Review

RISE OF AVERNUS - Eigengrau02.01.2018

RISE OF AVERNUS - Eigengrau

RISE OF AVERNUS - Eigengrau

verfasst von Henry E.-S.

Irgendwoher müssen sie kommen. Ein großes Loch im Himmel muss sie im Sekunden-Takt auskotzen. Oder sie sind der kleine Bruder der Übersetzungsfehler, die da heißen, dass einfach keine Sau mal auf die Idee kommt, deutsche Soldaten in amerikanischen Kriegsfilmen mal neu einzusprechen. So sprechen Deutsch-Muttersprachler nicht. Zumeist ist das dann der Out-of-Kontext-Krankheit geschuldet. Eine ganze Menge Wörter sind aus dem Kontext gerissen und noch dazu in einer Fremdsprache etwas, naja, deplatziert. Anders kann ich mir den Titel der neuen Langspielplatte Eigengrau von Rise of Avernus nicht erklären. Oder der Google-Übersetzer hat wieder zu geschlagen. Was? Das ist ein feststehender Begriff? Echt? Warte mal. Was sagt denn Wikipedia? "Eigengrau, auch Eigenlicht (die deutschen Bezeichnungen sind auch im englischen Sprachraum üblich) oder Eigenrauschen, ist die Farbe, die man in völliger Dunkelheit sieht." Aha. Wieder was gelernt (hab ich sogar mal erlebt in einer Dunkelkammer. Ist echt interessant). Und jetzt hören wir mal auf abzulenken und kommen mal straight zur Platte.

Taugt das Ding was oder taugts soviel wie Spiderman 6? Oh doch, der Avernus der taugt was. Und warum taugt der Avernus was? Guckt euch mal bitte den Namen der Band an. Erinnert euch irgendwie an was? An eine bestimmte Epoche der Geschichte, die im Latein-Unterricht rauf und runter durchs Dorf getrieben wird?

Bingo! Meine Damen und Herren, hiermit präsentiere ich euch: Rise of Avernus, den Bruder von Ex Deo! Also ab mit den Füßen in die Sandalen, das Gladius gegriffen und ab aufs Orchestrale Todesstahl-Schlachtfeld! Und direkt Track I Terminus wälzt sich wie die anstürmenden Horden Varus in die Oberliga des symphonisch angehauchten Death Metals. Hier wird auch gleich ein, wenn nicht DER Unique Selling Point von Rise of Avernus deutlich: Die Art wie das Orchester eingesetzt wird. Ein Orchester besteht ja immer aus vielen Instrumenten. Und jedes diesr Instrumente kriegt seine Phasen in den Songs. Oder anders ausgedrückt: Das Orchester ist auf Eigengrau ein vollwertiges Mitglied der ganzen Band. Da begleiten auch schon mal das Schlagzeug und die Guitarre ein Streicherquartett und nicht umgekehrt. Und das ist selbst für Klassische-Musik-Muffel einfach nur toll.

Endlich wird mal ein Orchester wirklich in seiner Ganzheit anerkannt und verwendet. Ich hatte ja schon bekannt gegeben, dass wir hier Ex Deos Bruder gefunden haben. Diejenigen, die da noch dran zweifeln: Bitte schön, Track 2 Ad Infitium. Eigentlich muss ich hier nicht großartig weiter schreiben. Diese Musikantengruppe aus Sydney machen echt alles richtig. Der Death Metal wälzt sich melodiös majestätisch dahin und Gesang und Growling variieren ohne sich zu wiederholen. Und auch an der Soundqualität lässt sich nicht meckern. Track 3 Gehenna zeigt nicht nur das, sondern auch beispielhaft die markante Orchesterbegleitung: Schon mal eine Metal Band mit Orchester gehört, die sich die Zeit nimmt, dem Geigenquartett des Orchester die Zeit zu geben eine Passage nur gezupft zu spielen? Also dieses "Pling Pling" Geräusch? Na? Habt ihr nicht.

Rise of Avernus hats. Mitten im Album hab ich echt angefangen, wie ein Dirigent mit einem imaginären Taktstock in der Luft herum zu fuchteln. Es ist halt einfach geil. Knackpunkt an der Ganzen Sache: Kann man aus dem Schatten von Ex Deo heraus treten? Und ja, diese Frage ist hier leider sehr berechtigt. Rise of Avernus will nicht Ex Deo nachäffen. Sie wollen ihre eigene Musikalische Kerbe schlagen. Nur hört sich diese irgendwie dann doch an wie Ex Deo. Zwar im sehr sehr positiven und individualistischen Sinne, aber immer wie Ex Deo. Und in diesem Falle, bitte alle mal mitschreiben, ist das Super! Weil es trotz allem nicht nach Ex Deo klingt sondern irgendwie dann doch nach Rise of Avernus. Und ich freu mich wie ein Kind an Weihnachten auf die nächste Scheibe! In diesem Sinne: 9 von 10 Römische Legionäre und zwei Gallier für Eigengrau. Und auf der nächsten Platte haut dann Rise of Avernus komplett in Ihre Kerbe rein. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend. Und einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu viel drinne.

Tracklist:
1. Terminus
2. Ad Infinitum
3. Gehenna
4. Eigenlich
5. Tempest
6. Forged in Eidolon
7. Mimicry
8. Into Aetherium

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