Review

OST+FRONT - Ultra07.01.2016

OST+FRONT - Ultra

OST+FRONT - Ultra

verfasst von Daniel S.

Mit hohen Erwartungen darf das dritte Studioalbum von Ost+Front durchaus in den CD-Spieler gelegt werden, wenn man Ave Maria und Olympia schon ins Herz geschlossen hat. Aber dabei sollte eine Kleinigkeit wirklich bedacht werden, wenn man Ultra lieben möchte: Dreht die Boxen auf! Besser noch sollte man sie in Gesellschaft genießen. In diesem Fall stellt aber alles, was zu Bruch gehen könnte, zur Seite. Alle Vorbereitungen getroffen?  

Die Platte beginnt mit der bereits veröffentlichten Single-Auskopplung "Sternenkinder". Schon an dieser Stelle bekommt man einen Eindruck von der musikalischen Weiterentwicklung Ost+Fronts: Es gibt keine. Und doch ist alles anders. Geblieben sind die melodischen Parts, in denen sich die gut ausgelotete Boshaftigkeit der Lieder ganz subtil versteckt. Wie schon früher ist der Refrain meist derbe (derb) und brachial gehalten. Gänzlich anders stellt sich aber die musikalische Fülle der Lieder dar: Während die alten Alben auch mal leiser vor sich hinspielen konnten und dennoch vollständig waren, braucht es jetzt auch den Druck auf der Anlage, damit sich die hymnenartige Vielfalt entfalten kann.

Der wohl größte Kracher auf Platte befindet sich an zweiter Stelle auf der CD. Mit Bruderherz haben Ost+Front ein Werk aufgenommen, dass wohl noch über die Tour zum Album hinaus auf der Setlist zu finden sein wird. Nach dem erstmaligen Durchhören ist unverkennbar, dass dieses Stück für die Konzertbühne geschrieben wurde. Einziges Manko: Es braucht wohl einiges an Übung, bis sich die eigene Stimme beim Mitsingen des Refrains nicht überschlägt.

Auch bei den darauf folgenden Stücken kommt beim Hören gute Laune auf. Wer jedoch noch Kapazitäten seines Gehirns auf die Songtexte fokussieren kann, dürfte schnell in den Genuss kommen, sich zu fragen, ob Patrick Lange alias Hermann Ostfront gerade wirklich das gesungen hat, was man glaubt, verstanden zu haben: Ja, Ost+Front brauchen sich bei den Lyrics nicht mehr hinter Größen wie Lindemann und Co. zu verstecken. Geradezu grazil tanzt die Band auf Messers Schneide zwischen akzeptablem Geschmack und dem Abgleiten ins Perverse, wenn es zum Beispiel in "Krüppel" heißt: "Du bist ein ganz besonderes Kind; Wenn die anderen in der Schule sind; Darfst du noch länger liegen bleiben; Und alle werden es dir neiden.", weil der Bruder das Schwesterherz geschwängert hat. Etwas träge, und da hilft auch keine Lautstärke, kommt "Suizid" daher. Für sich betrachtet ein guter Song, aber durch das geringe Tempo fällt er in der sonst vorwärtstreibenden, brachialen Musik der Scheibe Ultra doch auf. Irgendwann offenbart sich dann auch eine Art /ein gewisser roter Faden, der sich lose durch das Album schlängelt und den 19 Liedern (CD 1 und CD 2) mit einer Spielzeit von etwa 60 Minuten einen konzeptionellen Ansatz verleiht.

Wer beim Sex übrigens auf harte Klänge steht, sollte bei Gelegenheit mit dem Partner/der Partnerin mal in "Fick Dich" reinhören. Stehvermögen von 3:54 Minuten sind da nur für diesen Song Minimalvoraussetzung, wenn Ihr nicht eh eine extra Playlist angelegt habt.

Die Standard-Version der Platte umfasst insgesamt 13 geniale Musikstücke, aber es empfiehlt sich schon alleine für "Triebwerk" und sehr wahrscheinlich auch "Bitte Schlag Mich", das von Stimmgewalt (lag der Promo nicht bei) gecovert wurde, drei Euro tiefer (unverb. Preisempfehlung von outoflineshop.de) in die Tasche zu greifen. Für 49,99 ? gibt es auch eine Limited Edition mit Patch, Schal und 13 Ost+Front Stücken, die - unter anderen - von Hocico und Solar Fake interpretiert wurden, in einer handsignierten Box.

Nach anfänglicher Skepsis, der Laptop war einfach zu leise, lief das Album im Büro inzwischen lautstark unzählige Male rauf und runter und ich bin der Stücke noch immer nicht überdrüssig. Eher dränge ich darauf, das Album auch Live erleben zu dürfen.  

 

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