Review

SPIRAL69 - Second Chance25.11.2015

SPIRAL69 - Second Chance

SPIRAL69 - Second Chance

verfasst von Karla the Fox

Diese Band fällt ziemlich aus dem Rahmen dessen, was wir als Magazin in den meisten Fällen zugeschickt bekommen. Mit Metal hat die Geschichte aus Italien schon mal rein gar nichts zu tun. Es ist Rock und der ist extremst modern und minimalistisch. Da steckt nach Bandangaben New Wave und Folk drin und ich behaupte einfach mal, auch ganz viel Alternative Rock der neuen Sorte. Die Atmosphäre ist eiskalt. In der Bio heißt es, Songwriter und Bandkopf Riccardo Sabitte weiß, mit Emotionen, Sound und Textur zu spielen. Dem stimme ich eins zu eins zu. Monotone Wiederholungen werden statt aus Einfalllosigkeit als radikales Stilmittel verwendet. Der Sound ist never-ever rein organisch, und doch geht das, was er bewirkt, durch unser echtes pochendes Fleisch und Blut. "We love you anyhow, we love you anyhow, because you're so pretty now", ist eine hundertfach wiederholte Zeile aus "Ritual", der im Dezember kommenden Single. Was sich alleinstehend zahnschmerzenmachend-süß-romantisch anhört, ist wahrhaft verstörend - wenn man mal den Rest des Songs mit Video gesehen hat. Es gibt einige Videos von dem Projekt. Die späteren sind alle sehr gut gemacht. Sie polarisieren. Die einen können sich nicht mehr halten vor Begeisterung, der Rest schaltet empört weg bei den Bildern, die sie da sehen. Dabei sind die nicht mal gewalttätig oder irgendwas. Seht es euch einfach selbst an, jeder Versuch der Erklärung würde es kaputt machen (es sei denn, ich hieße Kafka oder Poe).

Kurze Vorstellung: Spiral69 ist das Soloprojekt mit inzwischen Bandcharakter des Italieners Riccardo "Richard" Sabetti. Sie existieren seit 2007 und scheinen sich auf dunklen Poprock spezialisiert zu haben. Noch ein bisschen extremer im Sound und ich könnte mir vorstellen, dass das Zeug bei der heutigen Generation ziemlich durch die Decke gehen würde. So tümmeln sie sich im Indiebereich der Kunstliebhaber. Konzerte finden unregelmäßig statt, dafür in ganz Europa.

Wenn Spiral69 auftreten, oder man sich in ihr Album Second Chance reinhört, sollte man nicht zu akut depressiv sein. Die Tristesse der Songs würde euch wahrscheinlich zeitweise in ein schwarzes Loch ziehen. Nun, es kann, gerade beim Titelsong der Platte wieder aufmuntern, trotzdem bleibt der bittere Beigeschmack. Die Songs sind auch alle relativ lang, sodass sich Ideen und Geschichten entfalten können. Man kann eigentlich nicht anders, als über den tieferen Sinn seines Lebens und seiner eigenen Handlungen nachzudenken. Wer das nicht mag und gerade lieber unbeschwert leben will, sollte deswegen vielleicht die Finger fernlassen. Ich finde es gut, noch Kunst zu finden, die welche ist und die aufwühlen kann. Als Schockrocker würde ich sie aber nicht bezeichnen. Wer Orientierung braucht: Radiohead bis Placebo mit Synth-Betonung.

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