Review

Eldritch - Cracksleep25.03.2018

Eldritch - Cracksleep

Eldritch - Cracksleep

verfasst von Henry E.-S.


Und damit habe ich sie in den Griffeln: Meine erste Power Metal-Platte des jungen Jahres. Ich will echt mal wissen, wie man auf so einen Bandnamen kommt. Weil einen das an H. P. Lovecraft erinnert? Egal, Schwierigkeiten mit dem Patentamt werden Eldritch in nächster Zeit wohl nicht kriegen. Auch wegen einer kleinen Sache, die mich im Falle von Power Metal vorbelastet und wahrscheinlich auch euch unbewusst jedes mal vorbelastet, wenn ihr irgendwo das Stichwort Power Metal lest. Lasst mich mal dafür kurz eine überzeichnete/ironische Landschaft der deutschen Metalszene zeichnen: Es gibt die Scorpions, Rammstein, Ruhrpott-Trash, viele kleinere Metalherde, Mittelalter-Rock und mehr Power Metal-Bands als die Rote Armee Soldaten hatte. Halt, das Beispiel passt so nicht. Mehr Power Metal-Bands als Waffen in den USA. Ja, so wird ein Schuh aus dem Beispiel.

Power Metal geht mir nicht per se auf die Nerven. Ich habe bis jetzt eine ganze Menge der Bands mitgenommen und könnte gefühlte Monate damit zubringen, Kamelot, Sabaton und Halloween rauf und runter zu hören. Es gibt einfach viel zu viele schlechte Power Metal Bands. Aber was sagt da meine kaufmännische Ausbildung? So oder so ist Inflation immer scheiße. Aus diesem Ozean des Power Metal raus zu stechen, ist in etwa so einfach, wie wissenschaftliche Diskussionen im Bereich Quantenphysik gegen Stephen Hawking zu gewinnen (R.I.P. Stephen, warst echt ne coole Sau. Beste Grüße, das Team von Kalle-Rock). Wenn nach dir zumindest eine wieder erkennbare Wellenform benannt ist, ist das schon ein Grund für ein Volksfest. Und Eldritch haben es geschafft, dass mit Cracksleep es wohl ein ganzer Teilabschnitt des Power Metal Ozeans wird.

Die Italiener von Eldritch schippern zwar schon eine Weile über diesen Ozean, aber dieses Album hats einfach. Was auch einfach gesagt ist, da ich (mal wieder) absolut nichts von dieser Band im Vorfeld gehört hab. Trotzdem macht Cracksleep alles richtig. Und da ist das Intro noch vergleichsweise austauschbar. Aber das eigentliche Album steht ohne Probleme in erster Reihe neben Sonata Arctica, Sabaton und Kamelot (bei letzterem natürlich die guten Scheiben mit dem alten Sänger Roy Kahn. Komm bitte wieder zurück, Roy. Wir vermissen dich). Die Platte ist einfach melodiös as FUCK. Wirklich! Melodiöser wird's eigentlich nicht. Und das, obwohl Orchester-Einsatz für mich häufig ein K.O.-Kriterium ist. Hier passt einfach alles zusammen.

Eldritchs Kür liegt allerdings im Gitarren-Einsatz. Soll heißen: Es rollt und es stampft wie Iced Earth und es progt. Also jetzt nicht richtig Prog. Mehr so, dass die Gitarren regelmäßig sehr viel Freiraum für Improvisation bekommen. Aber auf italienische Art. Man hört dann doch irgendwie raus, dass da so eine kleiner Raum existieren muss, in den jede italienische Band rein muss und sich 30 mal hinter einander alle Rhapsody-Alben anhören muss. Trotzdem: Cracksleep ist schön. Einfach schön. Den einzigen Knackpunkt den ich gefunden habe, kann ich eigentlich auch nicht bringen, weil er hausgemacht ist: Ich steh halt beim Power Metal eher auf raueren Gesang und nicht unbedingt diesen Standard-Power-Metal-Gesang. Und die Themen der Lyrics sind dann doch etwas ausgelutscht. Aber egal. Das ist wirklich vollkommen egal, denn Cracksleep ist einfach schön. Es ist eine der schönsten Power Metal Scheiben die ich jemals gehört habe. Innovation geht zwar anders, aber wir reden hier von Power Metal. Cracksleep ist einfach schön. Punkt. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:
01. Cracksleep
02. Reset
03. Deep Frost
04. Aberration of Nature
05. My Breath
06. Silent Corner
07. As the Night Crawls in
09. Voices Calling
09. Staring at the Ceilling
10. Night Feelings
11. Hidden Friend

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