Review

Nytt Land - Odal24.03.2018

Nytt Land - Odal

Nytt Land - Odal

verfasst von Louisa

Fünf Alben, einen Gastauftritt auf "Khram" von Arkona und einen Eintrag in die Reviewliste hat es gebraucht, um Nytt Land endlich auf mein Radar zu bringen. Schon der Promotext liest sich wie ein Gedicht - die Band hat die meisten Instrumente selbstgebaut, alle Texte sind auf altnordisch verfasst, die Melodien sind inspiriert von der rauen Natur Sibiriens und der Edda und beide Sänger benutzen unter anderem Kehlkopfgesang. Viel atmosphärischer kann ein Album nicht werden.

Nytt Land haben definitiv nicht zu viel versprochen, schon die ersten Sekunden des Albums sind so intensiv, dass alles andere in den Hintergrund tritt. Der Kehlkopfgesang harmoniert mit den eindringlichen Trommelrhythmen, immer wieder durchbrechen geflüsterte oder gesungene Worte von Natalia Pakhalenko die dichten Melodien. Das Verhältnis von Gesang zu Instrumenten ist perfekt, umso beeindruckender, dass die Band das komplette Album in ihrem eigenen Studio aufgenommen und abgemischt hat.

Die Sibirier verstehen es, ganze Klangkulissen einzubauen und mit Gesang und Instrumental so zu verflechten, dass sie natürlich in den Lieder aufgehen. So beginnt "Midsommar" mit Wind- und Wellengeräuschen, die sich durch den ganzen Track ziehen, und bei "Norđur / Yule Song" klingt es, als würde jemand durch tiefen, winterlichen Schnee stapfen. Der Kehlkopfgesang verleiht dem Album eine dunkle, mystische Note, durch die es der selbst verliehenen Genrebezeichnung Dark Shamanic mehr als gerecht wird.

Immer wieder erinnern Natalias durchdringender Gesang, die intensiven Instrumentalphasen und der Einsatz von Chören an Wardruna, Verwechslungsgefahr besteht aber absolut nicht. Nytt Land haben durch die dichten Klanggebilde und den Kehlkopfgesang ihren ganz eigenen Stil. Jeder Song ist liebevoll arrangiert und stellt ein anderes Element in den Vordergrund. Auf "Sigrdrífumál / The Ballad of the Victory-Bringer" singt Natalia nach einem kurzen Intro ganz alleine die Ballade des Siegbringers und entlässt den Hörer damit sanft, aber nicht minder intensiv aus den düsteren, kalten Weiten Sibiriens.

Odal ist eines dieser ganz seltenen Alben, die es schaffen, innerhalb von Sekunden zu berühren und zu fesseln und diese Intensität über die komplette Spieldauer aufrecht erhalten. Man sollte sich für das Album auf jeden Fall Zeit nehmen und es im Ganzen genießen, um alle Details mitzubekommen, aber auch um es nur auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause zu hören, gibt es von mir eine ganz dicke Empfehlung. Das Album der Sibirier ist das außergewöhnlichste, das ich seit langem gehört habe.

Tracklist:
01. Darrađarljóđ / The Song of the Valkyries
02. Ragnarök
03. Midsommar
04. Hávamál
05. Norđur / Yule Song
06. Tagelharpa Song
07. Deyr Fé / The Heritage
08. Völuspá
09. Sigrdrífumál / The Ballad of the Victory-Bringer

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