Review

DIRTY CONNECTIONS - Sextreme Dynamite04.11.2015

DIRTY CONNECTIONS - Sextreme Dynamite

DIRTY CONNECTIONS - Sextreme Dynamite

verfasst von Karla the Fox

Dieses Album von den Metalfrischlingen Dirty Connections lag bei mir einen kompletten Monat im Auto und ich kam nicht dazu, ein angemessenes Review darüber zu schreiben... weil die Platte so gute Laune auf der Autobahn macht, dass ich sie nicht aus der Anlage rausholen wollte und nie in die Texte oder sonstwas reinlesen konnte. Endlich habe ich das geschafft und nun bekommt ihr das Ergebnis.

Der erste Eindruck: Too Fast For Love! In dieser Platte steckt sehr viel von der Crüe und ihren Nachfolgern vom Sunset Strip drin, absichtlich wie unabsichtlich. Das geilste ist das Unabsichtliche, nämlich die noch etwas raue Rangehensweise an eine Musik, die sich noch nach oben aufbauen und Massen begeistern kann. Dirty Connections vertreiben wie ihre Vorgänger damals, dieses Debut noch in Eigenregie. Nach den Meinungen von Fans und Kritikern könnte es aber sein, dass sie schon sehr bald Unterstützung bekommen. Ob die Rebellen sich deren Hilfe dann aber gefallen lassen?

Es bedarf nicht viel Scharfsinn, um zu erkennen, worauf diese Kerlchen scharf sind. Drei nackte Frauen räkeln sich zu Füßen der Comicversionen der Bandmitglieder, hinter ihnen eine Stadt in Flammen. Sextreme im Vordergrund, wahrscheinlich ne Dynamitexplosion im Hintergrund...  Bandleader Randy, Frontsänger Nick, Basser Tommy und Drummer Wenne haben wirklich ein Händchen für Effekte, die ohne viel Aufwand einem Song etwas Besonderes geben. Damit meine ich den Einsatz von Pausen, die Backgroundshouts in den Refrains, eingesprochene Textzeilen (nur den am Ende von "Midnight Shocker" finde ich unpassend), die Einstellung ihrer Instrumente und so weiter. Es gibt zwei Songs mit Cowbells, zwei die den Einsatz von Keys verwenden, der Rest ist auf gewisse Weise immer gleich, auf eine charmante naive Art, die sagt: Wir geben nen Fuck auf Sauberkeit oder was überhaupt irgendwer über uns sagt, wir rocken den Club in Grund und Boden! Gemixt wurde das Projekt von Marco Brinkmann, der wirklich einen grandiosen Job gemacht hat, was die Stereoeffekte und Co. angeht. Die Art, wie Dirty Connections ihre Instrumente spielen, hat Einflüsse aus dem Hair Metal der ersten Generation, wild gemischt mit dem aktuellerer Acts. Ihren eigenen Stil finden sie dagegen in Nicks Gesang oder den häufigen Wiederholungen von Zeilen, die leicht mitzusingen sind. Beides spricht vor allem für die Livetauglichkeit der Band.

Mit "Too Much For You" machen Randy und Kumpane sofort klar, mit wem man es zu tun hat. 'Zu Gast' ist hier Lyriker Jizzy, der gemeinsam mit Tommy auch noch den Text zu "Wildest Night" verfasst hat. Der Rest der Songs stammt vollkommen aus der Feder von Tommy und Randy, bei der Ballade "No More" war Sänger Nick mit am Stift. In "Reckless" gibt es ein "Hey!"-Rufen, das man wirklich schon tausend Mal gehört hat, das aber jedes Mal wieder funktioniert und alle mit einbezieht. Der Song "Wasted Ones" beinhaltet meine erste lyrische Lieblingsstelle. Insgesamt darf man auf Text nicht viel geben bei solchen Projekten, doch manche Teile sind einfach so auf den Punkt gebracht, das ist auch wieder eine Kunst: "Now we are drunk as hell and high as fuck/ Taking shot after shot, pushing our luck/ We are lost and damned - Living for today/ LIVE FAST- DIE YOUNG! - That's our Way!" Ähm ja, das ist wohl kurzgefasst die Lebensphilosophie dieser Rocker.

"No More" ist die einzige richtige Ballade des Albums. Wenn Nick sein "Now we're both alone" singt, wird ein weiteres mal bewiesen, dass Metalsänger keine Gesangausbildung brauchen um was rüberzubringen. "Wildest Night" finde ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, ziemlich geil. Es ist pervers, es ist mindestens so dreckig gespielt,...yeah! Kann man nix gegen machen. "Trash Queen" hat da etwas weniger Aussagekraft, doch eine verzweifelte Liebesode an eine Go-Go-Tänzerin oder was auch immer, mh, das bleibt ein Klassiker. Dass die Jungs das Umgangssprachliche Wort für Dollar, 'bugs', mit x schreiben ('bux'), nenne ich mal konsequent. Wer braucht schon das ABC zu lernen? Wir schreiben eh alles mit dem XYZ. Beim zehnten Song "SEX.X.X." sogar gleich mit drei Stück...(müsst ihr euch aber wie ein Echo vorstellen). Davor gibt es zum Glück noch "Midnight Shocker" und "Do It". Bei diesen Nummern haben Dirty Connections auch künstlerisch ziemlich was gerissen. "Midnight Shocker" geht nämlich auf Steel Panther-Wegen, da wird aus dem Thema Orgasmus ein wunderschön komponiertes und gesungenes Lied gezaubert, beinahe zart im Vergleich zum Rest, melodisch und sanft. Und "Do It" ist ein krasser Einschnitt. Der Song fällt immer auf, auch wenn man sonst abschaltet, es geht um einen Selbstmordversuch, es bleibt offen, ob dieser gelingt und dieses Gewirr aus Geisterstimmen über einem einsamen Bass ist so simpel wie passend. Die letzte Nummer heißt "Say Goodbye To Romance". Gut, vom Titel passt es, aber ich hätte diesen Song schmerzvoller gemacht. Oder aggressiver, eins von beiden, aber egal. Es ist zu spät und der Gesamteindruck ist nicht schlecht. Fans des Sleaze Rock Lifestyle werden sich auf jeden Fall angesprochen fühlen.

Fazit: Mir gefällt der raue Charme dieser ganzen Geschichte. Ich muss hin und wieder schmunzeln oder meine, das Intro eines anderen Songs zu hören, doch dann ist irgendetwas wieder komplett anders und vergessen ist der Verdacht. Richtig geil zum Boxen aufdrehen und Party machen. Sie müssen sich irgendwie noch finden und wissen noch nicht so ganz, wozu sie fähig sind, doch Dirty Connections sind ganz sicher eine Band, deren Entwicklung ich sehr genau beobachten werde.

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