Review

GRAVE DIGGER - The Living Dead19.09.2018

GRAVE DIGGER - The Living Dead

GRAVE DIGGER - The Living Dead

verfasst von Kalle


Nein, ihr müsst jetzt keine Panik haben. Grave Digger werden kein Album über die Rolling Stones oder so machen, auch wenn man bei den lebenden Toten durchaus einen Gedanken an die Stones haben kann. Grave Digger gibt es nun beinahe 40 Jahre und jetzt erschien ihr bereits 20. Studioalbum. Das ist eine beachtliche Leistung, die man durchaus respektieren darf und sollte. Sie gehören zu den Urgesteinen und sind aus der Metalszene nicht wegzudenken. Nun liegt das Jubiläumwerk vor und was kann es?

Soviel vorweg... an die göttlichen Tunes Dawn oder Witch Hunter kommt es nicht leider nicht ran. Dafür haben sich die Totengräber sehr entwickelt. Hier und da sehr zum positiven, aber es fehlt dem Album, soviel kann ich schon jetzt sagen, an einem richtigen Kracher. Es sind alles solide Tracks, die auch thematisch jede Menge zu bieten haben, doch so der ganz große Wurf ist aus meiner Sicht ausgeblieben. Es fehlt der Ohrwurm, der sich festsetzt. Soundtechnisch, melodisch und von den Riffs her ist es der klassische Sound von Grave Digger, zudem natürlich die markante Stimme von Chris Boltendahl nicht fehlen darf. Doch was bleibt neben tollen Gitarrensolos von Axel Ritt, der Stimme von Chris noch so hängen?

Der Start mit dem Intro von "Fear Of The Living Dead" ist vielversprechend. Eine kleine Schlafmelodie und plötzlich landet man in einem Alptraum. Jedenfalls wenn man dem Soundeffekt trauen darf. Die Strophe ist ebenso okay, doch was mich an dem Song stört ist der Refrain, der sehr abgehakt klingt. Das gefällt mir nicht so sehr, erinnert mich zudem sehr an Lordi. In "Blade Of Immortal" setzt man dezent kleine Hintergrundeffekte ein, die bei dem doch sehr druckvollen Drums fast unterzugehen scheinen. Hier ist der Refrain ebenso abgehakt, was ich so gar nicht von Grave Digger gewohnt bin. Man bekommt leider das Gefühl, das ein wenig die Kreativität raus ist, denn die Songs klingen fast alle sehr ähnlich und unterscheiden sich nur sehr schwer. Der Aufbau, die Melodien, die Riffs... da ist zuviel Einheitlich geworden.

Ein Lichtblick auf der Platte ist der sehr starke Song "The Power Of Metal". Er hat das Zeug zu einer kleinen Hymne zu werden. Das liegt aber viel daran, das man hier wirklich Tempo und Abwechslung drin hat, speziell was den mehrstimmigen Gesang im Refrain angeht. Nicht das ihr jetzt den Eindruck bekommt mir würde das Album gar nicht gefallen. Das stimmt so nicht, denn es ist im Grunde sehr solide. Doch die Highlights für ein Jubiläumsalbum fehlen ein wenig. Hier und da ein gutes Solo, was etwas aus der Reihe zum eigentlichen Song tanzt, reicht mir bei den Erwartungen an Grave Digger irgendwie nicht. Vielleicht bin ich bei Grave Digger auch zu Konzeptverwöhnt und halte mich zusehr an den älteren Stücken fest, die einfach das gewisse Etwas hatten. Man kann auf der Platte jetzt halt die Uhr danach stellen, wann das Gitarrensolo kommt und wann sich ein Part wiederholt.

Und das ist, was ich sehr schade finde. Es gibt aber den einen Song, der wirklich ausbricht und tatsächlich das Highlight der Platte ist. "Zombie Dance", auch wenn total untypisch für Grave Digger, ist das mal wirklich eine Überraschung. Die Herren haben sich nämlich Unterstützung von Russkaja geholt, die in dem Song für sehr unterhaltsame Parts sorgen. Solch ein Track sorgt für Stimmung und ist unterhaltsam. Davon, gerne auch mit Russkaja oder anderen Formationen, hätte es gerne mehr geben dürfen. Das fetzt und kommt leider erst zum Ende der Platte. Gut produziert, gut gemeint, aber zum Dauerbrenner reicht mir "The Living Dead" leider nicht im Gesamten. Vereinzelte Tracks werden hin und wieder gehört und ich denke sie werden Live auch zünden, doch auf der Platte... da ist zuviel Einheitsbrei gegeben. Schade :(


Tracklist:

01. Fear Of The Living Dead
02. Blade Of The Immortal
03. When Death Passes By
04. Shadow Of The Warrior
05. The Power Of Metal
06. Hymn Of The Damned
07. What War Left Behind
08. Fist In Your Face
09. Insane Pain
10. Zombie Dance
11. Glory Or Grave (Bonustrack)

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