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HETMAN - Sewn From The Ashes Book09.01.2018

HETMAN - Sewn From The Ashes Book

HETMAN - Sewn From The Ashes Book

verfasst von Henry E.-S.

Manchmal muss es einfach genau das sein, was drauf steht. Manchmal braucht man das einfach. Manchmal will man einfach nur solide Handwerkskunst. Da dürfen auch gerne nochmal die alten Pfade ausgelatscht werden. Oder anders gesprochen: Wenn ich ein Pils trinken will, dann will ich ein Pils. Kein Weißbier, kein Bockbier, kein Mischzeug. Ich will ein Pils. Und zwar ein Gutes. So ist meine Wenigkeit bei Zeiten mal: Es muss für mich nicht immer der neue Schiki-Micki-Metal/Rock sein. Ich will auch mal nach Feierabend einfach nur genau das, was drauf steht. Und das dann auch bitte in Überlänge und etwas ruhiger. Also die klassische Breitseite. Lasst uns doch einmal im Abendmantel mit einem Bier in der Hand am digitalen Musikregal entlang flanieren, um uns ein eben solches Stück solide Ohrumschmeichelung heraus zu picken.

Und die Auswahl fällt heute (weil ich dank des eklatanten Mistwetters in Berlin Pankow einfach nur Bock auf Skandinavien bekommen habe) auf Viking Metal! Oder Pagan Metal/Extrem Folk Metal/Blackend Pagan Metal/blub blub blub - diese Diskussion werde ich hier nicht führen! Wenn ich hier Viking Metal schreibe, weiß doch Jeder von euch, was ihn in etwa mit einer großen Keule hinter der nächsten Ecke erwartet. Darum geht´s mir, wenn ich Viking Metal hier hin schreibe, ähh tippe. Und Hetman (von denen ich interessanterweise irgendwie nichts online gefunden habe, außer einer Warschauer Hard Rock-Band gleichen Namens) (kann aber auch sein, dass ich einfach nur etwas doof bin) liefert genau dieses Schwarz-Metallisch eingefärbte, epische Pagan/Viking-Brett, welches genau das ist, was drauf steht. Nicht weniger, nicht mehr. Ich will mal ehrlich mit euch sein: Mir wurde Hetman zuerst (ohne das ich was von denen gehört hatte) als Black Metal verkauft. Und beim ersten mal rein hören, habe ich genau das auch erwartet.

Nur rollt zu aller erste Track 01 The Gateway auf einen zu, mit 15 Sekunden die zunächst eine Hard Rock-Platte ankündigen. Über diese 15 Sekunden rede ich auch deswegen nur, weil sie als Einziges (!) aus dem Gesamtkonzept dieser Langspielplatte heraus fallen. Und hat man die überlebt, legt Hetman richtig los und direkt aufs Wikingerschiff drauf, auf dem der Navigator etwas zu viel Alestorm gehört hat - bevor ihn jemand daran erinnert hat, das Wikinger nichts mit Piraten zu tun haben - und schwupps ist man bei Track 02 The seventh heaven. Dieses "Schwupps" ist übrigens eine sehr, sehr schlecht gemachte Überleitung meinerseits: Ihr wisst doch alle, dass die Zeit einfach verfliegt, wenn man Spaß hat. Jeder Track auf Sewn from the ashes book kratzt an der 8 Minuten-Marke. Lange Songs sind manchmal Standard (Doom), manchmal absolut bekloppt (Drone Doom) oder dezent bescheuert aus naheliegenden Genregründen (Deathcore). Bei Hetman (in dieser Klammer steht nichts Witziges/Wichtiges) jedoch sind sie einfach nur von den Sorte: "Goil! Noch mehr vom guten Stoff!".

Bis auf Track 03 How quite on Earth how quite. Das Ding ist der Rohrkrepierer der Platte, wenn er auch trotzdem ein solider ist - was dem Soldaten mit der Panzerfaust direkt vor dem abzuknallendem Panzer aber auch nicht hilft (der musste raus. Besser einen Feind mehr, als einen guten Witz verschwenden). Nun gut, die Entschädigung ist dann auch der Ganze Rest des Albums. Hier bei sei als hervorstechender Track, Track 08 to the heart of everyone angeführt. Er beginnt ruhig und baut sich kontinuierlich auf. Und dies auf majestätische Weise. Kennt ihr diesen gewissen Delay in Kinofilmen, der alles auf eine gewisse Art erhabener macht? Genau diesen Effekt müssen gute Pagan/Viking/ach ihr kennt den Käse -Bands einfach erzielen können. Man muss sich beim zuhören vorstellen können, dass die Band das Album auf irgendeiner Klippe in einem Tosenden Sturm aufgenommen hat. Also zumindest theatralisch. Gitarre zu spielen bei Windstärke 11 stelle ich mir nicht gerade spaßig vor. Gut, ich sehe, ihr habt das Grundkonzept in etwa verstanden. Von Songstrukturen und Riffs her lässt sich hier echt nicht meckern. Wir haben eine Mischung aus klarem Thrudvangar, gemischt mit der Melodiösität von Dark Forest und dem getragenen, hallenden Klang von Falkenbach. Hetman machen musikalisch alles richtig.

Zwar nichts Neues und auch nichts Interessantes, aber eben auch nichts falsches. Auch wenn ich eine Sache irgendwie  etwas, naja, komisch finde: Das Schlagzeug. Passt wie die Faust in Trumps Gesicht - müssen wir nicht drüber reden. Aber: Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass da ein Drum-Computer am Werke ist. Vielleicht belehrt man mich noch eines Besseren. Der Langen Rede gar kein Sinn: Ich mag ab Sewn from the ashes book. Es ist einfach ein gutes Stück Handwerkskunst. Wen von euch die Beschreibung da oben angesprochen hat, der hat ein neues Album zu hören. Wen nicht, den halt nicht. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.


Tracklist:

01. The gateway
02. The seventh heaven
03. How quite on earth how quite
04. The pile of soil
05. Remember who we are
06. Touch the stones in the steppe
07. The proud word
08. To the heart of everyone

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