Review

NEORHYTHM - Zetetic18.06.2018

NEORHYTHM - Zetetic

NEORHYTHM - Zetetic

verfasst von Henry E.-S.

Es scheint wohl in letzter Zeit das neue Ding zu werden, dass sich Bands hinter Masken verstecken wie Ghost, um ein gewisses theatralisches Element einzufangen. So war das bei Priest und jetzt auch bei der finnischen Band Neorhythm. Und ich freue mich, dass es hier um die Musik gehen soll und nicht um die Outfits (die aussehen wie eine in Rot gehaltene Version vom Kostüm des Frosches mit der Maske aus den Edgar Wallace Filmen).

Neorhythm hat sich eine eigene Hintergrundgeschichte zusammen geschrieben, die im Kern aussagt, dass sich die Band als Außerirdische darstellt und das dies auch durch die Musik transportiert werden soll. Und ich hab mal wieder zu gegriffen, weil da was mit Weltraum stand! Gebranntes Kind sucht das Feuer, passiert mir echt jedes Mal. Diese Idee, Weltraum-Atmosphäre in den Songs zu transportieren, funktioniert leider nur bedingt. Reißt man den Weltraum-Kontext weg, dann hat man etwas völlig anderes vor sich, was zumindest von einer gewissen Befremdlichkeit her noch in Richtung Weltraum geht. Der Grundstil, den Neorhythm auf ihrer Debut-Scheibe "Zetetic" verfolgen, trampelt munter im Mathcore herum, gepaart mit Tech Death Elementen. Es erinnert schon einigermaßen an Meshuggah und so ziemlichen allen frühen Djent-Bands. Allerdings in weichgespült. Die meisten Bands im Bereich des Mathcores arbeiten stark mit Jazz-, bzw. Freejazz-Elementen. Diese führen dazu, dass Disharmonien entstehen, welche für den ungeübten Hörer eher ungenießbar klingen.

Neorhythm verwendet sehr viele Jazz-Elemente, behält es sich aber vor, mit relativ übersichtlichen Songstrukturen zu arbeiten, was "Zetetic" vergleichsweise zugänglich macht. Man  kann schon sagen, Neorhthm ist was für Leute, denen Meshuggah noch zu unzugänglich ist. Diese Jazz-Elemente, gepaart mit einigen Klassischen Rock-Szenen und unterschiedlichen Rhythmen machen sehr viel Spaß und sind erfrischend. Deshalb ärgert man sich auch um so mehr darüber, dass diese nicht konsequent eingesetzt werden und viel im Djent versuppt. Ernsthaft, kann es Spaß machen, ganze Songs auf einem gefühlt Ge-Copy/pasted-en Breakdown auf zu bauen? In 90 % aller Fälle nicht. Wirklich nicht. Viel von Neorhythm´s musikalischer Brillanz geht leider unter diesen Breakdowns unter. Was wie gesagt nicht meint, dass "Zetetic" schlecht ist, denn diese musikalischen Punkte passen alle auf groovige Art zusammen, was sogar überspielt, dass der Sänger mehr screamt, denn das er Melodien singt.

Die beiden Herren sollten bloß mehr diese Jazz-Elemente umarmen und aufhören im Schatten ihrer Idole zu bleiben. So ist es nur eine sehr gute Math-Metal-Platte die an ihrer eigenen Breakdown-Überladenheit viel verliert. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Tracklist:

01. Molton mind
02. Second chance
03. Golden mean
04. Cosmic genes
05. Dark matter
06. Philia list
07. Matrix sleep
08. Nanogods
09. Pictures of future
10. Quintessence

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1255