Review

SANTA CRUZ - Santa Cruz24.03.2016

SANTA CRUZ - Santa Cruz

SANTA CRUZ - Santa Cruz

verfasst von Karla the Fox

Dieser Moment, wenn eine Band ihr erst zweites Album nach sich selbst benennt und du darüber nachdenkst, ob das Sinn macht oder nicht. Ist so ein "selftitled" Album nicht etwas, das man macht, wenn man sich gefunden hat und seit Jahren in sich und seinem Stil ruht? Oder ist es doch etwas, womit man sich der Welt zeigt und sagen kann: "Hey, schaut mal alle, das bin ich"? Kein eigener Name und dann auch noch so kryptisch, mit Symbolen auf dem Cover, die die Bandjungs zwar alle irgendwo tätowiert haben, die für sich aber auch nicht aussagekräftig sind. Muss man die Band also schon genaustens kennen, um mit diesem Album was anfangen zu können?

Fragen über Fragen, die alle locker über Bord geworfen werden können. Ist nämlich alles scheißegal. Wenn's fetzt, dann fetzt's und eins kann man Santa Cruz schon mal sagen: schämen brauchen sie sich nicht dafür, dass sie sich mit diesem Album selbst so identifizieren. Sie haben eindeutig eine Schippe oben drauf gelegt. Ich hab sie kennen gelernt als kleine Jungs, die gerne Rockstars wären und wie Kletteräffchen auf die Bühnenelemente hoch krabbeln und durchs Publikum laufen und wer filmt, dem wird die Zunge rausgestreckt und vor die Füße gefallen. Spielkinder, mit einem Sänger, der gerne rumquietscht und die zeigen wollen, wie toll sie ihre Instrumente halten können. Gerockt haben sie da schon. Doch jetzt sind Archie, Johnny, Middy und Tazzy erwachsen geworden. 

Sie fahren alles auf, was irgendwie kann, im Rockstargeschäft, machen im Internet, auf der Bühne und am Merch alles richtig und können so die Herzen vieler neuer Fans gewinnen. Das zweite Album nach dem Debut "Screaming for Adrenaline" haut rein. Es ist lauter, schneller, technisch besser ausgereift und einprägsamer als der Vorgänger. Archie hat seinen Gesang ausgefeilt aber nicht glatt poliert (wäre eine Todsünde in dem Genre) und nun liefern sie etwas ab, das sich mehr denn je an Skid Row und Guns'N'Roses orientiert.

Man nehme als Beispiel "We Are The Ones To Fall". Der Song liefert alles, was man sich für ein Sleaze Metal Konzert wünscht. Der Chorus ist so schnell zu lernen, dass man das Lied vorher gar nicht kennen musste, um mitsingen zu können. Es versprüht Laune und hat dann diese eine Stelle, die man sich gegenseitig mit verzerrtem Gesicht entgegenrotzen kann. Dann kommt "Waisted and Wounded", das als Single und mit Video ausgekoppelt wurde. Ein schöne Synthese aus richtig harten Parts und besänftigenden Herzschmelzstellen - im direkten Übergang.

Makel an "Santa Cruz": Zu viele Nummern, die mit langsamerem und leiserem und sowieso anders gemachtem Einstieg beginnen statt mit einem powervollem Riff. Und keine grandiose Ballade. Es gibt eine, sie heißt "Can You Feel The Rain". Konnte mich aber nicht vollends überzeugen. Regengeräusche von der Stange, dauert zu lange, bis sie in Fahrt kommt, und dann wieder dieses "Wooah woooah", was eigentlich besser zu laut und lustig passt als zu gefühlvoll. So ganz kann sich dieser Song auch nicht entscheiden, was er sein will.

Die meisten Tracks hauen jedoch richtig rein (der Opener "Bonafide Heroes" zeigt, wie viel Vollgas die Jungs geben können) und ich freu mich schon auf das Konzert, wo hoffentlich viele neue Stücke gespielt werden.


[Explicit / Parental Advisory]

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