Review

MOTORJESUS - Race To Resurrection06.07.2018

MOTORJESUS - Race To Resurrection

MOTORJESUS - Race To Resurrection

verfasst von Tim

Ein jeder Mensch hat seinen Glauben. Die eine glaubt an Buddha, der andere glaubt an Mohamed. Und dann gibt es auch die Menschen, die an den Jesus glauben. Wiederum andere glauben ebenfalls an einen Jesus. Aber stattdessen in Form der motorisierten-musikalischen Version von ihm. Konkret ausgedrückt in Form der mönchengladbacherischen Bandformation "Motorjesus", die uns mit ihren musikalischen Ergüssen seit 2004 bekehren.

Heute, im Jahre 2018 n Chr. liegt mir das aktuelle Werk der Herren vor. Ob die Band die Mission des weltbekannten Wanderpredigers in ihrer Form erfolgreich weiter verbreitet, lest ihr nachfolgend in meiner Track-By-Track-Bewertung:

1. Tales from the Wrecking Ball:
alle Zutaten für einen guten Rock-Song sind gegeben: aufregender Beginn mit Racing-Geräuschen, die in einen geilen Scream vom Vokalisten Chris Birx münden und dann in den gut-klingenden, belebenden rockigen Part mit dem im Vordergrund agierendem E-Gittarenspiel übergehen. Und wenn dazu noch in dem Chorus reimende, cool gesungene Textzeilen a la "with a good intention, my own deception" vorkommen, dann können wir schon mal einen grünen Haken für eine geile Eröffnung dieses Werkes setzen. Die Spannung und Freude steigt - man hofft auf weitere, geile, musikalische Ergüsse dieses Werkes.

2. King Collider:
noch ist alles im Grünen: hauptsächlich rockig-eingägig gespielte Instrumente in den Versen mit einem ins Ohr gehendem Chorus. Ein kurz gespieltes Gittarensolo mit angezogenen E-Gittarensaiten nimmt die Monotonie in diesem Stück etwas raus. Unkomplizierte, schöne rockige Wertarbeit.

3. Re-Ignite:
alle guten Dinge sind drei. Somit ist auch das dritte Stück in Folge ein Ohrwurm. Dem Gesang in verschiedenen Klangfarben und dem abwechslungsreich im Hintergrund spielenden Instrumenten sei Dank.
Auch hier profitiert das Stück von der auffallend im rockig-lässigen Stil gespielten E-Gittare. Das auch hier der Chorus ins Ohr geht, spricht bei Motorjesus ja mittlerweile fast für sich selbst.

4. Speedway Sancturay:
dynamisches E-Gittaren- und Drumspiel mit dramatisch-klingendem Gesang im leicht draufgängerischem, aber kämpferischem Stil vermitteln uns das Gefühl, dass wir selber auf der Rennstrecke sind und uns verdammt nochmal erbarmungslos bis zum Ziel durchboxen müssen.

5. Casket Days:
wenn meine auf ewig ruhenden Tage in der Kiste so sind, wie musikalisch in diesem Stück vermittelt, dann weiß ich jetzt schon, dass ich dem Gevater Tod frech grinsend gegenübertrete. Denn: Motorjesus erzählt uns hier ein abwechslungsreiches Rock-Abenteuer, angefangen mit dem draufgängerischem, direkt-in-die-Fresse-Gesang von Chris Birx im abwechslungsreichem Stil, über einen in etwas höheren Klangfarben gesungenem Chorus bis hin zu einem - alle Achtung - gegrowltem Part, der sich geil anhört, bis hin zu einem kurzen, geilen E-Gittarensolo mit schönen Riffs. Schön. Einfach schön.

6. The Infernal:
nach so viel Action und Überdruck wird es mal Zeit, die Streichhölzer beziehungsweise die Feuerzeuge rauszuholen und mal etwas rockig-sentimental zu werden - aber weiterhin in einem rebellisch-draufgängerischem Stil! Die Gittare samt Schlagzeug führt behutsam, aber nicht zu zart in das Stück ein. Herr Birx setzt dann im lässig-gesungenem Stil an und steigert sich von der Stimmlage, bis hin zum Chorus, wo - leider keine großartige - musikalische Bombe detoniert. Dafür ist der Chorus leider zu höhepunktarm und klanglich abgeflacht. Aber die Verse sind musikalisch ansprechend.

7. Burning Black:
ab jetzt wüten die Motor-Metal-Rocker so, wie wir sie kennen: rebellisch, draufgängerisch und actionreich mit wilden, geil-klingendem, hauptsächlich tief-gestimmten E-Gittarenspiel. Positiv überraschend ist der plötzlich Einschnitt nach der Hälfte dieses Tracks, der dann kurzzeitig musikalisch in eine etwas andere Richtung abdriftet. Die Band weiß, was der anspruchsvolle Rock-Hörer mit Stil will!

8. The Damage:
den ersten kleinen Damage verzeichnen wir bei diesem gleichnamigen Stück. Rebellisch-wild in rockiger Manier werden wir in die Welt dieses Stückes eingeführt. Bis auf einem E-Gittarrensolo mit markantem Spiel wirkt der Rest einfach leider zu einfallslos und zu monoton von vorne bis hinten durchgezockt - auch, wenn man das Bemühen merkt, dass die Band an einigen Stellen geile Aha-Momente erzeugen wollen. Das klappt aber leider nicht ganz, da es zu einkalkuliert wirkt.

