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SCARS OF SOLITUDE - Deformation24.01.2018

SCARS OF SOLITUDE - Deformation

SCARS OF SOLITUDE - Deformation

verfasst von Henry E.-S.

Ich brauche eine neue Tastatur. Meine A-Taste klemmt so ein bisschen. Wisst ihr wie nervig das ist, wenn du bei einem Bullethell-Rougelike ständig ohne das du da was für kannst nach links ziehst? Und damit ständig ins Feindfeuer rein? Man das nervt. Und krieg mal in der heutigen Zeit eine ganz normale mechanische Tastatur.

Die wollen dir alle nur so neue Tastaturen verkaufen, mit mehr Features als Chips-Reste in der Tastatur eines handelsüblichen WoW-Spielers. Und diese neumodischen Tastaturen haben halt fast alle diesen minimalen aber trotzdem echt beschissenen Delay drin. Und schon wieder regts mich auf. Und wisst ihr wie doof das ist, wenn du eine Kritik schreiben willst und in regelmäßigen Abständen die verstreuten A wieder rausmachen darfst? Man eyy! Na gut, dann hoffen wir mal, dass mich Scars of Solitude ablenken können mit ihrem Langspieler Deformation.

Also das Cover kann das schon mal nicht. Sagt absolut Nichts aus, erinnert mich aber irgendwie an eine Magic-Karte. Okay, den Anfang vom ersten Track I remain here haben sie schon mal ganz gut hingekriegt. Es wummert dem Zuhörer einen Gitarren-Schlagseite entgegen, die entfernt an Melodic Death-Metal der Göteburger Schule erinnert. Nur um dann direkt in einen Melodic Metal-Einheitsbrei zu transformieren. Und ich verzeihe zwar viel, aber nicht auch noch dazu so weinerlichen Gesang an dessen Stelle Jeder, also wirklich Jeder, Growling erwartet hätte. Und von dem lustlosen Gitarrengezupfe, welches wohl einen ruhigen Zwischenpart darstellen soll,  will ich erst gar nicht anfangen. Track 02 Drown, was kannst du mir bieten?

Oh. Oha. Aber voll! Hier passt plötzlich alles zusammen. Ein schöner Herzschmerz-Track, welcher auf schöne Weise von einer Akustik-Gitarre begleitet wird. Drama, Baby, Drama! Hier scheinst dann ja doch zu funktionieren. Klingt wie eine erwachsene und ruhigere Version von Halloween. Bis auf die Zweimal, wo der Sänger lauter wird und direkt an der Obergrenze seines Stimmvolumens verreckt. Hört sich etwas wie ein kleines Schweinchen an, dem man grad auf den Schwanz getreten ist. Und der Sänger scheint auch das eigentliche Problem zu sein: Der Typ kann es einfach irgendwie nicht.

Track 03 Enemy zeigt das ganz gut: Er versucht möglichst viel mit seiner Stimme zu machen, scheitert aber einfach daran. Selbst das Growling funktioniert hier nicht. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass er irgendwie nicht im Takt ist. Bestimmt ist er einer von denen, auf dessen Zeugnis der Gesangsschule nur "Anwesend" stand. Und das hat er wohl auch selbst gemerkt und bei Track 04 Live to regret wieder seine normale Stimmlage verwendet. Dann merkt man auch, dass der Rest der Band wohl ein Faible hat für die Balladen von so gut wie jeder Metallband, die auf diesem Planeten Rang und Namen hat. Und das funktioniert merkwürdiger weise sehr gut. Tja, und da kommt auch Track 05 Fool daher und bestätigt mir wieder die Sache von Track 03: Der Sänger kann es einfach außerhalb seiner eigenen Stimmlage nicht. Bei dem Song Fool macht er sich wieder mit seinen jämmerlichen Versuchen zum absoluten Klassenclown.

Ihr fragt euch sicher, ob ich hier jetzt nur noch über den Sänger lästere. Nein nein nein, ganz und gar nicht. Und dabei hilft mir Track 06 Emotional Graveyard: Scars of Solitude wollen thematisch bei Liebe, Depressionen und Emotionen sein. Und das in etwa so gut, wie die ersten literarischen Gehversuche eines Teenager, der gerade aus der ersten großen Liebschaft heraus geschlittert ist. Wollen mal sagen, dass ist jetzt textlich nicht unbedingt so gut gelungen. Und hatte ich nicht eben gesagt, ich wolle mich nicht mehr über den Sänger aufregen? Track 07 Dead Love Resurrection. Der Sänger der Scars geht mir pro Song mehr auf die Nerven! Nimm Gesangsunterricht du Knallpfeife! Deine Bandgenossen schämen sich schon für dich! Hat Gründe, weshalb ich einfach nur bei Track 08 The End of me wollte, dass es wahlweise einfach mit mir vorbei ist, oder das der Sänger endlich die Klappe hält und ich die sehr schöne Musik genießen kann.

Mit Scars of Solitude ist es ein bisschen wie bei einer Projektarbeit in der Schule: Die guten Schüler (alle außer dem Sänger) ziehen die schlechten Schüler (der Sänger) irgendwie mit. Deformation ist ein schönes melodisches Metal-Album, welches gekonnt Herzschmerz-Stimmung transportieren kann. Deformation ist aber auch ein nervig-beschissenes Album, mit seinem absolut schlechten Sänger und seinen Möchtegern-Shining/Live Lover/Dezember Noir-Texten. Wäre das nicht da, dann wäre das hier glatt eine Album-Empfehlung. So ist ein schönes, altmodisches "Naja" auf der Albenskala. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierab... halt ich hab ja Urlaub!

Tracklist:

01. I remain here
02. Drown
03. Enemy
04. Live to regret
05. Fool
06. Emotional Graveyard
07. Dead Love Resurrection
08. The End of me

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