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NEKYIA ORCHESTRA - Magnum Chaos03.11.2015

NEKYIA ORCHESTRA - Magnum Chaos

NEKYIA ORCHESTRA - Magnum Chaos

verfasst von Robert K.

Magnum Opus,  Magnum Chaos. Lässt sich das in Einklang bringen? Bestimmt nicht bei Post Metal und das sollte auch so sein. Die Berliner Nekyia Orchestra bescheren uns mit "Magnum Chaos" keine Fahrt durch seichte Gewässer, sondern durch die sieben Weltmeere des Metals. Von Sludge, über Djent bis hin zu leichten Black Metal-Ansätzen befahren sie jeden Hafen. Möge die Jungfernfahrt beginnen!

Warum all die nautischen Anspielungen? Es handelt sich um ein Werk, das von griechischer Mythologie erzählt und mir die Odyssee über die Meere am ehesten in den Sinn kam. Die Titel rufen Erinnerungen in jedem hervor, der den Geschichtsunterricht der sechsten Mittelschulklasse absolviert hat. Da hätten wir beispielsweise "Charon": Charon ist bekanntlich der Fährmann, der Verstorbene, gegen einen Obolus, ins Totenreich geleitet. Das Lied erzeugt einen düsteren, schweren Gemütszustand. Zusammen mit dem wechselnden Tempo kann man es als eine bedrückende, wechselhafte Fahrt über den Totenfluss interpretieren. Als Gegensatz dazu kann man "Athena" anbringen: die Atmosphäre wirkt kriegerischer und wilder. Passend für einen Song, der den gleichen Namen wie eine Kriegsgöttin hat. Einige Gespanntheit wird hier durch kurze, abgehackte Gesangsstrecken und deren Ansprachencharakter hervorgerufen.

Die Mühe der Musiker wird an solchen Beispielen klar und so gut das sein mag, fällt doch stellenweise der Gesang negativ auf. Man hört deutliche Aussetzer in der Stimme, was den Gesamtklang leider etwas abwertet. Der Rest hingegen überzeugt auf ganzer Linie: der Bass hat einen angenehmen Höhenlevel und geht dadurch nicht unter, sondern führt den Hörer. Die Gitarren stimmen sich mit dem Schlagzeug zu einer kompetenten Komposition zusammen, sind druckvoll und es gelingt ihnen, eine Balance zu finden, sodass kein Teil zu dominant wirkt.

Ungeachtet des Namens, der ein wenig an einen namhaften, finnischen Mobiltelefonherstellers und das Wort Orchester erinnert, merkt man dem Album an, dass der Fokus fehlt. Das muss im ersten Moment nichts Grundverkehrtes sein, jedoch scheiden sich die Geister am Wiederhörwert der ganzen Platte, wenn man nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Grundsätzlich geht alles in Ordnung, so lange man eben auf vollkommene Abwechslung in der Liedergestaltung steht und nicht vor Polyrhythmik zurückschreckt. Hat man diese Voraussetzung erfüllt, wird man nach kurzer Eingewöhnungszeit großes Vergnügen daran haben, ständig neue Nuancen zu suchen und zu finden - was nicht auf die Musik beschränkt ist.

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