Review

SCHATTENMANN - Licht an28.02.2018

SCHATTENMANN - Licht an

Schattenmann - Licht An

verfasst von Daniel S.

Tausend Mal gehört und doch häufig frisch

Wollen wir einmal ehrlich sein. Neue Deutsche Härte ist ein Problemgenre. Entweder du klingst wie Rammstein oder du bist eine Kopie von Eisbrecher und mit Glück ist man irgendwie anders und bleibt ein Nischenprojekt. Anders sein wollen jedenfalls "Schattenmann" und dabei Ihre Nische mit Licht füllen. Sie nennen das "Neue Deutsche Härte 2.0". Naja, Versionsnummern braucht heute auch alles Moderne: Industrie 4.0, der Firefox ist sogar schon bei Version 58. Besser geworden ist dadurch weder die Industrie noch der Browser und nur ein paar Facetten machen die Welt schöner und besser. Und genau das lässt sich auf die Debütplatte "Licht an" übertragen.

Den titelgebenden Track findet man schon an erster Stelle der Platte. "Licht An" ist dabei genau alles das, was Neue Deutsche Härte ausmacht. Synthys am Anfang, der Übergang in den zu erwartenden Takt auf den Drums. Dazu verzerrte Vocals und dann der Part, der mich am meisten irritiert hat: "Licht an, Licht aus, hier kommst du nicht?" Oh wait! Falsche Band - klingt an der Stelle fast wie bei apRon. Aber die Unterschiede sind dann doch riesig und man muss gestehen, dass auch wenn der Kopf einem hier Streiche spielen kann, die Lyrics von Schattenmann sehr schnell hängen bleiben.

Sobald man die Tracklist der Platte ein paar Mal hat rotieren lassen, bleiben nicht nur die Lyrics hängen, sondern man kann erste Feinheiten der Platten herausstellen, die das Debüt von Schattenmann eben nicht zu einer 0815-Kopie der üblichen Verdächtigen machen. Sicherlich wird man feststellen, dass der eine oder andere Song auch bei bekannten Bands auf der nächsten Platte veröffentlicht werden könnten. So würde "Zahn der Zeit" gesanglich und auch von der Melodie her wunderbar zu Subway to Sally aus früheren Tagen. "Zahn der Zeit" ist wunderschön und sorgt beim aufmerksamen Hören unweigerlich für Gänsehaut. Ein weiterer Track, für den es sich lohnt, sich die Platte ins CD-Regal zu stellen ist "9mm", der für Druck auf der Platte sorgt. Unklar bleibt nur, wer am Ende den Finger krümmt und ob, je nach Fall, ein Suizid von den Worten "es tut nicht weh" begleitet, wirklich vertretbar ist. Unabhängig davon kann man Schattenmann inhaltlich keine Vorwürfe machen. Die CD ist an vielen Stellen durchaus mit gesellschaftlicher Kritik gefüllt. Vorreiter dürfte da "Generation Sex" sein. Ein Stück, das bereits nach der erfolgreichen Singleauskopplung für viele Aufreger gesorgt hat. Wer hier Kritik an Schattenmann übt, hat entweder nicht richtig zugehört oder seine Kritik falsch adressiert, ist das Lied doch eher eine überspitzte Bestandsaufnahme der Jugend im Umgang mit Pornografie.

Ehe ich jetzt aber dem Debüt der Formation um den ehemaligen Stahlmann-Gitarristen Frank Herzig einen Stempel unserer Interpretationen und Auffassungen aller Songs aufdrücken, können wir die Platte einfach jedem empfehlen, der die alten Werke von Subway to Sally - ihr werdet auch den Song "rot", wie es zwar schon einen gleichnamigen Song von Subway to Sally gibt - liebt. Das Gleiche gilt, wenn ihr ein Fan bekannter Vertreter der Neuen Deutschen Härte seid. Und falls Ihr die CD am Ende gut finden solltet, oder wenn ihr völlig enttäuscht sein werdet (halte ich für unwahrscheinlich), habt Ihr auf der kommenden Tour von Megaherz sicherlich die Chance, eure Meinung mit den Jungs bei einem Bierchen zu bequatschen. Schattenmann werden hier als Support anwesend sein.

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