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SILVER GRIME - Healed by the Dark23.09.2018

SILVER GRIME - Healed by the Dark

SILVER GRIME - Healed by the Dark

verfasst von Henry E.-S.

Wenn es Dinge gibt die ich liebe - neben Black Metal, Eurodance und der Kombination von Lebensmittel die echt nicht zusammen gehören - so sind es Doom Metal und Oldscool Power Metal. Was wäre also logischer, als diese beiden Genres mit Anlauf in einander krachen zu lassen? Aus diesem Ohrenschmaus von einem Unglück entstand der Epic Doom, welcher die majestätischen Songstrukturen des Power Metals mit der schwarzen Schwere des Doom Metal verbindet. Und dieses Genre blieb relativ klein. Das muss wohl diese alte Krankheit sein, die dem Doom immer anhaftet: Egal was du machst, nicht grade viele Leute werden drauf stehen. Das ist echt Schade, wo doch Silver Grime eine annehmbare Scheibe mit "Healed by the Dark" abgeliefert haben. Aber vielleicht kommt das auch mit dem Alter. Silver Grime bewegen sich konsequent auf dem schmalen Grad zwischen einer Song-Länge, die grad noch geht und der nervigen Überlänge. Aber allen voran sind Silver Grime eines: Ruhig. Und das meine ich nicht negativ: Manchmal will man einfach was Ruhiges haben. Silver Grime ist es viel wichtiger, so Leute wie mich zu treffen, die langsam nicht mehr die Jüngsten sind.

Die Tracks der Platte sind danach gesehen vor allem durch eine gewisse Wiederholung gekennzeichnet. Die Songstruktur wiederholt sich auf eine angenehme Weise. Es beginnt mit den ersten Mid-Tempo-Doom-Riffs, welche regelmäßig mit ruhigem Gesang (welcher häufig Zweistimmig daher kommt) unterlegt werden. Dazu kommen Atmo-Parts, sanfte Bass-Soli und klassische Gitarren-Soli. Dem Bass wird dabei sehr viel Platz eingeräumt, sodass er unabhängig von seinen Soli fast immer klar heraus zu hören ist. Um noch einmal auf den Gesang zurück zu kommen, muss ich Folgendes gestehen: Ich habe mein Lebtag noch keinen einzigen Song von Jonny Cash gehört. Ich muss da echt mal ne Retrospektive machen, denn die Lyrics (allen voran Track 03 "Like a bloodred rose") und der Gesang klingen so dermaßen danach, als ob da einer ein großer Fan von den Größen der US-Amerikanischen Songwriter/Country-Szene ist. Als würde da einer zwar epische Geschichte erzählen, aber diese würden eher straight out off einem Western-Cthulu-Szenario stammen.

Aber gut. Epic Doom sollte sich ja schon majestätisch zuspitzen, wahlweise durch massive Gitarren-Wände oder irgendwas Ähnliches. Das will nur beim letzten Track der Platte, "Healed by the dark", auftreten. Dieser Track ist das, was man sich fast immer von Silver Grime wünschen möchte. Langsam aber beständig baut sich der Track zu einem dieser Songs auf, nach deren Konsum sich unweigerlich wie ein einsamer Biker in den Steppen der USA fühlt. Wenn. Ja wenn da nicht ein kleines Problem wäre, worüber Silver Grime beharrlich stolpert: Zu oft wird eine sich beständig aufbauende Riffwand kurz vor dem Erreichen ihrer vollen monumentalen Größe wieder eingerissen. Die Songs gehen zwar trotzdem stark weiter, aber ein ums andere Mal fühlt sich das wie ein Strömungsabriss an.

Dabei hilft es ganz und gar nicht, dass die Tracks manchmal einfach zu lang gestreckt wirken. Eigentlich freue ich mich über das Album, da es für gesetztere Menschen genau richtig ist, um etwas runter zu kommen. Dann hätte man aber auch komplett dabei bleiben sollen oder direkt diese Monumentalität des Epic Doom (die wirklich vorhanden ist) umarmen sollen. Das ist Meckern auf hohem Niveau. Und jeder der ein Herz für Doom und Power Metal hat, sollte sich den Track "Healed by the dark" anhören. Ich bin gespannt, ob die nächste Platte von Silver Grime sich (hoffentlich) komplett in den Epic Doom setzt. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Tracklist:

01. The realm of the ancient stones
02. Children
03. Like a bloodred rose
04. Execution of the narcissist
05. Eclipse of tommorw
06. Healed by the dark

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