Review

Quintessente - Songs From Celestial Spheres30.07.2018

Quintessente - Songs From Celestial Spheres

Quintessente - Songs From Celestial Spheres

verfasst von Henry E.-S.

Man hätte schon ahnen können, dass das jetzt etwas kompliziert wird. Das hätte man echt ahnen können, als in der Veröffentlichungsliste neben dem ersten Full-Length-Album von Quintessente ''Avant-Garde Metal'' stand. (Und auch deswegen, weil ich am Anfang ständig ''Quintessenz'' geschrieben hab). Aber na gut, wähle einen Namen, an den man sich erinnert - dieses Ziel hat die Band aus Rio de Janeiro schon mal geschafft. Das erste Stück des Albums können wir hier gleich abhaken: Avant-Garde Metal. Avant-Garde meint immer etwas (frei zusammen gefasst), was so noch nicht gemacht wurde. Eine neue Kombination wenn man so will.

Im Metal-Bereich wären einige Beispiele Celtic Frost, Animals as Leaders oder Cynic. Diese Bands haben in ihrer Zeit etwas Neues gemacht, was Ihrer Zeit wirklich voraus war. Neue Melodie-Konstrukte, neue Ideen und Sound-Konzepte. Deswegen ist es auch etwas schwerer bis ganz schön schwer, eine neue Band als Avant-Garde zu bezeichnen. Das schafft man dann meistens erst im Rückblick (Lovecraft wurde auch Postum erst berühmt. Zu seinen Lebzeiten kannte ihn - überspitzt gesagt - kaum eine Sau). So viel: Quintessente ist keine Avant-Garde. Und ''Songs From Celestial Spheres'' ist ein gutes Album, aber keine Avant-Garde.

Wenn man es ganz böse runter bricht, haben wir hier eigentlich einen Grundstock aus Melodic Death Metal der finnischen Schule. Einen Grundstock wohl gemerkt. Denn dieser umfasst nur so ca. 20 % und ist mit Power Metal gewürzt - was auch die Ballade erklärt, sowie die Tendenz mancher Songs, anzumuten, als wären sie auf dem immer gleichen, stampfenden Grundriff aufgebaut. Was nun die weiteren 80 % ausmacht, ist Prog. Ne' ganz schöne Dröhnung Prog, die regelmäßig Ausflüge in den deutschen Power Metal unternimmt. Und ja, das heißt auch den Einsatz von klassischen Instrumenten, klassischem Geriffe und einem Keyboard. Und dieses Keyboard geht einem echt teilweise auf der ersten Alben-Hälfte etwas auf die Nerven. Danach kommen auch mal Computer-eske Soundeffekt mit rein, welche das Ganze interessanter machen.

So geht Track 08 ''Unleash Them'' von jetzt auf gleich plötzlich ab 03:12 Min. für eine kurze Weile in einen Future Pop/Darkwave über, um dann mit einem Metal-hämmern und einer Stimme zu enden, die wie aus dem Gothic Bereich klingt. Und dieses Gothicappel muss man in dieser Mischung auch noch beachten. Wir haben also Melodic Death Metal (finnische Schule), Power Metal, Progressive Metal und Gothicanleihen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Gesang wieder. Wenn ich das nicht besser wüsste, könnte man meinen, Quintessente hat 5 Sänger: 1. Klarer Frauengesang, 2. Death Metal Growling, 3. Death Metal Screaming, 4. So halb Growling der Gothic-Marke (denkt einfach an den Sänger von Crematory, wenn er clean singen würde) und 5. Klaren Männergesang.

Funktioniert das? Ja. Ist ''Songs From Celestial Spheres'' eine gute Platte? Aber unbedingt! Wir der ewig maulende, sarkastische Henry sie sich wieder anhören? Nein. Shit that's not for me. Ich respektiere Quintessente, weil sie einfach gut sind, eine schöne Mischung präsentieren, melancholische Lyrics haben und die letzten beiden Tracks Anmutungen von Woods of Ypres einflechten (vor allem der Sänger). Aber ich werde einfach nicht so recht warm damit. Für den Rest von euch gilt: Es ist ein sehr gutes Einstandsalbum, welches definitiv einen Blick lohnt. Und jetzt entschuldigt mich, es ist so was von arsch warm.

Tracklist:

01. The Belief Of The Mind Slaves
02. Delirium
03. A Sort Of Reverie
04. My Last Oath
05. Essente
06. Eyes Of Forgiveness
07. L'Eternità Offerto
08. Unleash Them
09. Reflections Of Reason
10. Matronae Gaia (Chapter II)

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