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HELLHEAD - Niemals zurück02.12.2015

HELLHEAD - Niemals zurück

HELLHEAD - Niemals zurück

verfasst von Karla the Fox

Entschuldigt, dass ich mich von meiner Seite so zum ersten Mal in der Adventszeit melden muss, aber bei Hellhead habe ich mich in meinen Erwartungen komplett geirrt. Ohne die Band zu kennen, nur mit der Angabe, dass es Punkrock sei, hatte ich auf ein junges, rebellisches, bunt gekleidetes Pack gehofft, ein bisschen undergroundmäßig und mit englischen, knallharten Texten. So Richtung Sex Pistols und Konsorten, gerne auch topaktuell von Sound und Themen. Und was fängt an, wenn ich auf Play klicke? Dorffestmucke aus Friesland. Yeah.

In ihrem Heimatort Jever sicher eine gute Buchung für jede Party und Kneipentournee, bestehen Hellhead aus vier Höllenköpfen, denen es eben Spaß macht, Musik zu machen. Dann schreiben sie ein paar Songs, gehen in ein Studio und tadaa, haben eine Platte aufgenommen. Was sie wohl cool gemacht haben, war, dass sie ihre Freunde und Fans haben mitbestimmen lassen, wie das Album heißen soll. Die durften nämlich Vorschläge einreichen. Das Ergebnis war dann 'Niemals zurück' und das passt zu der maritimen Grundstimmung des Albums.  Kann man denn da oben um Jever rum keine Musik machen, die nichts mit dem Meer zu tun hat? Und ich hüte mich noch immer extra vor solchem Schubladendenken, aber Hellhead erfüllen es voll und ganz. Gut, sie haben "Das Meer" vor der Nase, konnten ein gleichnamiges Lied schreiben und ein recht ulkiges Musikvideo dazu drehen. Dafür, dass es vermutlich einfach von einem Freund gemacht wurde, so gut wie ohne jedes Budget, ist es unterhaltsam und Hellhead lassen durchblicken, dass sie die Musik und sich nicht zu ernst nehmen. Dennoch muss ich, aus Fairness gegenüber anderen Produktionen sagen, dass der Kunstanspruch ganz schön auf der Strecke bleibt. Für Frauen lohnt sich vielleicht trotzdem ein Blick auf den stark tätowierten, durchtrainierten Körper des 'Kriegers' in dem Filmchen. "Frühling", der erste Song von Niemals zurück, ist recht originell vom Inhalt her. "Sucker" hingegen ist so schnell vorbei, dass man gar nicht richtig mitbekommen hat, um was es überhaupt geht. "Neuer Morgen" ist ein Lied darüber, dass es immer weiter geht und man nicht die Hoffnung verlieren sollte, "Guantanamo Express" endlich mal die erhoffte punkige politische Kritik (wenn auch der Titel zu spielerisch klingt für das, was er beinhaltet) und so geht es weiter.

Jeder Song kann sich kurz in einem Satz erklären lassen. In "Monster" hat ein Mädchen nachts Angst (nette Soundeffekte, kein Scherz), "Damals"...war alles besser, sagen alle, "Black to Black" habe ich noch nicht ganz erfassen können und "Schwarzer Rabe" habe ich erst mal übersprungen, weil mir das am meisten hängen geblieben ist. Ein Schiff auf See, die Matrosen sterben, anscheinend weil ein Rabe sie heimsucht. Das ganze ist an Poe's weltberühmtes Gedicht "Nevermore" angelegt - und nach Deutsch und Englisch Abi und angefangenem Anglistikstudium bin ich bei dem Text empfindlich. Der ist genial, wie er ist, da wird nicht dran rumgepfuscht. Tsss... Dann folgen eben noch "Das Meer", ein bisschen Sehnsucht ist erlaubt, "Hardpunk", wo man gerne auch mal headbangen darf und zu guter Letzt "Denkmal - Männer vom Meer". Da bin ich dann wieder voll zufrieden mit. Hellhead lassen nämlich über den Song hinweg Männernamen von Kinderstimmen sagen, so als wären diese Männer auf hoher See verstorben, und bringen dabei Emotion und eine Aussage rüber.

Mir fällt es sehr schwer, zu sagen, dass ein Album nichts für meinen Privatgebrauch ist und die Jungs aus Jever haben ihre Hörerschaft, die jeden Song abfeiern kann. Für mich, die nicht aus dem Norden ist, sind diese Lieder immer ein bisschen exotisch. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Gitarrensound des Albums Spaß macht. Ansonsten: haut rein Jungs! Kümmert euch nicht um die überheblichen Kritiker. Die können es ja nicht mal selbst.

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