Review

EWIG.ENDLICH - Auf Grund05.03.2018

EWIG.ENDLICH - Auf Grund

EWIG.ENDLICH - Auf Grund

verfasst von Henry E.-S.

Klingende Namen sind etwas Tolles. Dank Ihnen erinnert man sich eher an etwas. Ewig.Endlich ist keiner davon. Die Band wird aber trotzdem in den Musik-Annalen Einzug finden und das nicht nur, weil sie quasi zur Minderheit der Bands mit einem Punkt im Namen gehört. Als ich den Bandnamen gelesen habe, dachte ich zuerst an Gothic-Metal. Als zweites dann an Post-Black-Metal und bekam direkt wieder die Angst vor Enttäuschungen, die meine letzte Enttäuschung in diesem Genre (das letzte Album von Harakiri for the Sky) in mir ausgelöst hatte. Doch wahrlich ich sage euch: Mit Ewig.Endlich´s Debutalbum ist uns ein neuer Stern in der deutschsprachigen Post-Black-Metal-Szene erschienen, welchen wir so lange preisen werden, bis er wieder untergeht. Weil das Sterne halt nun mal tun.

Ist auch egal, weil du lieber Leser ja jetzt doch bestimmt wissen willst, warum ich hier mit Vorschusslorbeeren die Wände zu kleistere. Nun, Ewig.Endlich verbindet zwei Sachen, die ich ganz doll mag: Auf der einen Seite haben wir Post-Black-Metal. Und auf der anderen Screamo. Und alles wird regelmäßig mit Post-Hardcore gewürzt. Screamo? Mal ein kleiner Exkurs, weil ich genau weiß, dass den Begriff nicht so viele Leute kennen: Screamo ist platt gesprochen eine Mischung aus Emo und Hardcore und sehr "Emotionalem" Gesang. Beispiele hierfür wären Funeral Dinner und Escapado. Und was heißt das für Ewig.Endlich`s Debutalbum "Auf Grund"? Wir haben hier eigentlich die deutsche Antwort auf Deafheaven, denn so ist der Grund-Black-Metal der Platte aufgebaut: Sehr melodiös mit der Tendenz, gerne mal rum zu spinnen und eher wie etwas zu wirken, was man sich guten Gewissens für Gute Laune bei 30 Grad am Strand anhören kann. Allerdings haben Ewig.Endlich es nicht dabei belassen, wie dass schnöde Kopierbands (wie Askings Alexandria mit jedem ihrer eigenen Songs)tun würden. Nein. Ewig.Endlich haben ja auch noch Post-Hardcore-Elemente in ihrem Sound. Und die haben eine ähnliche Aufgabe wie im Sludge: Den Groove! Man kann sagen was man will, aber Ewig.Endlich streut ständig den Groove mit rein. Und das passt. Dieser wird zwar regelmäßig durch die mehr Raum einnehmenden Black-Metal-Passagen gekonnt unterbrochen, existiert aber gleichwertig zum Black Metal. Ich will jetzt keine Klischees ausbreiten, aber ich finde man hört es Ewig.Endlich an, dass sie aus Deutschland kommen. Denn es ist regelmäßig da und schwer zu überhören, dass Neue Deutsche Härte-Stampfen. Das sollten mal ruhig noch mehr Bands machen! War da noch was? Sorry, hab mitten drin schon wieder "Auf Grund" eingeworfen und nicht mehr aufgepasst, weil es so geil ist. Also, da ist ja aber noch die Geschichte mit dem Screamo bei Ewig.Endlich. Gehen wir die Geschichte mal so an: Post-Black-Metal wird schon dumm von anderen Black-Metallern angeguckt, weil er auf das ewig Düstere pfeift und eher auf Emotionales und Dinge wie Naturschönheit setzt. Was kommt jetzt dabei raus, wenn wir in einem großen physikalischen Experiment auf dieses Post-Black-Metal-Atom ein Screamo-Teilchen, mit seinem Emo-Elektron ballern lassen? Richtig! Der Oldscool-Black-Metal-Fan verlässt fluchtartig den Raum.

Und für die die drin geblieben sind erklärt sich beim Sänger wie von selbst, warum ein außerordentlich geglücktes Experiment ist: Sein Screaming transportiert brillant die Atmosphäre der Songs und ihrer Lyrics. Und diese Lyrics haben es in sich. Ich möchte hier nur auf einen Song als Beispiel eingehen, Track 4 Bekenntnis. Die Lyrics sind ein Bekenntnis entgegen dem Zynismus und dem Weltschmerz. Die Lyrics sagen Ja zur Hoffnung an eine bessere Welt. Und diese positive Grundeinstellung zieht sich durch das ganze Album. Und ja, wir sind hier immer noch im Post-Black-Metal. Zur Produktion kann und muss man nur eine Sache sagen: Nikita Kamprad, dass Der Weg einer Freiheit Mastermind hat dieses edle Stück Musik gemixed und gemasterd. ´Noth said. Mein EINZIGER Kritikpunkt an "Auf Grund" betrifft einen gesprochenen Abschnitt in Track 5 Schwarz und Stern: Die Betonung ist etwas unpassend. Aber diesen Punkt darf und soll man verkraften. Ewig.Endlich´s Debut Auf Grund ist verdammt nochmal der Shit des Monats! Und wenn ich euch immer noch nicht hab, dann vielleicht damit: Wenn es eine Metalcore-Band gab, auf die sich jeder einigen konnte, weil sie richtig gut war, dann war dass Narziss. Wenn dir Narziss gefällt, dann auch Ewig.Endlich. Und jetzt entschuldigt mich, muss morgen früh raus - und muss allen Menschen ungefragt Ewig.Endlich ins Gesicht drücken!

Tracklist:

01. Menschenkind
02. In anderen Spiegeln
03. Limes
04. Bekenntnis
05. Schwarz und Stern
06. Neon und Asphalt
07. Abend
08. Morgen
09. Dir

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1247