Review

Skyglow - Thousand Years Of Terror15.08.2018

Skyglow - Thousand Years Of Terror

Skyglow - Thousand Years Of Terror

verfasst von Henry E.-S.

Ich war ja Zeit meines Lebens in gewisser Weise ein Musik-Hipster. So kam es mir jedenfalls vor. Das liegt immer im Auge des Betrachters. Für meinen Teil hatte ich immer das Gefühl, konsequent auf Bands zu stoßen, bevor sie jemand anderes findet. Warum ich das hier direkt am Anfang einer Review zu Skyglow's erster Full-Length Platte "Thousand Years Of Terror" anbringe? Weil ich nicht anders kann, als mich an eine auf diese Weise gefundene Band zu erinnern, bei der es mir ebenso ging: Behold ... the Arctopus. Und damit habe ich gut 90 % aller Leute raus geekelt, dann kann ich weiter machen.

Skyglow ist eine dieser Bands, auf die ich mich freue, wenn ich durch die Veröffentlichungsliste blättere. Eine Band die von Außen eigentlich nach nicht so viel aussieht, aber einen direkt in den ersten Minuten einfängt. Aber was kriegen wir hier nun musikalisch geboten? Skyglow ist eine russische Band, die sich 2016 gründete. Das ist in diesem Zusammenhang nicht ganz unerheblich, aber dazu später mehr. Die Musik, die nach einigen ruhigen Akustik-Gitarrentönen einsetzt, ist im Kern progressiver Death Metal. Das sei nur mal angesprochen, um euch einen gewissen Eindruck zu geben. Habt ihr den Sound etwa im Ohr? Gut. Dann nehmt den jetzt und vergesst ihn ganz schnell wieder. Denn die Musik, die auf "Thousand Years Of Terror" ihren Tanz aufführt, hat mit Progressive Death Metal wie wir ihn kennen, nicht mehr so viel zu tun. Anders gesprochen: Wir können uns eigentlich freuen, dass Skyglow so nett waren und noch eine Priese Death Metal mit drin gelassen haben in ihrer interessanten Mischung.

Denn diese Priese gibt den 6 Tracks dieser Platte eine gewisse Richtung, eine gewisse Melodie, einen gewissen Teil der Grundstruktur, der dafür sorgt, dass wir dran bleiben, der das Ganze zugänglich macht. Und zugänglich ist auch das passende Wort dafür. Skyglow's Musik bewegt sich wie eine sich ständig windende Schlange, die ständig nach allen Seiten ausbricht. Ebenso wie bei Behold ... the Arctopus oder Animals as Leaders bewegt sich die Musik unberechenbar durch den Raum, knallt Gitarrenriffs in jede Ecke und arbeitet mit Disharmonien aus Jazz und Math-Metal (bis auf Track 3 "Losing Humanity", der arbeitet dann doch viel mit hymnenartigen Teilen). Jeder Track reizt ähnlich der beiden eben genannten Bands das Wort "Progressive" fast bis zur Gänze aus - wollen mal sagen: Man kann hier doch schon das Wort "Avantgarde" in den Raum werfen, ohne lange Diskussionen befürchten zu müssen.

Jeder Track ist eine kleine Wundertüte. Die Gitarren- und Bass-Linien toben sich komplett aus, während das Schlagzeug etwas ruhiger daher kommt. So ruhig wie man zu einem Death Metal Schlagzeug sagen kann. Das operative Wort in diesem Rahmen ist Zugänglichkeit:  Musik dieser Art stößt einen eher vor den Kopf und man braucht eher 3 Red Bull und viel Zeit, um sich in das Ganze rein zuhören. Durch den Unterbau aus Progressive Death Metal ist der Zugang zu dieser Art fast schon verkopfter Musik einfach gegeben. Und nun noch ein Wort zu den Lyrics. Oben war ja schon angesprochen, dass die Band aus Russland kommt. Metal-Archives.com führt die Lyrics der Band unter den Tags "Politics, Society, Anti-War". Ja aus Russland. Ich staunte auch erst mal nicht schlecht, dass die Band bis jetzt damit durch kommt. Und das auch deswegen, weil sich die Lyrics zwar sehr viel mit Russland beschäftigen, mit der Christianisierung, dem Bürgerkrieg und den vielen Selbstmorden, aber auch eben mit der Korruption in Russland und der Einmischung in den Ukraine-Konflikt. Diese Lyrics sind zwar pathetisch, aber auch schön direkt geschrieben und werden mit einem sehr an Carcass erinnernden, schnarrenden Growling vorgetragen.

Alles in allem ist Skyglow's erste LP "Thousand Years Of Terror" ein sehr überzeugender Einstand in die Welt des sehr verkopften progressiven Teils des Metal. Wenn Ihr auch mal in diesen Bereich reinschnuppern wollt, wäre diese Platte die passende dafür. Wenn ihr sonst nicht so recht mit dieser extremen Komplexität klar kommt, dann geht bloß weiter. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:

01. Sacred Self-Deceit
02. Limitless Fog of Anguish
03. Losing Humanity
04. Thousand Years of Terror
05. A New Age
06. ...And the Circle Closed

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