Review

J.B.O. - Deutsche Vita05.03.2018

J.B.O. - Deutsche Vita

J.B.O. - Deutsche Vita

verfasst von Kalle

Seit fast 30 Jahren gibt es die Rosa Armee Fraktion aus dem Frankenland nun bereits. Jetzt kommt das zwölfte Album der Bandgeschichte und es ist ein schöner Streifzug durch die deutsche Musikgeschichte. Wer J.B.O. noch nicht kennt, der sollte wissen - die Herren nehmen gerne Songs und drehen sie mal komplett auf Links. Egal ob mit Humor, Satiere oder einfach mehr Härte ... J.B.O. haben schon so manch Hymne auf den Markt gebracht.

Und jetzt stehen 13 frische Songs in den Startlöchern. Schon die erste Auskopplung "Alles nur geklaut", stammt im Original ja von "Die Prinzen", war ein großer Erfolg bei den Fans. Auf dem Album ist dies direkt der Opener geworden und gibt damit die Marschrichtung vor, in der das Album geht. Die Songs sind von der Melodie alle bekannt, nur textlich wurden sie hier und da ein wenig verändert. Beispiel gefällig?! Song Nummer zwei ist im Original von Nina Hagen und heißt "Du hast den Farbfilm vergessen". J.B.O. holten den Song jetzt ins Jahr 2018 und da heißt es "Du hast dein Smartphone vergessen". Da kann man ein wenig heraus hören, wie wir abhängig geworden sind, von diesen kleinen Geräten. Okay.. nicht alle sind abhängig... Ich selbst hab noch nie ein Smartphone gehabt und bin ganz froh darüber.

Taugt der Song jetzt was? Aber natürlich tut er dies, denn er ist im Rhytmus sehr gemütlich, nicht ganz so zum mitschunkeln, aber dafür für das geübte Nackentraining geeignet. Zum Auftakt der Platte somit ein ordentlicher Start. Das macht doch gleich Spaß auf mehr. Bleiben wir doch im Bereich des Spaßes, denn die NDW bietet J.B.O. eine große Bandbreite an Songs. So wurde sich bei "Ich will Spaß" am Song von Markus bedient. Hier bin ich aber überrascht gewesen, wie "ruhig" der Track rüberkommt. Zwar kommen die Gitarren ganz cool, doch Vito sein Gesang wirkt sehr brav und verhalten. Ein bisschen mehr Geschwindigkeit hätte dem Song vielleicht gut getan. Die kommt dann im nächsten Lied "Das Lummerlandlied". Wer kennt es denn nicht. Die Augsburger Puppenkiste ist weltberühmt und so auch diese Melodie von Jim Knopf. Ganz niedlich gemacht, aber dennoch fehlt auch hier etwas die Spritzigkeit.

"Wer ist der Fahrer"... auf die Idee muss man erst einmal kommen, den Song auf die Melodie von "Carabonara" zu schmeißen. Hannes hat damit aber so gar keine Problem. Der Text ist witzig, dennoch auch gleich eine Botschaft. Kein Alkohol am Steuer! Mit dem nächsten Song holen sich J.B.O. einen etwas bereits genutzen Song noch einmal auf die Platte. Vor einigen Jahren hauten sie "Nur Geträumt" schon einmal auf die Platte, zusammen mit Sven Reverb. Da haben sie das als eine Art Hörspiel mit auf das Album gepackt. Dieses Mal ist es ein ganzer Song. Und ich erinnere mich an ein Tour von J.B.O., wo sie zusammen mit Beatallica gemeinsam auf der Bühne standen. Und genauso kommt der Song rüber. Die Stimme, eine Mischung aus James Hetfield von Metallica und The Beatles. Und jetzt leider das große ABER... warum haben sie denn nicht die Version von früher ausgearbeitet? Das hatte Tempo und klang nicht so tief und dumpf, wie es jetzt der Fall ist.

"Blaue Augen", im Original von Ideal... eine eigentlich sehr hohe und krächzende Nummer, hat hier jetzt den Anstrich von Motörhead bekommen. Ein schöner Pogosong, wenn es im Refrain zur Sache geht. Der gleichnamige Song zum Album "Deutsche Vita" kommt schon fast gemütlich daher. Man schaut ein wenig in die Geschichte der deutschen Musik und zählt ein paar schöne Annekdoten auf, wer denn wo wie herkommt. Danach kommt ein Song, der für mich so gar keinen Sinn ergibt und einfach weiter gedrückt gehört. "Karneval in Sodom" - ja gut... ich hab weder was mit Karneval zu tun, noch mit dem Kauderwelch an Noten, den J.B.O. in den Song gepackt haben. Eigentlich ist so ne Nummer fast typisch für die Jungs... aber hier... nö... haut so gar nicht hin. Umso schöner fand ich dann das neue Intro von "Wickie". Okay... es ist nur härter geworden, textlich nicht verändert, dennoch ein lustiger Ohrwurm.

Das gilt für "Hurra Hurra die Schule brennt" ebenso. Wieder ein Song aus der NDW Zeit, der jetzt einen neuen Anstrich bekommt. Wer jetzt hier neue Texte erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Es ist nur ein Cover in J.B.O. Härte. "Grande Finale" ist ein vor sich hin plätschender Song, der zum Ende des Albums eigentlich nicht wirklich als Highlight gilt. Zum Ende gibt es "Gewiss ist nur der Tod". Ein Song... der einen mal direkt vor Augen führt, was im Leben wirklich sicher ist. Den Bonus auf dem Album bietet "Fränkisches Bier" in eienr Live-Fassung.

Im Gesamten bin ich leider gar nicht voll überzeugt vom Album. Es wirkt nicht wirklich amüsant, der gewisse Witz fehlt und es hat eine monotone Wirkung auf mich. Die Riffs oft eintönig, die Melodien oft im guten Mittelmaß... wo ist die Spritzigkeit geblieben? So ein richtigen Knaller kann man auf dem Album leider gar nicht ausmachen und im Gesamten wirkt es eher wie ein Pflichtprogramm, als wie eine Spaßansage der Rosa Armee Fraktion. Schade... da war aus meiner Sicht viel mehr drin. Gerade auch das umtexten, worin J.B.O. jahrelang für mich die Helden waren, scheinen sie auf einmal vergessen zu haben. Song 1 und 2 sind amüsant... danach baut es einfach nur stetig ab. Ein Dauerbrenner wird das Werk leider nicht, da auch die Jungs so unmotiviert wirken. Stock und steif im Gesang kommt es daher... ich mag da jetzt pingelich sein, aber bei J.B.O. lag die Messlatte schon auf ner gewissen Ebene. Die konnte leider nicht gehalten werden. Schade.

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1255