kopf und klingt auch so. Hart, kompromisslos und direkt aufs Maul.

Zu "Rebirth" kann ich kaum mehr schreiben, als dass Vlad hier wohl mit einer der besten Gesangsleistungen seiner Karriere abliefert. Eine eindringliche und melodiöse Nummer, die einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht. Es hat sich fast schon gelohnt, darauf lange 8 Jahre warten zu müssen.

"Chaos Sphere" macht genau das was er soll. Dem Horrorpunk Tribut zollen. Schnell, hart und melodisch wird sich durch den Song geprügelt, als ob es keinen Morgen gäbe. Die Nummer konnte man in den letzten Jahren auch schon das ein oder andere Mal live erleben. Schön, dass sie sich endlich auf einem Album eingefunden hat.

Bei "Patient Zero" siehe "Chaos Sphere". :)

"Ego Sum Qui Intus Habitat" beschwört ein paar Dämonen direkt aus der tiefsten Hölle herauf. Vlads tiefe und voluminöse Growls zu Beginn sind eine echte Überraschung und verbreiten eine bedrohliche Stimmung. Wenn dann der Song beginnt, scheint man fast wie hypnotisiert. Der Sprechgesang und die Melodie nehmen einen ein, ohne die Chance übrig zu lassen, dem zu entkommen. Nur um am Ende der Nummer zu einem reinrassigen Metal Kracher zu werden. Ganz großes Stimmungskino!

Mit "Leichenschmaus" servieren uns die Kölner ihren mittlerweile zweiten deutschsprachigen Song und was soll ich sagen? Ordentlich eklig und saftig ist das Ganze geworden. Direkt, derb und schön plakativ ins Gesicht. Aber genau das macht den Reiz aus. Diese Nummer könnte live ein wunderbares Mitgröhlerlebnis werden. Zudem stehen den Ghosts ein paar deutsche Songs im Repertoire recht gut, also gerne weiter so. ... es ist angerichtet.

"Coming For You" ist ein reinrassiger und klassischer "The Crimson Ghosts" Song wie er im Buche steht. Schnell und hart auf die 12, so wie die Fans es lieben und ab und zu auch einfach mal brauchen.

Für "Rise Again" haben sich "TCG" was ganz besonders einfallen und sich nicht lumpen lassen. Als Gastsänger treten Nim Vind von "Nim Vind" und Argyle Goolsby von "Argyle Goolsby And The Rowing Midnight" in Erscheinung. Dies sollte Fans des Genres, sind die beiden Musikanten doch durchaus nicht unbekannt in der Szene, ein/zwei Freudentränen über die Wangen kullern lassen. Für mich ist "Rise Again" aber leider mit der "schwächste" Song auf der Scheibe. Nicht, weil er schlecht oder dergleichen ist. Nein, ganz im Gegenteil. Er fällt einfach nur hinten ein wenig runter und beißt sich leider nicht in meinem Gehör fest. Das liegt aber daran, dass das Album so viele ausgezeichnete Tracks zu bieten hat und einen Song muss es nun wohl leider treffen. Dass es sich dabei ausgerechnet um diesen sehr stark besetzten handeln muss, ist natürlich sehr schade.

Als Vorletztes folgt dann nun auch der Titeltrack des Albums und zeigt wiedermal eindrucksvoll, wie melodisch dieser "primitive" Horrorpunk doch sein kann.

"The End Complete" läutet dann nun leider auch das Ende von "Yet Not Human" ein. Dies tut der Song in klassischer "The Crimson Ghosts" Manier und sollte auch die alten Hasen unter den Fiends zufriedenstellen. Wer sich nach dem Ausklingen nicht dabei erwischt, noch mal auf die Playtaste seiner Anlage oder seines Players zu drücken, darf sich gerne in die Ecke stellen und sich eine Runde schämen.

Wenn es nicht nach den Misfits klingt, ist es kein Horrorpunk und wenn es nach den Misfits klingt, dann ist es nur eine dreiste Kopie. So oder so ähnlich kann man die Meinung des ein oder anderen Szene-Fachmannes zusammenfassen. Stellt sich nur mal wieder die Frage, was denn eigentlich Horrorpunk ist?! Für mich ist es ein kunterbuntes Genre, in dem Bands aller möglichen Stilrichtungen zu finden sind und eben genau diesen Reiz der verschwimmenden Grenzen ausmachen. Natürlich gibt es ein paar Trademarks, auf die man dabei nicht verzichten mag. Es geht halt, wie der Name schon sagt, um Horror-Themen jedweder Art und auch musikalisch gibt es immer mal wieder ein paar Erkennungsmarken. Aber wenn es vollkommen ok ist, wenn Bands in diesem Genre ihren Sound mit Psychobilly-, Gothik-, Deathrock- und Rockabilly-Klängen erweitern, dann lasst es doch auch einfach zu, dass die Ghosts sehr nah am Metal und Hardcore sind. So etwas kann einem Genre nur gut tun und hilft dabei, alte und viel zu enge Schubladen zu öffnen. Letztendlich muss jeder für sich eine Definition des Dargebotenen finden.

Für mich liefern "The Crimson Ghosts" mit "Yet Not Human" eines ihrer besten Alben ab, was jedem Fan von härterer Musik, egal ob Punk oder Metal, gefallen sollte. Also seid mutig... auch wenn die Korridore lang und düster sind... schreitet hindurch und entdeckt für euch die Freude, die hinter dem Grauen liegt.

Absolute Kaufempfehlung!


Tracks:

01. Chapter Five
02. Nearly Free
03. Don´t Follow
04. Rebirth
05. S.A.L.I.G.I.A.
06. A Mother´s Heart
07. Chaos Sphere
08. Patient Zero
09. Ego Sum Qui Intus Habitat
10. Leichenschmaus
11. Coming For You
12. Rise Again
13. Yet Not Human
14. The End Complete


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