9. The Storm:
ein rockig-metallischer Sturm bricht dank dieses Stückes tatsächlich über uns herein. Ein zweifellos stimmiges Stück, welches vom Stil her im Chorus in kleinen Teilen fast an eine Folk Metal-Band erinnert. Ansonsten werden wir hier straight im Rythmus mit rockigen Earcatcher-Momenten konfrontiert. Damit diese Earcatcher bei diesem Stück zünden, bedarf es jedoch zwei bis drei Hörchdurchläufe.

10. Engines Of War:
wenn stark-schwitzende Kerle in knallengen Trainingsklamotten schwere Eisen in der Muckibude stemmen und dabei ihre Kopfhörer aufhaben, dann kann ich prima nachvollziehen, dass sie dabei dieses Stück hören. Denn: auch hier präsentiert uns der Vokalist seine rebellisch-draufgängerische Stimme. Kurze Breaks zwischen den knapp gespielten Gittarenriffs und die dazu druckvoll nach vorne preschenden Drums machen aus diesem Stück keinen Klassiker, aber einen Motivationsschieber für allerlei Lebenssituationen.

11. The Chase:
nach einigen Stiländerungen im Gesang von Chris Birx taucht hier eine weitere, gesangliche Stiländerung auf: schneller Sprechgesang zu Beginn des Stückes, was dazu führt, dass beim Hörer gefühlsmäßig eine gewisse Dynamik beziehungsweise Aufgewecktheit gefördert wird. Diese schnelle Sprechpassage mündet in eine mehr mit Nachdruck gesungenen Sprechgesang und steigert sich dann nochmal hinein in einen Chorus, bei dem in noch höherer Stimmalge
einfach das gepredigt wird, was der Vokalist uns sagen will. Leider nicht gerade prickelnd. Aber wenn man denkt, dass nix mehr passiert, wird, welch Überraschung, nach zweimaligem Spiel von Vers- und Chorusteilen mal kurz ein E-Gittarrenpart samt Drum-Part mit gezielt eingesetzten Breaks eingebaut. In der Summe gar nicht mal so schlecht. Aber leider nicht mehr so an den Eiern packend wie die vorherigen Erzeugnisse. Dafür ist dieses Stück leider zu höhepunktarm.

12. Running Out Of Time:
die Zeit läuft tatsächlich ab und wir sind schon beim vorletzten Track. Und es zeigt sich: erste Ermüdungserscheinungen bei dem Hörer treten auf. Denn nach so viel Rock-Geknüppele im Stile von Motorjesus macht es spätestens bei dem Hörer hier "Klick" und er merkt: es gibt da diesen rebellischen, draufgängersichen Rock- beziehungsweise Metal-Stil, auf den sich Motorjesus eingeschossen haben und ihre markanten Duftmarken setzen sie dazu bei vielen Stücken. Der Stil ist cool und die Band hat alles Recht der Welt, diesen beizubehalten. "Running Out Of Time" an sich ist instrumentalisch-druckvoll nach vorne pressend mit interessanten, kleinen Parts im E-Gittaren- und Drum-Spiel.

13. Awaken The Tyrants:
Das Finale dieser Platte packt den Hörer nochmal an die Eier. Es ist vor allem der Chorus in früherer Trivium-Manier, der sich in die Gehirnwindungen fräst. Nicht zu verachten ist der im Mittelpart eingestreute, ruhige Instrumentalpart mit chilligerem Gesang, der dann in ein geiles E-Gittarensolo abdriftet, welches sich nicht in die Motorjesus-Race-Metal-Kategorie einordnen lässt - sondern tatsächlich mehr in Richtung ältere Trivium-Band. Ein großes Finale, welches überrascht und verdeutlicht: die Jungs können im Rock- und Metal-Sektor vielseitig sein. Und bisher gelingt ihnen diese Vielseitigkeit gut.

Unbestreitbar würde Jesus, wenn er heute wieder auferstehen würde, sich zum Einen wundern, weshalb die Kirche aus seiner Person ein derartig großes Dogma hat aufblasen lassen. Andererseits würde er sicherlich zumindest mit Stolz auf einige weitere Machenschaften in Bezug auf seine Person dreinblicken. Und ja: Motorjesus würden dazu zweifellos beitragen. Denn ihr draufgängerischer Race-Rock-Metal hat mich und viele weitere Hörer aus der Metal-Garde auf den rechten Weg der metallischen Erleuchtung gebracht und möglicherweise dazu geführt, dass die Person Jesu als auferstandene Gestalt weiter lebt - z.B. im rotzfrechen, draufgängerischem Race-Rock-Metal der hier genannten Musikkapelle.

Trackliste:

01. Tales from the Wrecking Ball:
02. King Collider
03. Re-Ignite
04. Speedway Sanctuary
05. Casket Days
06. The Infernal
07. Burning Black
08. The Damage
09. The Storm
10. Engines Of War
11. The Chase
12. Running Out Of Time
13. Awaken The Tyrants

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