Review

FARGO - Constellation15.05.2018

FARGO - Constellation

FARGO - Constellation

verfasst von Tim

Es gibt Momente, da staune ich über mein Leben und über diese Welt. Als Kind und Teenager war ich immerzu felsenfest überzeugt davon, dass die gut-klingende, lässige Rockmusik immer nur aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommen kann. Schockierenderweise begann ich schon im Teenageralter nach und nach zu realisieren, dass die Musikwelt doch ganz anders ist, als ich sie mir hätte je erträumen können.

Mehr noch: in meine Ohren drang im Laufe der Jahre immer mehr Rockmusik aus deutschen Landen mit - ACHTUNG! - gut klingender, lässiger Rockmusik. Mein Weltbild wurde stetig erschüttert. Aber nun zur Sache: im Falle der Hannoveraner Bandformation "Fargo" werden wir eben mit gut klingender, lässiger Rockmusik der amerikanisch-angehauchten Schule konfrontiert. Bemerkenswert ist, dass mir hier trotz 36-jähriger Bandpause allgemein betrachtet anständiger, musikalischer Stoff der leicht rockigen, fröhlichen Art in leichter Western- beziehungsweise Cowboyart vorliegt. Und nein - das spacige Plattencover zu diesem Review ist, obwohl die Klänge eher nach einem Dorf mit Saloon in der amerikanischen Wüste vermuten lassen, tatsächlich das Korrekte. Aber wie wir (nicht nur) im Metal- und Rock-Genre wissen: die inneren Werte zählen.

Und die inneren Werte dieser Platte haben was Anständiges zu bieten. Allein schon mit dem Opener lehren die ehrwürdigen Senioren den jüngeren Kappellen, wie mit Eingängigkeit, Unkompliziertheit sowie leidenschaftlich vorgetragenen, unterschiedlichen Klangfarben ein Hit mit coolem E-Gitarrensolo entsteht. Track 2 und 3 weist identische Qualitäten auf, auch wenn es musikalisch durch den leicht zähigeren Ablauf etwas weniger an den Eiern packt, aber trotzdem die Gefühle der rockigen Hörerschaft positiv berührt. "Losers Blues" sowie "Buzz Buzz" bleiben in der coolen, lässigen Rockschiene, sorgen aber langsam, aber sicher, dass manch ein Rocker der Müdigkeit verfällt. Denn trotz der unkomplizierten, eingängigen Stücke mit schönen, instrumentalen Melodien stellt sich hier schon langsam das Gefühl ein: die Jungs haben sich auf diesen amerikanisch-lässigen, eingängigen Rockstil getreu der Einstellung "es ist alles cool und sorglos im Leben" eingeschossen.

Doch der sechste Track weist auf einmal sentimentalere Töne -und zwar auch in der Lyrik- in Balladenform auf. Zwar in einer identischen Spielgeschwindigkeit wie die Vorgängerstücke, jedoch horcht man hier mal wieder auf und merkt: ja, da sind einige Earcatcher-Momente. Track Nummer 7 weist keine großartigen Stiländerung dieser Platte auf, zaubert aber durch das mehrmals im Chorus vorgetragene, leicht geflüstert-gesungene "Do It" mal wenigstens ein äußerst mildes Grinsen auf die Lippen. Überhaupt hat nebenbei erwähnt dieser Track den Charakter von dem Titelstück einer Werbung aus den 90ern, bei dem es, wie in der Zott-Joghurt-Werbung oder in irgendeiner Handwerker-Werbung, um die Vermittlung eines sorglosen Lebensgefühles geht. Das mit Southern Rock-Attitüden angehauchte "Southern Breeze" lebt vor allem durch das markante, eingestreute E-Gitarrenriff. Langsam fragt man sich: kommt da noch mal was anderes? Die Antwort ist: ja. Denn "Boozie Vivienne" beginnt mit ungewohnt härterem E-Gitarrenspiel, welches überhaupt in diesem Stück, gemessen an den restlichen Stücken dieser Platte, auffällig präsent ist. Stilmäßig ändert sich in den restlichen Klangbereichen - wie auch bei Track 10 - jedoch nichts.

Aber mit dem elften Stück wird es nochmal interessant. Denn hier liegt uns ja mal ein bluesiger Leckerbissen mit einem angenehm gesungenen Chorus vor - im positiven Sinne! Bleibt uns nun mit "Good Night" noch das Finale. Und das wird mit Contenancé in alteingesessener, Gentleman-Manier ehrwürdig mit sanften Akkustikgittarenklängen und einem sympathischen, angenehmen Herrengesang zelebriert. Ein insgesamt süßes Werk mit schönen, unkomplizierten Melodien, die uns an eines erinnern sollten: das Leben kann doch so unkompliziert sein. Möge "Fargo" dazu beitragen, dass diese Erinnerung zunehmend gefördert wird.


Trackliste:

01) Step Back
02) Leave It
03) Mind Your Own Business
04) Loser´s Blues
05) Buzz Buzz
06) Cross To Bear
07) Don´t Talk
08) Southern Breeze
09) Boozie Vivienne
10) What´s Wrong
11) Goddess Of Destiny
12) Good Night

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