Review

Sector - Digital Voodoo11.04.2018

Sector - Digital Voodoo

Sector - Digital Voodoo

verfasst von Henry E.-S.


Irgendjemand da draußen hat eine diebische Freude daran mich zu triezen. Diejenigen von euch, die meine Schandtaten in prosaischer Review-Form auf dieser Webseite schon länger lesen, werden jetzt eine Sachen wissen wollen. Und ich muss bejahen: Ja, ich habe mir Sector's LP Digital Voodoo nur rausgesucht, weil daneben stand "Industrial Electro Metal". Und ja, dass ist ein verdammter Fehler, wenn man dadurch mit einer gewissen Erwartungshaltung an neue Alben ran geht, bei denen man genau weiß, dass das sowieso wieder nichts wird. Also quasi wie in meinem Liebesleben. Also nein, Digital Voodoo ist nicht die von mir erträumte Electro Metal-Offenbarung. Trotzdem ist Digital Voodoo ein teilweise gutes, teilweise normales und ein teilweise "FUCK YEAH"-öh-es Album.

Denn was die Jungs aus Hamburg da zusammen zimmern besteht  im Grunde aus zwei Elementen, die ich in dieser Kombination bis jetzt noch nicht so kennen gelernt habe: Industrial Metal (mit teilweise sehr starkem Neue Deutsche Härte-Einschlag (meine Fresse hört sich diese Wort-Kombi blöd an)) und Hardcore Punk aus der New Yorker Schule. Das kann man sich beides sehr gut vorstellen. Und das klingt auch wirklich genau so: Industrial-Gitarren und ein Sänger, der einfach mal FUCKING ANGRY ist. Im Ernst, der keift sich da einen ab, dass man kurz fragen möchte, ob da jemand Robert Flynn von Maschine Head mit Roger Miret von Agnostic Front gekreuzt hätte. Und das ist so geil, dass der einige Male auftauchende Background-Sänger sich anhört wie eine weinerliche Memme bei seinem ersten Vorsingen.

Aber gehen wir mal von Anfang an durch. Track 1 "Bastard": Funktioniert als Opener. Allerdings wären die eingestreuten, an ein paar ältere Winds of Plaque erinnernde Geigenfronten nicht nötig gewesen. Ebenso wie der kleine Electro/Verzerrer/Ambient-Moment, der wirkt arg aufgesetzt. Da sind die elektronischen Elemente in Track 2 "Voices" besser eingesetzt. Diese beiden ersten Songs sind, und da mag mir der ein andere aufs Dach steigen, ganz nett. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Handwerklich ganz nett, Hardcore-eske Sachen mit drin, halt stabil. Aber das wars. Und jeder Funke an Erinnerung wurde danach sogleich - und da kommen wir zum FUCK YEAH-Teil - komplett durch die nun folgenden Tracks "Digital Voodoo", "Echos" und "Do you plead guilty" WEGGEFICKT!

"Aber warum Henry, du Malträtierer der deutschen Sprache?" (okay, DAS klang arrogant) Das ist eine sehr interessante Frage, meine wohl geschätzten Leser. Die Geilheit dieser drei Songs lässt sich schwer beschreiben. Aber dafür habt ihr ja mich, der da nach langer Suche (Gelogen - Anm. d. Red.) auf ein sehr guten Vergleich gekommen ist: Sector hören sich in diesen drei Song genau so an, wie der Soundtrack von Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 und 3, von Frank Klepacki. Bloß halt mit Gesang. Und das ist einfach geil. Wie, ihr habt die Soundtracks nicht gehört? Dann hört die euch an! Da könne noch Generationen von Metal Bands was von lernen.

Und der Rest von Digital Voodoo? Track 6 "More or Less" wäre fast noch in dem Geil-Abschnitt drin gewesen, wenn er nicht ein so absolut nerviges, absichtlich falsch spielendes Keyboard drin hätte. Trotzdem ist er genau so wie Track 7 "Warp" noch Frank Klepacki-esk genug, um ordentlich abzugehen. Kann man machen. Was man nicht machen kann, ist Track 7 "Burning". Ganz schlecht ist der nicht, aber Sector ist einfach eine tobende Industrie-Machine, deren Rhythmik und Song-Struktur es sich einfach nicht erlauben kann, über längere Zeit Geschwindigkeit raus zu nehmen. Neben dem Keyboard, was einem schon wieder auf die Nerven geht. Bei Track 9 "Incompetence" haben sie es wohl gemerkt: Kaum ist die Geschwindigkeit wieder da, funktioniert die Maschine wieder. Allerdings nur, bis man auf den zweiten, wieder kehrenden Refrain achtet: "I. Hate. My. Job.". Sorry, aber dank diesem Satz kann ich den Song echt nicht mehr ernst nehmen. Der Satz frisst den ganzen Song. Da freut man sich direkt wieder über Track 10 "2K95", der einem schön eine ins Fressbrett gibt und mit einer deutlichen Liebeserklärung an den New York Hardcore von dieser Platte wirft.

Zusammenfassend kann man zu Digital Voodoo Folgendes sagen: 2 Songs braucht kein Mensch, 3 Songs sollte JEDER mal gehört haben, Rest hohes Niveau bis auf einen echt idiotischen Textausfall-Song. Liebe Leute von Sector: Ihr und ich, wir haben was gemeinsam. Wir lieben Frank Klepacki. Das hört man einfach raus. Macht bitte bitte bitte mehr Songs von dieser Art wie die Tracks 3-6. Bitte. Das sind die Brecher auf der Platte. Und lasst den Background-Sänger weg. Der wirkt wie ne Memme gegen diese Stimmgewalt. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend. Und ich hasse meinen Job nicht.

Tracklist:

01. Bastard
02. Voices
03. Digital Voodoo
04. Echos
05. Do you plead guilty
06. More or less
07. Warp
08. Burning
09. Incompetence
10. 2K95

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