Review

PSYCHOPUNCH - Sweet Baby Octane17.10.2015

PSYCHOPUNCH - Sweet Baby Octane

PSYCHOPUNCH - Sweet Baby Octane

verfasst von Karla the Fox

Psychopunch, das sind die Jungs, die auf jedes ihrer Alben und manchmal auch Single Covers das comichafte, stereotype Bild einer Frau gesetzt haben, zusammen mit Autos, Motorrädern oder anderen, mit ähnlich viel Testosteron getränkten, Gegenständen. Damit gewinnen sie ganz sicher keinen Preis der weltweiten Emanzipationsbewegungen. Im Intro spricht gleich eine zwischen sexy und roboterhaft liegenden Damenstimme davon, was für 'Bombshells' die Ladys in der Welt von Psychopunch doch sind. Da wird also nicht lang gefackelt und philosophiert, da geht's voll auf die Zwölf und danach am besten direkt ins Bett.

Der erste reguläre Track heißt "I've Been Around" und liefert uns einen satten Ohrwurm in dreckiger Punk'n'Roll-Manier. Es geht wohl irgendwie darum, wie abgeklärt die obercoolen Musiker sind. Im folgenden "On A Night Like This" ist man nicht weniger direkt. "Spin that bottle round and round agäääin" krächzt Sänger JM in sein Mikro. Er will mit seinen Jungs rausgehen, einen draufmachen, vielleicht einen Kuss abstauben. Die wilde Party wird von geklatschten mitreißenden Rhythmen begleitet und ich glaube auch, in der rechten Situation singt die ganze Mannschaft bei dem sich wiederholenden Text mit. "Oh yeah, oh yeah!" Die dritte Nummer heißt "Forever And A Day". Das Video dazu ist klasse, da kann man mal hinter die (leicht veralberten und romantisierten) Kulissen einer Musikproduktion spähen und dabei zusehen wie Gastsängerin Clare von Stitch die Jungs unterstützt. Das Lied macht die ganze Truppe um einiges jünger, kommt sie doch vor allem bei Clares Teil wie hingerotzter Teenagerrock rüber. Ihre Stimme ist cool aber nicht sauber oder was man im klassischen Sinne als 'schön' bezeichnen würde, was für sie spricht ist ihre Ausstrahlung. Der Song mündet später in ein schnelles, gut gelauntes Gitarrensolo von Bandneuzugang Magnus. Ebenfalls neu ist Bassist Walle. JM meint, er sei hoch erfreut über die Arbeit mit den beiden, da sie mehr eigene Ideen einbringen als ihre Vorgänger.
"Turn Up The Radio" wird von der gleichen Stimme eingeleitet, die das Intro spricht, schwächelt als eigener Song aber merklich. Da kommt die negative Seite von Psychopunch zum Vorschein, der Teil, der zu sehr an die stümperhafte Fraktion deutscher Saufgelagebands erinnert. Gut also, dass es bei "When You're Out Of Town" und "Drinking Alone" etwas nachdenklicher zugeht, zum Teil mit Ausflüchten in den Charme amerikanischer Countrymusik. Besonders "Drinking Alone" kommt sehr modern daher, womit es sich von den sonst 70er-betonten Tönen unterscheidet. Hier und an vielen anderen Stellen sind dezente Hintergrundgesänge ein schönes Extra. Geschwindigkeit und Beat ziehen für "So High" wieder an. Den bekannten 8tel Gitarren- und Bassgrundrhythmus haben diese Jungs wirklich drauf.

In so abwechslungsreicher Folge geht es weiter bis zum Outro. Obwohl es 'nur' 13 vollständige Songs sind, ist das Album sehr lang und mit der Zeit verfliegt die Aufmerksamkeit zugunsten der Over all-Stimmung von Rockpartys draußen bei Nacht. Im Outro wünscht die Stimme allen "Women and Vixens" (nein, fühle mich nicht angesprochen..) eine guten Heimweg, auf dass man die Fahrt genossen habe und zurück kommen möge. Gut, das ist wirklich sehr 70s/80s, als die (digitale) Technik, Maschinen, immer schnellere Autos und Freigeist sich etabliert haben. Als Fazit ist Sweet Baby Octane eine gelungene Hommage an ein sorgenfreies (oder sorgenverdrängedes) Lebensgefühl des harten Rocks, sowohl auf dem Land als in der Stadt.

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