Review

Ivar Bjørnson & Einar Selvik - Hugsjá12.04.2018

Ivar Bjørnson & Einar Selvik - Hugsjá

Ivar Bjørnson & Einar Selvik - Hugsjá

verfasst von Louisa

Schon einmal haben Ivar Bjørnson von Enslaved und Einar Selvik von Wardruna zusammen ein Album geschrieben, damals allerdings im Auftrag des Landes Norwegen, um das 200-jährige Bestehen der norwegischen Verfassung zu feiern. Das Album erschien unter dem Namen Skuggsjá (Freunde des Genres sollten übrigens auf jeden Fall einmal reinhören!) und befasste sich logischerweise ausschließlich mit der norwegischen Geschichte und Religion.

Obwohl der Name zum Verwechseln ähnlich klingt, verhält es sich bei Hugsjá etwas anders. Diesmal haben die beiden Künstler sich völlig frei und freiwillig zusammengeschlossen, um nordische und norwegische Lyrik mit Hilfe von uralten, aber anders als auf dem Vorgänger auch modernen Instrumenten zu vertonen.

Auf dem ersten Lied des Albums, das auch den gleichen Namen trägt, ist der Unterschied zum Vorgänger nur sehr vage zu hören. Das Lied ist vom ersten Ton an intensiv und verzaubernd, wird aber von den charakteristischen Chören und mehrstimmigen Passagen begleitet. Der zweite Song hingegen, WulthuR, schlägt eine ganz andere Richtung ein. Der Rhythmus ist stellenweise fast poppig, zumindest sofern das mit den gewählten Instrumenten überhaupt möglich ist und im durchaus positiven Sinne, und in Kombination mit dem kräftigeren Gesang richtig tanzbar.

Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass auf dem Album viele moderne Einflüsse und Instrumente ihren Platz finden. Im Gegensatz zu dem eher mystischen und schwermütigen Skuggsjá besticht Hugsjá durch seine Leichtigkeit und schönen Melodien. Wie immer schaffen Ivar und Einar es problemlos, mit ihrer Musik Bilder zu zeichnen und Gefühle zu vermitteln. So fühlt man sich bei Ni Døtre av Hav direkt an einen lauen Sommerabend versetzt, bei dem man zusammen mit Freunden im hohen Gras sitzt und lacht und den anderen beim Tanzen zuschaut.

Nichtsdestotrotz nutzen die Beiden auch wieder viele alte Instrumente und mystische Chöre. Utsyn ist mit seinem zweistimmigen Gesang und den Chören wieder deutlich schwermütiger, außerdem lässt die Dringlichkeit in Einars Stimme den Hörer immer wieder aufhorchen und mitfühlen. Die Norweger haben auf ihrem Album die perfekte Balance zwischen historisch anmutend und modern gefunden und kombinieren beide Stilebenen mühelos miteinander.

Wer Wardruna und Skuggsjá mag, wird auch von Hugsjá sicher begeistert sein. Auch diejenigen, denen atmosphärischer Nordic Folk sonst zu düster und schwermütig ist, könnten an dem Album Gefallen finden. Mit dem neuen Werk haben die beiden Norweger ein absolutes Meisterstück geschaffen. Hugsjá besticht nicht nur durch seine Klarheit und die wunderschönen Melodien, sondern vor allem auch durch die mühelose Leichtigkeit, mit der alte und moderne Elemente zu einem intensiven und bewegenden Klangbild kombiniert werden.

Tracklist:

1. Hugsjá
2. WulthuR
3. Ni Døtre av Hav
4. Ni Mødre av Sol
5. Fornjot
6. Nattseglar
7. Nytt Land
8. Nordvegen
9. Utsyn
10. Oska
11. Um Heilage Fjell

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