Review

PUREST OF PAIN - Solipsis05.03.2018

PUREST OF PAIN - Solipsis

PUREST OF PAIN - Solipsis

verfasst von Henry E.-S.

Ich versuche ja keine Erwartungen zu haben. Filme, Craftbier, Musikalben: Wenn es für mich neu ist, versuch ich möglichst wertfrei an Dinge ran zu gehen. Klar, Beeinflussung und Vorwissen ist regelmäßig doch schon da. Kann man halt nichts machen, außer versuchen das auszublenden. Wenn dann etwas am Ende doof ist, kann man die Vorbeeinflussung gleich wieder raus hohlen und befriedigt zu sich selbst sagen "Ich habs doch gewusst". Und wenn eine Band Purest of Pain heißt und das ins Deutsche übersetzt auch nicht besser wird: Tja, da konnte ich nicht anders, als direkt bei mir zu denken, dass das Ganze heutige Review-Rodeo für mich schon mal scheiße angefangen hat.

Und wie bei einer dieser Gameshows aus den 90ern frag ich doch mal: Wenn Purest of Pains neue Platte Solipsis nicht ganz gewinnt, gibt´s dann zumindest einen Trostpreis? Oder eine Teilnehmerurkunde? Nein. Für so was gibt´s noch nicht mal den Zonk. Und warum ist das Ding so brauchbar wie entkoffeinierter Kaffee?

Ich weiß noch nicht mal, wo ich bei diesem Trauerspiel anfangen soll! Solipsis wirkt wie "Thomas erstes Metal-Album" von Fischer-Price. Bass, Gitarre und Schlagzeug spielen alle wie am Ende des ersten Jahres in der Musikschule. Wollen da ein Haufen junger Stifte mit kaum 3 Haaren am Sack Mädels beeindrucken, oder was? Okay, zugegeben: Es sind wahrscheinlich ein Haufen von jungen Stiften, deren Eltern neureiche Arschlöcher sind, die Ihren Kindern alles in den Arsch blasen. Die Produktion ist nämlich gut gelungen.

Und was fällt dadurch um so stärker auf? Die Songs sind fast alle komplett gleich! Man hat bei Track 4 und Track 8 mal einen ganz netten Anfang, der aber direkt in die Enttäuschung des restlichen Songs mündet. Hatte ich erwähnt, dass Purest of Pain wahrscheinlich Mädels beeindrucken wollen? Und welche Band haben die wohl die ganze Zeit gehört, bevor sie sich zur Produktion dieses Witzes in Plattenform gemacht habe? Asking Alexandria. Von allen Metalcore-Bands (und ich bin einer der Wenigen, der sogar ein paar sehr gute empfehlen kann, wie Narziss und Callejon) mussten sie ausgerechnet Asking Alexandria fast schon kopieren. Und das noch nicht mal gut. Und das Bescheuertste daran: Es gibt da den Musik-Youtuber Jared Dines, der immer wieder gerne den Witz gemacht hat, dass jeder Asking Alexandria-Song exakt gleich ist.

Was kommt nun dabei raus, wenn eine Band auf beschissene, immer gleiche Weise eine Band kopiert, die selbst konsequent das Gleiche spielt? Also soviel sei gesagt: Auch auf Kalle Rock ergeben Minus und Minus nicht Plus. Scheiße plus Scheiße ist Scheiße. Aber etwas hat mich dann doch dazu gebracht, mich durch diese Vergewaltigung des guten Geschmacks bis zum Ende durch zu quälen? Und nein, ich bin kein Masochist. Das gibt´s andere Mittel und Wege. Nein: Was mich bei der Stange gehalten hat, war der Sänger. Für den sieht die Zukunft um einiges besser aus. Also wenn er sofort diese Band verlässt. Dieser Herr verfügt über die geile Fähigkeit, welche ich persönlich sehr schätze, dass man sein Growling verstehen kann. Und dazu wechselt er in regelmäßigen Abständen die Tonlage eben jenes Growlings, oder streut Spoken Word-Elemente hinein. Auch die Wortwahl spielt hier mit hinein: Die Texte sind (unbewusst) so angelegt, dass sie vom Sänger sehr hart ausgesprochen werden, ohne das es nach Pseudo-deutschem Akzent klingt.

Dem liegt etwas sehr Brachiales inne und hält etwas bei der Stange. Außerdem hat der Sänger einen tierischen Spaß daran, diese "wwOAAooo-Gesangspassagen" vom Sänge von Children of Bodom nachzuahmen. Das macht Spaß beim zhören. Allerdings nervt auch das irgendwann, weil auch der Gesang durch den Rest einfach schlecht wird. Man möchte dem Sänger eine Sache raten: Hör sofort auf bei Purest of Pain Mitglied zu sein! Du schießt dir nur selbst ins Bein. Solipsis ist eine der schlechtesten Platten, die ich bis jetzt gehört hab. Das einzige was geht ist der Sänger. Der Rest ist eine Beleidigung. Bloß Finger weg von diesem Machwerk! Wenn ihr was Gutes hören wollt, dann hört jetzt auf zu lesen und holt mal Trauma von Harakiri for the Sky und Grey Skies & Electric Light von Woods of Ypres nach. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss dringed eine Rauchen, ein Bier exen und versuchen diesen Müll von einem Album aus meinem Kopf zu bekommen.

Tracklist:

01. The pragmatic
02. Thuth-seeker
03. Vessels
04. Crown of worms
05. Momentum
06. The sleep of reason
07. Tidebreaker
08. Trial _ Error
09. Terra nil
10. Noctambulist
11. E.M.D.R.
12. Phantom limb
13. The solipsist
14. The end

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1247