Review

EISREGEN - SATAN LIEBT DICH15.05.2018

EISREGEN - SATAN LIEBT DICH

EISREGEN - SATAN LIEBT DICH

verfasst von Tim


Schon längst haben die Thüringer Dark Metaller von "Eisregen" einen Kultstatus in der Metal-Szene inne. Warum das so ist, wird mithilfe der neuen EP "Satan Liebt Dich" mal wieder eindeutig bestätigt. Anhand dieser Veröffentlichung wird für den ein oder anderen zudem eine Weisheit offensichtlich: oftmals weisen EPs ein höheres Hitpotential als Alben auf.

Und die Hits sind auf dieser Platte - sowohl musikalisch als auch lyrisch - vorzufinden! Düster und psychisch verstörend führt uns dieses Werk mit "Fahlmondmörder" in seine kranke Gedankenwelt ein, in die man sich jedoch fasziniert und mit einem Rückenschauer hineinbegibt. Das liegt nicht nur an den bösen, spannenden Lyrics, sondern auch an der guten, musikalischen Darbietung. Da hört man in den ersten Anfangssekunden ein Flüstern im Kerker, gefolgt von Michael Roths fiesem Gekrächze mit diabolischer, aber spannender Lyrik und einem Chorus, der einem das Gefühl einer satanischen Beschwörung vermittelt. Textlich verstörend, düster und mitreißend ist auch der Titeltrack "Satan Liebt Dich". Der Erzählcharakter in diesem Stück mit passender musikalischer Untermalung sowie den ins Ohr fräsenden Drumparts sorgen dafür - und das ohne großartiges Gegrunze, Gekeife oder Gegrowle.

Interessant und verstörend lustig wird es bei Track 3 und 4. Beide Stücke sind von der Spielweise und vom Klang her äußerst identisch und befassen sich thematisch mit dem ehemaligen, bekannten Serienmörder Fritz Haarmann. Auch hier sind Eisregen - welch Überraschung - lyrisch böse. Mit einem entscheidenden Unterschied: der musikalisch-fröhliche Charakter dieser Stücke mit den zweideutig zu verstehenden sowie derben Texten und dem Gekeife von Herrn Roth lassen den Hörer fragen: soll ich dazu lachen oder weinen? Meine Antwort: ich weiß es nicht. Aber Hits sind diese beiden Stücke aufgrund der Kombination aus fröhlicher Musik und der vokalistisch-diabolischer Beilage abermals.

Der nächste positive Schocker erwartet uns mit dem fünften Track "For God Your Soul". Hallo? Eine vokalistische Darbietung in englischer Sprache. Dieses gelungene Stück erinnert von der gesamten, musikalischen Stilistik an amerikanische Death Metal-Bands a lá Cannibal Corpse. Eine positive Seite, die ich von den Thüringer Herren ja noch gar nicht kenne... Nach diesem kleinen, positiven Kulturschock entzückt "Mein Eichensarg" mit zunächst mit computerhaft-klingenden, elektronischen Beats, die dann abdrupt in gnadenloses Death Metal-Geschreddere mit vokalistischem Gegrowle münden. Obwohl nach dem Elektrobeat musikalisch geschreddert wird, finden sich in dem Schredder-Salat auch abwechslungsreiche Parts.

Dann bleiben am Ende nur noch "13 russische Krebsschweine". Neben dem fiesen Gesang samt düsteren Lyrics der "Blutkehle" weiß man bei diesem Stück auch wiederum nicht: soll man weinen oder lachen? Denn auch hier gilt: abgesehen vom Gesang dringen in unser Ohr hauptsächlich unauffällige, vernünftige Instrumentalparts, die nicht nach Tod, Verrottung oder Schmerzen klingen. Das Sahnehäubchen wird durch einen Part in russischem Stil gesetzt, der dieses Stück nochmal mit Nachdruck ein eigenes Image verpasst. Schön, dass "Eisregen" uns noch positiv überraschen können!


Trackliste:

01) Fahlmondmörder
02) Satan Liebt Dich
03) Onkel Fritze
04) Menschenmetzger Fritz (Transilvanian Beef Club)
05) For God Your Soul
06) Mein Eichensarg (Schirenc plays Eisregen)
07) 13 Russische Krebsschweine

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