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NEGACY - Escape from Paradise04.10.2018

NEGACY - Escape from Paradise

NEGACY - Escape from Paradise

verfasst von Henry E.-S.


Aktuell sitze ich gerade an einer Kampagne für das Pen & Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge. Dafür suche ich auch entsprechende Hintergrund-Musik raus. Und für eine Szene, bei der von der Heldengruppe eine Burg angesteuert wird, habe ich jetzt genau die passende Musik gefunden, mit dem Intro-Track "Ex Cinere" von Negacy´s neuem Album "Escape from Paradies". Er baut sich wunderbar Orchestral auf und man kann schon die Burg hinter dem Horizont auftauchen sehen, bevor das Album dann wie ein feindliches Heer das Burgtor einrennt. Und das mit Anlauf und überhöhter Geschwindigkeit.

Negacy sind eine dieser Bands, die man einfach nicht auf dem Schirm hat, weil sie einfach nicht soviel falsch machen, aber auch einfach nichts Eigenständiges zu bieten haben. "Escape from Paradies" ist eine Heavy Metal-Platte, der man deutlich die Einflüsse durch die New Wave of Britisch Heavy Metal, klassischem Speed Metal und italienischem Gitarren-Rum-geriffe anmerkt. Hier werden nicht sehr viele Kompromisse in Richtung anderer Einflüsse gemacht. Oder in Richtung von Irgendwas. Die Tracks sind so dermaßen Heavy Metal, wie es eben nur geht. Es wirkt zwar alles etwas dumpf vom Sound her, aber jeder Track baut sich zusammen aus miteinander arbeitenden Gitarren, welche gekonnt Melodien aneinander hauen, die den Kopf automatisch zum Wippen bringen. Der Sänger ist ebenso klassisch Heavy Metal. Er geht jetzt nicht nach ganz oben, weil er schon gemerkt hat, dass sein Stimmenvolumen das nicht her gibt. Stattdessen bleibt er bei einem relativ hohen Männergesang und endet dabei gerne sehr viele Zeilen mit diesem fast schon Heavy Metal-klischeehaft langem Auslaufen lassen der letzten Silben.

Nicht falsch verstehen, eben so wie die Gitarren passt der Gesang einfach gut in die Musik hinein, welche diese Herren kreieren wollen. Und diese Herren wollen Heavy Metal machen. Scheinbar hat sich aber Jemand bei der Drummer-Auswahl vertan. Oder alles richtig gemacht. Der Drummer hat vor der Aufnahme wohl ein neues Drumkit bekommen und will sich jetzt einfach mal gepflegt einen abtrommeln. Double-Bass-Attacken, Blastbeats und ein so konsequentes Durchgehämmer: Ja, dieser Herr wollte wohl ursprünglich eine Speed Metal-Band aufmachen. Nun ist er aber hier und das sollte uns freuen, da er die Songs gut am Laufen hält. Ein wenig Ruhe hätte der Platte aber auch gut getan, man wird fast ein bisschen durch gehetzt. Man könnte glatt Klischeehaft sprechen: Das sind ursprünglich Italiener, da gibt´s  nur Monumental oder gar nicht. Aber kommen wir zu dem eigentlichen Knackpunkt von "Escape from Paradies": Sie klingen wie sie klingen, sie machen was sie machen und wer sie nicht kennt, muss sie nicht kennen. Es ist musikalisch ein gutes Album mit schön viel Gitarren-Spielerei und Gebolze. Es hat bloß einfach keine Alleinstellungsmerkmale. Es macht nichts herausragend besser als andere Bands dieser Kategorie. Es ist ganz nett, aber auch im Kern langweilig, berechenbar wie die Sau und fast vollständig Überraschungslos.

Wer qualitativ hochwertigen Heavy Metal mit einigen Einschlägen der NWOBHM haben will und sonst auch nicht viel Anderes hört, der soll halt zu greifen. Man kann zwar durchaus mal rein hören, aber man sollte sich dann doch eher im Musikregal für die letzten Paradies Lost-Alben entscheiden und Negacy trotzdem 2-3 Euro da lassen. Die Band muss sich einfach noch mehr auf die eigenen Stärken besinnen und mal was machen, was Ihnen selbst Spaß macht. Denn "Escape from Paradies" klingt zwar gut, aber einfach nach einer Platte die so geschrieben wurde, dass Sie möglichst allen gefallen soll. Was da raus kam ist nicht schlecht, kriegt aber bei der Notenvergabe maximal 70 von 100 Punkten. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Tracklist:

01. Ex cinere
02. Born betrayed
03. Dog among the wolves
04. Land of oblivion
05. Escape from paradise
06. Under the sycamore
07. Lies of empathy
08. Scattered life
09. Slave to the faith
10. Black messiah
11. Last will

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