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SHINING - Animal30.09.2018

SHINING - Animal

SHINING - Animal

verfasst von Henry E.-S.

Kleine Verbraucher-Information für all diejenigen, die das noch nicht wissen: Es gibt mehrere Bands mit dem Namen Shining. Zwei davon haben sich international einen Namen gemacht, haben beide Ihren Namen nicht aus dem Film von Stanley Kubrick entlehnt und man sollte den Unterschied zwischen Ihnen kennen. Die schwedischen Shining sind legendär für ihren progressiven  Black Metal, der gerne mal mit "Depressive Suicidal Black Metal" betitelt wird. Um die geht es hier nicht.

Es geht hier um die norwegische Band Shining, die bekannt ist für Ihre Musik aus Progressive Metal und Jazz-Fusion. Das hatte ich zumindest an vielen verschiedenen Stellen gelesen und wollte jetzt eigentlich nur mal kurz nach schauen, wie sich so etwas überhaupt anhört. Zu meinem Glück wurde mir vorweg schon die Erwartungshaltung durch eine Warnung genommen, die da aussagte, dass die neue Scheibe "Animal" mit diesem alten Stil der Band mal so gar nichts mehr zu tun hat. Gleich der erste Track "Take me" zeigt, wo die Reise hingeht. Man nehme Billy Talent, mache etwas mehr Clean-Gesang, binde ein konsequent durchlaufendes Modern-Pop-Musik-Keyboard mit ein, welches maximal 3 Akkorde beherrscht und drehe das Ganze auf Alternative Rock. Gut gespielt, nichts weltbewegendes. Track 02 "Animal" zieht die Daumenschrauben in Form vom Härtegrad zwar etwas an, bleibt aber viel zu handzahm.

Nach diesen beiden Durchschnittstracks folgt mit Track 03 "My Church" der erste Break. Kein Breakdown, nein ein richtiger Break, fast wie der Lauf gegen die geschlossene Tür. Neben dem Titel stolpert der Hörer direkt darüber, dass die Stimme des Sängers - so gut die auch ist - komplett in einen Pop-Gesang abdriftet, während beim Keyboarder die 5 Dosen Energiedrink alle gleichzeitig anfangen zu wirken. Prinzipiell ist der Song eigentlich ganz anständig, trotz des nervigen Pop-Gesangs, wäre da nicht etwas Bestimmtes: Ich werd einfach das Gefühl nicht los, als ob da Jemand die Songstruktur komplett von einem der melodischeren Power Metal-Songs von Hammerfall oder Edguy geklaut hätte und das Ganze einfach nur auf Mainstream-Alternative Metal gedreht hätte. Na gut, wenn schon klauen, dann von den Profis.

Aber weiter im Text, was hat den Track 04 "Fight Song"uns zu bieten? Antwort: Einen Anfang, der annähernd so klingt, wie der von Pain´s "Monkey Business" und das Hauptriff von Pantera´s "Walk". Aber genau das Riff! Der Rest des Tracks pumpt sich zwar immer wieder gut auf, aber was sollen diese Lyrics? Gefühlte 30.000 Mal "God, can you hear me?". Nein, tut er nicht. Gott ist Tod. Urgh. Okay, Track 05 "When the lights go out". Gut, wenigstens keine Lyrics über Gott, dafür Irgendwas mit wenn die Crowd abgeht. Hey! Der Song wirkt ja auch so, als wäre er früher ein reinrassiger Power Metal Song gewesen oder von J.B.O.s "Wir ham ne Party" abgekupfert worden, nur das die Leadgitarre nach oben geht, anstatt nach unten. Und ja ich weiß, dass J.B.O. den Track auch nur gecovert haben, aber es geht hier ums Prinzip. Ob Track 06 "Smash it up" auch alles abkupfert?

Ein bisschen. Klingt wieder nach Pain. Aber kleine Entwarnung: Den Song kann man ohne Umschweife in die heimische Playlist übernehmen, denn dieser zeigt einen recht eigenständigen Sound und zieht sehr viel Hörspaß durch den Rhythmus, welcher eindeutig nach Skate-Punk klingt. Naja, dafür hätte die Orgel bei 2:30 echt nicht sein müssen. Track 07 "When I m gone" schlägt deutlich in die Bring me the Horizon-Kerbe und präsentiert sich als eher melancholischeren Herzschmerzsong, welcher wieder etwas nach Edguy klingt. Allerdings fällt dieser Track auch etwas auf die Nase durch den Gesangpart, der am Anfang echt viel zu sehr nach 08/15-Radio-Musik klingt. Der Rest geht. Kommen wir nun zu meinem zweiten Favoriten-Song dieser Platte, Track 8 "Everything dies". Das Schlagzeug gibt einen treibenden Grundbeat, der angeführt von der Gitarre schön über die Sound-Autobahn knallt. Mehr dieser Energie hätte auch Track 9 "End" gut getan. So klingt der Song viel zu stark nach einem Track, der auf einer Pop-Punk- Platte entschieden besser aufgehoben wäre. Aber hey, dafür hat Shining hier schön den Anfang mit Ghost-Anleihen voll geknallt und das Ende von Gamma Ray entlehnt.

Und ja, das war Sarkasmus. Track 10 "Hole in the sky" schließt ganz gut die Erklärung ab, weshalb Shining doch besser zum gejazzten Prog-Metal zurück kehren sollten: Ein Pop-Song? Ernsthaft? Und dann mit einem Ende, welches man eher von Thirty Seconds to Mars erwartet hätte? Nein. Echt einfach nur Nein. Shining haben mit "Animal" ein Album abgeliefert, welches sich großzügig bei anderen erfolgreichen Bands bedient, komplett versucht den Mainstream mit Alternativ Rock zu bedienen und zwei ganz gute Tracksa hat. Da steht die Frage im Raum, ob da ein Label die Band dazu gebracht, sich so dermaßen anzupassen. Die Platte ist trotz nervigem Flirrens einiger Gittaren-Passagen, sauber und nett, aber einfach nichts weltbewegendes. Shining, macht wieder Jazz-Fusion-Prog-Metal. Bitte. Denn das hier seid ihr nicht. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Tracklist:

01. Take me
02. Animal
03. My church
04. Fight song
05. When the lights go out
06. Smash it up
07. When i m gone
08. Everything dies
09. End
10. Hole in the sky

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