Review

Rome In Monochrome - Away From Light01.04.2018

Rome In Monochrome - Away From Light

Rome In Monochrome - Away From Light

verfasst von Henry E.-S.

Ein Anfang. Ein Intro. Ein Eingang. Nicht nur Journalisten, sondern auch eigentlich alle Anderen der schreibenden Zunft wissen es: Hol den Leser mit dem Anfang, mit den ersten Sätzen direkt ab. Wenn das nicht funktioniert, wird es hinten raus schwierig. Der Introtrack von Away From Light, der neuen Scheibe von Rome In Monochrome, schafft dies. Er zeigt, wo die Reise hingeht. Trotzdem ist Away From Light nach hinten raus schwierig.

Die Platte bewegt sich auf wunderschönem, aber leider sehr dünnem Eis. Das Eis hält, aber nur wenn man sich langsam und behutsam vorwagt. Wenn man nicht der geduldige Typ ist, dann wird das Eis sehr schnell brechen. Denn Rome In Monochrome gehören zu der Riege der absoluten Ambient-Schwergewichte. Trotz dessen oder gerade weil Rome In Monochrome auf gekonnte Art Doom mit Post-Rock und schwermütiger Melancholie verknüpfen. Ich liebe dieses Atmo-Zeug. Aber ich ernte auch regelmäßig schiefe Blicke ob meiner Liebe zu Atmospheric Black Metal wie Eldamar und  Darkspace. Aber gehen wir mal tiefer auf die Musik ein.

Die Tracks 2 "A Solitary King" und 3 "Paranoia Pitch Black" sind zweifelsfrei die stärksten Tracks von Away From Light. Und zwar aus einem ganz bestimmten Problem heraus. Wenn wir mal ganz fies sind, können wir frech behaupten, Rome In Monochrome wären der schwermütige Cousin von Katatonia. Was aber nur die halbe Wahrheit ist. Jeder Song auf Away From Light ist ähnlich, bzw. fast gleich aufgebaut: Mindestens 3 verschiedene Gitarrenspuren bilden zusammen mit einer absolut unbarmherzig wummernden Doom-Gitarre und dem Bass einen kontinuierlichen Melodie/Ton/Atmo-Strang, der den eigentlich "Song" bildet. Aus dieser Hauptstruktur brechen die Gitarren gezielt regelmäßig aus, um sich eine eigene Begleitung zu schaffen, bzw. das eigentliche Ziel von Rome On Monochrome zu verstärken: Atmosphäre. Rome In Monochrome schreiben keine Songs im klassischen Sinne. Sie erschaffen Ambient-Granaten, die mit Song-Tarnfarbe angemalt sind. Und diese gezielte Atmosphäre tritt sofort beim Play-Drücken ein. Der fast komplett klar gehaltene Gesang, die backenden Growling-Passagen, sowie das sehr präzise Schlagzeug erwecken ebenfalls kurz den Anschein von klassischem Song-Design, bis sie sich nahtlos in das Gesamtkonzept einfügen. Alles in allem ist Away From Light eine absolute künstlerische Plutonium-Bombe.

Aber noch habe ich nicht über das Damokles-Schwert gesprochen, welches drohend über dem Kopf eines jeden unbedarften Hörers hängt. Dieses ist wohl am besten in Track 5 "December Remembrances" erkennbar. Ich habe lange überlegt, wie ich euch das schönste und gleichzeitig tödlichste in Rome On Monochrome's Kunst (den ja, das ist Kunst) am besten beschreiben kann. Ich hab mir sogar eine zweite Meinung einholen müssen. Fangen wir mit dem ersten Beschreibungsversuch an: Vor ein paar Jahren konnte man in Berlin und Europa eine totale Sonnenfinsternis mit erleben. Erinnert ihr euch noch an dieses ganz spezielle Licht, was einen unweigerlich an eine sehr komischen Sonnenuntergang erinnert? Diese Atmosphäre die entsteht, die trieft auch aus Away From Light: Das Zwielicht. Dies wird auch noch dadurch verstärkt, dass die Gitarren auch gerne mal Disharmonien mit einarbeiten. Leise genug um nicht Überhand zu nehmen, laut genug um Unbehagen auszulösen. Und dieses musikalische Ambient-Zwielicht möchte ich noch einmal anders mit den Worten von einem Freund ausdrücken, den ich gebeten hatte mal rein zuhören und mir zu sagen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Er beschrieb den zentralen, wirkungsmächtigsten Punkt von Away From Light so: Der Hörer hängt bei der Musik von Rome In Monochrome in der Schwebe. Die Songs sind überhaupt nicht klassisch, sie verneinen Bewegung. Der Hörer befindet sich in der gleichen Position, wie der Zuschauer bei einem guten Psycho-Horror-Film: 99 Prozent der Zeit passiert gar nichts. Trotz dessen ist der Zuschauer extrem angespannt und macht sich durch die erzeugte Atmosphäre selbst fertig. Wenn dann mal was passiert, dann ist das ein absolutes Gefühl der Erlösung. Nun stellt euch mal vor, dieser Moment würde nicht kommen. Ihr seid für immer in dieser Anspannung gefangen: Das ist es, was Rome In Monochrome zur Perfektion treibt.

Ich LIEBE solche Ambient-Musik. ABER! ACHTUNG! Ich muss hier eine WARNUNG aussprechen. Ich selbst bin wegen irrationaler Angstzustände in Therapie. Durch diese Krankheit hatte ich auch schon viele Depressionsphasen durchlitten. Deshalb lieber Leser: Wenn DU von dir weißt, dass du zu Depressiven Zuständen, Depressionen oder Verzweiflung neigst, dann hört dir Away From Light NICHT ALLEINE an. Diese beschriebene Atmosphäre-Kunst von Rome In Monochrome ist in gewisser Weise noch düsterer als die von Größen wie Shinning, Live Lover, Woods of Desolation oder Woods of Ypres. Weil sie die Emotionen nicht offensichtlich transportiert, sondern im Hörer weckt. Eben durch dieses musikalische Zwielicht.

Ich kann Away From Light wie gesagt nur mit dem genannten Warnhinweis empfehlen. Weil ich ehrlich Angst habe, dass sich Jemand nach dem mehrfachen Anhören etwas antut. Away From Light ist ein düsteres, perfektes Stück Klang aus kaltem schwarzen Obsidian. Hört es, wenn ihr wollt. Hört es, wenn ihr könnt. Hört es, wenn ihr dazu bereit seid. Aber ihr seid gewarnt. Gewarnt vor den düsteren, schwarzen Abgründen eures eigenen Unterbewusstseins. Away From Light wird die nämlich wieder nach oben hohlen. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mich erstmal mit ein paar Freunden treffen. Ich kann grade nicht alleine sein.

Tracklist:
01. Ghost Of Us
02. A Solitary King
03. Paranoia Pitch Black
04. Uterus Atlantis
05. December Remebrances
06. Until My Eyes Go Blind
07. Between The Dark And Shadows
08. Only The Cold

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