Review

TEMPERANCE - Of Jupiter and Moons10.05.2018

TEMPERANCE - Of Jupiter and Moons

TEMPERANCE - Of Jupiter and Moons

verfasst von Henry E.-S.

Ohh haua! Das gibt Abzüge in der B-Note! Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Kaptain Meckerfritze versucht irgendwas zu finden an dem er rum meckern kann". Heute mit Temperance neuem Album "Of Jupiter and Moons". Und damit gibt der Ringrichter den Kampf frei, BING BING, auf zur ersten Runde! ...und diesen Kampf werde ich besser nicht bestreiten, denn ich werde nachdem ich das Album gehört habe, wohl tierisch aufs Maul bekommen.

Temperance ist eine dieser Power Metal Bands, vor denen viele Musik-Sommeliers schreiend davon laufen: Symphonischer Power Metal, 4 Typen und eine Frau als Sängerin. Bevor mir hier jetzt einer Frauenfeindlichkeit oder generelle Feindlichkeit gegenüber derartigen Bands vorwirft: Nein. Mir geht es quer am Arsch vorbei, wer oder was da singt. Was mich an dieser Art Bands aufregt, ist etwas viel Offensichtlicheres: 90% der Bands dieser Konstellation und dieses Genres sind einfach Scheiße!

Und mit diesem Vorurteil liege ich bei neuen Bands dieser Machart die mir über den Weg laufen in 9 von 10 Fällen richtig. Liegt hier also wieder ein Rohrkrepierer vor?

Entwarnung für alle: Uns liegt hier ein gutes bis sehr gutes Symph... Simfo... Sim..ach fuck: gutes bis sehr gutes Melodic Power Metal Album vor, was sich zwei mal richtig dolle aufs Fressbrett packt. Aber dazu kommen wir gleich. "Of Jupiter and Moons" mag für viele klingen wie handelsüblicher, melodischer Power Metal und das ist inhaltlich richtig. Allerdings ist dieser handelsübliche Power Metal Sound auf handwerklich so verdammt hohem Niveau, dass nach einer Minute meine sämtlichen Vorurteile komplett weg waren. Wo will man da anfangen bei dem Sound? "Of Jupiter and Moonds" würde ohne Gesang fasst schon als Soundtrack eines Kino-Films funktionieren. Diese Anleihen sind so deutlich, dass wenn man sich darauf konzentriert, der Gesang fasst schon wieder stört. Und zwar ohne, dass die Orchesterbegleitung an irgendeiner Stelle penetrant wird. Glücklicherweise ist diese nämlich eher im Hintergrund eingesetzt und wird zur Atmosphäre-Verstärkung eingesetzt.

Wie im Power Metal dieser Gangart üblich, wird regelmäßig in den Songs verschiedenen Instrumenten, wie  dem Xylophon oder Geige (man, ich hasse Geigen. Die werden einfach nur selten richtig eingesetzt) eine Song-mittragende-Stimme zugeschrieben. Dies funktioniert auch super. Nun wäre all dies ja nichts ohne den Gesang. Und davor hatte ich echt Angst. Der Sängerin von Temperance muss ich deswegen, fast schon auf Knien, dafür danken, wie sie singt: Nämlich NICHT(!!!) wie fast jede andere Sängerin in dieser Sparte. Diese Sängerin weiß ganz genau, dass sie singen kann und zeigt das auch in vielen unterschiedlichen Variationen, die die Songs einfach spannender und besser machen. Und das ist gut. Zwar nicht die Brillanz der Sängerin von Huntress, aber knapp dahinter. Denn sie macht nicht den Fehler, ständig einfach nur wahlweise Opern-Gesang oder dieses nervige, Einspurige Rumgelalale zu machen.

Der zweite Gesangspart wird dann noch von einem Herren übernommen, der das auch beherrscht. Und sich ein bisschen anhört, wie der Frontmann von Van Canto. Ist alles also eitel Sonnenschein? Die nervigen Stellen, die auftreten (mal hätte ein Keyboard besser gepasst als eine Geige, mal dauert eine der zwei Balladen einen Tick zu lange), kann man als Meckern auf hohem Niveau begreifen. So oder so kann ich "Of Jupiter and Moons" absolut weiterempfehlen. Aber nun hatte ich ja oben schon angekündigt, dass dank der Fast-Perfektion, das Album es fertig bringt, mit Anlauf auf die Schnauze zu fallen. Und das passiert zwei mal: Einmal bei Track 7 "The Art of Believing", in dem bei 2:20 ein vollkommen unpassender Stoner Rock Abschnitt kommt und einmal bei Track 9 "Empires and Men", in dem das Gesangsduo meint, bei 2:40 unbedingt einen auf den AC/CD-Gesang machen zu müssen. In einer verdammten Ballade!

In beiden Fällen muss man sich wappnen, dass einen diese beiden Momente komplett raus reißen werden. Das gibt einfach Abzüge in der B-Note. Ansonsten kann man Temperance neue Platte "Of Jupiter and Moons" empfehlen. Ein sehr gutes Album, was sich zweimal auf die Fresse legt. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend. Und Sonnenbrand.


Tracklist:

01. The last hope in a world of hope
02. Broken promises
03. Of jupiter and moons
04. Everything that I am
05. We are free
06. Alive again
07. The art of believing
08. Way back home
09. Empires and men
10. Daruma´s Eyes (Part 1)

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