Review

SINICLE - Angels & Demons01.11.2017

SINICLE - Angels & Demons

SINICLE - Angels & Demons

verfasst von Henry E.-S.

Wie funktioniert ein Jump Scare? Mit dem Überraschungsmomemt. Und vielfach durch das Vorgaukeln von Sicherheit. Aber eben immer mit dem Überraschungsmoment. Dieses kann von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen werden. Durch dieses Momentum ist man für einen Moment verunsichert oder auch perplex. Und da was auf diese Moment folgt, wird dadurch nochmals stärker emotional aufgeladen. Wenn ich auf einer Blümchenwiese stehe und vor mir plötzlich Bambi rumhüpft, dann nehme ich Bambi einfach positiver war,
wenn es direkt von einem LKW übermangelt wird. Wenn es plötzlich anfängt zu singen dann ist das tendenziell keine gute Überraschung. Nach diesem kleinen Exkurs (und ich sehe, Sie haben das Prinzip verstanden), möchte ich nun das oben angesammelte textliche über den Überraschungsmoment eben auf selbigen im Album "Angels & Demons" von Sinicle anwenden: Das Intro lullte mich gerade zu in eine gewisse Erwartungshaltung ein, welche eher nach "Irgendwas mit Raumschiffen und Weltraum" klang. Und dann rollte der erste richtige Track "Damnation" auf mich los. Und war ? ne halt, wir machen das nochmal mit dem Überraschungsmoment von oben und Sie, werter Leser, freuen sich auf den folgenden nächsten Absatz. Ich setz nochmal kurz für sie an: (*räusper*)

Und war - scheiße! Ernsthaft jetzt: Der komplette Rest des Albums zeigt, wie guter Hardcore der alten Schule gemischt mit Sludge zu funktionieren hat. Aber was dieser erste Song "Damnation" soll, weiß ich ums verrecken einfach nicht.  Nagut, bemühen wir mal als Erklärung eine kleinen Vergleich: "Damnation" ist der Türsteher unter den Songs. Er ist groß, muskulös, schwarz angezogen und komplett langweilig. Und nur wer in überlebt, darf drinne mit den anderen Kindern moschen. Und von der Bühne herunter dröhnt die Stimme eines Sängers, welcher seinen Job richtig gut macht, obwohl man das Gefühl nicht los wird, in seinem Keller einen Mayhem-Schrein finden zu können. Außerdem schafft es der Sänger einen gewisses Musikgenre in seinem Gesang mit aufleben zu lassen. Welches das ist? Naja, magst du Screamo? Ja? Gut, dann darfts du den Sänger jetzt dafür beherzt knuddeln.

Sinicle machen den guten alten Hardcore/Sludge mit Ausläufern in die New Yorker-Schule. Und die Schule von "Sinicle" liegt in einem dieser Mischbezirke von Metalhausen, in welchem es verpönt ist, die Türen von Aufnahmestudios zu schließen. Und wahrscheinlich lief die Geschichte so ab: Sinicle hatten gerade die ersten Songs eingespielt und jammten gerade den schönen ruhigen Zwischentrack "Miller Time" ein. Da stolperten plötzlich Temptations Wings in den Proberaum und die ganze Sache wurde feucht-fröhlig. Und was am Ende dabei raus kam, ist mein persönlicher Liebling auf der Platte, "Rabbit Hole". Und wer da seinen Kopf nicht rythmisch mitbewegt, der hat keinen Musikgeschmack oder schläft gerade oder ist tod (soll ja vorkommen. Also hab ich gehört). Und Ihr werdet mir alle bei dem Song zustimmen, dass man wirklich so offensichtlich die ruhigen Song-Zwischenelemente von System of a Down klauen darf, ohne gehauen zu werden.

So, bleiben wir doch mal einfach bei dem Szenario: Kaum sind Sinicle wieder alleine im Tonstudio, rollt auch schon mit "Baltimore" ein schwerer Sludge-Klopper durch den Raum, mit einigen kleinen Hommagen an Suicidal Tendencies und Agnostic Front. Handwerklich ist das super, aber die Guitarren übersteuern hier doch ganz schön. Und da wir bei Hommagen waren: Meine Damen und Herren, Ich präsentiere Ihnen Track Nr. 8 "Esoteric". Eine 14-Sekündige Liebeserklärung an "You suffer, but why?" von Napalm Death. Und diese Liebeserklärung scheint Sinicle wohl emotional etwas mit genommen zu haben, sodass mit Track 9 "Broken Silence" der gefühlvollste Track dieser Platte folgt. Nicht der schlechsteste Song dieser Machart und auch nicht der Beste, aber kann man machen. Auch wenn ich die ganze Zeit ein Gefühl nicht mehr los werde: Ich kenne das Hauptriff doch irgendwoher! Aber "Angels & Demons" ist, ich sagte es ja bereits, immer noch ne Hardcore/Sludge-Platte. Und kaum, dass meine Wenigkeit die Zeit finden konnte, mit wissenschaftlichen Methoden diesem Problem der Riffsuche auf den Zahn zu fühlen, klingelte es auch schon an der Tür und Track 10 "Free Like Me" rollte herein. Und der ist ein richtig tolles Teil für Freunde von Suicidal Tendencies, welche direkt mit drei passenden (und nicht nervenden) Breakdowns belohnt werden.

Und Jazz. Ja genau. Jazz. Und das ist auch gut so. Nun meine Freunde, wir müssen hier auch mal fertig werden und pressen unsere Hörorgane noch schnell auf den letzten Song auf dem Album, "Operations Activate", welcher schön rotzig angrauscht kommt, und (bis auf einige langsame Parts) den Hörer
 aus dem Album nahezu heraus drischt.

Also sprach Zarathustra, was haben wir insgesamt nun da bei "Angels & Demons"? Beben der Stärke 10 auf der Richterskala, oder doch nur den Schulz-Hype der SPD vor und nach der Wahl? Wenn man die großen Kritikpunkte mal beiseite lässt (teilweise zu sehr übersteuernde Guitarren und der Türsteher-Song "Damnation", welchen echt kein Mensch braucht), haben wir hier eine sehr gute Sludge/Hard Core- Platte. Und wenn dieses verdammte "Damnation" nicht wäre, so könnte ich hier direkt ne Kaufempfehlung aussprechen. So bleibts bei bei einer guten Platte für Freunde von Dingen mit "Core" in der Genrebezeichnung, die den beschissenen Anfang ertragen können. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Track-List:

1. DEER XING
2. Damnation
3. Death Coast
4. Angels & Demons
5. Miller Time
6. Rabbit Hole
7. Baltimore
8. Esoteric
9. Broken Silence
10. Free Like Me
11. Operations Activate

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