Review

EISREGEN - Fegefeuer30.10.2018

EISREGEN - Fegefeuer

EISREGEN - Fegefeuer

verfasst von Henry E.-S.

Jaja, es ist soweit. Da guckt man nach "Schlangensonne" mal eine Zeit lang nicht hin und schon hat mir nichts dir nichts Eisregen einen Haufen neuer Alben in die Welt geschossen. Das aktuellste Album der Thüringer liegt uns nun mit "Fegefeuer" vor. 11 Tracks und 4 Cover (Letztere fallen aus dieser Betrachtung heraus. Sie sind auch nur so lala) warten nun auf den interessierten Hörer, bereits entdeckt zu werden. Würde da nicht direkt der Intro-Track "Vorhölle" schon etwas rum nerven.

Nichts gegen Orchestrale Intros, aber das permanente hinführen zu einem typischen Übergangs-crescendo, nur um dann wieder weiter zu machen und nicht über zu gehen, dass nervt echt. Aber gut, gehen wir zum ersten richtigen Track 2 "Fegefeuer", der direkt eine musikalisch (für mich) neue Seite an Eisregen aufzeigt. Eisregen waren ja anfangs einer der Vertreter des Dark Metal. Das sind sie immer noch, aber sie haben - und da freu ich mich tierisch - die Black Metal-Daumenschrauben deutlich angezogen. Der Track rumpelt los mit Blastbeats, Death Metal-Energie und eben den raus hörbaren Black Metal-Riffs. Und das ist schön. Der Track funktioniert und ist musikalisch sehr schön, aber er zeigt auch, was an Eisregen's neuer Platte gerne mal in vollem Galopp dem eigenen Pferd die Beine wegzieht. Die Lyrics fallen gerne mal komplett unerwartet auf die Fresse.

Und da haperts echt immer nur an einigen Worten, die das textliche Niveau auf das Intellektuelle Niveau eines Drittklässlers herunter ziehen. Diese Problematik geht auch bei Track 3 "Knochentorte" weiter. Musikalisch ist es ein feiner Track, der gekonnt die Rythmen durch wechselt und sehr viel Atmosphäre aus den eingesetzten Black Metal-Elementen zieht. Aber textlich ... Egal wie sehr Michael "Blutkehle" Roth auch meint, dass die Texte ironisch oder auch mal Splatterfilm-artig sein: Irgendwann wird es einfach doof. Noch ein Beispiel gefällig? Track 4 "Oben auf dem Leichenberg". Ein schöner Black Metal Song mit einem geilen Anfang, immens viel Energie und dem Potential zu einem Depressive Suicidal Black Metal-Track zu werden. Wenn die Lyrics passen würden. Aber bei denen zuckt man nur mit der Schulter und fragt sich, wie oft Roth am Tag "Fleisch" oder "Blut" sagt. Dass das Ganze aber auch anderes gehen kann, zeigt Track 5 "Alice im Wundenland" der zum Stärksten gehört, was Eisregen jemals gemacht haben.

Klassischer Dark Metal mit guten Lyrics und diesem tiefen Klargesang, denn ich einfach häufiger hören will. Was nur mies auffällt, ist eine ruhige Stelle im Song, in der Roths Stimme etwas zu sehr verreckt, was eher nach einer peinlichen Anbiederung an Bethlehem klingt. Track 6 "Axtmann" überspringen wir mal aus Gründen die da heißen typischer, solider Eisregen Splatter-Track. Ebenso verhält es sich mit Track 7 "Es lauert" welcher auf solider Art Black Metal- und Neue Deutsche Härte-Elemente aufeinander treffen lässt. Ebenso solide, aber nicht beeindruckend sind die Tracks 10 und 11. Nun gehen wir aber auf das ein, was diese Platte ist und was Eisregen ist: Ein ständiges Auf und Ab, ein Wechselbad der Qualität. Track 8 '"Opfer" ist für mich der verdammt beste Track den Eisregen jemals geschrieben haben!

Es passt alles zusammen und man hört ganz deutlich, warum Eisregen diese Depressive Black Metal-Welle etwas vorweg genommen haben. Der Track ist so schön melancholisch und erschafft Bilder im Kopf des Hörers. Besser geht es kaum! Dafür schlechter alle mal: Track 9 "Die Bruderschaft des 7. Tages". Der Track mag zwar musikalisch etwas in den Doom rüber schwappen und nicht ganz Scheiße sein, aber. Aber, aber, aber: Die Lyrics! Der gesprochene Anfang ist noch nicht mal lustig, er ist einfach nur Grundschulniveau und zieht den ganzen Track nach unten. Das geht nicht! "Fegefeuer" geht Schritte in die richtige Richtung, hin zu mehr Black Metal-Elemente und ausgefallenen Songstrukturen, welche das Melancholische mehr betonen. "Fegefeuer" zeigt aber auch, woran es hapert. Und das ist nicht der Sänger, sondern seine Lyrics. Mann sollte ihn einfach mal bremsen und ihn noch einmal drüber schlafen lassen, bevor er Totalausfälle einbaut. Können tut er es ja. "Fegefeuer" hat Lichtblicke, einen Meilenstein, Solides, aber auch einige Autounfälle und eine Vollkatastrophe.

Dementsprechend kann nur eingeschränkt empfohlen werden. Aber wenigstens "Opfer" hat sicher jeder anzuhören. JEDER! Und zwar JETZT! Hör auf zu lesen und hör dir den Track an! NUN MACH SCHON! Machs jetzt, dank mir später. Den Rest musst du dir nicht anhören. Auch nicht die Cover, die zwar nett sind, aber die Originale sind besser. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab ein freies Wochenende.


Tracklist:

01. Vorhölle
02. Fegefeuer
03. Knochentorte
04. Oben auf dem Leichenberg
05. Alice im Wundenland
06. Axtmann
07. Es lauert
08. Opfer
09. Die Bruderschaft des 7. Tages
10. Fahlmondmörder
11. Ich mach dich bleich
12. The gate of nanna (Beherit Cover)a
13. Black Magic Mushrooms (Mysticum)
14. Das 4.Tier ass den Mutterwitz (Bethlehem)

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